Verdrehte Köpfe: 'My Week With Marilyn' Blu-ray Review


Wenn man sich Simon Curtis' My Week With Marilyn ansieht, fragt man sich zu allererst, weshalb noch niemand vor ihm auf die Idee kam, diesen Stoff zu verfilmen. Curtis' Film hat nämlich all das, was vor allem Kritiker zur Awards Season so gerne sehen: Eine Geschichte mit wahrem Hintergrund, tolle Darsteller, die in große Fußstapfen treten, eine tolle Ausstattung und besonders für die US-Kritiker handelt es sich fast auch noch um einen fremdsprachigen Film. Zum Ende des Jahres wird ohnehin alles irgendwie besinnlicher, da konzentriert man sich nicht etwa auf große Blockbuster wie im Sommer, sondern auf kleine Autorenfilme, die einfach dieses gewisse Etwas haben, das man erkennt und sofort "Oscar-Material!" schreit. Genau so erging es My Week With Marilyn dann auch, denn Michelle Williams erhielt für ihre Rolle als Marilyn Monroe eine Nominierung als beste Hauptdarstellerin. Auch Kenneth Branagh erhielt für seine Rolle als Sir Laurence Olivier eine Nominierung. In beiden Fällen blieb es allerdings bei der Nominierung.

Genau so verhält es sich auch mit dem Film selbst. Sicherlich, die Geschichte um den jungen Colin Clark (Eddie Redmayne), der unbedingt beim Film arbeiten will und deshalb alles tut, um für Laurence Olivier (Branagh) zu arbeiten und schließlich Marilyn Monroe am Set von The Prince and the Showgirl trifft, ist nicht uninteressant und lebt von seinen tollen Darstellern. So richtig will der Funke aber zu keinem Zeitpunkt überspringen, was auch daran liegt, dass sich My Week With Marilyn nie aus gewohnte Bahnen loslöst und etwas Eigenes auf die Beine stellt. Alles plätschert mehr oder weniger vor sich hin, die Geschichte kann nicht wirklich fesseln, auch wenn sie auf wahren Begebenheiten beruhen soll (ohnehin ist ja nicht gesagt, dass diese Geschichten die besseren sind). Williams und Redmayne harmonieren gut, schrammen aber des Öfteren nur knapp am Overacting vorbei. Das ist alles etwas zu viel des Guten, kann man getrost sagen – und das auf den ganzen Film bezogen.

Curtis verschenkt aber auch viel Potential, denn genau so schnell wie er Emma Watson als eigentliches love interest von Colin einführt, so schnell verschwindet sie wieder im Hintergrund. Ja, diese Marilyn verdreht allen den Kopf, besonders den jungen Männern dieser Welt, die trotz gutem Elternhaus einfach mal fünf grade sein lassen und sich ihrem Verlangen hingeben, egal welche Konsequenzen das Ganze hat. Das selbe gilt für Judi Dench, die über einige wenige Szenen nicht hinauskommt (was teilweise auch auf Terminprobleme zurückzuführen ist) oder Julia Ormond, die mit ihrem Mann Laurence Olivier einige Male Händchen halten darf. Warum sich die Produzenten um die Weinstein Bros. für ein R-Rating entschieden haben, bleibt auch schleierhaft, denn die vielen forcierten Kraftausdrücke wirken angesichts der Geschichte fast schon wie Fremdkörper und wären absolut nicht nötig gewesen, zumal es den Humor nicht wirklich fördert. My Week With Marilyn ist ein gut gemeinter Film, der leider an der Umsetzung und seiner etwas zu seichten Geschichte krankt. In Erinnerung bleibt vor allem ein toller Eddie Redmayne. (6.5/10)

Die Blu-ray aus dem Hause Ascot Elite ist seit dem 06. November erhältlich (Amazon-Partnerlink). Bild und Ton sind ordentlich, auch wenn vor allem der Center-Kanal deutlich lauter hätte abgemischt werden können. Neben einem Making-of, einem Featurette und einem Audiokommentar von Regisseur Simon Curtis gibt es auch noch den Trailer und eine Trailershow mit weiteren Filmen aus dem Programm von Ascot Elite.


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Tot oder lebendig: 'The Walking Dead' Season 2 Blu-ray Review


Ich muss gestehen, dass ich nach Season 1 kein allzu großer Freund von The Walking Dead war. Sicher, die Serie macht Spaß und man verfolgt sie gern. Dank der Cliffhanger will man – wenn man sie auf Blu-ray schaut – auch immer wissen, wie es weitergeht und drückt dann doch noch eine Episode durch, auch wenn man eigentlich schon hundemüde ist. Und dennoch, das gewisse Etwas, das eine wirklich tolle Serie ausmacht, fehlte mir. Die Charaktere sind mir nie wirklich ans Herz gewachsen, das Zombie-Setting halte ich für ziemlich ausgelutscht und auch die Handlung drehte sich nicht selten im Kreis. Nach dem Season Finale war kein Verlangen nach Mehr da; ich habe nicht die Zeit bis zu den neuen Episoden gezählt und hatte auch kein Problem damit ein ganzes Jahr auf Season 2 warten zu müssen. Auf die Veröffentlichung der zweiten Staffel habe ich mich dann aber doch ein klein wenig gefreut, je näher sie rückte. Und siehe da, ich nehme es gleich vorweg: Mit Season 2 konnte The Walking Dead deutlich punkten, denn sie hat mir ein ganzes Stück weit besser gefallen als noch Season 1.

Doch bis dahin war es ein langer Weg, denn Season 2 beginnt zwar recht stark, hat in der Mitte aber mehr als nur einen großen Durchhänger. Das größte Problem der Season ist dabei die Tatsache, dass sie streckenweise zur Soap verkommt, was sich vor allem in Lori (Sarah Wayne Callies) manifestiert. Ständig hat sie etwas rumzunörgeln und ging damit offensichtlich nicht nur mir gehörig auf die Nerven. Die ganze Entwicklung rund um sie, Rick (Andrew Lincoln) und Shane (Jon Bernthal) riecht dabei auch viel zu sehr nach Papier – hier haben es die Autoren deutlich übertrieben! Bestimmt vier oder fünf Folgen wird man mit ihren Problemen konfrontiert, als gäbe es nichts Wichtigeres auf dieser entrückten Welt. Doch es bleibt nicht nur bei Lori und ihren 'Problemen', die Autoren gehen leider noch einen Schritt weiter und versuchen sich auch an Carl (Chandler Riggs), der den Vogel dann auch nicht nur ein Mal abschießt! Das sind wirklich jene Momente, in denen die Serie ein Niveau erreicht, das nicht selten an drittklassige Daily Soaps erinnert.

Glücklicherweise schlägt The Walking Dead bald schon eine andere Richtung ein – und von hier an kann es dann auch nur noch Bergauf gehen, weil man sich wieder auf essentielle Fragen und Figuren fokussiert. Es werden sogar einige Entscheidungen getroffen, die man durchaus als 'ballsy' bezeichnen kann, weil einige Hauptfiguren geopfert werden, bei denen man einerseits geschockt ist, andererseits aber erkennt, dass es längst überfällig war. Ohnehin gelingt es Season 2 immer wieder – wenn auch nur in teils kurzen, aber nicht minder emotionalen Momenten – auf Figuren näher einzugehen, die es mehr als verdient haben und zu den interessantesten überhaupt zählen. So wird beispielsweise Daryl (Norman Reedus) die Aufmerksamkeit zuteil, die längst überfällig war. Selbiges gilt für Glenn (Steven Yeun), einer der sympathischsten Figuren der ganzen Serie. Es ist schön anzusehen, wie die Serie mit der Erwartungshaltung seiner Zuschauer spielt und Ereignisse vorwegnimmt, die man eigentlich erst im Finale oder gar nicht erwartet hätte.

Es ist natürlich schwer, Season 2 ohne Spoiler zu besprechen, denn es wäre besonders interessant, auf einzelne Aspekte und Wendungen der Serie einzugehen (wie es viele meiner Kollegen tun, die jede einzelne Episode mit Spoilern besprechen). Nicht, dass es davon allzu viele geben würde, aber da die Serie auch einem gewissen Muster folgt, nämlich den Comics (jedenfalls mehr oder weniger), muss man sich durch vieles erst 'durchbeißen', um zur Auflösung des Ganzen zu gelangen. Das ist manchmal äußerst zäh, am Ende aber (hoffentlich) doch lohnenswert. Ich bin jedenfalls wieder in jener Gefühlslage angekommen, in der ich mich nach Season 1 befand: Ich würde die neuen Episoden gerne sehen, habe aber auch absolut kein Problem damit, wieder ein Jahr auf die nächste Staffel zu warten. (8/10)

Die Blu-ray von WVG Medien ist am 05. November erschienen (Amazon-Partnerlink) und ist dieses Mal komplett uncut (und das, obwohl man meiner Meinung nach die Gewaltschraube deutlich angezogen hat) wohl ebenfalls nicht ganz uncut (wobei das diskussionswürdig ist). Das ist dann aber auch schon die einzige erfreuliche Nachricht, denn vor allem das Bild ist leider nicht wirklich gut geworden. Das Ausgangsmaterial ist nicht das beste (16mm), ja, und man will bewusst diesen schmutzigen Look haben, aber das Bild rauscht dennoch an nahezu allen Ecken und Kanten. Der Schwarzwert könnte deutlich besser sein und auch die Schärfe ist nur in wirklich hellen Szenen und Closeups überzeugend. Der (englische) Ton hingegen ist gelungen, macht an den passenden Stellen auch mal Druck. Nur den Center hätte man etwas besser mastern können, denn die Dialoge sind leider permanent zu leise. Das Bonusmaterial von insgesamt 100 Minuten macht aber einiges wieder wett. Und einen Schuber über das Case gibt es auch noch.


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Der Gentleman unter den Killern: 'Killer Joe' Blu-ray Review


Ganze sechs Jahre ist es schon wieder her, als William Friedkin seinen Paranoiathriller Bug in die Kinos brachte. Nun meldet er sich mit Killer Joe zurück, einem Film, der bereits im Vorfeld für viel Aufsehen sorgte. Ein R-Rating wollte ihm die MPAA nicht geben, stattdessen gab es das gefürchtete NC-17-Rating, was natürlich seine Runden machte. Auf dem diesjährigen Fantasy Filmfest freute man sich dann auch besonders, dass man Friedkins Neuen zu sehen bekam – ungeschnitten natürlich. Der Tenor war dann auch recht einstimmig, Friedkin melde sich mit einem Paukenschlag zurück und der titelgebende Killer Joe Matthew McConaughey habe eine der Rollen seines Lebens. Man muss ihnen durchaus zustimmen, denn Killer Joe hält nicht nur, was er verspricht, sondern hat auch noch einen McConaughey, den man nach dieser Rolle nie wieder so sehen wird wie zuvor. Es ist in erster Linie McConaugheys Film, der eine Präsenz an den Tag legt, die ihresgleichen sucht. Sicher, die Figur ist sehr gut geschrieben, aber McConaughey verleiht ihr zusätzlich eine Intensität, dass es einem kalt den Rücken hinunterläuft.

Da steht er, mit Hut, Mantel und Handschuhen bewaffnet und einem Akzent, der das alles noch verstärkt. Vielleicht denkt man kurz, dass er auch nur einer dieser Trailer-Park-Jungs ist, die viel Bier saufen und ihre Frauen schlagen, aber nein, nicht Joe Cooper; er ist so etwas wie der kultivierte Gentleman unter dem White Trash. Es ist gerade diese Ambivalenz, die die Figur Joes ausmacht – irgendwo zwischen kultiviert und roh reiht sie sich ein. Bis zuletzt glaubt man irgendwie, dass dieser Mann des Gesetzes trotz seines Nebenjobs ein Mann der Ehre ist. Und irgendwie ist er das auch. Auf eine ganz komische Art und Weise. Seine Taten sind abscheulich, aber wie er sie begeht und rechtfertigt ist das Interessante an Friedkins Film. Dabei wird natürlich wie immer heißer gekocht als gegessen, denn Killer Joe ist zwar roh und hart, aber keinesfalls ein Film, dem man die Freigabe verweigert (wie hierzulande). Dass Friedkin in den USA das NC-17-Rating hinnehmen musste, verwundert angesichts der nackten Tatsachen nicht. Dass der FSK hierzulande aber der schwarze Humor des Ganzen völlig abgeht, ist schon ein Trauerspiel.

Friedkin macht im Laufe des Filmes kein Hehl darauf, dass es sich bei der Verfilmung des Theaterstücks Killer Joe um eine schwarze Komödie handelt. So hart das streckenweise auch klingen mag, so nachvollziehbar ist es wiederum in gewissen Momenten. Kein Filmmoment hat mich in diesem Jahr so lauthals zum Lachen gebracht wie der Höhepunkt von Killer Joe, der für die FSK ausschlaggebend war, dem Film die Freigabe zu verweigern. Und Friedkin, der sich dazu geäußert hat, hat natürlich recht: Es ist unmöglich jene Szene so zu schneiden, ohne dass die Wirkung völlig verloren gehen würde. Das bemerkt jeder, der den Film in der ungeschnittenen Fassung sieht – außer unseren deutschen Behörden natürlich. Es gibt so viele Anhaltspunkte, die verdeutlichen, dass es Friedkin hier nicht etwa um den Selbstzweck geht, sondern um einen rabenschwarzen Blick auf die amerikanische Familie, die als das Heiligste angesehen wird. Thomas Haden Church ist hier ein einziges White-Trash-Klischee, dito Gina Gershon.

Killer Joe ist ein Schlag in die Fresse, wie ihn Joe Cooper im Film des Öfteren austeilt. Man weiß manchmal nicht, ob das nun gerade wirklich so passiert oder ob man gerade einen surrealen Moment erlebt, wie jener in Neonfarben getauchte, wenn Emile Hirsch und Thomas Haden Church im Stripschuppen ein Bier trinken. Friedkin versteht es nämlich auch visuell ausgezeichnet eine permanent bedrohliche Atmosphäre aufrecht zu erhalten, die gleichzeitig abstößt, aber auch unglaublich fasziniert (der Regen, der kläffende Hund, das schmierige, asige Umfeld). Friedkin hat mit Killer Joe eine bitterböse Satire geschaffen, die brutaler Psychothriller, schwarze Komödie und packendes Schauspielkino zugleich ist. Nicht wundern, wenn man in einigen Wochen auf vielen Top-Ten-Listen "Suck it!" lesen wird – das passt so. (9/10)

Die Blu-ray von WVG Medien erscheint morgen (Amazon-Partnerlink) und ist nach einem langen hin und her in ungeschnittener Fassung erhältlich. Erst hieß es, dass es auch eine gekürzte FSK-18-Fasung geben würde; nachdem die FSK aber auch dieser Fassung die Freigabe verweigerte, bringt WVG Medien nun nur die SPIO/JK geprüfte Version auf den Markt. Mit dem Urteil 'keine schwere Jugendgefährdung' droht der Scheibe aber jederzeit eine Indizierung und sie müsste in solch einem Fall sofort aus dem Handel genommen werden. Davon abgesehen wird die Blu-ray dem Film technisch absolut gerecht, denn Bild und Ton können restlos überzeugen. Das Bild ist knackscharf (selbst in den vielen Nachtszenen) und der Ton sorgt an den richtigen Stellen für mächtig Druck. Die Erstauflage kommt zudem mit einem O-Card-Schuber.


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Tony Scott Retro: 'True Romance'


Es dauert ziemlich lange bis man ansatzweise erkennt, dass es sich bei True Romance um einen Film von Tony Scott handelt. Nur im Ansatz, weil zirka 80% des Filmes Tarantinos Sprache sprechen. Die restlichen 20% gehen auf Scotts Kappe (haha!), was man vor allem gegen Ende bemerkt. Erst hier gibt es schnelle hektische Schnitte (Shootout) und den einen oder anderen Dutch Angle (die lauschenden Cops, der angeschossene Clarence). Und die letzte Einstellung ist dann auch eine untergehende Sonne – da bedarf es dann auch keinen End Credits, die sagen, dass es sich um 'A Film by Tony Scott' handelt. Dass es weniger Scotts und vielmehr Tarantinos Film ist, ist gar nicht weiter schlimm, denn bereits The Last Boy Scout war mehr Black als Scott. Und auch für sein nächstes Werk, Crimson Tide, nahm Tarantino wieder die Feder in die Hand.

Es sind vor allem kleinere Details, die Scotts Handschrift tragen: Dennis Hopper hat einen Hund (Scott liebt Haustiere!) und während er sich sein legendäres Wortgefecht mit Christopher Walken liefert, läuft im Hintergrund 'Sous le dôme épais'. Scott führt mit True Romance quasi weiter, was er mit The Last Boy Scout angefangen hat, nämlich den harten Actionthriller mit viel comic relief, der nicht unbedingt seinen Stempel trägt, dessen Einfluss aber durchaus wahrnehmbar ist (Scott hat einige Änderungen an Tarantinos Drehbuch vorgenommen). True Romance hat keinerlei Alterserscheinungen und funktioniert auch fast 20 Jahre später noch perfekt – auch, weil ich mich bei Tom Sizemore immer noch regelmäßig wegschmeiße! Er ist und bleibt für mich (zusammen mit Chris Penn) das heimliche Highlight des Films.


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Home Sweet Home: 'Dream House' Blu-ray Review


Eine junge Familie zieht in ein Haus in Suburbia und kann ihr Glück kaum fassen. Bis sie recht schnell feststellen müssen, dass in ihrem neuen Zuhause ein Killer sein Unwesen getrieben hat und eine ganze Familie getötet hat. Klingt ziemlich generisch, ist es auch. Bis dahin ist Jim Sheridans Dream House eigentlich noch ganz ordentlich. Wir sehen Daniel Craig als erfolgreichen Publizisten und liebenden Familienvater (wann hat man Craig bitteschön mit zwei kleinen Mädchen auf dem Arm gesehen?), der mit einer wieder mal bildhübschen Rachel Weisz verheiratet ist und just seinen Job gekündigt hat, um an seinem Buch zu arbeiten. Der Score und die winterliche Kulisse lassen eine leichte Schwermut über die Bilder kommen, die durchaus zu gefallen weiß. Plötzlich gehen aber Dinge vor sich, die den Film schon bald ins Thriller- beziehungsweise Mysterygenre wechseln lassen. Craig und Weisz finden komische Zeichen an den Hauswänden und eine Gruppe Goths im Keller, die das fünfjährige Jubiläum der Morde zelebrieren. Von hier an ist die Richtung, die Dream House einschlagen wird, leider deutlich vorgegeben.

Das denkt man zumindest fürs Erste, denn Poster lässt schnell den Verdacht aufkommen, dass es sich um etwas Übernatürliches handelt, das im Haus sein Unwesen getrieben hat und es nun wieder aufs Neue treibt. Doch so viel sei vom Plot verraten, es handelt sich nicht etwa um etwas Übernatürliches, sondern um die alte Leier von Erinnerung, Schuld, Sühne und Identität. Sheridan war wohl der Ansicht, dass es reichen würde, Craig einfach etwas Pomade ins Haar zu geben, um ihn zu einem eigenen Alter Ego zu machen. Da fühlt man sich dann doch etwas verarscht, zumal die Auflösung des Ganzen ebenfalls generischer kaum sein könnte und so (oder so ähnlich) schon unzählige Male zu sehen war. Naomi Watts als Nachbarin von Craig und Weisz ist total verschenkt, mehr aber noch Bösewicht Elias Koteas (der immer mehr wie De Niro aussieht), dessen Screentime sich auf wenige Minuten beschränkt und für den sich der Film eigentlich so gut wie gar nicht interessiert. Dream House hat mit Craig eine sehr gute Wahl getroffen, denn er und sein intensives Spiel nicht wären, dann hätte man schon nach der Hälfte kapituliert.

Dream House riecht nach schnell runtergefilmter Studioproduktion, die größtenteils auch so aussieht. Sheridan gelingt der Spagat zwischen Thriller, Mystery und Drama nur partiell, dabei verschenkt er zudem unglaublich viel Potential, was seine Darsteller angeht. Sein Film lässt keine klare Linie erkennen und setzt auf laue set pieces und eine Auflösung, die keinen wirklich vom Hocker reißt. Die letzte Szene … geschenkt. Wenn man einen guten Tag hat, ist Dream House die pure Mediokrität, wenn nicht, dann ist es ein heißer Kandidat für die Flop 10 des Kinojahres 2012. (5/10)

Die Blu-ray von Universum Film ist seit dem 26. Oktober erhältlich (Amazon-Partnerlink) und bietet eine recht ordentliche Bild- und Tonqualität. Die Schneelandschaft gewinnt durch das HD-Bild zusätzlich, der Rest ist guter Durchschnitt. Die Dialoge hingegen sind meist etwas zu leise, so dass man deutlich aufdrehen muss, um auch in leisen Passagen alles zu verstehen. An Extras bietet die Blu-ray Interviews, Featurettes, eine Trailershow und natürlich ein Wendecover.


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Asymmetrische Prostata: 'Cosmopolis' Blu-ray Review


David Cronenbergs A Dangerous Method gehörte im letzten Jahr zu meinen heiß ersehntesten Filmen des Jahres. Das Ausgangsmaterial um die Freundschaft zwischen den beiden Psychoanalytikern Carl Jung und Sigmund Freud schien wie gemacht für den kanadischen Ausnahmeregisseur. Doch dann, nach der Sichtung, machte sich Enttäuschung breit. Nicht etwa, weil es kein richtiger Cronenberg-Film war, sondern weil es so schien, als hätte Cronenberg nicht wirklich viel Energie und Interesse in das Projekt gesteckt. Fast nichts von dem, was man aus seinen früheren Werken kennt, fand sich in diesem Film wieder. Hinzu kam das Spiel der von mir sonst sehr geschätzten Keira Knightley, das irgendwo zwischen genial und purem Overacting zu veranschlagen war. Die Hoffnung war also groß, dass Cronenberg mit seinem neuen Film Cosmopolis zu alter Form zurückkehren würde. Und das soll nicht etwa heißen, dass er bitteschön immer und immer wieder das gleiche machen soll, sondern erkennen lässt, dass der Film seine Handschrift trägt. Doch leider wurde dieser Wunsch einmal mehr nicht erfüllt. Viel mehr noch, er wurde regelrecht zerstört.

Cosmopolis, das ist ein Film, der so stark nach Papier riecht, dass es einem als Filmliebhaber nicht leicht fällt, das Ganze über die gesamte Dauer zu verfolgen. Zumindest aktiv. Der Film, der auf Don DeLillos gleichnamigem Roman basiert, funktioniert dementsprechend vielleicht als Buch oder als Theaterstück, aber nicht als Film. Es fehlt einfach die visuelle Komponente, die zwar vorhanden ist, in all den prätentiösen und selbstgefälligen Dialogen aber komplett untergeht. Und wenn mal etwas anderes als ein Dialog zwischen zwei äußerst starren Darstellern passiert, dann wurde es bereits im Trailer vorweggenommen. Stattdessen setzt Cronenberg auf Sex, wirre Dialoge und etwas Gewalt. Das klingt eigentlich nach genau den Zutaten, die einen Cronenberg ausmachen, nicht? Richtig, etwas erinnert Cosmopolis dann auch an Cronenbergs wohl verstörendsten Film Crash, mit dem Unterschied, dass Robert Pattinsons Limousine einen Totalcrash erleidet, der keinen Platz mehr für Interessantes lässt.

Vielleicht liegt das aber auch am Cronenberg-untypischen Cast, der mit Robert Pattinson bereits im Vornherein für viel Aufsehen sorgte. Während Pattinson zu Beginn noch eine unglaubliche schlechte und statische Leistung zeigt, macht er sich im Laufe des Filmes immerhin. Diesen Milliardenschweren Manager, der in seiner Limo durch Manhattan fährt, um sich einen neuen Haarschnitt verpassen zu lassen, verkörpert er mit der nötigen Arroganz und Selbstverliebtheit. Ganz im Gegensatz zu seinen Mit- und Gegenspielern wie Juliette Binoche, Mathieu Amalric und Paul Giamatti, deren Auftritte zum Teil ziemlich deplatziert und forciert wirken. Ihnen bleibt bei den schrecklichen Dialogen, irgendwo zwischen Finanzkrise, Dekadenz und Revolution, aber auch nicht viel Raum für eigene Ideen. Wenn man versteht, um was es überhaupt geht, dann wirkt das auf den Zuschauer so, als sähe man sich eine dreistündige schlechte Theater-Inszenierung an, die nur aus Dialogen besteht.

Bis man zusammen mit Pattinson bei Giamatti ankommt, hat man den Kampf schon längst aufgegeben und hofft nur noch, dass es bald zu Ende ist. Das Ende kommt dann auch endlich, abrupt und ohne wirkliche Auflösung. Natürlich war und ist das Kino des David Cronenberg stets sperrig, aber nicht auf diese künstliche Art und Weise. Cosmopolis hat nichts, was ihn auch nur irgendwie rehabilitieren würde. Er ist nichts weiter als eine 108-minütige Tour de Force im schlechtesten Sinne. Cronenberg hat damit entgegen der Erwartungen A Dangerous Method um Längen unterboten und ich hasse es zu sagen, aber auch einen der schlechtesten Filme des Jahres abgeliefert. (3.5/10)

Die Blu-ray von Ascot Elite erscheint am 29. Oktober (Amazon-Partnerlink) und ist bildttechnisch ebenfalls kein Highlight. Obwohl Cronenberg digital gedreht hat, sieht man davon auf der Blu-ray leider nicht viel. Das Bild ist durchschnittlich, ob der vielen dunklen Szenen – ein Großteil des Filmes spielt in der Nacht – gibt es keine wirklich Wow-Momente, denn auch der Schwarzwert könnte besser sein. Der Ton hingegen ist ordentlich, an den richtigen (aber quantitativ wenigen) Stellen bekommt auch der Subwoofer mal etwas zu tun. Bei den Extras kann die Blu-ray am stärksten punkten: Interviews, B-Roll, ein (wirr zusammengeschnittener) Berlinale-Clip von der Premiere und eine Trailershow runden die Scheibe ab.


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Hall of Famer: 'Henry: Portrait of a Serial Killer' DVD Review


Zu Beginn findet sich eine Texttafel, die erläutert, dass dieser Film nicht komplett auf wahren Begebenheiten basiert, sondern lediglich auf Geständnissen des Serienkillers Henry Lee Lucas, von denen er später viele widerrufen hat. Henry: Portrait of a Serial Killer sei also eine fiktionale Bearbeitung bestimmter realer Ereignisse. Das nimmt dem Ganzen nicht wirklich die Rohheit, denn das, was es nach der Texttafel zu sehen gibt, ist äußerst beunruhigend. In bester Lucio-Fulci-Manier hält die Kamera auf ein menschliches Auge drauf, das sich schon bald als jenes einer weiblichen Leiche entpuppt. Aus dem Off hören wir Stimmen, Gesprächsfetzen, die andeuten, wie es zu dieser Frauenleiche gekommen ist. Und es soll nicht das letzte Bild einer Leiche bleiben, denn gleich danach folgt der nächste Tatort – und der nächste. Schnitt, der eigentliche Plot beginnt und es wird schnell deutlich, wer diese Menschen getötet hat. Dabei wird Henry (Michael Rooker) als eigentlich sympathischer Kerl eingeführt. Er hat Manieren – ganz im Gegensatz zu seinem Freund Otis (Tom Towles), den er aus dem Knast kennt – und hat ein offenes Ohr für Otis' Schwester Becky (Tracy Arnold).

Doch diese Ruhe, die Henry ausstrahlt, scheint nur temporär zu sein. Er scheint oftmals entrückt zu sein, kann über den Mord an seiner Mutter, für den er saß, ganz unemotional reden, so, als sei er schon lange darüber hinweg. Dies ändert sich jedoch schlagartig, sobald Henry mit Otis seine killing spree beginnt. Bei Otis, diesem versoffenen, ungepflegten White Trash wundert es einen nicht weiter, aber bei Henry? Es gibt einen Moment im Film, da wirft man die wenige Sympathie, die man für ihn empfindet, komplett über Bord. Doch selbst nach Überquerung dieser Linie gibt es immer wieder einen Hoffnungsschimmer, auch, weil Henry sich der jungen Becky annimmt, die gerade in einer unangenehmen Lage ist und zusätzlich noch von ihrem Bruder getriezt wird. Das liegt zum einem an der recht einfach gestrickten, aber dennoch effektiven Geschichte, die Regisseur John McNaughton mit zu verantworten hat und zum anderen natürlich an Rookers Speil, das mit zu den besten des Genres gehört. Er ist kein typischer Serienkiller, wie wir ihn aus Serienkiller-Filmen kennen, mit komischen Manierismen, sondern ein einfacher Mann, für den das Töten alltäglich geworden ist.

Und wir als Zuschauer sind stets einziger Zeuge der Tat. Bei den Flashbacks zu Beginn können wir nur mutmaßen, aber sobald wir Henry etwas besser kennen gelernt haben, schließt sich dann auch wieder der Kreis. Dass sowohl Otis als auch Henry Monster sind, steht außer Frage, nach dem, was sie getan haben. Und dennoch bleibt bei Henry ein letztes Fünkchen Hoffnung, dass er der Gewalt abschwört und ein neues Leben beginnt. Mit dem letzten Bild, das für den Serienkiller-Film prägend war – man denke nur an Finchers Se7en –, ist dann aber auch dieses verflogen. Nein, nicht verflogen, sondern zerstört. Für diesen Mann ist das Töten wir für andere zur Arbeit gehen oder Zähneputzen. McNaughton macht dies jederzeit deutlich, so dass man sich spätestens am Schluss darüber bewusst ist, dass man ein Narr war, dies ernsthaft zu glauben. Das mag zu einem nicht ganz unerheblichen Teil auch an McNaughtons Erzählweise liegen, die vollkommen selbstreflexiv an das Genre herantritt. Henry und Otis filmen ihre Taten nicht nur, sondern schauen diese gemeinsam zu Hause an, um sie zynisch zu kommentieren und ihre (schönen) Erinnerungen aufzufrischen.

Es ist schon erstaunlich zu sehen, wie dieser genreprägende Film 1986 gedreht wurde, während in den amerikanischen Kinosälen noch das x-te Sequel diverser Slasher-Reihen zu sehen war ('He's not Freddy. He's not Jason. He's real.' war eine der Taglines). Und das mit einer Intensität und Rohheit, wie sie sonst kaum ein Splatter- oder Slasher-Film erreichte. Erst 1990 schaffte es Henry: Portrait of a Serial Killer in die US-Kinos, nachdem Errol Morris ihn 1989 entdeckte und auf ein Festival brachte. Ein Jahr zuvor hatte er sich mit seinem ebenfalls stilprägenden Meisterwerk The Thin Blue Line mit einer ähnlichen Thematik auseinander gesetzt. Der Rest, sowie die Zensurgeschichte des Filmes sind ein Kapitel für sich. McNaughton war nicht nur seiner Zeit, sondern auch dem Genre weit voraus, wie er mit Henry: Portrait of a Serial Killer eindrucksvoll beweist. (8.5/10)

Bildstörung veröffentlicht John McNaughtons Skandal-Film am 26. Oktober auf DVD und Blu-ray (Amazon-Partnerlink). Die Veröffentlichung selbst kommt dabei mal wieder einem Ritterschlag gleich, denn die Scheibe ist nicht nur voller interessanter Extras wie Interviews mit McNaughton und einem Portrait zu Henry Lee Lucas, sondern einem wundervollen Booklet. Dieses enthält neben einem Auszug aus Dr. Stefan Höltgens Schnittstellen: Serienmord im Film auch den Indizierungsbescheid und den (erfolgreichen) Antrag auf Listenstreichung im schön gestalteten Schreibmaschinen-Font. Bild- und Tonqualität können nicht unbedingt begeistern (der Film wurde auf 16mm gedreht), sind aber ordentlich. Ein weiterer Volltreffer in der 'Drop Out'-Reihe des kleinen Kölner Labels.


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Vereint im Tod: 'Und erlöse uns nicht von dem Bösen' DVD Review


Dass Mädchen irgendwann in ein Alter kommen, in dem sie gegen Lehrer, Eltern und jedwede sonstige Obrigkeit ankämpfen und rebellieren, ist völlig normal. Dass sie langsam Seiten an ihrem Körper entdecken, die ihnen davor noch nicht bekannt waren, ebenfalls. So ergeht es auch den beiden katholischen Inernatsschülerinnen Anne (Jeanne Goupil) und Lore (Catherine Wagener), die langsam aber sicher in dieses Alter kommen, die Pubertät. Nachts beobachten sie die Schwester, die sich hinter einem Vorhang entkleidet und bewundern ihre Silhouette, nur um kurz darauf, wenn diese aus dem Raum ist, in Büchern zu blättern, die nicht gerade für junge Mädchen gedacht sind. Heimlich, still und leise, unter der Bettdecke mit Taschenlampe. Schnell hüpft Lore noch zu Anne ins Bett, um das Erlebnis zu teilen. Noch klingt es danach, als würde es sich um das völlig normale Verhalten von Teenagern handeln. Noch. Denn die besten Freundinnen, die nichts und niemand trennen kann, beginnen schon bald, den Bogen zu überspannen.

Aus den anfänglichen Scherzen wird schnell bitterer Ernst. Zwar nicht für die beiden Mädchen, die aus gutem Hause kommen und sich eigentlich um nichts sorgen müssen, aber gerade deshalb herrscht in ihnen wohl diese Leere, die sie dazu bringt, dem Katholizismus im Rahmen einer satanische Zeremonie abzuschwören. Mit Religion verbinden die beiden ebenjene Langeweile, die ihr Leben bis dato prägte. Internat, Speisen mit den Eltern, dann der Kirchenbesuch. Und immer muss man darauf achten, sich richtig zu benehmen und Gott und den Eltern zu gefallen. Selbst zu Hause im Schloss – Anne ist die Tochter eines Grafen – ist die Kirche, sprich die leidige Schule, das Internat, omnipräsent. Eines Sonntags predigt der Pfarrer in der Kirche über die Fleischeslust und vermittelt eindringlich, dass man sich dieser nicht hingeben solle. Das weckt natürlich das Interesse bei den beiden jungen Damen, die gerade dabei sind, diese zu entdecken …

So sind sich die beiden auch nicht zu schade, sich gegenseitig Rollen zuzuweisen, die für die eine deutlich unangenehmer ist als für die andere. Lore ist dafür zuständig, die Männer um den Verstand zu bringen und sie mit ihrem Körper zu locken, während Anne die Fäden in der Hand hält und ihren teuflischen Plan weiter plant. Was man anfangs noch als pubertäre Späße abtun kann, entwickelt sich schnell zu einem sadistischen und zynischen Spiel um Macht (die beiden sind sich nämlich bewusst, dass ihnen ob ihrer Stellung eigentlich niemand etwas kann, zumal sie ihre eigenen Eltern um den Finger gewickelt haben), das alsbald die ersten Opfer mit sich bringt. Und auch der Zuschauer ist ob so viel Böswilligkeit, die in Und erlöse uns nicht von dem Bösen (Mais ne nous déliverez pas du mal) durchaus schockiert und wird nicht selten an die beiden Damen aus Tausendschönchen (Sedmikrásky) erinnert, die einen ähnlichen Plan verfolgten. Die Revolution findet einmal mehr im Kleinen statt.

Don't Deliver Us from Evil, so der internationale Titel, hatte bei Erscheinung vor 40 Jahren selbstverständlich für viel Aufsehen gesorgt. Sofort wurde der Film in seiner Heimat Frankreich verboten, was auch aus heutiger Sicht nicht weiter verwundert. Es ist nicht nur die Böswilligkeit und die Blasphemie, die die beiden Mädchen feiern, sondern vor allem auch die visuelle 'Kraft', die Regisseur Joël Séria seinem Film verleiht, in dem er auch nicht davor zurückschreckt, zwei Vergewaltigungen zu zeigen, die die beiden Mädchen absichtlich heraufbeschworen haben. Séria zeichnet einerseits ein dunkles, böses Bild der Gesellschaft – allen voran der Männer, die hier reine Lustmolche sind –, verzichtet andererseits aber auch nicht auf eine gehörige Portion schwarzen Humors. Spätestens wenn das Publikum bei der Theateraufführung im Internat laut klatscht, während das ganze Treiben von Anne und Lore seinen traurigen Höhepunkt findet, wird deutlich, dass Séria genau weiß, wie er sein (prüdes) Publikum ärgern kann.

Es sind auch jene Momente, wie der Kuss zwischen den Nonnen oder die etwas andere Verabschiedung eines Hausgastes, die nahelegen, dass Und erlöse uns nicht von dem Bösen ein Wegbereiter für die in den 70ern so populär gewordene Nunsploitation war. Hinzu kommt, dass man heute wohl auch eine etwas andere Wahrnehmung der Zustände im Internat hat, nach all dem, was in den letzten Jahren über katholische Internate zu Tage gefördert wurde … Sérias Film ist ein bedeutendes Stück Euro-Cult-Cinema, mit dessen deutscher Veröffentlichung Bildstörung wieder mal Pionierarbeit geleistet hat. (7.5/10)

Bildstörung hat Und erlöse uns nicht von dem Bösen nur auf DVD und nicht auf Blu-ray veröffentlicht (Amazon-Partnerlink), was wohl Sinn ergibt, schaut man sich die Qualität der Scheibe an. Sicherlich liegt es am Quellmaterial, aber das ist leider die qualitativ schlechteste Veröffentlichung von Bildstörung, die ich bis dato gesehen habe. Das Bild ist selbst für DVD-Verhältnisse eine mittelschere Katastrophe. Sogar die Untertitel sind extrem pixelig und trüben den Eindruck weiter. Der Ton hingegen ist in Ordnung, ebenso die Extras, die aus interessanten Interviews bestehen. Das gilt auch für das Booklet, das in gewohnter Qualität daherkommt. Nur das Cover, das bereits in Foren für kritische Stimmen sorgte, ist schlichtweg grausam. Hier hätte man sich besser am Cover der US-Scheibe orientiert. Allein des Filmes wegen aber eine bedeutende Veröffentlichung.


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Tony Scott Retro: 'The Last Boy Scout'


Das ist vor allem viel Shane Black und wenig Tony Scott. Nur selten scheinen Scotts Trademarks durch, am ehesten noch in den Actionszenen. The Last Boy Scout ist keinesfalls ein schlechter Film, im Gegenteil. Nur ist er eben nicht unbedingt als ein Film von Tony Scott wahrnehmbar; zudem steht Scott das 'Ernste' doch deutlich besser zu Gesicht als eine Buddy-Actioncomedy (was ja schon in Beverly Hills Cop II deutlich zu sehen war). Der Film fußt zu 75% auf Shane Blacks Drehbuch, für die restlichen 25% brauchte man dann noch einen Regisseur, der sein Handwerk versteht und der vor allem auch Ahnung von Action hat. Und da wundert es nicht, dass Scott der go-to-guy war. Neben Blacks Einfluss trägt das Ganze natürlich auch Joel Silvers Handschrift, mit dem Scott hier das erste Mal zusammenarbeitete. Ansonsten muss man sagen, dass The Last Boy Scout ziemlich gut gealtert ist, denn auch wenn er von Filmnerds bis heute zu Tode zitiert wurde, stimmen die action set pieces, sowie das Timing noch immer.


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Tony Scott Retro: 'Days of Thunder'


Es hat den Anschein, als käme Maverick auf seiner Harley (?) direkt von seiner (ehrenhaften) Entlassung aus der Navy. Er hat den Tod von Goose noch immer nicht verkraftet und sucht sich nun ein neues Adrenalin-haltiges Hobby. Er landet schließlich bei Robert Duvall und Randy Quaids Team, bei dem er fortan als NASCAR-Fahrer den Kick sucht und findet. Es ist genau dieser Shot mit Cruise auf dem Motorrad vor der untergehenden Sonne, die das Scope-Bild orangener nicht färben könnte, das zu dieser Annahme verleitet und uns so bekannt vorkommt.

Und natürlich die Tatsache, dass Days of Thunder ein Quasi-Remake von Top Gun ist – nur mit Rennautos statt Kampffliegern. Der Werdegang Cruises vom Hotshot zum Gewinner ist dabei fast noch etwas platter als in Top Gun, die Konflikte nicht wirklich interessant oder von Bedeutung. Das Mädchen in Form seiner späteren Frau Nicole Kidman bekommt er ja ohnehin – egal, wie oft er den Karren (buchstäblich) gegen die Wand fährt. Es liegt vielleicht auch zu einem nicht unerheblichen Teil daran, dass mich Autorennen nicht das Geringste interessieren, aber bei meiner Erstsichtung von Days of Thunder wollte der Funke einfach nicht überspringen.


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