Frauen des Grauens

Singapore Sling

 

Singapore Sling

(Nikos Nikolaidis, Griechenland 1990)

TV

 

What the fuck!? Ich habe ja schon vieles gesehen, aber das hier toppt wirklich alles. So ist es mir auch nahezu unmöglich, das Gesehene auch nur ansatzweise zu interpretieren. Schnelles Brainstorming würde am ehesten wohl Stichworte wie Feminismus, SM, Inzest, Folter und Film noir ausspucken. Ansonsten habe ich wirklich keinen blassen Schimmer. Fest steht hingegen aber, dass eine erneute Sichtung nicht unbedingt sein muss…

 

(5/10)

 

Would you like to know more? IMDb, OFDb


ELEPHANT [TV]

Elephant

 

Die Ruhe vor dem Sturm. Buchstäblich. Die Ruhe bevor der Elefant den Porzellanladen betritt und das Chaos ausbricht. Es ist der ganz normale Wahnsinn des Schulalltags. Es gibt die nervenden Tussis, den sportlichen Playboy, den ruhigen Eigenbrötler und die gehänselten Außenseiter. Wer kennt diese nicht aus seiner eigenen Schulzeit? Hier und da gibt es zwar Ärger, aber das gehört ja irgendwie auch dazu. Dann, aus heiterem Himmel bricht das Gewitter los und der Normalzustand wechselt in den Ausnahmezustand. Tote Schüler in den Gängen, Explosionen, Blut an den Wänden und Schreie, die man sogar noch von außerhalb noch wahrnimmt.

 

Was leider in fast schon regelmäßigen Abständen in Schulen in den USA (und auch hier) stattfindet, führt uns Van Sant hautnah vor Augen. Für mich persönlich bei weitem intensiver und erschreckender als alle Berichte realer Ereignisse auf CNN & Co. Was man dort zu sehen bekommt sind lediglich Bilder, Bilder aus dem Fotoalbum der Familie des/der Täter(s), Interviews mit Überlebenden. Bei ELEPHANT ist man – so unpassend das auch klingen mag -, mittendrin statt nur dabei. Deutlicher kann die Prämisse nicht ausfallen. So meditativ man sich den ersten 60 Minuten auch hingeben mag (ich hätte dem Treiben stundenlang zusehen können), so hat man doch stets im Hinterkopf, dass jeden Moment die Hölle losbrechen kann.

 

ELEPHANT ist sowohl in seiner Optik, als auch in der Inszenierung nahezu makellos. Und in der Tat, auch wenn im Abspann der obligatorische Text zu finden ist, der auf die Fiktionalität hinweist, so sind die Parallelen dennoch überdeutlich. Leider verfällt Van Sant aber den üblichen Klischees: Die Killer sind Außenseiter, Waffennarren, spielen Killerspiele und stehen auf Naziinsignien. Und was sollte das mit dem Schwarzen und der Dusche!? Schade, denn dies sorgt doch für ein kleines Ärgernis, das angesichts der anderen Faktoren jedoch ein Kleines bleibt. Zwar kein ganz so großer Runterzieher und Seelenaufreißer wie IRRÉVERSIBLE, aber dennoch ganz harter Tobak!

 

(8-9/10)

 

Would you like to know more? IMDb, OFDb


ZWARTBOEK [Kino]

Zwartboek

Ganze sechs Jahre hat es gedauert, bis uns Paul Verhoeven wieder mit einem Spielfilm überrascht. Eine lange Zeit, wenn man bedenkt, dass andere Regisseure in dieser Zeit zwei bis fünf Filme machen. Vielleicht ist es aber auch gar nicht mal schlecht, dass sich der gute Paul so viel Zeit gelassen hat. Wobei: Bedenkt man, dass zwischen seinen Klassikern wie BASIC INSTINCT, ROBOCOP, TOTAL RECALL und STARSHIP TROOPERS auch nur wenige Jahre liegen, relativiert sich diese Annahme wohl wieder. Weg von Hollywood, wollte sich Verhoeven wieder mehr seiner Heimat widmen, endlich wieder einen Film in Holland drehen.

Dabei raus gekommen ist ZWARTBOEK, ein Thriller, der die Kulisse des 2. Weltkriegs nutz, um die volle Ambivalenz des Stoffes zu entfalten. So ist Verhoevens Neuester nicht nur Thriller und Kriegsfilm, sondern weißt durchaus auch Tendenzen zum Exploitationkino auf. Besonders natürlich in Hinsicht auf seine Darstellung von Sex, Gewalt und den Nazis. Die Nazis haben Verhoeven schon immer irgendwie fasziniert, kein Wunder, hat er als Kind den Krieg doch aus nächster Nähe miterlebt. So wage ich es auch zu behaupten, dass ZWARTBOEK sein persönlichster Film ist, eine Art Verbildlichung und Rekapitulation seiner eigenen Erlebnisse, gemischt mit einer ordentlichen Prise altbewährter Zutaten.

Wie historisch Akkurat das Ganze ist, kann man (respektive ich) wohl nicht genau sagen. Klar, die Niederlande waren von den Deutschen besetzt, der Widerstand gegen die Nationalsozialisten war rege. Verhoeven mischt diesen historischen Hintergrund gekonnt mit den Mittel des exploitativen Kinos. Es gibt jede Menge Sex, nackte Haut (sogar male full frontal nudity), Tabus so gut wie keine und die Gewalt kommt auch nicht zu kurz. Wenn auch nicht so krass in seiner Darstellung wie bei seinen „üblichen Verdächtigen“. Kann man dem guten Paul also vorwerfen, dass er den Krieg nur ausnutzt, einen Unterhaltungsfilm aus den Schrecken des Krieges macht? Ich denke nicht, wobei ich die Meinung der fünf Rentner im Kinosaal gestern gerne in Erfahrung gebracht hätte.

Der Krieg ist dreckig, voller Intrigen, Machtspielchen und sonstigen Lastern. Es gibt keine Guten und keine Bösen im Krieg, die Grenzen sind fließend, wie Verhoeven auf beeindruckende Art und Weise zeigt. Und dennoch verheddert er sich dabei bisweilen, denn wenn die Kernaussage jene ist, dass nicht alle Nazis Nazis waren (in Form von Sebastian Kochs Figur), so generalisiert er sie andererseits doch wieder. Christian Berkels Figur (herrlich fies und durch DER UNTERGANG schon in der Rolle erprobt) des Offiziers Käutner ist solch eine: Er kennt jeden Paragrafen auswendig, kann am Tag Hitler nicht oft genug Heil wünschen und versucht selbst nach der Kapitulation noch die Regeln aufrecht zu erhalten. Nicht viel anders verhält es sich mit Franken (Waldemar Kobus) und den anderen NS-Schergen im SD-Hauptquartier. Sie alle sind saufende und hurende Unmenschen, die tagsüber Morden und nachts Sodom und Gomorrha in nichts nachstehen.

Vielleicht ist aber dies aber auch von Verhoeven genau so beabsichtigt. Das Exploitationkino lässt grüßen. Oder muss man wirklich sehen, wie sich Ellis (Carice van Houten) das Schamhaar bemalt, zwei Damen auf die Toilette pinkeln gehen oder zig Kugeln in einen Torso gefeuert werden? Das ist Paul Verhoeven, dafür steht er mit seinem Namen. So ist es auch nicht verwunderlich, dass aus fast allen seinen vorherigen (amerikanischen) Filmen gewisse Parallelen in ZWARTBOEK mit einfließen. Das offensichtlichste ist dabei wohl sein anderer Erotikthriller, der Erotikthriller, BASIC INSTINCT, der nicht nur durch den Score omnipräsent ist. Von seinem meiner Meinung nach schlechtesten, SHOWGIRLS, der aber trotzdem noch irgendetwas Nettes an sich hat, ganz zu schweigen.

Bei alledem ist er bisweilen aber auch schrecklich konventionell, was dem Ganzen schon ein wenig Abbruch tut. Angefangen bei den Nazis, über die Wiederverwertung des Soundtracks von BASIC INSTINCT, bis hin zur Geschichte und deren – für den heutigen Kriegsfilm obligatorische – epische Exposition. So etwas hätte ich von Verhoeven ehrlich gesagt nicht erwartet, denn was ist bei dem Mann und seinen vorherigen Filmen (okay, bis auf SHOWGIRLS und HOLLOW MAN [dessen Entstehung aber auch andere Gründe hat]) bitteschön konventionell? Rein gar nichts. Hinzu kommt, dass dem Film – der immerhin eine Spielzeit von 153 Minuten hat – einige Kürzungen nicht schlecht getan hätten. Die tollen Darstellerleistungen, allen voran natürlich Carice van Houten (die auch noch unglaublich sexy ist), machen dies dann aber doch wieder wett.

Es war gut, dass Verhoeven sich Zeit gelassen hat, denn das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen. Es herrscht schon jetzt große Vorfreude auf AZAZEL, der vom Sujet her ähnlich wie ZWARTBOEK klingt. Aber hey, Paul, irgendwann musst Du schon mal wieder was im Stile Deiner Gewaltopern machen… Übrigens kann ich folgendes Buch über Verhoeven nur empfehlen – habe es selber im Regal und war durchaus angetan, auch wenn sich der Großteil auf Bilder beschränkt: Douglas Keesey, Paul Duncan: Paul Verhoeven.

(8/10)

Would you like to know more? IMDb, OFDb


THE HITCHER [DVD]

The Hitcher

 

Das Wichtigste gleich vorweg: Ich kenne das Original mit Hauer nicht. Das kann von Nachteil, aber auch von Vorteil sein. Storytechnisch sollen aber ja beide – so ist es mir zu Ohren gekommen – nahezu identisch sein. Rutger Hauer ist ein klasse Mann, keine Frage. Aber kommt er gegen einen Sean Bean an, dessen Charisma Berge versetzen könnte? Ich weiß es noch nicht, das Original wird aber bei Gelegenheit (ja, ich weiß, das sage ich immer) nachgeholt. Es ist nicht schwer, selbst ohne Kenntnis des Originals, zu bemerken, dass der Stoff ins neue Jahrtausend geholt wurde.

 

Schon zu Beginn wird klar gemacht, dass es sich hierbei um einen bösen Film handelt, der selbst vor unschuldigen Kaninchen und Libellen keinen Halt macht. Vor Menschen – und seinen sie noch so attraktiv – gleich zwei Mal nicht! Was folgt ist das Musterrezept des (Teen-)Horrorfilms des 21. Jahrhunderts: Ein Pärchen, beide gut aussehend, ein Psycho, ein wenig Splatter (wobei dessen Einsatz hier bisweilen gewaltig ist) und ein Finale, das man so schon mindestens tausend Mal gesehen hat.

 

“I want you to say four little words: I… Want… To… Die"

Ach ja, die Dialoge. Die besten kennt man ja schon aus dem Trailer, auf Grund derer ich auch erst so richtig Lust auf den Film bekommen habe. Ich meine, geht es noch dämlicher? Warum ist der Film dann trotzdem noch recht gut ansehbar und unterhaltsam? Richtig, es sind genau diese Dialoge, die so dämlich sind, dass es schon wieder lustig ist. Hinzu kommt natürlich die hübsch anzusehende Sophia Bush, wer hätt’s gedacht? Sean Bean halte ich für einen begnadeten Schauspieler, auch wenn er sich auf solch niedriges Niveau herab begibt und nur selten nicht am overacting vorbeischlittert.

 

Froh sein muss man in diesen Zeiten ja auch, wenn es einen Horrorstreifen gibt, der mal kein PG-13-Rating besitzt, sondern noch ordentlich auf den Putz haut, so wie es THE HITCHER tut. Natürlich reizt auch der Name Michael Bay, der hier als ausführender Produzent agierte, und dessen Optik omnipräsent ist. Nettes Teil für Zwischendurch, schön kurz, irgendwo zwischen Hochglanztrash und overacting, mit schönen Splattereinlagen und massig eyecandy. Für Genrefans aber ein Muss.

 

(6-7/10)

 

Would you like to know more? IMDb, OFDb


SECOND IN COMMAND [DVD]

Second in Command

 

Hmm, nee, das war wirklich nix. Van Damme, Militär, Terroristen, Action – klingt eigentlich gut, ist es hier aber nicht. Darsteller und Dramaturgie sind allerhöchstens auf TV-Niveau, auch die Effekte können nur teilweise überzeugen. Von den unzähligen Logik- und Technikfehlern und der grässlichen Optik ganz zu schweigen. Die Story passt natürlich auf einen Bierdeckel: In Moldawien versuchen Putschisten den Präsidenten zu ermorden, der flüchtet schnell in die US-Botschaft und bekommt Asyl. Die bösen Jungs greifen die Botschaft an, Punkt. Zur Sache geht es dabei ziemlich blutlos, auch die Inszenierung kommt lustlos daher. Alles in allem mehr schlecht als recht und ziemlich öde. Aber das ist wohl die ungeschriebene Gesetzmäßigkeit von Van Dammes DTVs. Dann wohl lieber mal WAKE OF DEATH.

 

(4/10)

 

Would you like to know more? IMDb, OFDb


APOCALYPSE NOW [DVD]

Apocalypse Now

 

Beim Filmstöckchen der Film gewesen, den ich schon immer sehen wollte, bisher aber noch nicht dazu gekommen bin. Was liegt da also näher als dies endlich zu ändern? Und der Film hält, was er verspricht. Zumindest für die erste Stunde. Der legendäre Angriff auf das vietnamesische Dorf, begleitet von Wagners Walkürenritt – ich könnte mit den Superlativen nur so um mich werfen, aber schlicht und ergreifend fehlen mir während dieser Szene die Worte. Ein absolutes Highlight, eine der größten Szenen der Filmgeschichte. Der Angriff ist zugleich wunderschön in Szene gesetzt, als auch deutlicher als deutlich in seiner Prämisse. Der Krieg ist hässlich, Menschen entwickeln einen Gottkomplex (der Hammer: Robert Duvall) und Menschlichkeit ist ein Fremdwort.

 

Bis dahin ist Captain Willard (Martin Sheen) die einzige Identifikationsfigur des Filmes. Dies ändert sich aber schlagartig, als er einen verwundeten Zivilisten eiskalt erschießt. Und endgültig fehlt dem Zuschauer jedwede Figur der Identifikation. Der Krieg ist eben grausam, es gibt keine Guten und keine Bösen.

 

Neben bereits genannter Szene werden aber wohl auch noch einige andere Dinge für immer im Gedächtnis bleiben. Martin Sheen beispielsweise. So jung habe ich ihn nie gesehen, in manchen Einstellungen dachte ich, nicht ihn, sondern Charlie zu sehen – jener Charlie, der sieben Jahre später seine Unschuld verlieren sollte. Der Film markiert wohl die Rolle seines Lebens, denn besser habe ich ihn nie gesehen. Vom immensen Staraufgebot, welches APOCALYPSE NOW auffährt, ganz zu schweigen. Das ist es aber auch, was Coppolas Film für mich darstellt – er ist in erster Linie großartiges Schauspielerkino, nur in zweiter Instanz ist er Antikriegsfilm. Denn was nach dem Angriff auf das Dorf passiert ist leicht träge, um nicht zu sagen zäh.

 

Vielleicht liegt es auch am Redux, dessen Vorlage ich hier bespreche, aber allein die Szene im französischen „Restaurant“ hätte länger nicht sein können. Spannung wird nur noch zum Schluss aufgebaut, wobei auch dieses in erster Linie ein Psychoduell zwischen Kurt (Marlon Brando) und Willard ist.

 

Ein weiterer Netzhautbrenner hier übrigens die Szene, in der Willard mit massig Schlamm im Gesicht aus dem Wasser auftaucht. Ich dachte, jemand hätte heimlich PREDATOR in den Film geschnitten, erst dann realisierte ich, dass McTiernan Coppola hier enorm huldigt. Die Schrecken des Krieges werden gezeigt, ja. Bisweilen sogar ziemlich drastisch. Es mangelt dem Ganzen aber an einem ausgewogenen Spannungsbogen und einem ordentlichen Zeitmanagement, leider. Darin liegt wohl auch die Begründung, warum ich PLATOON deshalb nach wie vor für den besten Antikriegsfilm halte. Okay, er ist bei weitem pathetischer als APOCALYPSE NOW, aber es mangelt ihm eben nicht an genannten Qualitäten. Die Schrecken des Krieges zeigt er dabei mindestens genauso deutlich, wenn nicht sogar noch eine Stufe deutlicher (die ermordete Frau, der Einsatz des Gewehrkolbens).

 

Zu Recht ein Klassiker, aber nicht ganz so gut wie erhofft. Vielleicht waren aber auch nur mal wieder die Erwartungen zu hoch, wie eben so oft. Ich bin mir der Tatsache durchaus bewusst, dass es einer Schande gleicht, den Film erst jetzt, ganze 28 Jahre später, gesehen zu haben, aber es macht auch immer wieder Spaß, mit einer anderen Rezeptionshaltung an die Filme zu treten, denn ohne diese wäre mir wahrscheinlich so einiges Genanntes entgangen.

 

(8/10)

 

Would you like to know more? IMDb, OFDb


SUNSHINE [Kino]

Sunshine

 

Mein erster Boyle. Ein voller Erfolg. SUNSHINE ist ein audiovisueller Kracher. Auch storytechnisch muss sich der Film nicht verstecken, auch wenn er mit Beginn der Horrorsequenz leider etwas abbaut. Bis dahin sind die Bilder aber gigantisch, erst recht in Verbindung mit dem Erlebnis einer großen Leinwand und dem feinen Klang eines Kinosaals (auf DVD sollte der DTS-Track obligatorisch sein!). Zu verdanken hat SUNSHINE das Ganze nicht zuletzt auch seinem wirklich tollen Soundtrack, der irgendwo zwischen DAS BOOT und BLADE RUNNER einzuordnen ist. Doch auch die Handlung weist gewisse Parallelen auf. So bekommt man Kollegen wie EVENT HORIZON oder MISSION TO MARS einfach nicht aus dem Kopf, auch wenn ich Genannte für ziemliche Gurken halte. Mit SUNSHINE verhält es sich genau andersrum.

 

Zwar ist die zweite Hälfte – inklusive etwas zu lang geratenem Ende – nicht schlecht, aber ein gewisses Déjà vu bleibt nicht aus. Dieses heißt THE TIME MACHINE und ist in der ersten Hälfte topp, in der zweiten eher ein Flop. Es sind die Musik und die Bilder, die begeistern, die Actionlastige zweite Hälfte, die alles dann abwertet.

 

Ganz so schlimm verhält es sich hier dann aber glücklicherweise nicht, denn auch als Gesamtes kann SUNSHINE überzeugen. Für mich am ehesten wohl ein Fall von style over substance, auch wenn es mir schwer fällt, diesen Begriff hier zu verwenden. Hinzu kommt dann noch der ein oder andere Stereotyp (der Offizier, der nicht sterben will, sondern lieber die anderen opfert), den man leider auch nicht ignorieren kann. Aber hey, was ist schon perfekt? Ein toller Film, dessen Audiovisuelles noch lange im Gedächtnis bleiben wird. Ich könnte das Ganze zwar gut und gerne noch weiter ausführen, aber ohne zu Spoilern wäre dies ein schweres Unterfangen. Ach ja, vielleicht kann man noch erwähnen, dass Cilian Murphy immer komischer aussieht und es schön war, gleich drei Asiaten an Bord begrüßen zu dürfen.

 

28 DAYS LATER und 28 WEEKS LATER (aber auch weitere Boyles, allen voran TRAINSPOTTING [ja, ich schäme mich, diesen noch nicht gesehen zu haben]) können gerne kommen – wobei ich in SUNSHINE ja schon eine Kostprobe von den beiden bekommen habe…

 

(8/10)

 

Would you like to know more? IMDb, OFDb


SPIDER-MAN 3 [Kino]

Spider-Man 3

 

Hatte von vornherein eigentlich keine große Lust auf den dritten Teil. Eines Freundes sei Dank, durfte ich aber dennoch in den Genuss des dritten Abenteuers der Spinne kommen. Und sind wir doch mal ehrlich: Wer schaut denn bitteschön die ersten beiden Teile einer Trilogie und lässt den finalen weg? Meine Vorurteile gegenüber SPIDER-MAN 3 wurden dann aber auch nahezu alle bestätigt. Der Film besitzt die übliche Fortsetzungsrezeptur, ist höher, schneller und weiter. Mit gleich drei (vier, zählt man die schwarze Masse mit) Bösewichtern bekommt es Peter (Tobey Maguire) alias Spider-Man hier zu tun. Die Actionszenen versuchen dabei stets alles bisher da gewesene zu überbieten und dem Ganzen noch eines draufzusetzen. Das gelingt mit unter aber auch recht gut – SPIDER-MAN 3 ist ja schließlich auch ein feiner Popcornfilm.

 

Dass das Zwischenmenschliche so "kurz" kommt, hätte ich nicht gedacht. Es überrascht mich positiv, denn auch wenn ich nichts gegen massiges Pathos habe, so wurde diese Thematik im Zweiten meiner Meinung genügend ausgeführt. Die Emotionen und der innere Kampf Peters stehen im Mittelpunkt, ja. Aber wenn die Action einmal losbricht, dann ist das alles in Windeseile schon wieder vergessen. Die Highlights des Filmes bleiben jedoch in Erinnerung: Seien es die Gastauftritte Stan Lees und Bruce Campbells (herrlich!) oder der etwas andere Peter Parker. Letzterer übrigens eine sehr erfrischende und gelungene Abwechslung zum immerwährenden, gleich von statten gehenden inneren Kampf.

 

Kein schlechter Film, aber auch kein besonders guter. Ein würdiger Abschluss der Trilogie? Nein, eher nicht. Teil eins und zwei sind besser. Es ist einfach immer wieder die gleiche Rezeptur des Sequels. Dass diese ein Sam Raimi nötig hat, hätte ich aber nicht unbedingt erwartet. Für einen Freitagabend mit Freund(en) aber ein durchaus nettes Unterhaltungsfilmchen.

 

(7/10)

 

Would you like to know more? IMDb, OFDb


MY NEIGHBOR TOTORO (となりのトトロ) [TV]

My Neighbor Totoro

 

Endlich gesehen! MY NEIGHBOR TOTORO markiert gleichzeitig auch meinen ersten Ghibli. Eine Schande, ich weiß. Aber wie heißt es doch so schön? Besser zu spät als nie. Für diese Gelegenheit nehme ich dann auch gerne mal die Synchronfassung in Kauf, welche meiner Meinung gar nicht so schlecht ist. Die Kleine klingt zuckersüß, sodass sich wohl auch der größte Griesgram solch eine Tochter wünscht. Sowieso, die Kleinen stehen hier im Mittelpunkt – die kleine Mei, ihre Schwester und die kleinen Totoros. Das große war zwar auch ganz nett, aber dessen kleiner Nachwuchs (?) ist einfach hundertmal süßer. Süß ist wohl auch das Stichwort des Filmes, manchmal auch zu süß. Aber hey, kleine Kinder toben und hüpfen nun mal den ganzen Tag so herum.

 

Und dennoch: Zu vollen einhundert Prozent hat er mich dann doch nicht überzeugt – wohl eher zu neunzig Prozent. Leider hielt es Super RTL für nötig, den kompletten Vorspann zu kappen, und auch die Werbepausen sind für solch einen Film natürlich tödlich. Ich denke aber auch, dass MY NEIGHBOR TOTORO mit erneuter/n Sichtung/en einiges an Wirkung zulegt, erst recht mit dem japanischen O-Ton. Einige der Magic Moments noch einmal Revue passieren zu lassen, wäre dabei natürlich das Größte. Allen voran die Szene an der Bushaltestelle (welche m.M. jedoch durch den hässlichen Katzenbus etwas zerstört wurde) oder das Sitzen in der Baumkrone bleiben dabei in Erinnerung. Von den wunderschön gezeichneten Bildern Miyazakis ganz zu schweigen.

 

Letztlich bin ich bei alledem aber dennoch ein wenig traurig. Nein, nicht wegen des Filmes (was ich mir gewünscht hätte), sondern wegen der Tatsache, dass er für mich (bisher noch) kein absolutes Meisterwerk ist. Es ist wie bei so vielen anderen Filmen auch, man hört ständig nur von Meisterwerken, ganz großem Kino etc. pp., und dann kann man diese Meinung nicht teilen. Ja, die Erwartungen waren sehr, sehr groß. Wurden sie erfüllt? Ja, größtenteils. Aber was soll ich mich auch anderen ergeben? Wenn er für mich kein Meisterwerk ist, dann ist er das eben nicht. Punkt. Auf die nächsten Ghiblis freue ich mich aber dennoch riesig, erst recht auf eine erneute Begegnung mit Totoro. Ein wirklich wunderschöner Film.

 

(8-9/10)

 

Would you like to know more? IMDb, OFDb


THE QUIET [DVD]

The Quiet

 

Mein erster Gedanke: Hey, bei Elisha Cuthbert und Camilla Belle kann doch eigentlich nichts schief gehen, oder? Richtig, es ging so gut wie auch nichts falsch. Beide "genießen" kann man aber nicht, denn dafür ist die Thematik (es geht um Missbrauch und Inzest) einfach zu heikel und belastend. Elisha hat hier gezeigt – entgegen ihrer Rolle in 24 (was ja aber auch Rollenbedingt war) -, dass sie doch zur Schauspielerin taugt. Richtig überrascht war ich aber von Camilla Belle, die nach dem Flop WHEN A STRANGER CALLS auch mal zeigen darf, was sie kann. In erster Linie also gutes Schauspielkino des hollywoodschen Nachwuchses. Das einzige, das nicht so gefällt, ist die Tatsache, dass das Ganze irgendwie zu stark zugeschnitten auf die MTV-Generation wirkt. Ja, auch diese sollen mit der Thematik konfrontiert werden, sind sie es doch, um die es hier geht.

 

Ein kleiner Nachgeschmack bleibt dabei jedoch, denn so scheint THE QUIET in gewisser Weise zu verharmlosen. Diesen Gedanken kann ich einfach nicht loswerden. Ein bisschen scheint es sich wie mit WILD THINGS zu verhalten: In erster Linie befasst er sich mit einem ernst zunehmenden Thema, welches der Unterhaltung letztlich aber weichen muss. Und trotzdem unterstelle ich Regisseurin Jamie Babbit nur gute Absichten. Wenn ich aber die grenzdebilen Spielchen und Intrigen der Teens sehe, die hochgestylten Möchtegern Starlets, dann wird der Aufklärungsfaktor meiner Meinung geglättet, bei ALPHA DOG verhält es sich ebenso. THE QUIET ist trotzdem ein guter Film, voller Spannung und mit diesem melancholischen Unterton, der perfekt rüberkommt. Als aufmerksamer und denkender Rezipient macht man sich aber nun mal den ein oder anderen Gedanken…

 

(7/10)

 

Would you like to know more? IMDb, OFDb


1 ... 35 36 37 38 39