G-Girls and G-Strings

My Super Ex-Girlfriend

My Super Ex-Girlfriend
(Ivan Reitman, USA 2006)
DVD

Für den Sonntagnachmittag eigentlich wirklich okay. Nichts besonderes, aber durchaus nett anzuschauen. Alle Beteiligten, allen voran Uma Thurman, die mit einer Lockerheit spielt, die sich sofort auf den Zuschauer überträgt, haben ihren Spaß, das sieht man ihnen sofort an. Und auch ich konnte des Öfteren mal lachen, wenn auch nicht schreien vor lachen. Zwar ist die Idee mit dem weiblichen Superhelden (G-Girl) ganz nett, doch driftet Reitman leider recht schnell in die gängigen Genrekonventionen ab und bombardiert uns zusätzlich mit einer ordentlichen Portion Sexismus. Schade, denn dass er es besser kann, hat er beispielsweise mit EVOLUTION gezeigt. Weitern Anlass zur Kritik bietet Anna Faris, die mit ihrem grenzdebilen Lächeln/Gesichtsausdruck ziemlich nervt und die ich seit SCARY MOVIE 4 (ohne ihn gesehen zu haben) sowieso nicht mehr ernst nehmen kann. Für 90 Minuten nett-debile Unterhaltung reicht es unterm Strich aber allemal, zumal ich Thurman und Wilson auch durchaus schätze.

 

(5-6/10)

 

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"You look like E.T."

Shaolin Soccer

Shaolin Soccer (少林足球)
(Stephen Chow, Hong Kong/China 2001)
DVD

Hui, was ist das denn? Nach den ersten übernatürlichen Kung Fu-Einlagen weiß man jedoch, wie der Ball läuft (wie treffend formuliert!). Hier darf man keinen Realismus erwarten, sondern comichafte Überzeichnung par excellence, die nicht wohl nicht von ungefähr Parallelen zu einer gewissen japanischen Zeichentrickserie aufweist, die auch meine Kindheit geprägt hat. SHAOLIN SOCCER ist das, was ich als nett bezeichnen würde. Die Charaktere sind ganz lustig, die Geschichte kommt von Herzen und alles ist dabei herrlich kurzweilig. Man muss mit dieser Art von Humor aber „können“, denn dies ist alles andere als eine gewöhnliche Komödie. Wenn ich mich richtig an den Trailer zu KUNG FU HUSTLE erinnere, dann ist es aber wohl typisch für Chow.

 

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich bisher nur FROM BEIJING WITH LOVE kenne, dessen Art von Humor mir aber etwas mehr zusagt. Er ist aber auch anders, nicht so comichaft überzeichnet, sondern eher im Stile von THE NAKED GUN: FROM THE FILES OF POLICE SQUAD! Wie gesagt, nett, und mit einigen wirklich witzigen Einlagen und Anspielungen auf ein halbes Dutzend Hollywoodklassiker und natürlich Bruce Lee. Eine erneute Sichtung käme aber eher nicht in Frage, sofern es sich nicht um die ungekürzte Version handelt. Auf das restliche Oeuvre Chows bin ich jetzt aber doch etwas neugierig geworden, allen voran den genannten KUNG FU HUSTLE und THE KING OF COMEDY. Wir werden sehen, denn man nimmt sich ja immer so viel vor, setzt es aber nur selten (direkt) in die Tat um.

 

(6-7/10)

 

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Die schwarze Witwe

Irezumi

Irezumi (刺青)
(Yasuzo Masumura, Japan 1966)
TV

Achtung, wer nicht gespoilert werden will, sollte nicht weiter lesen! Ein japanisches bürgerliches Trauerspiel. Mann und Frau aus verschiedenen Ständen wollen heiraten, diese bleibt ihnen jedoch verwährt. Es kommt, wie es kommen muss, die beiden versuchen es auf ihre Weise und scheitern kläglich. Am Ende sind schließlich alle tot. Masumura hüllt den konventionell unkonventionellen Stoff dabei in wirklich schöne Bilder und lässt auch einige Parallelen zu BLIND BEAST erkennen. Wieder ist die Frau die starke, die dank ihren Reizen alles erreichen kann, was sie will. Japanischer Feminismus galore. Leider war es das dann auch schon mit den positiven Aspekten, denn die Geschichte kommt viel zu unausgegoren daher und stolpert dabei über ihr eigenes Bein. Wirklich schade, denn nach dem großartigen BLIND BEAST hatte ich doch etwas mehr erwartet.

 

(5-6/10)

 

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Fidelio

Eyes Wide Shut

Eyes Wide Shut
(Stanley Kubrick, USA/UK 1999)
DVD

Mein vierter Kubrick und mein dritter, der mir richtig zusagt. Kubrick schafft eine atmosphärische Dichte, die ich so bis jetzt nur bei De Palma (speziell bei DRESSED TO KILL) gesehen habe. Da tut auch das sich ständig wiederholende Klavierstück keinen Abbruch. Und auch Cruise ist erstaunlich gut in seiner Rolle als Arzt zwischen Treue, Ethos und Lust. Die Komposition der Bilder ist absolut stimmig, und so sorgt die geheime „Messe“ für einen ziemlich kalten Rückenschauer. Einerseits ist es schade, dass Kubrick uns gegen Ende relativ im Dunkel lässt, andererseits ist das Ganze so aber auch in sich schlüssig und konsequent. Zur Provokation gibt es Kubrick-typisch natürlich auch wieder so einiges, man denke nur an die hohe Dichte nackter Brüste und Fäkalsprache.

 

Erstaunlich auch, wie locker Kidman und Cruise das Ganze nehmen, immerhin waren die beiden zu dieser Zeit noch ein Paar. Vielleicht ist es aber auch gerade diese Tatsache, die den beiden hilft, so in ihren Rollen aufzugehen. Die anfänglichen Bedenken aufgrund der Länge von mehr als zweieinhalb Stunden waren Gott sei Dank unbegründet, denn trotz kleinerer Längen vergeht die Zeit wie im Flug. Ein schöner Thriller und letztes Werk, das und Kubrick hier geschenkt hat. Als nächstes steht dann A CLOCKWORK ORANGE auf dem Plan, den ich schon zwei Mal angefangen habe, es aber bisher noch nicht weiter als bis zu den ersten 30 Minuten geschafft habe…

 

(7-8/10)

 

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Der Rachefeldzug ist noch nicht zu Ende

Lady Snowblood 2: Love Song of Vengeance

Lady Snowblood 2: Love Song of Vengeance (ä羅雪姫 怨み恋歌)
(Toshiya Fujita, Japan 1974)
DVD

Zur Abwechslung mal etwas kürzer: Deutlich schlechter als der Erste, dabei vor allem bei der Dramaturgie mit großen Schwächen. Vieles ist zu lang, Spannung will nie so recht aufkommen und gematscht wird auch weniger als im Vorgänger (was jedoch mehr als zu verkraften ist). Der Plot ist einfach viel zu konventionell und dünn (auch wenn die politischen Absichten begrüßenswert sind), von den ziemlich mies geratenen Choreografien ganz zu schweigen. Pluspunkte gibt’s für die nach wie vor charismatische Meiko Kaji, die schöne Kameraarbeit und die doch recht präsente Action. Absolut kein Vergleich zum starken Erstling, was sofort zeigt, dass dieses Sequel nicht unbedingt nötig gewesen wäre.

 

(5-6/10)

 

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Die neue Identität Japans

Yamato

Yamato (男たちの大和)
(Junya Sato, Japan 2005)
DVD

Ganz grob kann man YAMATO wohl als Japans Antwort auf Bays PEARL HARBOR sehen. Die japanischen Soldaten sterben, die Amerikaner sind die bösen, die sie angreifen und ihre Schiffe versenken. Schon irgendwie verkehrte Welt: Bei Bays Film fiebert man mit den GIs mit und die Japaner sind der böse Feind. Hier fiebert man logischerweise mit den japanischen Soldaten mit, die Amerikaner sind die Bösen. Das tolle an YAMATO ist aber gerade diese Tatsache. Der Film versucht eben nicht die Tatsachen zu verdrehen und aus den Japanern die Guten zu machen, sondern zeigt anhand von historischen Originalaufnahmen den tatsächlichen Verlauf des Krieges, inklusive der Besetzung Koreas, Hong Kongs, etc. durch die Japaner. Und dennoch sterben sie alle durch US-Kugeln.

 

Ja, leicht zwiespältig ist YAMATO. Bei all der Militärverherrlichung, dem Pathos und Patriotismus ist die Prämisse zwar deutlich (der Krieg ist Mist, alle sind viel zu jung und für nichts gestorben), aber ein gewisser Nebengeschmack bleibt eben. Denn YAMATO ist im Grunde genommen ein ganz übler tear jerker, ein Film, der es auf die Tränendrüsen der Zuschauer abgesehen hat. Und so kämpfen auch unsere Protagonisten nicht selten mit den Tränen, sind Tod und Verderben doch ständiger Begleiter der Soldaten, die größtenteils noch Teenager sind. Satos Film ist deshalb auch primär ein Denkmal für die Gefallenen, für die es nichts Großartigeres gab, als ihr Leben für das Land zu lassen. Mit reichlich Action gespickt – auch wenn bei weitem nicht die tollen CGI eines PEARL HARBOR erreicht werden -, kommt man sogar auf dieser Ebene auf seine Kosten.

 

Es scheint fast so, als benötigten die Japaner dieser Art von Filmen. Auch AEGIS und SINKING OF JAPAN haben zuletzt gezeigt, dass sich in Japan eine neue Form der nationalen Identifikation und des Patriotismus herausbildet. Sie rekapitulieren ihre Geschichte und es entsteht eine neue Stärke, die die Fehler der Vergangenheit einsieht. Das wurde auch höchste Zeit, bedenkt man nur mal, dass wir Deutschen schon seit über 50 Jahren wieder eine eigene Armee haben und Japan noch immer von den so genannten Selbstverteidigungskräften sprechen muss (auch wenn es seit einigen Monaten offiziell ein Verteidigungsministerium gibt). YAMATO ist dabei ein großer Schritt in die richtige Richtung.

 

(8/10)

 

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"Death frees every soul."

The Fountain 

The Fountain
(Darren Aronofsky, USA 2006)
DVD

Kenne von Aronofsky ja bisher nur REQUIEM FOR A DREAM, den ich zwar sehr gut finde, entgegen dem allgemeinen Tenor aber für kein Meisterwerk halte. Was genannten Film so gut macht, findet sich auch bei THE FOUNTAIN wieder. Aronofsky spielt virtuos mit den Bildern, seine Kameraarbeit lässt nichts zu wünschen übrig und sorgt dafür, dass sein Neuester erst so richtig zu gefallen weiß. Im Kern ist die ganze Sache wieder ein aufwühlendes Drama, das eine hochemotionale Beziehung in den Mittelpunkt stellt und diese für die Protagonisten einen alles andere als wünschenswerten Verlauf nimmt.

Hugh Jackman, der in letzter Zeit sowieso ausschließlich positiv auffällt, liefert dabei eine so gute Performance ab, dass man es kaum glauben kann. Gebt dem Mann gefälligst einen Oscar! Auch Rachel Weisz, die zuletzt in THE CONSTANT GARDENER begeistern konnte (und zu Recht auch den Oscar dafür bekam), ist nicht weniger gut, steht aber im Windschatten Jackmans.

Doch nicht nur schauspielerisch und optisch weiß Aronofskys Film zu gefallen. Die Idee, die Geschichte auf drei Zeitebenen ablaufen zu lassen ist toll und funktioniert dabei auch noch ohne irgendwelche Mängel. THE FOUNTAIN bombardiert uns mit einer Bilderflut, die man so schon lange nicht mehr gesehen hat (am ehesten wohl in SUNSHINE). Und eines wird dabei sofort klar: dieser Film braucht nicht nur eine Sichtung um seine volle Pracht zu entfalten, denn auch erzählerisch kommt er einer Flut an Informationen gleich. Wie ist es so passend auf dem Cover der DVD verewigt: „Takes us places movies rarely dare to go.“ (Pete Hammond, Maxim) Das trifft es absolut treffend, denn für den durchschnittlichen Kinogänger wird THE FOUNTAIN ein einziges Mysterium bleiben.

 

Für alle anderen ist der Film eine Art Frischzellenkur, abseits der Multiplex füllenden Mainstreams. Auch wenn ich von PI bisher nur den Trailer gesehen habe (der unbedingt Lust auf mehr macht), wage ich es dennoch zu behaupten, dass Aronofsky ein außergewöhnlicher Filmemacher ist, der die letzte Bastion des „anderen“ Kinos aufrechterhält. Anlass zur Kritik lässt er hier so gut wie keinen, auch wenn ich Cliff Curtis ob seines Optischen für eine absolute Fehlbesetzung halte (vielleicht hat er mich aber auch einfach nur zu stark an Hilmi Sözer erinnert und ich mir deshalb ein [unpassendes] Schmunzeln gerade noch so verhalten konnte).

 

Klar hervorzuheben auch noch die Musik, die für THE FOUNTAIN alles andere als unwichtig ist. Clint Mansells Score ist gleichzeitig so minimalistisch, andererseits aber auch so episch (ohne dabei zu pathetisch zu wirken), dass er den Film zusammen mit den Bildern erst zu dem werden lässt, was er ist. THE FOUNTAIN macht alles richtig, was man nur richtig machen kann und mündet in einem audiovisuell einmaligen Erlebnis. Ganz groß, Mister Aronofsky!

 

(9/10)

 

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Der Schrei nach Anerkennung

Silmido 

Silmido (실미도)
(Woo-Suk Kang, Südkorea 2003)
DVD

To the soldiers who risked death to answer their nation's call, and to the 31 trainees, abandoned by a divided nation, who cried out in search of their identities at their place of death, we dedicate this film.

Vor einigen Tagen erst gab es nach langer Zeit wieder eine Zugfahrt von Süd- nach Nordkorea und zurück. Es wird aber bei einer außerordentlichen Fahrt bleiben, denn das Trauma Koreas ist noch immer präsent – vielleicht sogar präsenter als je zuvor. SILMIDO rollt nämlich einen weiteren Brocken koreanischer Geschichte beiseite, der jahrzehntelang ein schmutziges Geheimnis hütete: Nicht nur der Norden wollte das Staatsoberhaupt des Gegners töten, sondern auch der Süden (Kim Jong-Ils Vater, Kim Il-Sung). Durchführen sollte diesen Auftrag 1968 Einheit 684, eine Einheit bestehend aus 31 zum Tode verurteilten Häftlingen. Die genauen Umstände sind bis Heute noch nicht ganz geklärt.

 

Kangs Film widmet sich dieser Geschichte um Patriotismus, Pflichtbewusstsein, dem nationales Trauma und den Helden der Einheit 684. Zwar hört sich das Ganze an, als sei es eine asiatische Kopie von THE DIRTY DOZEN, aber glücklicherweise trifft dies nicht ganz zu. Unsere Soldaten in spe kommen nie zu ihrem Einsatz, zumindest nicht zum vorgesehenen. Ihre Ausbildung ist hart, ja teilweise sogar menschenverachtend. Sie sollen treu ergeben Killer sein, Killer, die Kim die Kehle durchschneiden sollen und somit die Nation wieder vereinigen. Das Training ist erfolgreich, sie alle sind Soldaten geworden. Doch sind sie auch Bürger des Staates, dem sie dienen sollen?

 

Im Kern vertritt SILMIDO die gleiche Aussage wie THE ROCK: Die Regierung, respektive Politiker, sind schlecht, der Soldat ist gut. Doch damit nicht genug. Die Mittel, deren sich die 31 Männer bedienen, sind ähnlich denen, die General Hummel und Co. einsetzen. Und so müssen sie am Ende ihre eigenen Landsleute bekämpfen, das tut weh, das ist grausam. Jeder Ethiker hätte wohl hier seine helle Freude, denn was Kang hier für ein Szenario entwirft, wirft gleich mehrere Dutzend ethisch-moralische Fragen auf. Immer wenn man denkt, dass es nicht noch krasser kommen kann, setzt er dem Ganzen noch eins drauf und brachte mich so fast an den Rande des Wahnsinns. Emotional das mitreißendste, das ich seit TAEGUKGI gesehen habe. Dieser große Bruder ist natürlich ständig präsent, nicht zuletzt auch wegen dem hohen Anteil an Pathos.

 

Ja, SILMIDO ist pathetisch, heroisch, Militär verherrlichend und weiß Gott alles noch. Aber genau deshalb liebe ich das asiatische, insbesondere koreanische Kino auch so. Keiner (die Amerikaner leider immer seltener) versteht es so gut, den Zuschauer mit ebendiesen Mitteln zu fesseln, wie die Koreaner und Japaner (AEGIS). Und wenn ich oben zitierte Widmung lese, dann bin auch ich den Männern dankbar, denn beispielhafter und selbstloser kann man nicht sein. Wenn dann der Abspann episch eingeleitet wird, begleitet von der grandiosen Musik (die – zugegeben – teilweise extrem dreist von Zimmer kopiert wurde), dann ist es um mich geschehen. Ein starkes Stück Film (und Geschichte), das noch lange nachwirkt. Zwar nicht ganz so gut wie das Meisterwerk TAEGUKGI, aber auch nicht viel schlechter.

 

Es gäbe noch so viel Anlass zur Diskussion und Nennung weiterer Aspekte (die tollen Darsteller, die Kameraarbeit), aber ich will es jetzt einfach mal dabei belassen. Die Lust auf mehr (Geschichte) ist jedenfalls geweckt, denn auch ohne Koreaner zu sein halte ich Koreas Tragödie für extrem bewegend und faszinierend. Eine stolze Nation, die aber auch Fehler macht(e) – wie jede Nation eben, das hat SILMIDO eindringlich gezeigt.

 

(9/10)

 

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Frauen des Grauens

Singapore Sling

 

Singapore Sling

(Nikos Nikolaidis, Griechenland 1990)

TV

 

What the fuck!? Ich habe ja schon vieles gesehen, aber das hier toppt wirklich alles. So ist es mir auch nahezu unmöglich, das Gesehene auch nur ansatzweise zu interpretieren. Schnelles Brainstorming würde am ehesten wohl Stichworte wie Feminismus, SM, Inzest, Folter und Film noir ausspucken. Ansonsten habe ich wirklich keinen blassen Schimmer. Fest steht hingegen aber, dass eine erneute Sichtung nicht unbedingt sein muss…

 

(5/10)

 

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ELEPHANT [TV]

Elephant

 

Die Ruhe vor dem Sturm. Buchstäblich. Die Ruhe bevor der Elefant den Porzellanladen betritt und das Chaos ausbricht. Es ist der ganz normale Wahnsinn des Schulalltags. Es gibt die nervenden Tussis, den sportlichen Playboy, den ruhigen Eigenbrötler und die gehänselten Außenseiter. Wer kennt diese nicht aus seiner eigenen Schulzeit? Hier und da gibt es zwar Ärger, aber das gehört ja irgendwie auch dazu. Dann, aus heiterem Himmel bricht das Gewitter los und der Normalzustand wechselt in den Ausnahmezustand. Tote Schüler in den Gängen, Explosionen, Blut an den Wänden und Schreie, die man sogar noch von außerhalb noch wahrnimmt.

 

Was leider in fast schon regelmäßigen Abständen in Schulen in den USA (und auch hier) stattfindet, führt uns Van Sant hautnah vor Augen. Für mich persönlich bei weitem intensiver und erschreckender als alle Berichte realer Ereignisse auf CNN & Co. Was man dort zu sehen bekommt sind lediglich Bilder, Bilder aus dem Fotoalbum der Familie des/der Täter(s), Interviews mit Überlebenden. Bei ELEPHANT ist man – so unpassend das auch klingen mag -, mittendrin statt nur dabei. Deutlicher kann die Prämisse nicht ausfallen. So meditativ man sich den ersten 60 Minuten auch hingeben mag (ich hätte dem Treiben stundenlang zusehen können), so hat man doch stets im Hinterkopf, dass jeden Moment die Hölle losbrechen kann.

 

ELEPHANT ist sowohl in seiner Optik, als auch in der Inszenierung nahezu makellos. Und in der Tat, auch wenn im Abspann der obligatorische Text zu finden ist, der auf die Fiktionalität hinweist, so sind die Parallelen dennoch überdeutlich. Leider verfällt Van Sant aber den üblichen Klischees: Die Killer sind Außenseiter, Waffennarren, spielen Killerspiele und stehen auf Naziinsignien. Und was sollte das mit dem Schwarzen und der Dusche!? Schade, denn dies sorgt doch für ein kleines Ärgernis, das angesichts der anderen Faktoren jedoch ein Kleines bleibt. Zwar kein ganz so großer Runterzieher und Seelenaufreißer wie IRRÉVERSIBLE, aber dennoch ganz harter Tobak!

 

(8-9/10)

 

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