Das waren die 61. Internationalen Filmfestspiele Berlin


Da sind dann auch schon wieder 10 Tage rum! Schöne 10 Tage waren es in Berlin, die 61. Berlinale, oder besser gesagt meine erste Berlinale, ist vorbei. Nunja, noch nicht ganz, in wenigen Stunden werden die Bären vergeben, aber das sollen die Filmschaffenden mal unter sich machen, ich bin dank Flieger nämlich schon wieder seit einigen Stunden zu Hause. Berlin mag ich als Stadt noch immer nicht, auch wenn man sich hier in der Region Stuttgart eine Anbindung der öffentlichen Verkehrsmittel wie in Berlin nur wünschen kann. Auch auf die Gefahr hin, dass ich damit auf einige arrogant und verwöhnt klingen werde: Berlin ist mir dann doch etwas zu dreckig und asozial. Hier sind nicht nur Asis in den S- und U-Bahnen, sondern auch normale Leute, wenn ich in eine Fast-Food-Kette mit dem goldenen M gehe, werde ich nicht von Bettlern belästigt und auch auf der Straße oder in der Bahn will mir kein Obdachloser aufdringlich seine Zeitung verkaufen. Von dem langweiligen Stadtbild außerhalb des Potsdamer Platzes mal ganz zu schweigen – dann doch lieber schwäbische Einöde.

Doch es gibt auch Positives zu berichten aus der deutschen Hauptstadt. Die Menschen sind nicht nur aufgeschlossener als die verwöhnten Bürger Baden-Württembergs, sondern vor allem auch um Welten freundlicher. Ich habe Situationen erlebt, in denen mir gedankt wurde, für die man hier sogar noch dumm angeschaut werden würde. Ich wurde Zeuge von Höflichkeit, die selbst mich, jemanden mit hohen moralischen Wertvorstellungen, schlichtweg verwunderte. Und auch wenn man in Bahnen und auf der Straße ständig besoffene oder gegen-den-Strich-gebürstete Menschen sieht, die Mentalität der Berliner ist eine völlig andere. Aber mal abgesehen davon, merkt man durchaus, dass die Uhren in der größten deutschen Stadt doch ein wenig anders ticken: kaum einen Tag da, werde ich Zeuge davon, wie jemand im McDonald's (ja, ich war dort des Öfteren) zusammenbricht. Einige Tage später meint eine ältere Dame im vorbeigehen, dass dort oben die Menschenfresser warten würden – aha, alles klar. Ja, Berlin, Du hast mich nicht selten zum Lachen gebracht – manchmal aus Freude, manchmal aus Widerwärtigkeit.

Doch lasst mich mal zum Filmischen übergehen, schließlich war ich ja nicht in Berlin um anthropologische Studien durchzuführen, sondern um die Berlinale zu besuchen, was konkret heißt: viele Filme, viel Anstehen und damit verbunden vor allem viel Geduld. Geduld brauchte man auch mit einigen Kollegen, die mich mit ihren vielen Unarten ebenfalls zum Staunen brachten. Es ist unglaublich, wie viele von ihnen nicht wissen, wie man sich benimmt – und dabei meine ich keine landesspezifischen Manierismen, sondern allgemeingültige Grundsätze des menschlichen Miteinanders. Nein, gedrängelt oder gedrückt wurde selten, aber viel schlimmer: die Organisatoren, die ihren Job besser hätten machen können, keine Frage, aber dennoch alles gaben, blöd anzumachen ist einfach ein Unding. Nur weil man mal einige Minuten länger warten muss, bezeichnet man die junge Dame, die uns auf dem Laufenden hält, noch lange nicht als "Asshole!"‘, wie es aus den hinteren Reihen schallte. Und nach der zweiten Pressevorführung im Berlinale Palast sollte man auch langsam wissen, dass Essen im Saal nicht erlaubt ist. Man muss einige sogar darauf hinweisen, dass man beim Husten normalerweise die Hand vor den Mund nimmt, schlimm!

Sowieso sieht man vielen an, warum sie still und leise zu Hause Texte schreiben statt vor der Kamera oder im Radio zu agieren – aber das ist wieder ein anderes Thema … Auch hier gab es natürlich wieder positive Ausnahmen, allen voran unter den Kollegen aus dem Ausland. Die setzen sich nicht nur neben einen, sondern versuchen sich an so etwas wie einem Gespräch, worüber ich nie abgeneigt bin, im Gegenteil. Hierfür definitiv ein Pluspunkt für die Briten und die Spanier. Negativ aufgefallen, vor allem bei den Pressekonferenzen – ich war nur auf der zu Margin Call, weil dort sowieso meist nur Mist artikuliert wird und viel zu viele Leute in den kleinen Saal stürmen (man will ja schließlich auch mal einen Blick auf die Stars erhaschen, wenn man schon zu keinen Interviews eingeladen wurde) -, sind die Osteuropäer, die sich in jede noch so kleine Lücke drängten. Aber ich werde schon wieder zynisch. Besonders zu Beginn des Festivals war ich das, ja, weil ich eigentlich nur mäßige bis grottenschlechte Filme sah. Erst später wurde es besser, auch wenn mich eigentlich nur ein Film so richtig begeistert hat, und dann auch noch ein Kurzfilm, die ich eigentlich nicht wirklich abkann: The Lost Town of Switez ist ein lebendiges romantisches Gemälde, das mit unglaublicher Hingabe und Liebe zum Detail in sieben Jahren fertig gestellt wurde. Wahnsinn!

Am allerschönsten war aber eigentlich die Tatsache, dass ich endlich einmal all die Kollegen getroffen habe, die ich sonst nur von Twitter, Facebook oder deren Blogs kannte. Bisweilen wurde man sogar von wildfremden Menschen angesprochen, die einen Blick auf den Badge warfen und anhand des darauf aufgedruckten Namens wussten, dass man doch der Freund von diesem und jenem sei und auf Facebook regelmäßig Links teile oder kommentiere. Ich für meinen Teil hielt mich damit eher zurück, man will ja Profi sein und sich nicht als Fanboy outen, auch wenn man den einen oder anderen namhaften Kollegen in den Gängen des Hyatts (der zentralen Anlaufstelle für die Presse) sehen konnte. Schön auch, was für kompetente Köpfe meist hinter Avataren und Nicks stecken – da soll noch einer sagen, dass Blogger Schreiberlinge zweiter Klasse seien! Festival-Amok ist beispielsweise das Blog von Patrick Wellinski (@PWellinski) und Maria Wiesner (@MariaWiesner), die jeden Abend einen Videocast aufgenommen haben und darin aktuelle Wettbewerbsfilme besprachen. Auch Joachim Kurz (@Mietgeist) von kino-zeit.de führte ein tolles Berlinale-Blog, das tagesaktuell das Programm besprach.

Im Grunde eigentlich alles perfekt, wäre da nicht diese triste Grundstimmung gewesen, die sich bereits nach dem ersten Tag einstellte. Ja, das Programm war dieses Jahr nicht wirklich toll, wobei ich jetzt, im Nachhinein gesehen, vielleicht auch den einen oder anderen Film nicht hätte verpassen sollen. Dennoch freuten sich alle über die letzte Pressevorführung am Freitag, in der Jaume Collet-Serras Unknown Identity gezeigt wurde, der ziemlich campy daherkommt, halb Berlin zerstört und dabei Szenenapplaus wie noch kein anderer Film erntete. Dass die Kritiker auf solch einen Mainstream-Film so enthusiastisch reagieren, spricht dabei Bände – und nicht gerade für das restliche Programm der 61. Berlinale. Vielleicht wird im nächsten Jahr ja alles besser – wobei das wohl eher ein Wunschgedanke ist, wie die Kollegen bestätigen –, wenn ich wieder dabei sein kann, wovon ich nicht ausgehe. Wenn, dann dieses Mal wohl auf Seiten der PRler. Es müsste einfach auch mal frischer Wind in die ganze Chose – nicht, dass Boll auf einmal in der Jury sitzt, nein, aber dass Kosslick beispielweise nicht immer die gleiche Nummer aus dem Hut zieht und Anke Engelke aufhört das Ganze zu moderieren. Beide vereint sind nämlich ein einziges Trauerspiel – und zu einem solchen darf die Berlinale nun wirklich nicht verkommen.

Foto: Blogging Dagger


Tags , , , , , , , , ,

61. Internationale Filmfestspiele Berlin


I'm in Berlin, bitch! Es ist schon wieder Mitte Februar, das heißt es ist Berlinale-Zeit. Und statt wie jedes Jahr zu bloggenden/schreibenden/sprechenden Kollegen zu verlinken, will ich an dieser Stelle darauf hinweisen, dass ich in diesem Jahr selbst auf der Berlinale zugegen sein werde. Das heißt konkret, dass ich akkreditiert bin und Euch Kritiken, Hintergrundberichte und hoffentlich auch Interviews aus erster Hand bereitstellen kann. Meine Kritiken werden sich aber nicht hier im Blog finden, sondern drüben bei F.LM, wo ich im Rahmen der Berlinaleberichterstattung auch gleichzeitig meinen Einstand geben werde (einige Berlinale-News sind bereits von mir verfasst worden). Das heißt aber auch, dass es hier die nächsten zwei Wochen etwas still werden dürfte, auch, weil ich nach meiner Rückkehr aus Berlin mein Studium zu Ende bringe, sprich meine letzten Klausuren habe.

Wer also nicht zu den glücklichen 4.000 Journalisten gehört, die in diesem Jahr akkreditiert sind, aber dennoch wissen will, warum Berlin für 10 Tage im Ausnahmezustand ist, der schaut hier und auf Twitter vorbei, wo ich eigens eine Liste mit Kollegen erstellt habe, die ebenfalls von den 61. Internationalen Filmfestspielen Berlin twittern und berichten. Wenn ich nicht gerade im Kino sitze oder mich in Berlin zurecht finde, dann schreibe ich Texte befinde ich mich wohl gerade auf einer Preisverleihung oder auf einer Party des Vice Magazine, die ich endlich mal wahrnehmen kann (ja, richtig, ich will Eure neidischen Gesichter sehen!). Ein Blick auf alle Kanäle – u.a. auch Equilibrium bei Facebook – lohnt sich also auch deshalb. Noch zwei Tage, dann sitze ich im Flieger und bin so lange in der Hauptstadt wie noch nie – mögen die (hoffentlich guten) Spiele beginnen!

Foto: Blogging Dagger


Tags , , , , , , , , , , , ,