Kurz mal abgehakt # 30

Haute tension – beim letzten Mal hatte ich die Zweitsichtung ganz vergessen, pardon. Um ehrlich zu sein, weiß ich aber auch nicht, was ich dazu noch groß sagen soll? Die homophilen Tendenzen sind überdeutlich, ebenso das Spiel mit den Wirklichkeits-/Bewusstseinsebenen. Haute tension ist nicht nur deshalb auch deutlich ergiebiger als beispielsweise der im gleichen Atemzug häufig genannte À l'intérieur. Die finale 'Kettensägenszene' im Auto markiert für mich bis dato eine der größten des ganzen Genres. (8/10)

The Condemned – gar nicht mal so übles 'Remake' von Battle Royale (バトル・ロワイアル), von WWE Films produziert und mit Steve Austin in der Hauptrolle, der so viel Charisma hat wie ein Autoreifen. Die Moral wird, wie auch der Rest des Filmes, mit den Fäusten vermittelt, was angesichts der Trivialität des Ganzen jedoch nicht weiter stört. Wer mit The Marine Spaß haben konnte, der wird ihn auch hier haben. (5.5/10)

Sicko – gibt es eigentlich noch jemanden, der wirklich was auf Michael Moore hält? Perönlich habe ich das noch nie und werde es in Zukunft wohl auch nie tun. Moore ist Polemiker, Manipulateur und Träumer. Warum ich mir dann überhaupt seine neueste Doku angeschaut habe? Nun, zum einen ist die Thematik eine äußerst interessante, denn wenn es an den USA einen großen Nachteil gibt (nunja, wie man's nimmt), dann ist es das Fehlen einer staatlichen Krankenversicherung. Europa ist da natürlich das krasse Gegenteil, denn hier ist alles umsonst, egal was für eine Behandlung man benötigt – zumindest laut Moore. Dass es auch hier große Unterschiede gibt, kommt dem Guten natürlich nicht in den Sinn.

Lieber zoomt er exploitativ in die Gesichter von Opfern, wenn diese die Tränen gerade nicht mehr zurückhalten können und unterlegt ein Geständniss einer ehemaligen Versicherungsagentin vor dem Senat mit 'Adagio for Strings'. Ich denke, das sagt alles – von der blödsinnigen Idee nach Guantanamo Bay zu fahren ganz zu schweigen (wie alt ist der Junge, 13?). Und dennoch hat Sicko auch seine guten Seiten, allen voran die ersten 20 Minuten, in denen Moore das amerikanische System ad absurdum führt und die aberwitzigsten Fälle, die natürlich alles andere als witzig sind, anführt. Die Augen hat mir Sicko also, wenn überhaupt, dann nur in der Hinsicht geöffnet, dass man in Großbritannien Medizin studieren sollte, denn als Arzt verdient man da schon mal an die 100.000 (?) Pfund pro Jahr (im Krankenhaus wohl gemerkt!) – zumindest wenn man Moore Glauben schenken darf… (5/10)

Dekalog, dziesiec – leider hat der Rekorder Dekalog, dziewiec nicht von Beginn an aufgenommen, sodass ich den Dekalog eben ohne das neunte Gebot abschließen musste. 'Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus', lautet das zehnte Gebot, das Kieslowski hier pointiert veranschaulicht. Vermisst habe ich die kieslowski'sche Präsenz einer Frau, denn hier stehen zwei Brüder im Mittelpunkt, die über das Briefmarkenerbe ihres Vaters entscheiden müssen. Die Habgier erfasst beide von ihnen, führt sie sogar so weit, dass einer der Brüder eine Niere gegen eine Briefmarke tauscht. Kieslowski löst sich nahezu von jedem Pathos, zeigt, welche Konsequenzen diese Todsünde auf Menschen haben kann – nur um am Ende dann wieder versöhnlichere Töne anklingen zu lassen. Man kann solch ein Mammutwerk ja schließlich nicht voller Pessimismus beenden – was er in genügend anderen Episoden ja gemacht hat -, oder? Der Dekalog ist nicht nur ein meisterliches Werk, sondern auch ein Werk von unbeschreiblicher Emotionalität. Was man hier in zehn Episoden erlebt, kommt keiner Achterbahnfahrt der Welt gleich. Ein einzigartiges Werk! Dekalog, dziesiec (8.5/10), Dekalog (10/10)


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Kurz mal abgehakt # 29

Ich weiß, es gab schon seit schier unendlich langer Zeit kein(e) Review(s) mehr, was ich hiermit auch ändern will. Zugegeben, es hat sich auch nicht so viel angesammelt über die letzten Wochen, denn außer den PVs scheine ich derzeit nicht viel auf DVD oder im TV zu schauen – warum auch immer. Jedenfalls darf man sich in den nächsten Tagen noch auf ausführliche Reviews u.a. zu Speed Racer, Funny Games U.S. und Cassandra's Dream freuen. Bis dahin gibt es aber erst einmal einige Kurzreviews zu nicht allzu aktuellen Filmen.

La double vie de Véronique – ich traue es mich als großer Fan Kieslowskis ja eigentlich kaum zu sagen, aber hier war ich doch etwas enttäuscht. Kieslowski scheint hier vielmehr auf das unbekleidete Äußere Irène Jacobs abzuzuielen als auf ihr emotionales Äußeres (das noch deutlich bezaubernder ist). Die Geschichte, die Kieslowski hier erzählt ist bisweilen schwer zu greifen – er philosophiert über Seelenverwandschaft, Freundschaft und, natürlich, die Liebe. Gewohnt setzt er dabei alles faszinierend in Szene und lässt Jacob den Film mal eben nahezu allein tragen, was angesichts ihrer Präsenz aber auch nur allzu verständlich ist. La double vie de Véronique ist großes emotionales Kino, das wollte ich mit dem einführenden Satz nicht verneinen, nur kommt er nicht an Dekalog oder Trois couleurs: Rouge heran. (8.5/10)

The Killing – ja, langsam aber sicher bereite ich mich mal auf mein Film-Noir-Seminar vor, das, wie ich jetzt erfahren habe, aber keinen Kubrick auf dem Plan hat. Egal, Kubricks The Killing ist jedenfalls ziemlich spannend, in seiner Erzählstruktur recht intelligent gesponnen und mit einem tollen Sterling Hayden, von dem ich in Zukunft definitiv mehr sehen will. Erstaunlich, wie roh und brutal Kubricks Film bisweilen daherkommt. Das alles wird dann nur noch von der grandiosen Schlusseinstellung getoppt, die dem Zuschauer, also dem potenziellen Verbrecher (?), direkt vor die Nase tritt. Crime doesn't pay, wer's immer noch nicht geschnallt hat, der weiß es spätestens jetzt. (8/10)

El Topo – ja, hier war die Vorfreude nicht minder groß – ebenso wie die Verwirrung. Um mit einem Brainstorming zu beginnen und zu schließen: Ureinwohner vs. Amerikaner, Sklaverei, Polygamie, Gewalt, Kolonialmentalität, Religion und ihr Einfluss, Herrschaftswahn, Vater-Sohn-Beziehung, … (5/10)

House of the Dead – machen wir's kurz: Zusammen mit zwei Freunden geschaut, die das ganze Boll-Gebashe ebenfalls verfolgt haben. Geschaut wurde das Bollwerk natürlich mit Audiokommentar (wir sind ja schließlich nicht lebensmüde!), und was soll man sagen? Es hat mindestens so viel Spaß gemacht wie noch beim ersten Mal.


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Kurz mal abgehakt # 28

Untraceable – das ist das Problem, wenn man PVs besucht und gleichzeitig auch keine Sneak auslässt, man sieht die Filme doppelt. So geschehen letzten Montag mit Untraceable. War aber nicht weiter schlimm, denn ich hatte die erfreuliche Erkenntnis, dass der Film auch beim zweiten Mal noch gut funktionierte. (7/10)

The Kingdom – puh, der hat mich ganz schön gepackt! Die Doppelung des Höhepunktes in der Exposition ist toll, die politische Botschaft ist eben nicht radikal, unreflektiert patriotisch oder schwarz-weiß-malerisch – das zeigt bereits der schön umgesetzte Vorspann. Klar ist das alles bis zur Schmerzgrenze konstruiert, aber doch überkam mich immer wieder ein äußerst kalter Schauer, denn das, was da auf der Leinwand mit Hollywoods Beaus zu sehen ist, passiert so in der Realität tagtäglich. (8.5/10)

Hexen bis aufs Blut gequält – ich zitiere einen Kollegen der Filmforen, der es schön pointiert auf den Punkt bringt: "Der ehemalige Big-Brother-Moderator Percy Hoven als Kinderstar? Ingeborg Schöner, die Waisenhausleiterin aus 'Die Supernasen', märchenhaft hübsch? Herbert Fux, den meine‘Mar adentro’ Generation überwiegend aus 'Feuer, Eis & Dosenbier' als rotzenden Alm-Öhi kennt, spielt überzeugend einen der brutalsten Folterknechte der Filmgeschichte? Ein phänomenaler Soundtrack zwischen Bergkitsch und Morricone von Schlagerbarde Michael Holm, bei dem 'Cannibal Holocaust' geklaut haben muss? Oben drauf uns Udo Kier, als Schöngeist, und 'Pink Panther'-Kommissar Herbert Lom in seiner vielleicht düstersten Rolle? Vom englischen Genre-Profi Michael Armstrong gedreht? Auf Deutsch gefilmt?
Dazu gäbe es einiges zu analysieren, aber die Zeit ist es, unergründlich verschließt sie vor uns, was uns lieb ist. Daher eine simple Antwort: Ja, das alles und noch viel mehr bietet diese Horror-Perle. Sehr empfehlenswert, wenn auch teils kritisch zu bewerten."
Ein absolutes Fest! (7/10)

Into the Wild – in großartigen Bildern erzählt Sean Penn eine zutiefst menschliche Geschichte vom Frei- und Unabhängigsein, die zwar immer wieder etwas heuchlerisch und verherrlichend wirkt (warum hat er nicht etwas Geld mitgenommen, dann hätte er nicht bei Burger King arbeiten müssen?, zudem kommt er von der Gesellschft nie wirklich los, das zeigt auch der Bus, der ihm als Unterkunft dient), ob der zugrunde liegenden Vorlage aber nur konsequent ist. Emile Hirsch liefert die bisher beste Leistung seiner Karriere. Into the Wild ist äußerst bildgewaltiges und emotionales Erzählkino mit der ein oder anderen Länge und einem tollen Soundtrack. (8.5/10)

Mar adentrofuckin' masterpiece! Und eine der beeindruckendsten schauspielerischen Leistungen überhaupt, die Javier Bardem hier abliefert. (10/10)


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Kurz mal abgehakt # 27

Rambo: First Blood Part II – dass ich den Film nun innerhalb eines Jahres zum vierten Mal gesehen habe, denke ich, spricht für sich. Lieblingsmoment nach wie vor das Schlussgespräch mit Trautman, das alles doch so schön rekapituliert. (9/10)

The Simpsons Movie – da ich ja einer der wenigen Menschen auf Erden bin, dem die Gelben nicht so zusagen, wundert es wohl auch nicht allzu sehr, dass ich auch mit der Filmversion nicht allzu viel anfangen konnte. Klar, einige Lacher gibt es, und auch die Omnipräsenz Al Gores ist amüsant, aber die emotionale Verbundenheit zu den Figuren und der ganzen gelben Welt, die wohl die meisten beim Sehen des Filmes haben, hatte ich einfach nicht. Eines weiß ich aber: Die Charaktere, allen voran Homer, klingen im Original besser als in der DF. (6.5/10)

‘Hallam Foe’

The Assasination of Jesse James by the Coward Robert Ford – puh, was ein langer Titel. Was ein langer Film. Erstaunlich aber, dass sich diese Länge kaum bemerkbar macht, denn auch wenn Jesse James alles andere als temporeich ist, so ist er dennoch nie zu langsam. So ist das Ganze dann auch – wie zu erwarten – ziemlich schön in Szene gesetzt (man muss der Konkurrenz à la The Proposition und Co. ja schließlich die Stirn bieten können), mit klasse Darstellern versehen (wäre Casey Afflecks Gegner, Javier Bardem, nicht so stark gewesen, hätte er den Oscar mehr als verdient gehabt) und spart auch an sonstigem Pathos, wie dem Erzähler aus dem Off oder der Abblendungen, nicht. Bei letzteren beiden konnte ich dann aber auch einfach den Gedanken nicht verwerfen, dass ebendieses Pathos nur Mittel zum Zweck ist. Dennoch, ein schöner Film. (7.5/10)

Hallam Foe – langsam gewinne ich sie immer lieber, diese coming-of-age-Dramen. Warum? Hmm, weil sie mich persönlich mehr berühren als das ganze Popcongedöns im Kino? Weil ich mich nach den Prämissen dieser Filme sehne? Oder weil sie handwerklich einem großen Blockbuster in nichts nachstehen (oder meist sogar überlegen sind)? Hallam Foe trifft jedenfalls den Nagel wieder mal auf den Kopf: Ein äußerst sympathischer Protagonist, eine anrührende Geschichte und tolle musikalische Untermalung. (8.5/10)

‘Shooter’

Boogie Nights – irgendwie beschleicht mich das Gefühl, dass Andersons Filme in der zweiten Hälfte immer etwas abbauen (zumindest ist dies auch bei There Will Be Blood der Fall). Dass er in der zweiten Hälfte etwas den Finger erhebt – und dass auf den Aufstieg tragödientechnisch der Fall folgen muss -, wundert angesichts der Thematik ja nicht, aber bisweilen meint er es dann doch zu gut (die Hälfte wird kriminell, alle nehmen sie Drogen, Zufälle, die so wohl nur im Film stattfinden, …). Der tolle Cast, eine unfassbar authentische Atmosphäre (yeah, 80's!) und unzählige unvergessliche Momente – allen voran die TV-Serie Dirk Digglers – lassen Letzteres aber nicht groß ins Gewicht fallen. (8.5/10)

Shooter – empfand ich dieses Mal als etwas besser als noch im Kino. Zum einen, weil ich ihn in HD gesehen habe, wofür solch ein Film natürlich prädestiniert ist, und zum anderen, weil er einfach so schön schnörkellos ist. Schön auch, wie Shooter in die ganze Patriotismus-Krieg-Öl-Demokratie-Debatte einsteigt, nur am am Ende dann wieder jeglichen Hauch von Politik in den Wind zu blasen. Die Bösen müssen eben bestraft werden, egal wie. Zwar nicht ganz so (offensichtlich) politisch wie der bessere Tears of the Sun, aber dennoch ein eindeutiges, für viele wohl mit Kopfschütteln rezipiertes, Statement Fuquas. (8/10)


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Kurz mal abgehakt # 26

Und weiter ging es mit Kieslowskis Meisterwerk…

Dekalog, dwa – 'Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen'. Nach Trzy der bisher beste Beitrag der Serie. Mit Krystyna Janda hat Kieslowski wieder mal eine wunderschöne Protagonistin gefunden, die er in wunderschönen, aber einmal mehr kalten Bildern einfängt. (9.5/10)

Dekalog, piec – wie ich erst heute herausgefunden habe, ist diese Episode die Grundlage für Kieslowskis Spielfilm Krótki film o zabijaniu (A Short Film About Killing), deshalb auch das Gebot 'Du sollst nicht töten'. Und selbst in der Kurfzform funktioniert das Ganze hervorragend, auch wenn ich anfangs Probleme hatte, den Zugang zu finden. Kieslowski nutzt zum ersten Mal warme Farben, anfangs mehrere Protagonisten – auch wenn es am Ende wieder auf zwei hinausläuft – und könnte die Prämisse deutlicher nicht machen. Die letzten Minuten des Verurteilten haben mich übrigens stark an Paths of Glory erinnert. Zudem hat es mich überrascht, dass es in Polen vor 20 Jahren noch die Todesstrafe gab. (9/10)

‘Dekalog, szesc’

Dekalog, szesc – wieder mal ein recht harter Stoff, den Kieslowski hier verarbeitet. Ein junger Mann, der sich in eine Frau verliebt, die alterstechnisch seine Mutter sein könnte und sich in losen Beziehungen befindet – 'Du sollst nicht ehebrechen'. Das Spiel der beiden Protagonisten erinnerte mich an Trzy: Eine Beziehung, aus der nichts werden kann, eine Liebe, die zwar kurz erwidert wird, aber auf lange Sicht nicht bestehen bleiben kann. Das Ende ist dann buchstäblich das Ende: "Ich beobachte Sie nicht mehr." – Gänsehaut! Basiert auf Krótki film o milosci (A Short Film About Love). (9.5/10)

Dekalog, siedem – primär bin ich hier überrascht gewesen, dass Kieslowski zum ersten Mal eine Frau 'nimmt', die vor natürlicher Schönheit nicht gerade blüht, was dem Ganzen aber kaum Abbruch tut. Das 'Du sollst nicht stehlen'-Gebot wird nach meinem Geschmack etwas falsch angegangen, da der Fokus leider nicht auf dem Zwischenmenschlichen zwischen Tätern(n) und Opfer(n) liegt. Die erste Episode, die mehr als zwei Protagonisten hat. (8.5/10)

Dekalog, osiem – 'Du sollst nicht falsches Zeugnis geben wider deinen Nächsten'. Fängt sehr stark an – besonders die kurze Eröffnunfssequenz ist großartig -, baut dann aber leider etwas ab, was wohl den nicht allzu charismatischen Figuren zuzuschreiben ist. Sehr schön und im Gedächtnis bleibend aber die erste Parallele zu einer anderen Episode, nämlich zu Dwa. Außerdem ist mir hier der kurze Einsatz des comic relief, den es ja fast in jeder Episode gibt, am stärksten aufgefallen. (8.5/10)


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Kurz mal abgehakt # 25

Masters of Horror: Valerie on the Stairs – habe ja bisher nur Argentos Pelts aus der Masters of Horror-Reihe gesehen, den ich nicht sonderlich gut fand. Glücklicherweise konnte mich aber Mick Garris', ausführender Produzent der Reihe, Beitrag da reichlich mehr begeistern. Dass in den etwas mehr als 50 Minuten kein Platz für große Charakterstudien und anderes bleibt, ist hinlänglich bekannt, und dennoch empfand ich Valerie on the Stairs als einen recht ausführlichen Beitrag mit Ansätzen von Subtext. Was ist die Realität? Was durchleben (erfolglose) Autoren, die nach Inspiration suchen? Valerie on the Stairs ist eine Geschichte in der Geschichte, denn genau das, was Protagonist Rob (Tyron Leitso) da schreiben will, durchlebt er auch (was am Ende in einer schönen Einstellung dann pointiert auf den Punkt gebracht wird). Natürlich bleiben dabei aber auch Sex und Gore nicht auf der Strecke, wobei das die Geschichte ob ihres Ansatzes von Subtilität gar nicht unbedingt nötig gehabt hätte. (7.5/10)

Dekalog, jeden – was habe ich mich auf dieses Mammutwerk Kieslowskis doch gefreut. Stanley Kubrick nannte den Dekalog das einzige Meisterwerk, das er benennen könne, und ich denke respektive hoffe, dass er sich da alles andere als getäuscht haben dürfte. Den Anfang, 'Du sollst keine anderen Götter neben mir haben', macht eine Geschichte, die die Technologie in Frage stellt. Können wir uns immer blind auf die Technik verlassen oder kann man sich nur auf Gott verlassen? Die Antwort am Ende ist eindeutig. Kieslowski lässt kalte Farben sprechen, nichts, aber auch gar nichts wirkt hier warm oder dergleichen, nicht einmal Zbigniew Preisners gewohnt tolle Musik. Ein ganz großer Auftakt. (9/10)

‘Masters of Horror: Valerie on the Stairs’

Dekalog, trzy – den zweiten habe ich noch nicht gesehen (arte wiederholt ihn aber morgen), deshalb gleich mit Gebot Nummer Drei, 'Du sollst den Sabbat heilig halten', weiter, den ich bis jetzt für den absoluten Höhepunkt der Serie halte. Kieslowski versteht es, das wird mir immer mehr bewusst, wie kein anderer, Frauen und deren Gesichter einzufangen – hoch emotional sind sie meist, wunderschön dazu. Kieslowski lässt hier das Rot dominieren, nicht die einzige Parallele zu Trois couleurs: Rouge. Es ist Heilig Abend, zwei Menschen treffen sich, die sich drei Jahre nicht gesehen haben und sich eigentlich auch nie wieder hätten sehen sollen. Doch es kommt anders, obwohl beide wissen, dass das nie etwas werden kann. Am Ende kehrt Janusz (Daniel Olbrychski) zu seiner Frau zurück. Trzy hat eine unglaubliche emotionale Kraft, die nicht nur von den beiden Darstellern ausgeht, sondern auch von den poetischen Bildern. Es wird schwer, das zu toppen. (10/10)

Dekalog, cztery – einige sehr heiße Eisen, die Kieslowski hier anpackt. 'Du sollst Vater und Mutter ehren', so das vierte Gebot. Einmal mehr lebt die Episode von seiner Lethargie, den ruhigen, aber äußerst aussagekräftigen Bildern, und auch hier dominieren eher kalte Farbtöne. Auffällig, dass Kieslowski hier ebenfalls nur – mehr oder weniger – zwei Personen agieren lässt und diese einen Konflikt untereinander austragen müssen. Nicht ganz meine Thematik, das Ganze, vielleicht auch deswegen die bisher schwächste Folge (was angesichts der extrem starken Konkurrenz aber nichts heißen soll). (8/10)


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Kurz mal abgehakt # 24

Es hat sich wieder mal ein wenig angesammelt, die letzte(n) Woche(n). Und zu verdanken habe ich das, jedoch in einem positiven Sinne, wieder mal TheRudi

Paths of Glory – zuerst einmal: Freude, dass ich es endlich geschafft habe, einen weiteren Kubrick zu sichten. Noch mehr Freude dann, als sich herausstellte, dass dieser ein richtiges Mammutwerk ist. Allein wie virtuos Kubrick die Kamera durch die Schützengräben scheucht, sorgt schon für Gänsehaut. Von der Hinrichtungsszene und dem deutschen Fräulein in der Kneipe ganz zu schweigen. Ein ganz großer Film, sowohl technisch als auch emotional, den ich gleich nach Dr. Strangelove als besten Kubrick nennen würde. (9/10)

‘Paths of Glory’

Ed Wood"I like to wear women's clothes." Und es ging gleich weiter mit den fantastischen Filmerlebnissen. Und auch hier erst einmal Freude angesichts der Tatsache, dass ich auch Burtons Filmografie endlich mal fortsetzen konnte. Und was soll ich groß sagen? Zusammen mit Sweeney Todd der beste Burton. Was es hier an magic moments gibt, ist fast schon unverschämt. Und auch wenn es schon unzählige Male erwähnt wurde, man kann den Film einfach nicht würdigen, ohne Depps Leistung hervorzuheben. Lustig auch der Dialog zwischen mir und TheRudi bei Übergabe der DVD: "Ach, der Dracula in Ed Wood ist doch Boris Karloff, oder?", meine ich da total kompetent zu TheRudi, der nur erwidert: "Nein, das ist Bela Lugosi." Nach Sichtung des Filmes eine verheerende Aussage, die mich sowohl mit einem weinenden, als auch einem lachenden Auge zurück ließ… (8-9/10)

Ghost in the Shell (攻殻機動隊) – genau die Art von Zeichenstil, die mir gefällt. Hatte den Film jahrelang vor mir hergeschoben, jetzt aber endlich mal geschaut und zwar nicht begeistert, aber doch sehr angetan vom leicht wirren Geschehen im Japan der Zukunft. Die Musik ist klasse und ich wurde für knappe anderthalb Stunden in eine fremde Welt getragen, in der sich gerne verweilte. Ich kann das nicht vollkommen rational beschreiben, aber ich hatte insofern ein Déjà Vu, als dass ich in genau der gleichen Stimmung war, als es zuletzt bei The Animatrix der Fall war. Die Bilder (und Animationen) haben einfach eine Magie, die schwer beschreibbar ist, fernab der Magie eines Disneys wie The Lion King, aber dennoch sehr 'toxisch' ist. Und um es klar zu stellen, da ich ja schon The Animatrix anführte, wenn jemand geklaut hat, dann ja wohl die Wachowskis bei Oshii. (8/10)

‘Ghost in the Shell’

Unforgiven – zu allererst einmal: Eastwood ist eine coole Sau! Diese Tatsache brennt sich immer mehr in mein Hirn ein, je mehr Filme ich von ihm sehe. Zwar gibt er diese auch hier wieder, doch weiß Gott ist er dabei nicht der Held, nein, wirklich nicht. Es gibt hier sowieso keinerlei Helden, obwohl die Auswahl an Figuren recht üppig ist. Ich hätte nie gedacht, dass ein deutscher Titel den Nagel mal auf den Kopf trifft, aber hier ist dies doch wirklich mal der Fall. Erbarmungslos, so der deutsche Titel, und er hat ja so was von Recht: Hier werden keine Gefangenen gemacht, egal auf welcher Seite – wobei, es gibt doch eh nur eine, oder? Das alles hält Eastwood in wunderschönen, teils poetisch anmaßenden, Bildern fest, für die das Cinemascope erfunden wurde, keine Frage. (8/10)


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Kurz mal abgehakt # 23

In der letzten Woche hat sich nach langer Zeit mal wieder ziemlich viel angesammelt – TheRudi und seinen Leihgaben sei Dank.

Punch-Drunk Love – war nach PT Andersons There Will Be Blood ganz heiß auf sein Oeuvre. Und so wundert es mich auch nicht, dass unzählige Parallelen zu seinem Aktuellen zu finden sind. Punch-Drunk Love lässt sich Zeit, verwendet teilweise ellenlange Einstellungen und lässt auch die Musik bisweilen in den Vordergrund treten. Verstanden habe auch ich den Film nicht, da bin ich aber nicht allein. Und trotzdem, bei all den schönen Einstellungen – allen voran die Kussszene in der nur die dunklen Silhouetten zu sehen sind – bleibt Andersons Film für mich auch emotional nahezu ungreifbar. Ich interessiere mich nicht für die Figuren, von der Handlung ganz zu schweigen. Ein Fall von 'tolle Momenten, aber ein durchschnittliches Ganzes', würde ich sagen. Notiz an mich: endlich Boogie Nights besorgen! (6/10)

‘Punch-Drunk Love’

Jay and Silent Bob Strike Back – wollte ich schon seit Jahren sehen… Die Dialoge sind unbeschreiblich gut, die Cameos drücken einem die Freudentränen in die Augen, die Musikeinlagen sind zum Schreien. Eigentlich ein perfekter Film also, oder? Nicht ganz, denn was ich bei Smith sehr schätze, nämlich seinen reinen Dialoghumor, verkommt hier des Öfteren zum Slapstickhumor (bspw. das Duell mit Mark Hamill). Unterm Strich bleibt aber dennoch eine saugeile Komödie, die allein schon ob ihrer Einzelszenen (Damon & Affleck vs. Van Sant, "C.L.I.T. commander", …) unvergesslich bleibt. (7-8/10)

Adaption. – so sehr das plötzliche Thrillerelement im Plot auch essentieller und cleverer Bestandteil des Ganzen ist, so hat es mich doch irgendwie rausgehauen. Die Figur Charlies (Nic Cage) ist ein äußerst interessante, emotionale, die ich gerne mehr erforscht hätte und der ich ein Happy End – in gewisser Hinsicht hat er es ja dennoch – sehr gegönnt hätte. Nicolas Cage spielt in der Tat sehr gut, Streep ging mir aber nach einer gewissen Zeit recht stark auf die Nerven, was aber auch zu großen Teilen ihrer Figur zuzuschreiben ist. Adaption. erfreute mich sowieso in erster Linie mit seiner frischen Idee, ich meine, das Drehbuch ist von Charlie Kaufman und dessen Bruder, am Anfang gibt es sogar echtes Material aus Being John Malkovich (der darin aber ziemlich unsympathisch rüberkommt) – weird, wie es das englische Wort m.M. sehr gut beschreibt. Bis auf die 'reingeschriebene' Räuberpistole (Dank an Donald) ist Jonzes Film aber ein äußerst cleveres und interessantes Unterfangen (objektiv gesehen ja gerade deshalb). (7-8/10)

Super Size Me – sehr interessante, wenn auch äußerst Michael Moore'eske, polemische Doku, die bei mir jedoch genau das Gegenteil bewirkte. Ich bekam nämlich Hunger, ärgerte mich, dass es bei uns die Option des 'Super Size' nicht gibt (zumindest nicht in dieser Form). Ist der halbe Liter hier das Maximum in Sachen Getränk, so ist dies in den USA die zweitkleinste Größe – auf der anderen Seite des Großen Teiches ist eben alles größer. Hungrig war ich aber spätestens dann nicht mehr, als die von Spurlock kontaktierten Ärzte meinten, dass er, wenn er so weitermachen würde, in absehbarer Zeit das Zeitliche segnen würde. Von der Leber, die jener eines Alkoholikers gleichkommen würde, ganz zu schweigen. Ja, es gibt zu Denken, keine Frage – und doch geht es spätestens nach dem nächsten Kinobesuch wieder zum nächsten Burger King… (7/10)

‘Snatch.’

Snatch. – Enttäuschung. Nach dem tollen Lock, Stock and Two Smoking Barrels hatt ich dann doch etwas mehr erwartet. Kein schlechter Film, aber der Funke wollte dann doch einfach nicht so richtig überspringen. Viel zu sehr auf cool getrimmt, wirkte das. Viele Elemente und Einstellungen sind auch 'cool', das will ich ihm nicht absprechen, aber insgesamt steht dem Ganzen dann doch etwas zu groß 'Schaut her, wie saucool ich bin' auf der Stirn. Der Cast hingegen ist Coolness pur, und wenn Statham mit seinem schönen Englisch aus dem Off beginnt, dann ist es schon um mich geschehen (die Spitze des Eisberges: Pitts englisch-irisch-wasauchimmer-Mix). Hat durchaus seine Momente und kommt auch ohne großen Firlefanz auf den Punkt, nur weiß ich eben auch, warum der Film bei der coolen Jugend so gut ankommt. (7/10)


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Kurz mal abgehakt # 22

Rambo – ein zweites Mal im Kino gesehen und noch immer von den Socken. Es steckt hier einfach so viel unter der Oberfläche, was man angesichts der furiosen 80er-Atmosphäre schnell mal zu vergessen scheint. Ein mehr als würdiger Abschluss der Reihe. (9-10/10)

Infernal Affairs (無間道) – was hier als erstes aufkommt, ist natürlich etwas Negatives. Dies ist jedoch nicht dem Film zuzuschreiben, sondern der Tatsache, dass ich seit Scorseses Remake immerzu an dieses denken muss, wenn ich Infernal Affairs schaue. Dabei wirkt die amerikanische Version zwar immer wieder um Welten schlechter als das kantonesische Original, aber die Bilder des letztjährigen Oscars (inklusive Versprecher aus dem Off) kann ich einfach nicht verdrängen. Aber vielleicht hat das Ganze auch etwas Gutes, zeigt es doch meine große emotionale Bindung zum Film. "Ich will mit ihm tauschen." – es fällt mir schwer, die Tränen zurückzuhalten (was beim Amerikaner nicht anders war, nur waren es eine andere Art von Tränen…). (10/10)

‘Infernal Affairs’

Deliverance – oha, eine der größten Enttäschungen seit Jahren! Hatte etwas im Stile von The Texas Chain Saw Massacre erwartet, zumindest in Sachen Atmosphäre. Bekommen habe ich aber einen Sonntagsausflug, der sich für jede Einstellung ewig viel Zeit lässt, nur um dann zu enden, wenn er gerade in Fahrt kommt. Keine Frage, die Aufnahmen sind sehr schön, ordentlich durchkomponiert und mit klasse Darstellern besetzt (so jung hatte ich Voight noch nie gesehen), nur hat mich das Ganze kaum miteinbezogen – nicht einmal beim Übergriff empfand ich groß etwas. Irgendwie fehlten mir Hintergrund (was den Film für andere aber wohl gerade deshalb so interessant machen dürfte) und ein Spannungsbogen. Vielleicht hatte ich nach all den positiven Stimmen auch einfach nur zu hohe Erwartungen an Boormans Film gestellt. (6/10)


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Kurz mal abgehakt # 21

Going to Pieces: The Rise and Fall of the Slasher Film – Dokumentation des amerikanischen Kabelfernsehns über die Geschichte des Slashers von den 70ern bis heute. Dabei kommen natürlich auch die Meister des Genres ausreichend zu Worte, wie beispielsweise Wes Craven und John Carpenter. Neben der nicht allzu unbekannten Tatsache, dass der Slasherfilm nach seinem Boom in den 70er/80er-Jahren reichlich Kritik eintecken musste (warum all diese Gewalt, warum immer das gleiche Prinzip, bis hin zu Beschwerden und Petitionen gegen bestimmte Filme) und der intellektuellen respektive politischen Rechtfertigung des Genres durch seine Macher, informierte mich/machte mir die Doku vorallem Appetit auf einige Perlen des Genres, die ich bis dato noch nicht gesehen habe – allen voran Sleepaway Camp und Prom Night. Garniert mit zahlreichen vorallem blutigen (!) Ausschnitten sei diese Doku jedem Slasherfan ans Herz gelegt. (7/10)

I Now Pronounce You Chuck & Larry – im Grunde natürlich ein großer Haufen Nonsens, der allerdings – und das rechne ich ihm hoch an – sehr gut zu unterhalten weiß. Driftet der Humor bisweilen ins Unerträgliche ab (die Sache mit dem fetten Sohn war so witzig wie eine Beerdigung), so feuert er aber auch wahre Lachsalven ab, vorausgesetzt man(n) kann über abgenudelte Schwulenklischees und Witze lachen (was bei Bully beispielsweise nicht funktioniert, hier aber hervorragend). Es gibt hier einfach so viele Momente zum Wegbrechen ("Girl's day!?"), dass man über kleinere Schwächen getrost hinweg sieht. Und wenn ich an die Einführung Jessica Biels mit dem heißgeliebten The Air that I Breath denke – soundtracktechnisch ist das Ganze eh über allem erhaben -, dann ist es sowieso um mich geschehen. Für Homos aber dennoch ein großes Ärgernis, trotz versöhnlicher Prämisse… (6-7/10)

‘Exte’

Exte: Hair Extensions (エクステ) – hach, was bin ich enttäuscht. Nicht etwa, weil ich ihn auf dem letztjährigen Fantasy Filmfest verpasst habe, sondern weil er nicht nur unfassbar langweilig, sondern auch unfassbar prätentiös ist. Die Idee an sich ist ja nett, Haare, die bei den Asiaten sowieso eine wichtige Rolle spielen, als Horrorelement, das sich buchstäblich durch den ganzen Film zieht. Doch wenn der Film schon seine erste halbe Stunde dafür verpulvert, die in der Tat scheußliche Schwester zu dämonisieren, dann scheint es doch an Ideen zu mangeln – da ist der 'Freak' (mit seiner Kleidung wohl eine Art Repräsentant der [japanischen] Popkultur) nur die Spitze des Eisberges. Enttäuschend, aber so richtig. (3-4/10)


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