Inter arma enim silent leges: 'The Kill Team' Doku Trailer

Man muss sich nicht nur im September darüber ärgern, dass man nicht in Kanada wohnt, wenn das TIFF seine Pforten öffnet, sondern auch im April und Mai. Da ist in Toronto nämlich das alljährliche Hot Docs Festival, das sich – wie der Name schon sagt – dem Dokumentarfilm verpflichtet hat. Dort wird es nämlich Daniel Krauss' Doku The Kill Team zu sehen geben, die den Fall um ein Platoon in Afghanistan, das so wenig zu tun hat, dass es irgendwann damit beginnt, afghanische Zivilisten zu töten, rekapituliert und Beteiligte zu Wort kommen lässt. Der zwei Jahre alte Fall des 'Kill Teams' sorgte auch bei uns für Schlagzeilen. Der Trailer sieht äußerst vielversprechend aus.


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Die Stille nach dem Schuss: 'Zero Dark Thirty'


Das Bild ist noch komplett schwarz. Wir hören Originalaufnahmen von Telefongesprächen aus dem World Trade Center vom 11. September 2001. Wir kennen die meisten dieser Telefonate, die wir da fast schon voyeuristisch belauschen aus der Berichterstattung von damals. Wir sind diesen Aufnahmen komplett ausgeliefert, können nichts anderes tun als zuzuhören, wie ein zweites Flugzeug in das WTC fliegt und die Stimmen der Menschen voller Angst sind. Nein, keiner, der diese Ereignisse live miterlebt hat, wird sie jemals wieder vergessen. Erst eine Dekade später sollte der Urheber dieser Tat zur Rechenschaft gezogen werden. Doch bis dahin ist es auch in Kathryn Bigelows Zero Dark Thirty noch ein weiter Weg. Auf die 9/11-Protokolle folgt ein harter Schnitt. Plötzlich befinden wir uns in einem Geheimgefängnis in Afghanistan, wo ein Verdächtiger – man sieht es ihm deutlich an – schon länger verhört wird. Es ist ein äußerst harter Schnitt. Einer, der Bigelow und ihrem Drehbuchautor Mark Boal im Vorfeld viel Kritik einbrachte, weil Bigelow das ausführlich zeigt, was nach wenigen Minuten folgt: Waterboarding und andere Foltermethoden.

Einerseits will man sich immer wieder ins Gewissen rufen, dass dieser Mann, der dort gerade das unangenehme Gefühl nacherlebt zu ertrinken, für ebenjene Ereignisse mitverantwortlich ist, mit denen Bigelows Film beginnt. Andererseits versteht es Bigelow aber auch, diese Szenen so zu inszenieren, dass nicht selten Mitleid für den Gefangenen aufkommt und man das Ganze nicht immer leicht ertragen, geschweige denn zusehen kann. Genau so ergeht es auch Bigelows Protagonistin Maya (Jessica Chastain), die vom Schreibtischjob in D.C. nach Afghanistan kommt und dort quasi gleich ins kalte Wasser geworfen wird. Anfangs scheint sie sich selbst nicht sicher zu sein, ob diese 'coercive interrogation' wirklich von Nöten ist. Sie selbst geht es jedenfalls anders an, auch wenn sie Gefangenen ebenfalls nicht mit Samthandschuhen anfasst. Doch nicht nur ihre Haltung gegenüber extremen Verhörmethoden soll sich schon bald ändern. Zero Dark Thirty ist nicht nur dieser 'Kill-Bin-Laden-Film', als der er anfangs etikettiert wurde, sondern vor allem auch ein Film über eine besessene Frau.

Bigelow lässt sich viel Zeit für ihre 'Heldin', bei der wir nie wirklich wissen, was es nun eigentlich ist, was sie antreibt und dieser ständigen Gefahr aussetzen zu lassen. Ist sie einfach nur eine knallharte Karrierefrau oder ist sie der Meinung, dass sie eine gewisse Bringschuld zu begleichen hat? Zumindest zu Beginn bleiben sie und ihre Motive etwas im Dunkel. Erst später, wenn sie Freundschaften geschlossen hat, was angesichts der Arbeit und Lage schon schwer genug ist, wird klar, dass sie dies auch für ihre Freunde und Kameraden tut. Viele davon lernen wir im Laufe des Films kennen, viele davon gehen auch schnell wieder. Dies passiert aber meist unfreiwillig, denn Zero Dark Thirty schert sich nicht nur um sein vermeintliches Anliegen, das Finale in Abbottabad, sondern ist vor allem auch ein Film, dessen Anliegen es ist, den sogenannten Kampf gegen den Terror zu porträtieren. Ständig befinden wir uns an einem anderen Ort, in einem anderen Hotel, einer anderen Green Zone, einer anderen US-Basis. Genauso oft sitzen andere Terror-Verdächtige vor uns und ihren Richtern, bei denen wir schon mit den Namen Probleme haben, sie zu- oder gar einzuordnen.

Hier findet sich ein weiterer Aspekt, der im Vorfeld Anlass zur Kritik gab, denn nicht nur CIA-Direktor Morell war der Meinung, dass Bigelows Film nicht die Wahrheit spricht, waren es doch zig Tausende Männer und Frauen, die sich am Kampf gegen den Terror beteiligten und Bin Laden schließlich in Pakistan ausmachten. Doch diese Kritik greift nicht wirklich, denn Zero Dark Thirty ist immer nur eine Momentaufnahme. Wenn ein hochrangiger Taliban, von dem man sich Informationen erhofft, ein Geheimtreffen mit einer Kollegin von Maya (Jennifer Ehle) auf einer US-Basis hat, dann wissen wir, dass hier deutlich mehr als nur diese Gruppe von Beamten und Soldaten beteiligt ist. Doch es geht sowieso nicht um den Einzelnen, auch wenn es immer Einzelne sind, die beispielsweise bei einem Selbstmordattentat zu Tode kommen (das Bigelow in all seinem Schrecken immer wieder zeigt). Oder wenn Maya wie besessen davon ist, das große, geheimnisvolle Haus in Pakistan zu stürmen. Es geht um ganze Nationen, Allianzen und Systeme, deren Stellvertreter wir lediglich kennen lernen. Auch Bin Laden selbst ist ein Einzelner, der aber für ein ganzes System steht.

Genau hierin zeigt sich eindrucksvoll, wie stark Bigelows Film geworden ist. In einzelnen Szenen scheint alles so einfach und klar zu sein. Bigelows eine Pro-Folter-Haltung vorzuwerfen ist deshalb so vermessen, weil das alles doch so viel komplexer ist als es auf den ersten Blick scheint. In einer Szenen im Film heißt es explizit, dass das Verhören von Verdächtigen seit Obamas Präsidentschaft deutlich schwerer geworden sei, aber ist diese Aussage wirklich damit gleichzusetzen, dass Bigelow und Boal Folter begrüßen? So viel Fiktion und Dramatisierung auch in Zero Dark Thirty stecken mag, so real sind doch die Vorlagen nicht nur für 'Operation Neptune's Spear', sondern auch für den Kampf gegen den Terror. Auch die Tatsache, dass dies alles Opfer mit sich bringt, und zwar auf beiden Seiten, schönt Bigelow nicht. Maya weiß, dass es ihre Spur ist, die einen Unterschied machen kann. Und genau deshalb ist sie so besessen und überzeugt davon, dass ihr Weg der Richtige ist. Irgendwann ist sie allerdings an einem Punkt angekommen, an dem sie nicht mehr weiß, ob es das alles wert war. Sie dankt dabei nicht nur an sich, sondern auch an ihre Freunde und Kollegen.

Zero Dark Thirty kommt über weite Strecken einem procedural gleich: Wir schauen Profis bei der Arbeit über die Schulter, mit dem Unterschied, dass sich dieses procedural über einen Zeitraum von fast 10 Jahren erstreckt. Und am Ende sind wir dann schließlich am Höhepunkt angelangt. Wir begleiten SEAL Team Six dabei, wie es Bin Ladens Hauskomplex in Abbottabad stürmt. Doch wenn wir hier endlich ankommen sind, scheint es nicht etwa so, als würde der Film nun sein eigentliches Sujet vortragen, sondern die Erstürmung wirkt nur noch konsequent und als eine logische Folge des zuvor Ges(c)ehenen. Das heißt nicht, dass es minder spannend wäre, im Gegenteil. Die letzte halbe Stunde ist visuelle und narrative Perfektion. Wenn die Arbeit getan ist und Maya die Bestätigung bekommt, die sie jahrelang gesucht hat, dann kommt doch alles ganz anders. Und am Ende, als 'Operation Neptune's Spear' erfolgreich verlaufen ist und die SEALs Material sichern und es noch immer nicht glauben können, was sie da gerade vollbracht haben, scheint alles so schrecklich gleichgültig. Nichts ist mehr von Bedeutung, die Entrückung ist da. Die junge Dame, nein Heldin, der CIA steht inmitten der Apokalypse. (9/10)


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Oscar Doku Shortlist: Neuer 'Hell and Back Again' Trailer

Im Mai hatte ich bereits den Teaser Trailer zur Afghanistan-Doku Hell and Back Again gepostet. Durch die Oscar-Doku-Shortlist, auf der auch Hell and Back Again zu finden ist, bin ich auf den neuen Trailer aufmerksam geworden. Der suggeriert eine Mischung aus Restrepo, Brothers at War und Armadillo, sprich eine Mischung aus allen bedeutenden Kriegs-Dokus der letzten Zeit. Während es die Doku in einige europäische Länder geschafft hat (u.a. UK und Frankreich), dürften wir hierzulande wieder mal leer ausgehen. Dann eben auf DVD – oder eben nach den Oscars im Februar, dürfte er dort den Goldjungen einsacken.


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Die Gewinner der 'The Veteran' Verlosung stehen fest!


Es ist Montag Mittag, sprich die Verlosung der beiden DVDs von The Veteran ist schon seit mehr als 12 Stunden beendet. Random.org hat gerade eben Glücksfee gespielt und zwei hoffentlich glückliche Gewinner gezogen: Bixi H. und Sonja O. Ich gratuliere Euch beiden recht herzlich und bedanke mich bei allen anderen fürs Mitmachen! Einen kleinen Trost kann ich Euch geben: Ein neues Gewinnspiel startet schon sehr bald …


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Gewinnt zwei DVDs des Actionthrillers 'The Veteran'


Wenn es in diesem Filmjahr einen kleinen Außenseiter gibt, der dennoch den Weg in mein Herz gefunden hat, dann ist das sicherlich Matthew Hopes Actionthriller The Veteran – eine wunderbare Mischung aus Heimkehrer-Drama, Action-, Paranoia- und Politthriller mit einem Ende, das einem Schlag in die Fresse gleichkommt! Am 18. Oktober erscheint die DVD in Deutschland (Amazon-Partnerlink) und pünktlich dazu verlose ich in Zusammenarbeit mit Ascot Elite Home Entertainment zwei Exemplare der DVD. Alles, was Ihr dafür tun müsst, ist bei Equilibrium auf Facebook diesen Beitrag zu liken oder hier im Blogpost einen Kommentar zu hinterlassen – und schon könnte eine der zwei DVDs Euch gehören. Zeit habt Ihr dafür bis Sonntag, 16. Oktober, 23.59 Uhr. Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen. Ich wünsche Euch allen viel Glück!


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Harry Brown Jr.: 'The Veteran' Trailer

Das kommt auch nicht oft vor, dass ich ein Poster im Kino sehe und dadurch zum ersten Mal von einem Film höre. So geschehen heute bei der PV von Fright Night (Kritik folgt) in Stuttgart, wo das Poster von The Veteran an der Wand hing, das sofort meine Aufmerksamkeit auf sich zog. Ich meine, der Titel und ein Typ mit M4 in der Hand – my cup of tea. Der Film war kürzlich auf dem Fantasy Filmfest zu sehen und ist in UK bereits auf DVD und Blu-ray erschienen (wie fast jeder zweite Film aus dem Programm), die ich dann auch gerade geordert habe. Der Trailer sieht jedenfalls sehr gut aus – etwas wie Harry Brown Jr. Ich bin gespannt. Die deutsche DVD/BD erscheint am 18. Oktober.


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'Where Soldiers Come From' Doku Trailer


Regisseurin Heather Courtney hat in ihrer Doku Where Soldiers Come From einige Jungs begleitet, die sich seit Ewigkeiten kennen und sich nach ihrem High-School-Abschluss gemeinsam bei der Nationalgarde verpflichtet haben. Über einen Zeitraum von vier Jahren dokumentiert sie, was mit den Jungs und ihrer Freundschaft passiert ist, nachdem sie in Afghanistan zusammen gedient haben – das Ergebnis: Nicht ist mehr so, wie es einmal war … Der Trailer (480p/720p/1080p) ist zwar etwas zu vollgestopft mit Zitaten – lief bereits auf einigen Festivals -, zeigt aber dennoch eindrucksvoll, was einen erwartet.


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Auf feindlichem Terrain: 'Essential Killing'


Wir kennen Terroristen als vollbarttragende dunkelhaarige Männer mit dunklen Augen und dunklem Teint. So zeichnen zumindest die Medien immer wieder das Bild des islamischen Extremisten, der für den Heiligen Krieg rücksichtslos tötet. Doch welches Bild haben die Islamisten von uns 'Ungläubigen', wie sie uns immer wieder gerne nennen? Dieser Frage geht Jerzy Skolimowski in Essential Killing auf den Grund. Sein Film kennt nur eine Perspektive – jene eines gefangenen Islamisten, dem in Afghanistan die Flucht nach Europa gelingt. Die Frage, ob er wirklich Terrorist ist oder nur ein Verdächtiger, klärt Essential Killing nie eindeutig. Skolimowskis Titel sagt es ja bereits: Tötet der von Vincent Gallo verkörperte Mann aus Notwendigkeit – und macht sich dadurch zu einem Täter, dem die Amerikaner zurecht auf den Fersen sind – oder führt er seinen Feldzug gegen den Westen nur fort? Der Film lässt uns über Motive so gut wie im Dunkel, es gibt nur einige wenig aussagende Rückblenden, die zumindest deutlich machen, dass Mohammed (das islamische Pendant zu John Doe) sich in seiner Welt, der Hitze und Wüste, deutlich wohler fühlte als in Gefangenschaft und im kalten Europa.

Nicht nur Europa ist kalt; Essential Killing kommentiert nicht, sondern beobachtet in erster Linie mit einem Abstand, der bisweilen recht kühl anmutet. Es gibt Szenen, die würden in jedem anderen Setting für unfreiwilliges Gelächter sorgen, hier aber nicht, denn für Mohammed ist es der reine Kampf ums Überleben. Skolimowski spielt nicht nur mit dem narrativen Rahmen, in dem er kaum Dialoge benutzt und uns eben nur diese eine Perspektive anbietet, sondern spielt in gewisser Weise auch mit unserer Erwartungshaltung. US-Soldaten, die in der Wüste, fernab der Heimat, in Gefangenschaft durch Islamisten geraten und sich fortan ihren Weg in die Freiheit bahnen müssen, kennen wir zuhauf. Man denke nur an die ganzen POW-Filme aus den 80ern, die die GIs meist als Helden porträtierten, die keinen Schmerz kannten und jahrzehntelang durchhielten. Essential Killing spielt nun mit diesen Topoi und knallt dem Zuschauer ein gegenteiliges Setting vor den Latz, das nicht etwa befremdlich wirkt, sondern uns nur allzu bekannt vorkommt: Der Sand wird gegen Schnee getauscht, die Palmen gegen dichte Wälder und die Wüstenbewohner gegen Waldtiere. Schließlich geht es hier nicht um Weltbilder, sondern um einen Überlebenskampf, der auf allen Seiten gleich verläuft.

Es ist vor allem die Jagd durch die polnischen Wälder und das damit verbundene Szenario, das man sich nur allzu gut vorstellen kann. Der viele Schnee und die Temperaturen unter dem Gefrierpunkt machen die Sache nicht gerade angenehmer oder einfacher, und so erwischt man sich dann irgendwann fast schon dabei, wie man so etwas wie Verständnis für die Figur Mohammeds aufbringt, der – das muss man sich dann wieder ins Gewissen rufen – mehrere Menschen auf dem Gewissen hat. Doch wie muss es sich für jemanden anfühlen, der noch nie Schnee gesehen hat, geschweige denn in einem Wald war? Skolimowskis dichter und spannender Inszenierung ist es zu verdanken, dass Essential Killing ein solch interessantes Unterfangen ist. Gallos äußerst physisches Spiel kann viele Durchhänger kaschieren, die trotz der geringen Laufzeit von gerade mal 83 Minuten doch hin und wieder aufkommen. Bedenkt man die Intention des Filmes (und das Budget), dann fallen auch Dinge wie die unzureichende Ausstattung (die Amerikaner tragen sowohl falsche Uniformen, als auch Waffen) nicht weiter ins Gewicht, wobei uns Skolimowski dann aber doch auch wieder mit einem Realismus gefangen zu nehmen versucht, der sowohl unsere Ängste, als auch unsere Sympathien nähren soll. Essential Killing ist vielleicht kein perfekter Film, aber er ist in seiner Herangehensweise herrlich erfrischend. (8/10)


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Afghanistans Hölle: 'Hell and Back Again' Doku Teaser Trailer

Zugegeben, langsam nehmen die Kriegsdokus aus Afghanistan oder dem Irak wirklich überhand, aber auf der anderen Seite: Kann es zu solch einem wichtigen Ereignis wirklich genug Filme respektive Dokus geben? Danfung Dennis hat sich US-Soldaten in Afghanistan angenommen und begleitet sie nicht nur an der Front am Hindukusch, sondern auch an der Heimatfront. Der Film, der auf dem Sundance Festival seine Premiere hatte, lief vor einigen Wochen erst auf dem Genrefestival Hot Docs in Tornto und kam zumindest beim Chef des Documentary Blog, Jay Cheel, gut an, wie man auch im aktuellen Film Junk Podcast nachhören kann. Start in den Staaten ist im Oktober.


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Dokument des Schreckens: 'Armadillo'


Dokus über die Militäreinsätze im Irak und in Afghanistan gibt es mittlerweile wie Sand am Meer. Janus Metz Pedersens Film Armadillo fällt aber schon deshalb etwas aus der Reihe dieser Dokus, weil er nicht etwa ein amerikanischer, sondern ein dänischer Film ist. Er begleitet keine Truppe von GIs, sondern einen Trupp dänischer Soldaten, die im Rahmen der ISAF in Afghanistan operieren. Dieser Unterschied ist aber letztlich keiner, wie Armadillo recht schnell klar macht: Es spielt keine Rolle welche Streitkräfte man begleitet, sie alle weisen gleiche Verhaltens- und Operationsmuster auf. Darüberhinaus: Sie alle verlangen den meist jungen Soldaten alles ab. Hier konnte bereits im letzten Jahr Sebastian Jungers und Tim Hetheringtons Film Restrepo eindrucksvoll zeigen, welchen physischen und vor allem psychischen Strapazen die jungen Männer ausgeliefert sind. Armadillo wird wohl auch deshalb immer wieder mit der amerikanischen Doku vergleichen, weil beide in der afghanischen Provinz Helmand angesiedelt sind, die nach wie vor als eine der gefährlichsten gilt. Ansonsten weisen die beiden Filme aber auch signifikante Unterschiede auf, denn im Gegensatz zum Amerikaner lässt Armadillo die Soldaten nach ihrem Einsatz nicht noch einmal zu Wort kommen, sondern dokumentiert tatsächlich nur das, was vor Ort, sprich im konkreten Einsatz, vor sich geht.

Dabei wird auch deutlich, wie viel mehr Zugang die dänischen Filmemacher um Regisseur Pedersen im Gegensatz zu den Amerikanern hatten. Ihr Film braucht keine nachträgliche Rekapitulation der Einsätze, denn hier ist die Kamera in der Tat mittendrin statt nur dabei – und zeigt den Krieg in all einen Facetten, mit all seinen hässlichen Gesichtern. Zu Beginn des Filmes, der bisweilen einem Hollywood-Script zu folgen scheint (dies aber schon optisch negiert, sieht man dem Videomaterial seinen Ursprung doch deutlich an), begleiten wir einen jungen Soldaten, der sich gerade freiwillig für den Einsatz in Afghanistan gemeldet hat. Er sitzt mit seiner Familie am Essenstisch und genießt den letzten Abend vor seiner Abreise nach Afghanistan. Etwas später wird dann noch mit Freunden gefeiert, inklusive Alkohol und Stripperin – wie man es aus all den Spielfilmen, die sich mit jungen Soldaten im Krieg beschäftigen, ja zu kennen scheint. Sie genießen die Zeit, die sie zusammen auf heimischem Boden, im Frieden, verbringen. Eine Einstellung später verabschieden sich dieselben Männer am Flughafen von ihren Familien und Freunden. Viele der Freunde und Verwandten wünschten sich, dass ihr Sohn/Freund/Ehemann nicht ginge. Doch sie sehen es als ihre Pflicht an, auch stets dem Kameraden verbunden zu sein. Bereits ohne afghanischen Boden gesehen zu haben, ist dies der erste intensive Höhepunkt des Filmes, kann sich der Zuschauer doch vortrefflich in die Lage derjenigen versetzen, die ihre Geliebten verabschieden müssen – mit dem kleinen Unterschied, dass es hier nicht in einen normalen Urlaub geht …

Sechs Monate dauert der Einsatz der jungen Männer, deren Geschichte wir bereits nach der kurzen Exposition durchaus zu kennen scheinen. Es gibt hier alles: den notorischen Draufgänger, Schwiegermutters Liebling und den Einfühlsamen, bei dem durchaus Zweifel aufkommen. Doch die Kameradschaft, ein wichtige Konstante im Film, sorgt nicht nur für den reibungslosen Ablauf der Operationen, sondern auch für den nötigen gemeinsamen Nenner. Denn schon bald zeigt Armadillo – der Name das dänichen Camps – sein wahres, intensivstes Gesicht, und das hässlichste des Krieges. Pedersen begleitet die Truppe nämlich bei einem Einsatz, bei dem die Männer in ein Feuergefecht mit Taliban geraten. Alles scheint in ein einziges Chaos (militärisch: clusterfuck) zu entarten, auch wenn die Männer stets wissen, was zu tun ist. Im Verlaufe des Gefechts werden wir Zeuge, wie der Kommandeur der Truppe folgenschwer verletzt wird, so dass er nach Dänemark ausgeflogen werden muss – was die Truppe zudem in ihrer Moral schwer zurückwirft. Der wirkliche Schrecken liegt aber in der unverblümten Art, mit der die Männer an die Sache herangehen. Nach erfolgreichem Ausgang des Gefechts sind mehrere Taliban tot, was die Männer einerseits erfreut, andererseits aber auch mitnimmt, schildert der Film doch deutlich, dass einige von ihnen nicht etwa festgenommen wurden, sondern gezielt getötet worden sind. Und dies dokumentiert Armadillo in allen Einzelheiten, ist die Kamera doch auch bei der anschließenden Einsatzbesprechung mit dabei.

Einer der Männer, der maßgeblich an der Tötung beteiligt war, meint, dass man das alles gar nicht verstehen könne, wenn man es nicht selbst mitgemacht habe. Es ist schließlich Krieg und der Feind ist hinterhältiger als je zuvor. Armadillo erreicht hiermit sicherlich seinen Höhepunkt. Dabei sind das Schlimmste aber noch nicht einmal die Bilder der getöteten Taliban, die in einer kleinen Wassergrube übereinander liegen – so etwas hat man in Restrepo beispielsweise nicht zu sehen bekommen -, sondern vielmehr die Beschreibungen der Soldaten, die den ganzen Hergang so detailreich beschreiben, dass einem durchaus mulmig wird. Es ist aber auch gerade diese Intensität und Unverblümtheit, die Armadillo fast schon eine einzigartige Stellung einnehmen lässt, macht der Film doch gerade damit unmissverständlich klar, dass es sich hier um die Realität und nicht etwa einen klischeebeladenen Spielfilm handelt. Es verwundert angesichts dieser Bilder und Berichte auch, welche Freiheiten die dänischen Streitkräfte den Filmemachern einräumten – und wie weichgespült eine amerikanische Produktion wie Restrepo dagegen wirkt (auch wenn es sich um einen ebenso guten und intensiven Film handelt). Am Ende des Filmes und des sechsmonatigen Einsatzes wird ein Blick auf den weiteren Fortlauf der Männer gegeben: Alle von ihnen sind wieder nach Afghanistan gegangen oder planen es zumindest. Mehr als Armadillo kann eine Dokumentation nicht leisten. (9/10)


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