Böse Mädchen: 'Girls Against Boys' Trailer

Männer gegen Frauen, Frauen gegen Männer, der ewige Kampf der Geschlechter. Natürlich ist dieses ewige Kräftemessen auch Thema in diversen Filmen, allen voran dem Rape 'n' Revenge-Subgenre. Girls Against Boys von Austin Chick (sic!) greift diese Thematik ebenfalls auf, und wie der erste Trailer deutlich macht, findet er auch deutlich anleihen bei diversen Rape 'n' Revenge-Klassikern. Der Trailer macht jedenfalls einen ziemlich interessanten Eindruck. Das ist nach American Mary schon der zweite Filme 2013 mit Gender-Thematik, der mich ziemlich neugierig gemacht hat. Und auch das alternative Poster untermauert diese Vorfreude. US-Start ist am 01. Februar. Hierzulande war der Film bereits im letzten Jahr auf dem Fantasy Filmfest zu sehen.

(Via /Film)


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Kreativpause: 'I Spit on Your Grave'


Man kann das Remake von I Spit on Your Grave in erster Linie natürlich als einen weiteren Eintrag in den Katalog der Remakes und der torture porns sehen. Man kann den Film aber auch aus einer etwas anderen Perspektive betrachten, nämlich aus jener der Darsteller. Natalie Portman wurde erst jüngst mit dem Oscar für ihre Rolle als ekstatische Ballerina bedacht. Zu Recht wohlgemerkt, denn Portman liefert vor allem eine extrem physische Leistung ab. Auch I Spit on Your Grave hat eine außerordentliche weibliche Hauptrolle, ohne die der Film ein völlig anderer wäre. Sarah Butlers Romanautorin Jennifer ist auf ein ebenso psychisches und physisches Spiel ausgelegt wie Portmans Ballerina Nina. Natürlich musste sich Portman Fähigkeiten antrainieren, die Butler nicht brauchte beziehungsweise kaum erlernen hätte können, aber darum geht es auch nicht, das wäre am Ziel vorbeigeschossen. I Spit on Your Grave lebt schlichtweg zu einem Großteil von Sarah Butlers Performance, die viel Überwindung gekostet haben muss. Man muss es sich vor Augen halten: Eine junge Frau wird von vier Männern belästigt und schließlich brutal vergewaltigt. Was für den Zuschauer fast schon unerträglich aussieht, dürfte wohl auch der Darstellerin selbst einiges abverlangt haben. Man stelle sich nur einmal vor, wie hier Regieanweisungen ausgesehen haben mögen – ganz davon abgesehen, dass man sich die halbe Zeit über halbnackt auf dem Set präsentiert.

Sarah Butler spielt sich in I Spit on Your Grave buchstäblich den Arsch ab und dürfte somit zwar immer noch nicht der Academy in Erinnerung bleiben, aber zumindest den Horrorfans. Das gilt nicht nur für Sarah Butlers Jennifer, sondern ein Stück weit auch für den Film selbst. Während Regisseur Steven R. Monroe, der bisher eher im TV zu Hause war, vieles aus dem Original nahezu eins zu eins übernimmt (die Titeleinblendung ist mit dem Original identisch), liefert er allerdings auch eigenständige Ideen. Diese beschränken sich dann aber auch primär auf die Tötungsszenen, denn der Film selbst ist schnell als ein modernes Remake auszumachen. Er bedient sich gängiger Farbschemen, taucht seine Geschichte also in kühle Grautöne, die alles irgendwie verblasst erscheinen lassen. Dies stellt weniger eine Notwendigkeit für die Dramaturgie des Filmes dar, als vielmehr eine übliche Praxis, die wohl nur die Regisseure und Produzenten selbst erklären können (selbiges gilt für die Remakes, die in Orange und Blaugrün getaucht sind und noch deutlich künstlicher wirken). Die Dramaturgie des Filmes passt sich ebenfalls an diese fast-schon-Genrekonvention an: Alles ist hier nur Mittel zum Zweck, die Handlung dient lediglich dazu, den Gewaltspitzen einen Rahmen zu geben. Gegen Ende hin verlässt den Film die Dramaturgie dann nahezu komplett, es wird nur noch ein Versatzstück an das nächste gereiht um dem Zuschauer das zu geben, nach dem er ja ohnehin lechzt.

Dies funktioniert dann auch insofern, als ebenjene Versatzstücke so explizit und kreativ ausfallen, dass man sich ohnehin keine Dramaturgie wünscht, die das alles noch hinauszögern oder gar verändern könnte. Auch mit der Logik nimmt es der Film deshalb natürlich nicht so genau, denn in der Tat, Jennifers Taten bleiben nicht etwa unmotiviert, sondern vielmehr unmöglich. Sie legt plötzlich eine (tödliche) Kreativität an den Tag, die sie vorher nicht hatte, wie den Auszügen aus ihrem neuen Roman deutlich zu entnehmen ist, der eher den Eindruck eines unmotivierten Groschenromans erweckt. Es sind ebendiese Momente, in denen I Spit on Your Grave sein (zugegeben nicht allzu subtiles) psychologisches Spiel offenbart, wenn auch ein ziemlich zynisches. Jennifer muss erst durch Schrecken und Leid, um davon befreit zu werden und schließlich kreativ zu werden. Denn wie sie sich an ihren Peinigern bisweilen rächt, hat man so noch nicht in vielen torture porns zu sehen bekommen. Der interessanteste Aspekt ist dabei – wie schon im Original – die Tatsache, wie Jennifer mit dem behinderten Matthew (ebenfalls sehr eindrucksvoll gespielt: Chad Lindberg) umgeht. Es fällt nicht nur Jennifer schwer, eine Lösung dazu zu finden (auch wenn sie am Ende eine konsequente findet), sondern auch dem Zuschauer, der fast schon Mitleid mit Matthew empfindet. Ganz anders verhält es sich dann allerdings bei der Figur von Sheriff Storch (Andrew Howard), die zwar meist in die Rolle des typischen Rednecks verfällt, den Foltergrad des torture porns aber nicht selten auf ein neues Level hievt.

Obwohl I Spit on Your Grave in erster Linie astreine Exploitation ist, ist er nicht selten auch ein psychologischer Thriller, der moralische Fragen aufwirft, ohne eine zufriedenstellende Antwort zu geben. Vielmehr verliert sich das Remake in einem drastischen Nihilismus, der schmerzt und keinen Hehl daraus macht, welche Schauwerte er zu bieten hat. Dass Anchor Bay den Film in den Staaten als Unrated-Fassung ins Kino gebracht hat, deutet nicht nur von Mut, sondern auch von einer Konsequenz, die im heutigen Horrorkino nicht sehr oft zu finden ist. Auch hierzulande hat es der Film nach mehrmaliger Wiederholung nicht zu einer Kinoauswertung geschafft, und auch die (geschnittene!) DVD/BD wird vorerst nur im Verleih zu finden sein. I Spit on Your Grave darf sich deshalb sicherlich auch zu den fiesesten torture porns der neueren Geschichte zählen. (7/10)


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