Die Suche nach einem zweiten Erfolgsrezept: 'Finding Dory'


13 Jahre ist es nun her, dass der kleine Clownfisch Nemo seinen Vater gesucht hatte. Ein riesen Erfolg, welcher heute noch die Verkaufszahlen der Clownfische hochtreibt. Damals hatte Nemos blaue Fischfreundin Dorie bereits unsere Herzen erobert. Und nun ist es erneut soweit und die vergessliche Doktorfisch-Dame bekommt ihren eigenen Film, Finding Dory. Wieder mit an ihrer Seite sind natürlich Kumpel Nemo und dessen Vater Marlin. Zusammen machen sie noch mal den Ozean unsicher und begeben sich auf eine gefährlich lustige Reise. Denn nachdem der vergesslichen Dorie Bruchstücke ihrer Vergangenheit aufgekommen sind, begibt sie sich auf die Suche nach ihrer Familie. Ob das gut gehen kann, so ganz ohne Gedächtnis einmal quer durchs Meer? Nunja, eins ist sicher, ein Happy End gibt es bei den Fischchen ja meistens.

Etwas eintönig allerdings ist die Story. Sehr vorhersehbar und bereits am Titel erkennbar, Überraschungen bleiben leider größtenteils aus. Allerdings trifft man wieder alte sowie neue Gesichter und für die Kleinen wird dieser Film sowieso auch einer der Größten in diesem Jahr. Fazit: Süßer Animationsspaß, der für Kids ein Muss und für Adults ein seichter Genuss ist. Ob nun die Verkaufszahlen bei den Doktorfischen auch ansteigen werden!?

- Kritik von Julia


Tags , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Der gigantische Flop, der keiner ist: 'John Carter' Blu-ray Review


Disney ist eigentlich ein Garant für Kassenerfolge. Zumindest wenn es um Animationsfilme geht. Aber auch ansonsten macht Disney nur selten Schlagzeilen mit schlechten Zahlen. Miramax, Marvel, Disney kauft sich sogar groß bei der Konkurrenz ein. Da schmerzt es natürlich umso mehr, wenn ein Blockbuster, von dem man sich ganz Großes erhofft hatte, an den Kinokassen floppt. Das tut es einem Studio immer, aber Disney wohl noch ein wenig mehr. Stolze 200 Millionen US-Dollar soll Disney an John Carter verloren haben. Viele Diskussionen und Vermutungen gab es bei der Fehleranalyse, am Marketing soll es letztlich wohl gelegen haben (man hätte den Film beispielsweise doch John Carter of Mars nennen sollen, sagen einige). Was auch immer der tatsächliche Grund für das Scheitern des Abenteuers aus der Feder von Edgar Rice Burroughs war, John Carter hat dieses Brandmark nicht verdient, nein, wirklich nicht.

Die Geschichte, die Andrew Stantons Film erzählt, ist vielleicht keine allzu genuine, aber sie entführt uns in eine Welt, die voller Magie ist und an der man sich nicht satt sehen kann. Beginnt die Rahmenerzählung noch im jungen Amerika, das gerade den Civil War hinter sich gebracht hat, werden wir wie John Carter (Taylor Kitsch) auch schon in die geheimnisvolle Welt entführt, die – so stellt sich schnell heraus – der Welt, aus der Carter stammt, doch recht ähnlich ist. Es herrscht ein Krieg zwischen zwei Völkern, angeheizt durch göttliche Wesen (u.a. Mark Strong), die die Fäden in der Hand zu halten scheinen. Carter muss sich in dieser Welt, in der er einige besondere Fähigkeiten besitzt, erst zurecht finden. Dabei stellt sich schnell heraus, dass er physisch zwar überlegen sein mag, kulturell aber erst Fuß fassen und die Zusammenhänge dieser Welt, die sich Mars nennt, erschließen muss. Der Zuschauer ist ihm dabei nicht unbedingt voraus, was ihn emotional an Carter stärker bindet.

Wir lernen Wesen (u.a. Willem Dafoe & Thomas Hayden Church) kennen, von denen man nicht weiß, wie sie mit diesem Fremden umgehen werden. Immer tiefer involviert uns John Carter, präsentiert neue Gesichter, mal Freund, mal Feind, die vor allem aber alle funktionieren. Sicherlich, Mark Strong gibt einmal mehr den Bösewicht auf Autopilot, aber er steht sowieso nicht im Fokus der Geschichte. Die fremden Zivilisationen sind aus vielen anderen Geschichten und Filmen entlehnt, passen aber so gut in diese Welt, dass man sich für sie und ihren Background interessiert. Auch das Setting weiß zu gefallen, das irgendwo zwischen Wüste und gigantischem Gebirge angesiedelt ist. Man sieht es den Bildern von Daniel Mindel an, dass er schon für viele Spionagethriller gearbeitet hat, denn auch hieraus generiert John Carter viel seiner Spannung und Magie. Zum Beispiel die Luftkampf-Szenen, die in einem Actionfilm nicht besser hätten aussehen können.

Keine Frage, John Carter verfügt über große Schauwerte, man sieht dem Film seine 250 Millionen Dollar an, die er gekostet hat. Die FX sind beispielsweise state of the art, zur Qualität der 3D-Effekte kann ich leider nichts sagen, da ich nur die 2D-Version gesehen habe (die aber erahnen lässt, an welchen Stellen 3D Sinn gemacht hätte). Doch nicht nur von technischer Seite weiß die Produktion zu gefallen. Vielleicht liegt es gerade daran, dass John Carter im Prinzip ein Best-Of aus Star Wars, Stargate, Aladdin und vielen anderen ist, was ihn so interessant macht. All die Sachen, die schon in den entsprechenden Filmen gefallen haben, wie z.B. der Arena-Kampf, den ich schon in Attack of the Clones geliebt habe und der auch hier ein sehr schönes action set piece markiert. Und nicht nur hier macht der Film keine Gefangenen, denn er ist keinesfalls der kleine, niedliche Disney-Film, der sich an Kinder richtet, sondern zeigt Gewalt und ihre Auswirkungen.

Das ist nicht nur ehrlicher, sondern auch konsequenter als man es von verwandten Welten aus The Chronicles of Narnia oder The Golden Compass kennt. Interessanter als diese ist John Carter ohnehin, auch wenn es nicht unbedingt weiterer Sequels bedarf. Das erste wurde bereits angekündigt und ich lasse mich gerne eines Besseren belehren. So magisch und entführend wie dieser ökonomische Flop ist Disney-Kino schon lange nicht mehr gewesen. (8/10)

Die Blu-ray von Disney erscheint am 19. Juli (Amazon-Partnerlink) und kann auf ganzer Linie überzeugen. Die Bildqualität wird den tollen Bildern von Daniel Mindel absolut gerecht und besticht durch einen guten Schwarzwert und knackige Schärfe. Der DTS-HD 7.1 Ton bekommt genug zu tun, so dass auch Subwoofer und Rears permanent beschäftigt sind. Auch mit Extras geizt Disney nicht, und so befinden sich neben zusätzlichen Szenen auch ein Making Of und ein Audiokommentar mit auf der Disc. Eine technisch hervorragende Veröffentlichung.

Bild: © 2012 Walt Disney Company


Tags , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Part machine. Part man. All human.

WALL•E
(Andrew Stanton, USA 2008)
Kino

Es ist nicht nur der Wunsch eines jeden Ingenieurs, eine Maschine zu bauen, die dem Menschen so ähnlich ist, dass man die beiden auf den ersten Blick gar nicht mehr differenzieren kann. Seit Anbeginn der Filmgeschichte ist es nämlich auch der Traum einer jeden Maschine, menschliche Züge anzunehmen, ja sogar vollkommen menschlich zu werden. So nahe sie dem Menschen physisch auch kommen mögen, das Fleisch das Metall penetrieren mag, so werden sie doch nie so etwas wie einen Verstand oder eine Seele besitzen. Gefühle scheinen ihnen also auf ewig vorenthalten zu bleiben. Nicht so bei WALL•E, der durch das Hinterherräumen menschlicher 'Überreste' den Lebensweg eines Menschen einschlägt. Seine Lunchbox im Gepäck, macht sich der gute jeden Morgen auf gen Arbeit, die er sauber verrichtet. Pünktlich zum Feierabend kehrt er dann nach Hause zurück, zieht die Schuhe beziehungsweise Ketten aus, schaltet den Fernseher und iPod ein, gibt seinem Haustier, einer Kakerlake, etwas zu essen und räumt noch etwas auf. Home Sweet Home.

Doch WALL•E möchte mehr, er will jene verstehen, die einst diesen Planeten bewohnten. Und so findet der Müllroboter in einer Szene auch etwas zutiefst menschliches – einen Ehering, den seine elektrischen Schaltkreise aber für nutzlos halten, jedenfalls in Beziehung zur Plastikhülle, die den Ring sicher umschließt. Und so wirft er den Brillanten kurzerhand auf den staubigen Boden, während er die Schatulle mit nach Hause nimmt. Es ist eine dieser Szenen, die uns die Entwicklung der kleinen Maschine so wundervoll vor Augen führt. WALL•E ist nicht nur auf der Suche nach Menschlichem, also nach Entwicklung, sondern ist er auch auf der Suche nach Gesellschaft. Tagtäglich schaut er sich Szenen aus Hello, Dolly! an, die ihm das Phänomen Liebe näher bringen. Auf diesem Gebiet ist er natürlich gänzlich unerfahren, trotzdem merkt er, dass das etwas in ihm wach wird, dass definitiv etwas ganz Schönes markiert. Und so ist die Ambivalenz dieser Szene selbstredend für die Humanisierung des kleinen Müllsammlers, in jeglicher Hinsicht. Seine große Liebe findet er dann schließlich auch in EVE, die zwar Erfahrung mit Menschen hat (wie sich später ableiten lässt), aber auf dem Gebiet der Liebe ebenfalls neu ist.

Nach den ersten Annäherungsversuchen, die vor allem auf der männlichen Seite ob der Dominanz und Andersartigkeit der Frau eher zurückhaltend verlaufen, kommen sich die beiden schließlich näher. Es gibt viel zu entdecken und voneinander zu lernen. Und spätestens hier sind die beiden Protagonisten keine metallischen Maschinen mehr, sondern Menschen aus Fleisch und Blut. In der ersten Hälfte des Filmes nimmt uns Andrew Stanton also mit auf die Reise, die erste Liebe Revue passieren zu lassen, über die Liebe zu philosophieren und mit zwei Menschen zu fiebern, denen man das Zusammenkommen doch so wünscht. Noch halten sich Moraldidaxe, Al Gore und leicht albern wirkende Anspielungen auf Genreklassiker im Hintergrund, denn die erste Hälfte von WALL•E gehört niemand geringerem als der Liebe und den Gefühlen. Die atemberaubende Animation und die von Pixar gewohnte Liebe zum Detail lassen auch dem größten Grießgram das Herz aufgehen. Man muss dieses kleine Wesen mit seinen großen Kulleraugen und seiner niedlich piepsenden Stimme einfach gern haben. Und auch wenn der Planet selbst nicht danach aussieht, so wurde EVE (!) und WALL•E das Paradies geschenkt – doch auch hier hat eine Pflanze einen Haken, für den Moment zumindest.

Was folgt, ist die Vertreibung aus dem Garten Eden und EVE und ihrem Freund passiert genau das, was den Menschen bereits zum zweiten Mal passiert ist. Doch ebenjene Pflanze in den richtigen Händen bringt auch hier eine Erlösung, eine, die besonders in ihrer zweiten Hälfte leider doch etwas zu penetrant und didaktisch geworden ist, sodass auch der letzte kapiert, dass es mit unserem Planeten auf Dauer nicht so weiter gehen kann, wie es derzeit der Fall ist. Da kann man noch so viele Maschinen bauen, natürliches Leben ist durch nichts zu ersetzen. Natürlichkeit ist leider auch im Falle der Menschen, die im Film auftauchen, das Problem. Wählt man in der ersten Hälfte, als die Menschen noch nicht so unendlich durch die Technik verwöhnt waren, echte Menschen, statt Mann und Frau aus dem Computer, so kommt mit ihrer zweiten Industrialisierung auch gleichzeitig die Animation ins Spiel. Der Mensch ist durch die Technik verwöhnt, wird fett und unbeweglich, sodass er irgendwann komplett von ihr abhängig ist und ohne sie gar nicht mehr weiß, was er eigentlich tun soll. Da passt es ja fast schon wieder, dass er selbst zur Maschine (aus dem Computer) wird. Interessant auch zu sehen, was passiert, wenn ein Glied in der vollständig technisierten Welt einmal aus der Reihe fällt – Abhängigkeit schafft eben immer auch Probleme, eine Art umgekehrte Symbiose quasi. Und wann hat man bitteschön zuletzt psychisch angeschlagene Roboter in einem Film gesehen, die in einer Psychiatrie behandelt werden?

Zu verdanken hat der Film das nicht zuletzt auch Ben Burtts (Star Wars: Episode I-VI) großartigem Sounddesign, das sich wohl schon jetzt als Oscar gekrönt betrachten dürfte. Und so ist WALL•E besonders in seiner ersten, deutlich besseren Hälfte fast überlebensgroß und zeigt, dass bisweilen auch der Mensch noch einiges von der Maschine lernen kann. (8.5/10)


Tags , , , , , , ,