Berlinale 2012: Weitere Wettbewerbsfilme bekannt gegeben


Die Presseabteilung der Berlinale hat heute weitere Filme des Wettbewerbs bekannt gegeben, die vom 09. bis 19. Februar in der Hauptstadt zu sehen sein werden. Neu dabei sind unter anderem Christian Petzold mit seinem Film Barbara und Billy Bob Thornton mit Jayne Mansfield's Car. Ein weiterer deutscher Regisseur, der auf einen Bären hoffen darf, ist Hans-Christian Schmid, der mit Was bleibt im Wettbewerb vertreten ist. Bei allen zehn Filmen handelt es sich um Weltpremieren. Angelina Jolie wird mit ihrer zweiten Regiearbeit (es ist ihr Spielfilmdebüt, aber nicht ihr Regiedebüt, liebe Berlinale-Verantwortliche!) In the Land of Blood and Honey den Auftakt im Haus der Berliner Festspiele (der neue Name des Berlinale-Palasts?) machen. Alle weiteren neuen und auch alten Wettbewerbsfilme finden sich auf der Homepage der Berlinale.

Foto: Blogging Dagger


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Trailer zu Jolies Regiedebüt 'In the Land of Blood and Honey'

Ich zitiere einfach mal den YouTube-Text zum Trailer, da dieser es auf den Punkt bringt: "A love affair blooms between a Bosnian woman and a Serbian man during war in the 1990s. In theaters December 23, 2011. Directed by Angelina Jolie." Genauer gesagt handelt es sich um Jolies Spielfilmdebüt als Regisseurin, denn sie hat ja schon die Doku A Place in Time gedreht. Ach ja: Bin ich der einzige, der beim Trailerscreenshot denkt, dass da Ralph Fiennes mitspielt?

(Via Fünf Filmfreunde)


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»What the fuck have you done lately?«

Wanted
(Timur Bekmambetov, USA/Deutschland 2008)
Kino

'Sytle over substance', dieses Motto haben sich in den letzten Jahren viele Comic- und Graphic-Novel-Verfilmungen auf die Flagge geschrieben. Mal freiwillig, mal unfreiwillig. Bei Timur Bekmambetovs Wanted ist die Sache hingegen klar: hier dominieren optische Spielereien, die man so zu Teilen wirklich noch nicht gesehen hat. Darauf, eine anständige Geschichte oder dergleichen zu erzählen, legt er so gut wie keinen Wert. Hier ein kleiner Plottwist, da eine kleine Loser-Ballade, fertig ist die Geschichte, die Wanted zu erzählen hat – oder eben auch nicht. Bekmambetovs erste rein westliche Regiearbeit lässt also deutlich mehr auf formaler als auf inhaltlicher Ebene rezipieren. Beides zusammen genommen führt aber zu einem mehr als ambivalentem Ergebnis. The Matrix, ein Film, der im Vorfeld des Filmes oft in den Mund genommen wurde, und zu dem nicht von ungefähr so viele Parallelen gezogen wurden. Doch auch hier finden sich die Gemeinsamkeiten primär auf der visuellen als auf der inhaltlichen Ebene, auch wenn gewisse Parallelen zu Letztere natürlich nicht von der Hand zu weisen sind.

War The Matrix nicht nur ein popkulturelles Phänomen, so zeigte es zumindest auch eine Sache ganz deutlich, nämlich, dass wahre Gewaltverherrlichung meist ungestraft durch die staatlichen Behörden kommt. Es findet sich eine Szene in Wanted, die gleicht jener aus The Matrix nahezu eins zu eins. Bis auf die Zähne bewaffnet stürmt der Protagonist das Domizil seiner Gegner, feuert aus allen Rohren und lässt die toten Körper nur so auf den Boden knallen. Natürlich inszeniert man das Ganze in Slow-Motion, so dass die Bewegungen, die der 'Held' ausführt auch nachzuvollziehen sind und man ihm seine Coolness auch ansieht. Unterlegt wird die Szenerie dann auch mit passender Musik, gerne auch harte Gitarrengriffe, die atmosphärisch zuträglich sind. Über Moral und Unmoral macht sich der Rezipient in diesem Moment keine Gedanken, denn es ist klar, dass dies der einzige Lösungsweg ist. Nackte Gewalt, das ist die universelle Sprache, die jeder versteht – und auch sehen will. Liegt hierin also nicht die Gewaltverherrlichung, die in den Medien jeden Tag omnipräsent scheint?

Natürlich muss auch das Outfit stimmen, denn wie lehrte schon ein Werbespot einer großen Bekleidungsfirma: 'Dress for the Moment', und so darf die feine Lederjacke (beziehungsweise der lange, schwarze Trenchcoat) inklusive Muskelshirt drunter natürlich nicht fehlen. Ein Paradebeispiel dafür, wie man allein durch die künstliche Optik des Mediums ein Gefühl erzeugen kann, dass Affekte heraufbeschwört, die vielleicht nicht ganz angebracht erscheinen. So verkommen die Gegner schließlich zu bloßen Zielscheiben, das lehrt auch Bruderschaftsanführer Sloan (Morgan Freeman). Und so wundert es auch nicht, dass man zu Trainingszwecken auf echte Leichen schießt: "Oh my God! Hey, we can't shoot a dead woman! She might be somebody's mom!", echauffiert sich Wesley (James McAvoy) und zack!, landet die Kugel im Kopf der Frau. Zynismus ist doch immer wieder etwas Feines. Es ist eine grundsätzliche Menschenphobie, die Wanted durchzieht. Die Namen der Opfer, die ein Webstuhl hervorbringt, sind Namen jener, die Böses tun werden und deshalb eliminiert werden müssen. Mitglieder mit Gewissensbissen oder sonstiger Ethik braucht man in der Bruderschaft deshalb gar nicht erst.

Mit Wesley hat man für alle diesen Zynismus dann auch gleich den perfekten Archetyp geschaffen, der ähnlich dem Charakter Neos ein Mensch ist, der mit seinem Leben nicht klar kommt, ein Einzelgänger ist, von dem viel erwartet wird, der diesem Leistungsdruck aber nicht standhält. Natürlich ist es nur eine Frage der Zeit bis sich hieraus Allmachtsphantasien entwickeln, die dann irgendwann auch ausgelebt werden – ohne Rücksicht auf Verluste. Wanted gibt sich hier vielleicht etwas moraldidaktisch, macht der Film seinen Protagonisten doch vom kleinen Bürohengst zum Quasi-Superhelden, doch diese bleibt auch die einzige Ebene, auf der dies noch nahezu wertfrei geschieht. Auf allen anderen Ebenen ist nur allzu deutlich, was der Film propagiert. Und dennoch sind es hauptsächlich Norris, Schwarzenegger, Stallone, Lundgren & Co. in den Achtzigern, denen man den Terminus 'reaktionär' ins den Mund legt. Wanted ist alles andere als wertfreie Weltanschauung (die es ja sowieso nicht gibt), vielmehr ist es politische Propaganda, eingehüllt in einen abendfüllenden Spielfilm, der sein Publikum genau kennt und es detailgetreu anspricht. Mark Millars Wanted steht Frank Millers 300 in Sachen Politik also in nichts nach.

Versucht man diese und andere Faktoren auszuklammern, so bleibt Wanted dennoch nur durchwachsen. Zu ermüdend und redundant ist das ganze Konzept der Morde, die immer nach demselben Schema von statten gehen und die immer die gleichen Konsequenzen nach sich ziehen. Lediglich der Soundtrack Danny Elfmans kann wirklich überzeugen, doch auch hier muss man sich fragen, warum sich dieser mittlerweile für fast alles und jeden hergibt. Auch in Hinsicht auf die Transferierung der Graphic Novel in das Medium Film muss man Bekmambetov einen gewissen Tribut zollen, denn selten traf die Floskel 'over the top' so was von ins Schwarze wie hier (und markiert zugleich eine weitere Parallele zu Miller). Genau hier liegt aber auch das größte Problem von Wanted. Kann man mit ihm durchaus seinen Spaß haben, so ist es ebendieser 'Spaß', der nichts weiter als ein Blender ist. Wanted ist reine Gewalt, die gar nicht erst versucht auf leisen Sohlen daherzukommen, sondern gleich mit der Tür ins Haus bricht – Angriff ist ja schließlich immer noch die beste Verteidigung. Eine Schande (zugleich aber auch eine Demaskierung der Behörden), dass so etwas in die Lichtspielhäuser darf, Planet Terror aber gerade erst den Weg auf den Index finden musste. (4.5/10)


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Kung Fu (Panda) Fighting in Shawscope

Kung Fu Panda
(Mark Osborne, John Stevenson, USA 2008)
Kino

Das Wichtigste vielleicht zu erst: Die deutsche Synchronisation des knuffigen Helden, die Hape Kerkeling zuzuschreiben ist, ist eine dermaßen große Katastrophe, dass einem eigentlich schon nach den ersten Worten, die der gefräßige Panda spricht, jedwede Lust auf den Film vergeht. Kung Fu Panda beginnt mit einer furiosen Anfangssequenz, eine Traumsequenz wie sich kurze Zeit später herausstellt, wunderschön in 2D in Szene gesetzt und so temporeich, dass man sich danach erstmal nach einer Verschnaufpause sehnt. Die bekommt man auch, nur leider ist diese so lang geraten, dass man das Interesse schnell wieder verliert. Der Plot spielt schön mit Kung-Fu-Klischees, dürfte das Herz eines jeden Bruce-Lee-Fans aufgehen lassen und zeigt auch bei der Figurenzeichnung Feingefühl. Leider macht sich aber wie gesagt die Langeweile breit, zum einen wegen Kerkeling, zum anderen wegen dem schnellen Runtergespule der Geschichte (die zudem alles andere als neu ist).

Die Animationen sind dabei noch der größte Blickfang, denn auch wenn DreamWorks bei Weitem nicht an Genreriese Pixar herankommt, so ist auch hier ein deutlicher Qualitätssprung zu beobachten. Dieser beschränkt sich jedoch auf das Audiovisuelle, denn ansonsten hat Kung Fu Panda nicht viel zu bieten – außer einen angenehmen Zimmer-Score, der aber wiederum zu letzterem gehört. Inwiefern die deutsche Synchronisation – man hätte ja auch die Synchronsprecher der Originalstimmen verpflichten könne (also Jack Black, Angelina Jolie etc.) – meine negative Einstellung gegenüber Kung Fu Panda beeinträchtigt möchte ich nicht abschätzen, aber sie spielt eine Rolle, keine Frage. Kung Fu Panda bietet jedenfalls auch fernab seiner Charaktere und deren Stimmen nicht viele große oder gar lustige Momente. Vielmehr scheint man ein setting gesucht zu haben, um eine der häufigsten Kinogeschichten zu erzählen. Dann lieber noch mal Madagascar. (4/10)


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