Die Top 10 Dokumentationen des Jahres 2011


In diesem Jahr habe ich einfach zu viele gute Dokus gesehen, als dass ich sie in eine gemeinsame Liste mit den Spielfilmen stecken könnte. Aus diesem Grund habe ich mich entschieden, eine extra Top 10 für die Dokumentationen zu machen, die in diesem Jahr wieder mal ziemlich hochkarätig waren. Beherrschendes Themen waren auch in diesem Jahr wieder der Krieg und die Missstände in der Gesellschaft. War es im letzten Jahr Restrepo, ist es in diesem Jahr der thematisch sehr ähnliche Armadillo, der den besten Dokumentarfilm des Jahres markiert.

Zugegeben, es ist etwas schwer bei den Dokus nach Veröffentlichung zu gehen, denn viele dieser Perlen wurden entweder ganz spät oder bis heute nicht in Deutschland veröffentlicht. Leider wird das ganze 'Genre' hierzulande noch immer äußerst stiefmütterlich behandelt, was sich so schnell auch nicht ändern dürfte (ich will nicht wissen, mit wie vielen Kopien beispielsweise The Black Power Mixtape 1967-1975 in die Kinos kam – immerhin kam er in die Kinos, das allein verdient schon Respekt).

Wenn ich mir meine Top 10 der Spielfilme anschaue (die morgen kommt), dann muss ich ohnehin sagen, dass die Dokus dem Spielfilm meist überlegen sind. Ich könnte außer dem unsäglichen Pina beispielsweise keine schlechte Doku aus 2011 nennen, denn ich habe einfach keine (wirklich) schlechte gesehen. Eigentlich wollte ich noch viele mehr sehen, was aufgrund der Verfügbarkeit, weniger der Zeit, aber nicht möglich war. The Big Eden ist so ein Kandidat, dito Die Jungs vom Bahnhof Zoo und Tears of Gaza.

Hier also meine Top 10 Dokumentationen des Jahres:

10. The Black Power Mixtape 1967-1975

09. Machete Maidens Unleashed!

08. The Tillman Story

07. Cave of Forgotten Dreams

06. The Greatest Movie Ever Sold

06. Tabloid

04. Inside Job

04. Khodorkovsky

02. Bigger Stronger Faster*

01. Armadillo

Runners-up: Countdown to Zero, American Grindhouse, Catfish, American Teen


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Dokument des Schreckens: 'Armadillo'


Dokus über die Militäreinsätze im Irak und in Afghanistan gibt es mittlerweile wie Sand am Meer. Janus Metz Pedersens Film Armadillo fällt aber schon deshalb etwas aus der Reihe dieser Dokus, weil er nicht etwa ein amerikanischer, sondern ein dänischer Film ist. Er begleitet keine Truppe von GIs, sondern einen Trupp dänischer Soldaten, die im Rahmen der ISAF in Afghanistan operieren. Dieser Unterschied ist aber letztlich keiner, wie Armadillo recht schnell klar macht: Es spielt keine Rolle welche Streitkräfte man begleitet, sie alle weisen gleiche Verhaltens- und Operationsmuster auf. Darüberhinaus: Sie alle verlangen den meist jungen Soldaten alles ab. Hier konnte bereits im letzten Jahr Sebastian Jungers und Tim Hetheringtons Film Restrepo eindrucksvoll zeigen, welchen physischen und vor allem psychischen Strapazen die jungen Männer ausgeliefert sind. Armadillo wird wohl auch deshalb immer wieder mit der amerikanischen Doku vergleichen, weil beide in der afghanischen Provinz Helmand angesiedelt sind, die nach wie vor als eine der gefährlichsten gilt. Ansonsten weisen die beiden Filme aber auch signifikante Unterschiede auf, denn im Gegensatz zum Amerikaner lässt Armadillo die Soldaten nach ihrem Einsatz nicht noch einmal zu Wort kommen, sondern dokumentiert tatsächlich nur das, was vor Ort, sprich im konkreten Einsatz, vor sich geht.

Dabei wird auch deutlich, wie viel mehr Zugang die dänischen Filmemacher um Regisseur Pedersen im Gegensatz zu den Amerikanern hatten. Ihr Film braucht keine nachträgliche Rekapitulation der Einsätze, denn hier ist die Kamera in der Tat mittendrin statt nur dabei – und zeigt den Krieg in all einen Facetten, mit all seinen hässlichen Gesichtern. Zu Beginn des Filmes, der bisweilen einem Hollywood-Script zu folgen scheint (dies aber schon optisch negiert, sieht man dem Videomaterial seinen Ursprung doch deutlich an), begleiten wir einen jungen Soldaten, der sich gerade freiwillig für den Einsatz in Afghanistan gemeldet hat. Er sitzt mit seiner Familie am Essenstisch und genießt den letzten Abend vor seiner Abreise nach Afghanistan. Etwas später wird dann noch mit Freunden gefeiert, inklusive Alkohol und Stripperin – wie man es aus all den Spielfilmen, die sich mit jungen Soldaten im Krieg beschäftigen, ja zu kennen scheint. Sie genießen die Zeit, die sie zusammen auf heimischem Boden, im Frieden, verbringen. Eine Einstellung später verabschieden sich dieselben Männer am Flughafen von ihren Familien und Freunden. Viele der Freunde und Verwandten wünschten sich, dass ihr Sohn/Freund/Ehemann nicht ginge. Doch sie sehen es als ihre Pflicht an, auch stets dem Kameraden verbunden zu sein. Bereits ohne afghanischen Boden gesehen zu haben, ist dies der erste intensive Höhepunkt des Filmes, kann sich der Zuschauer doch vortrefflich in die Lage derjenigen versetzen, die ihre Geliebten verabschieden müssen – mit dem kleinen Unterschied, dass es hier nicht in einen normalen Urlaub geht …

Sechs Monate dauert der Einsatz der jungen Männer, deren Geschichte wir bereits nach der kurzen Exposition durchaus zu kennen scheinen. Es gibt hier alles: den notorischen Draufgänger, Schwiegermutters Liebling und den Einfühlsamen, bei dem durchaus Zweifel aufkommen. Doch die Kameradschaft, ein wichtige Konstante im Film, sorgt nicht nur für den reibungslosen Ablauf der Operationen, sondern auch für den nötigen gemeinsamen Nenner. Denn schon bald zeigt Armadillo – der Name das dänichen Camps – sein wahres, intensivstes Gesicht, und das hässlichste des Krieges. Pedersen begleitet die Truppe nämlich bei einem Einsatz, bei dem die Männer in ein Feuergefecht mit Taliban geraten. Alles scheint in ein einziges Chaos (militärisch: clusterfuck) zu entarten, auch wenn die Männer stets wissen, was zu tun ist. Im Verlaufe des Gefechts werden wir Zeuge, wie der Kommandeur der Truppe folgenschwer verletzt wird, so dass er nach Dänemark ausgeflogen werden muss – was die Truppe zudem in ihrer Moral schwer zurückwirft. Der wirkliche Schrecken liegt aber in der unverblümten Art, mit der die Männer an die Sache herangehen. Nach erfolgreichem Ausgang des Gefechts sind mehrere Taliban tot, was die Männer einerseits erfreut, andererseits aber auch mitnimmt, schildert der Film doch deutlich, dass einige von ihnen nicht etwa festgenommen wurden, sondern gezielt getötet worden sind. Und dies dokumentiert Armadillo in allen Einzelheiten, ist die Kamera doch auch bei der anschließenden Einsatzbesprechung mit dabei.

Einer der Männer, der maßgeblich an der Tötung beteiligt war, meint, dass man das alles gar nicht verstehen könne, wenn man es nicht selbst mitgemacht habe. Es ist schließlich Krieg und der Feind ist hinterhältiger als je zuvor. Armadillo erreicht hiermit sicherlich seinen Höhepunkt. Dabei sind das Schlimmste aber noch nicht einmal die Bilder der getöteten Taliban, die in einer kleinen Wassergrube übereinander liegen – so etwas hat man in Restrepo beispielsweise nicht zu sehen bekommen -, sondern vielmehr die Beschreibungen der Soldaten, die den ganzen Hergang so detailreich beschreiben, dass einem durchaus mulmig wird. Es ist aber auch gerade diese Intensität und Unverblümtheit, die Armadillo fast schon eine einzigartige Stellung einnehmen lässt, macht der Film doch gerade damit unmissverständlich klar, dass es sich hier um die Realität und nicht etwa einen klischeebeladenen Spielfilm handelt. Es verwundert angesichts dieser Bilder und Berichte auch, welche Freiheiten die dänischen Streitkräfte den Filmemachern einräumten – und wie weichgespült eine amerikanische Produktion wie Restrepo dagegen wirkt (auch wenn es sich um einen ebenso guten und intensiven Film handelt). Am Ende des Filmes und des sechsmonatigen Einsatzes wird ein Blick auf den weiteren Fortlauf der Männer gegeben: Alle von ihnen sind wieder nach Afghanistan gegangen oder planen es zumindest. Mehr als Armadillo kann eine Dokumentation nicht leisten. (9/10)


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Mittendrin statt nur dabei: 'Armadillo' US Trailer


Ich hatte vor einem halben Jahr schon einmal auf die vielerorts gefeierte dänische Doku Armadillo hingewiesen. Damals noch mit dem dänischen Trailer, der leider keine UTs hatte. Nun hat Apple einen US-Trailer veröffentlicht (480p/720p/1080p), der zudem auch komplett anders aussieht. Ascot Elite hat sich dem Film glücklicherweise angenommen und bringt ihn ab 10. Mai auf DVD und Blu-ray raus.


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Most Anticipated Films of 2011


Da ist es dann auch schon, das Jahr 2011. Und wieder stehen uns 52 Wochen voller Filme ins Haus, von denen ich einige ganz besonders erwarte. Im Februar geht es erstmalig auf die Berlinale, wo ich einige Filme bereits vorab zu sehen hoffe. Im März sind dann die Fantasy Filmfest Nights und im Sommer dann das Fantasy Filmfest. Gerade auf den beiden Letzteren dürften einige Filme zu sehen sein, die ich in diesem Jahr am meisten, nein am sehnlichsten erwarte. Zudem eignen sich die Festivals auch hervorragend dazu, Filme außerhalb des regulären Plans zu entdecken. Hier also meine zehn most anticipated films 2011, der deutsche Starttermin – falls bekannt – findet sich in Klammern:

The King's Speech (17. Februar)
Wurde 2010 von der amerikanischen und britischen Kritik ja gefeiert wie sonst nichts und dürfte schon jetzt ein absoluter Favorit für die Oscars sein.

Captain America: The First Avenger (21. Juli)
Comicverfilmung als period piece: Captain America (Chris Evans) kloppt sich mit Nazis (u.a. Hugo Weaving) – kann eigentlich kaum was schief gehen.

Battle: Los Angeles (14. April)
Sieht aus wie Transformers, nur ohne den Kindermüll – also wie perfektes Blockbusterkino.

The Girl with the Dragon Tattoo (unbekannt)
Vor einigen Tagen erst mit der Trilogie fertig geworden, gefiel mir der erste Teil mit Abstand am besten. Und seit The Social Network habe ich auch wieder vollstes Vertrauen in Fincher.

Armadillo (unbekannt)
Janus Metz Pedersen hat eine Einheit dänischer Soldaten im Camp Armadillo in der afghanischen Provinz Helmand begleitet. Soll Restrepo sehr ähnlich sein.

Machete Maidens Unleashed! (unbekannt)
Mark Hartley (Not Quite Hollywood) mit einer neuen Doku: dieses Mal erforscht er die Exploitationgefilde philippinischer Genrefilme der 70er – in denen noch ganzer Körpereinsatz gefragt war …

Scream 4 (unbekannt)
Wes Cravens vierter Aufguss, deessen Trailer mich erst neulich dazu brachte, mir den ersten Teil mal wieder anzusehen – und der sich mir erst bei dieser Sichtung in seiner ganzen Pracht präsentierte.

I Saw the Devil (악마를 보았다) (unbekannt)
Kim Ji-woons neuer Rachethriller soll nicht nur neue Maßstäbe in Sachen Brutalität setzen, sondern auch ein packendes Stück Film sein, über das ich bisher ausschließlich Gutes gehört habe. Aber bei Choi Min-sik vs. Lee Byung.-hun kann ohnehin nichts schief gehen.

Tabloid (unbekannt)
Errol Morris' Doku über die frühere Miss Wyoming, die einen jungen mormonischen Missionar missbraucht und eingesperrt haben soll. Interessantes Sujet und dann noch Morris' visuelle Kraft – eine sehr gute Kombination.

A Dangerous Method (unbekannt)
David Cronenbergs Neuer über die Freundschaft zwischen Carl Jung und Sigmund Freud und die Entstehung der Psychoanalyse. Eine Materie, wie geschaffen für Cronenberg.

Was habe ich vielleicht vergessen? Welche Filme erwartet Ihr im neuen Jahr am sehnlichsten?


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Die Dänen und Afghanistan: 'Armadillo' Doku Trailer


Während in Toronto das TIFF gerade in vollem Gange ist und ich voller Neid gen Kanada schiele (schließlich ist auch Carpenters Neuer zu sehen), tröstet mich zumindest der Film Junk Podcast mit ersten Reviews einiger der Highlights. Besonders aufmerksam bin ich dabei auf eine dänische Doku namens Armadillo geworden, in der Janus Metz Pedersen einige dänische Soldaten, die in Helmand – eine der umkämpftesten Provinzen Afghanistans – stationiert sind, begleitet. Ganze sechs Monate hat er das Leben der jungen Männer dokumentiert, die nur wenige hundert Meter von Talibanstellungen entfernt sind. Zwar ist der Trailer leider ohne UTs, aber so konzentriert man sich schon mehr auf die sehr schönen Bilder, die bisweilen aussehen, als wären sie einem Ridley Scott- oder Michael-Bay-Film entsprungen. Dürfte vor allem in Kombination mit Restrepo interessant sein.


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