Die Gewinner der 60. Internationalen Filmfestspiele Berlin

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Und schon ist wieder alles vorbei. Nacht fast zwei Wochen Berlinale wurden gestern abend die Gewinner der 60. Internationalen Filmfestspiele Berlin gekürt. Der Goldene Bär geht in diesem Jahr somit an Semih Kaplanoglus Bal, womit sich viele doch recht gut arrangieren können. Die Silbernen Bären gehen in Form des großen Preis der Jury an If I Want to Whistle, I Whistle (Eu cand vreau sa fluier, fluier), für die beste Regie an The Ghost Writer (for real!? Ich kann ja verstehen, dass Kollegen hier zueinander halten, aber nach all dem Getöse um Polanskis Figur wirkt dieser Preis dann doch reichlich platt), für die herausragende künstlerische Leistung an How I Ended This Summer (Kak ya provyol etim letom) und Apart Together (Tuan yuan) für das beste Drehbuch. Des Weiteren wurde Shinobu Terajima für ihre Rolle in Caterpillar (Kyatapirâ) – einer der Filme, die ich nun sehnlich erwarte – mit einem Silbernen Bären ausgezeichnet. Das männliche Pendant konnten Grigori Dobybrin und Sergej Puskepalis für How I Ended This Summer gewinnen.  Alle weiteren Preisträger finden kann man hier nachlesen.

Was kann ich also von der diesjährigen Berlinale beziehungsweise der Berichterstattung selbiger mitnehmen? Nach wie vor ganz scharf bin ich auf Red Hill, den Kollege Patrick gestern sehen durfte und mich gleich im Anschluss bestätigte, dass es sich um einen wunderbaren kleinen dreckigen Film handelt. Der bereits  genannte Caterpillar dürfte vor allem einen schönen Kontrast zum sonst so pathetisch-nationalen Japankino der letzten Jahre darstellen, von den ganzen 'physischen Darstellungen' mal abgesehen. Der bei vielen als Schlaftablette gehandelte The Hunter (Shekarchi) macht ebenfalls einen recht interessanten Eindruck, auch wenn dieser natürlich auch aus anderen Gründen für Gesprächsstoff sorgte. Der bereits im Vorfeld viel diskutierte The Killer Inside Me soll zwar letzten Endes dann doch nicht der große Tabubrecher sein, für den einige ihn gehalten haben, aber es ist allein schon dieser 'Ruf', der ihn zumindest für mich doch interessant macht.

Zu guter Letzt wären da dann noch der neue Thomas Vinterberg, Submarino, und auch Oskar Roehlers filmischem Œuvre, der mit Jud Süss – Film ohne Gewissen für zahlreiche Buhrufe in den Pressevorführungen sorgte,  sollte ich mich endlich mal nähern – und sei es nur aus dem Grund, mich in meiner Annahme zu bestätigen, dass die deutschen Förderfonds endlich abgeschafft werden sollten. Hoffen wir, dass ich es vielleicht im kommenden Jahr endlich einrichten kann, die Berlinale zu besuchen.

Foto: Blogging Dagger


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Zwischen den Zeilen: 'The Ghost Writer'


Reichlich Geplänkel im Vorfeld eines Film bringt vor allem immer eines: Publicity. Dabei spielt es meist eine untergeordnete Rolle, ob diese positiv oder negativ ausfällt. Im Falle von Roman Polanski trifft irgendwie beides zu. Die einen echauffierten sich über das Verhalten der Schweiz und der USA, die ihn vor einigen Monaten festnehmen ließen, andere sahen es nur allzu gerne, dass Polanski für seinen Fehler in den 70ern endlich zur Rechenschaft gezogen wurde (und irgendwie ja wieder doch nicht). Seinem neuen Film The Ghost Writer, der vor einigen Tagen auf der Berlinale seine Premiere feierte – gedreht wurde zu einem guten Teil immerhin in Berlin und Umgebung -, kann der Trubel um seine Person eigentlich nur von Nutzen sein. Er ist in aller Munde, sein Film wird auf der Berlinale gespielt, was will er mehr? Da wirkt es wie die ganze Geschichte um ihn selbst nicht verwunderlich, dass es sich um einen Verschwörungsthriller handelt, einen mit durchaus aktuellen Bezügen, brandaktuellen sogar. Während Tony Blair erst vor einigen Tagen Rede und Antwort in einem Ausschuss stehen musste, der sich mit der Irak-Invasion im Jahre 2003 beschäftigt, droht das gleiche auch dem ehemaligen britischen Ministerpräsidenten (Pierce Brosnan) in The Ghost Writer.

Dieser soll für Kriegsverbrechen, namentlich Folter und Waterboarding, verantwortlich zeichnen. Doch auch Adam Lang ist nicht dumm, hat er sich doch frühzeitig in die USA abgesetzt, als deren Marionette er ohnehin gilt. Im Film munkelt die Presse, dass er stets den Willen des Verbündeten USA durchgesetzt haben soll, deshalb auch alle Minister entlassen habe, die dem US-Präsidenten ein Dorn im Auge waren. Nun droht im der Prozess, da lässt sich die Außenministerin – natürlich schwarz und ihrem realen Pendant wie aus dem Gesicht geschnitten – mit ihm im TV blicken, man muss dem Verbündeten ja beistehen. Dies ist nur ein Beispiel für Polanskis Parallelen zum aktuellen politischen Geschehen und ist anfangs sogar noch relativ interessant. Je weiter sich The Ghost Writer aber in seinem Plot verliert, desto klischeehafter kommt er aber auch daher. Da verbündet sich der Ghost Writer der Lang-Memoiren (Ewan McGregor) mit dessen ehemaligem Verteidigungsminister, eine Rüstungsfirma sponsert Langs Luxusleben und die CIA rekrutiert anscheinend britische Intellektuelle, wenn sie nicht gerade unbequeme Ghostwriter ins Jenseits befördert. Was reichlich abstrus klingt, ist es die meiste Zeit auch, sorgt aber auch dafür, dass das Ganze sein Spannungsborgen nicht verliert. Polanski gelingt es immer wieder den Spannungsbogen auf einem Niveau zu halten, dass man das Interesse nicht verliert, auch wenn die Parallelen zur Realität durch ebenjene Verhandlungsläufe schnell wieder relativiert werden.

Zumindest zu einem gewissen Grad ist dies aber auch der Besetzung zuzuschreiben, denn vor allem bei Kim Cattrall fragt man sich ziemlich schnell, was die Gute hier eigentlich zu suchen hat. Auch Pierce Brosnans britischer Ex-Premier wirkt in erster Linie vielmehr wie ein dauergrinsendes Model für Anzüge, weniger wie ein führender Staatsmann. Genau diese Eigenschaft macht ihn dabei jedoch zur perfekten Marionette, die außer der Schale nichts Eigenes zu bieten hat und deshalb von anderen gesteuert wird – allen voran seiner Frau (Olivia Williams). Das Problem ist aber auch hier, dass dies den durchaus ernsten Ton des Filmes, den er ja bereits mit seinem Setting festigen will, in die genau andere Richtung kehrt, so dass die politische Inszenierung, die der Film zur Schau stellt, wiederum auch stets als filmische Inszenierung wahrgenommen wird. Da spielt es dann auch keine Rolle, wie authentisch die Nachrichtenberichte mit den originalen Senderlogos gehalten sind. So ist man ab einem bestimmten Punkt kein Zuschauer dieses ganzen 'Politkabaretts' mehr, der über etwas mehr Einblick in die Situation verfügt als der Zuschauer, der das Ganze von zu Hause aus am Bildschirm verfasst, sondern begibt sich zusammen mit dem 'Ghost' auf Entdeckungsreise. Quasi die politische Version von The Da Vinci Code. Und auch hier kann das im besten Falle höchstens Hardcore-Verschwörungstheoretiker hinter dem Vorhang herlocken.

Mit The Ghost Writer ist Polanski, der vor fünf Jahren seinen letzten Film drehte, aber dennoch ein mehr als solider Thriller gelungen, der dank seiner Atmosphäre viel Boden gewinnen kann und dafür sorgt, dass man das Interesse so gut wie nie verliert. Ohnehin ist The Ghost Writer oftmals mehr Komödie als Thriller, das wird schon zu Beginn deutlich, wenn James Belushi den grimmigen Verleger mimt, der in diesem snobistischen London wie ein Fremdkörper wirkt. Gleiches gilt für den britischen Akzent, der jeden im Film sofort outet, und somit fast schon zum Running Gag mutiert (dito Ewan McGregor, der sich mehr als einmal über die schottische Herkunft der Langs lustig macht …). Doch auch dieser ist spätestens nach dem dritten Mal nicht mehr allzu lustig. Da sorgt dann schon eher Eli Wallach für ein breites Grinsen, der einen alten Inseleinwohner spielt, der als erster zwischen den Zeilen liest. Exakt dies hätte sich Polanski sowieso stärker zu Herzen nehmen sollen: den Zuschauer mehr zwischen den Zeilen lesen zu lassen. (7/10)


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60. Internationale Filmfestspiele Berlin


Es ist mal wieder so weit, die Berlinale, die in diesem Jahr ihren 60. Geburtstag feiert, steht vor der Tür. Heute abend um 20.00 Uhr wird sie dann offiziell von Dieter Kosslick und Jurypräsident Werner Herzog eröffnet. Ganze 11 Tage stehen wieder Filme, Filme und nochmals Filme auf dem Programm – gut, und das ganze Drumherum eben. Wer wie ich nicht dabei sein kann, der kann dem Geschehen rund ums Festival aber auch außerhalb Berlins folgen. 3sat überträgt heute die komplette Eröffnungsgala, die von Anke Engelke moderiert wird (ich will die Bauerfeind zurück!). Auch wird es wieder ein nahezu tägliches Berlinale Journal geben, das ich in den letzten Jahren neben dem Internet eigentlich immer als beste Quelle für alles rund um die Berlinale empfand. Apropos Internet: auch hier gibt es in diesem Jahr wieder eine Berichterstattung, die eigentlich nichts zu wünschen übrig lassen dürfte. An erster Stelle möchte ich hier das Blog von Kollege Thomas Groh nennen, der in den letzten Jahren immer wieder auch (neben kompetenten Filmeindrücken) mit schönen bis kuriosen Geschichten abseits des Roten Teppichs erfreute.

In diesem Jahr ist er aber hauptsächlich für den Perlentaucher tätig, zusammen mit seinen Kollegen Lukas Foerster und Ekkehard Knörer – von den letzten beiden gibt es übrigens auch im Blog von Cargo Lesenswertes. Ebenfalls einen Blick wert ist das Berlinale-Blog des epd, bei dem es unter anderem von Dr. Stefan Höltgen und Jörg Buttgereit tägliche Updates geben wird. Und auch die taz hat natürlich tägliche Updates aus der Hauptstadt. Eine schöne Auflsitung aller Onlinemedien, die berichten, findet sich übrigens auch bei Movies & Sports. Um noch einmal aufs Fernsehen zurück zu kommen: ebenfalls nicht uninteressant ist das Einsweiter Berlinale Tagebuch auf Einsfestival, das vom 11. bis 20. Februar täglich ab 20.00 Uhr zu sehen ist und sich offensichtlich an ein jüngeres Publikum richtet, nichtsdestotrotz aber oftmals 'quirlige' Berichte hat. Natürlich darf auch das 'alte' Medium Radio nichr fehlen, hier sei Deutschlandradio Kultur genannt, das ebenfalls mit täglichen Berichten und Specials aufwartet. Hoffen wir so gerüstet also auf eine spannende 60. Berlinale mit vielen tollen Filmen.

Foto: Blogging Dagger


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Australischer Neo-Western: 'Red Hill' Trailer


Ich ärgere mich ja grundsätzlich, dass ich es auch in diesem Jahr wieder nicht auf die Berlinale schaffen werde. Dieses Mal aber besonders, wie ich gerade feststellen muss, denn auf der diesjährigen 60. Berlinale wird auch Red Hill zu sehen sein, ein australischer Neo-Western, dessen Trailer atemberaubend aussieht – als würde No Country for Old Men auf There Will Be Blood treffen. Es geht um einen jungen Polizisten, der sich gleich an seinem ersten Tag in einem kleinen Kaff (Red Hill) um sein Leben sorgen muss, denn ein einstiger Häftling kehrt in den Ort zurück und will Blut sehen. Einen regulären Start wird es hoffentlich zeitnah nach der Berlinale geben.


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Das Internets ist gefährlich … 'Afterschool' Trailer


Jugendliche lieben es laut diversen TV-Magazinen ja Videos auf dem Mobiltelefon zu haben, die das Vergewaltigen oder Töten von Menschen zeigen. Diese tauschen sie dann auch gerne, vorzugsweise auf dem Pausenhof. Das Indie-Thrillerdrama Afterschool macht sich dies zum Sujet und lässt einen Internetaffinen Jungen zum Augenzeugen eines Videos werden, in dem sich zwei seiner Kommilitoninnen eine Überdosis Drogen verabreichen … Das sieht im Trailer (480p/720p/1080p) alles schon ziemlich interessant und schick aus (man achte auf die Bildkompostion) und geht hoffentlich auch angemessen mit der zugegeben schweren Thematik um. Leider scheint Afterschool bisher nur auf Festivals gelaufen zu sein (u.a. Berlinale und Cannes), kommt aber hoffentlich auch hier bald – vorzugsweise als Kinoauswertung.


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Die Wiedergutmachung: Kritiken, kurz aber knackig


Erst vor kurzem hatte ich ja angekündigt, dass es hier bald wieder Reviews zu lesen geben würde. Da es jetzt knapp halb Zwei Uhr ist und ich noch lange nicht müde bin, zudem gerade erste Berlinaleberichte bei Thomas und bei Thorsten lese (die sehr fleißig berichten und auch mal einen Blick abseits des großen Tamtams riskieren), überkam mich der plötzliche Drang auch hier mal wieder für Lesestoff zu sorgen. Gut, es sind vielleicht keine wirklichen Besprechungen – dafür müsste ich mir dann wohl doch die ganze Nacht um die Ohren schlagen -, aber meine groben Eindrücke dürften ja schon mal ein Anfang sein.

Da er auch auf der Berlinale läuft und eine Klausel es mir sowieso verbat, bis zum Start in Berlin wertende Worte darüber zu verlieren, möchte ich mit Stephen Daldrys The Reader beginnen. Ich beginne nämlich erst jetzt, nach dem Film, zu schätzen, dass mir dieser Schinken in der Oberstufe erspart blieb. Gut, bevor hier gleich der große backlash beginnt, sei vielleicht noch kurz gesagt, dass ich inhaltstechnisch absolut nichts wusste – zumindest nicht mehr als der Titel sowieso schon verrät (Jemand liest Jemandem etwas vor, gut). Insofern war ich über den leichten Umschwung im Verlauf der Geschichte schon etwas überrascht, doch. Nur ändert das am Gesamteindruck nicht gerade viel. The Reader bleibt nämlich auch ohne jegliche Kenntnis der Vorlage kalkuliertes, abscheulich prätentiös-pathetisches Affektkino, das einen wieder daran erinnert, dass man nicht jeden Film, den man umsonst sehen darf, auch wirklich mitnehmen sollte (ich meine, in über zwei Stunden kann man vieles erledigen).

Fast noch schlimmer als das ganze Getöse um Schuld, Sühne, deutsche Geschichte und, natürlich, Liebe, ist die Sprache. Und damit meine ich nicht einmal die grottigen Dialoge, sondern vielmehr die Tatsache, dass es einfach unfassbar schlecht klingt, wenn man einen englischen Muttersprachler wie Kate Winslet mit deutschem Akzent sprechen lässt und die deutschen Muttersprachler zum Englischen zwingt. Angesichts des settings in Berlin, Heidelberg und Restdeutschland natürlich noch komischer. Von der Aussprache deutscher Namen natürlich ganz zu schweigen. Einziger Lichtblick dieses ganzen camps: die bezaubernde Lena Olin – doch bei den Darstellern angekommen, fallen einem dann ja auch wieder Alexandra Maria Lara oder Bruno Ganz ein …

Ebenfalls bald zu sehen, zwar nicht auf der Berlinale aber dafür für Jedermann im Kino, ist Edward Zwicks Defiance. Sein neuestes period piece zeichnet die reale Geschichte zweier weißrussischer Brüder nach, die in den 40er Jahren tausenden Juden das Leben retteten und in bester Guerillamanier in den Wäldern den Nazis trotzten. Leider ist das vermeintliche Heldenporträt (nur echt mit Texttafeln vor dem Abspann) weder Fisch noch Fleisch. Als Actionfilm taugt er nicht viel, denn die wenigen Actionszenen kann man an einer halben Hand abzählen (und sind zudem herrlich naiv konstruiert). Als Drama kann er da schon etwas mehr überzeugen, wenn auch angesichts seiner üblichen Zutaten nicht allzu sehr. Ich meine, die Geschichte selbst verrät natürlich das meiste eigentlich schon, denn im Wald zu leben, allen voran im Winter, ist nicht gerade das Gelbe vom Ei.

Da jagen die Männer dann (Nazis), die Frauen kochen und Ehen werden bisweilen auch noch geschlossen. Dazwischen: verstecken, kämpfen, weinen und jede Menge Vodka die Gurgel hinunterspülen. Der Cast ist dabei sicherlich der größte Eyecatcher, denn Daniel Craig, Liev Schreiber und Jamie Bell harmonieren zwar nicht perfekt zusammen, heben den Film dann aber doch etwas aus der Masse hervor. Komisch wieder nur, dass sie alle mit aufgesetztem russischen Akzent sprechen (von dem in der deutschen Synchronisation keine Spur ist). Gegen Ende werden dann natürlich Nägel mit Köpfen gemacht und die Brüder zu Helden erklärt, die nie etwas von diesem Heldentum hören wollten. Dank einem tollen Score von James Newton Howard geht es dann doch auch unter die Haut, denn solch eine Tat ist alles andere als selbstverständlich.

Fast noch besser als Eastwoods erster Film in diesem Jahr, Changeling – wer ihn noch nicht gesehen hat, begibt sich bitte schnell ins Kino -, ist sein zweiter, Gran Torino. Was im Trailer wie ein Reboot von Dirty Harry aussieht, ist in Wirklichkeit ein intelligenter Abgesang auf ebenjenes Genre, das sich den einsamen Helden zum Sujet machte. Es ist wirklich erstaunlich, wie fit und präsent Eastwood immer noch ist. Die Schauspieler an seiner Seite – einige von ihnen sind in der Tat Laiendarsteller -, verpuffen ob dieser Präsenz meist zu Statisten, die man oftmals gar nicht wirklich wahr nimmt. Die vermeintliche Komödie, die der ein oder andere hierin vielleicht sehen mag, ist natürlich grober Unfug. Natürlich ist Gran Torino lustig, aber diese Art von Humor dient weniger der Unterhaltung als der Dekonstruktion.

Eastwoods Walt Kowalski ist auf den ersten Blick der typische (Anti-)Held. Er ist einsam, gefühlskalt und grantig. Zudem ist er Koreakriegsveteran, Waffennarr und Konservativer. Er ist geprägt von einer reaktionären Haltung, fragt sich, was denn mit der Jugend von heute los sei und hasst überhaupt irgendwie jeden, der nicht so denkt wie er. Hinzu kommt natürlich sein Rassismus. Dies alles scheint stets an ikonografische Größen wie Rambo, Chuck Norris oder sonstige Helden der 70er und 80er anzuknüpfen. Und genau auf dieser Schiene fährt Gran Torino dann auch, zumindest eine Weile. Fast schon zu umfangreich und komplex wirkt das, was Eastwood hier veranstaltet. Der Mann, der wie kaum ein anderer das Heldenkino prägte, feiert einen Abgesang auf sich selbst.

So viel Walt auch mit den genannten Actionhelden gemein haben mag, so ist er doch auch die Antithese zu ihnen. Er verfügt über kein modernes Waffenarsenal, nein, vielmehr kämpft er mit seinen Waffen aus dem Krieg. Er ist alt, trägt keinen gestählten Körper vor sich her und legt den Reaktionismus als auch den Rassismus irgendwann ab. Das mündet schließlich in einer Schlussszene, die nicht nur mit der Erwartungshaltung des Zuschauers geschickt spielt, sondern auch das ganze Genre einmal mehr vorführt. Bei alledem ist es aber auch ein starkes Selbststatement, das Eastwood hier verfasst, er, der Oldtimer, der Gran Torino unter den Größen Hollywoods. Und spätestens wenn im Abspann Jamie Cullum dieses untermalt, fließen mir die Tränen in die Augen.

Gehe ich weiter chronologisch vor, lasse aber jene Filme aus, die ich noch ausführlicher besprechen werde (wie beispielsweise Sex Drive für das MANIFEST), steht als nächstes Tarsem Singhs The Fall an. Ein Film, der mittlerweile schon drei Jahre auf dem Buckel hat, es aber erst jetzt – Gott sei Dank – in die Kinos geschafft hat. Zugegeben, zuerst weiß man nicht, wie einem geschieht. Ist das alles selbstverliebtes Zitatenkino, gefärbt in knallig bunte Farben und Kostüme und gerade deshalb nicht selten auch homophil wirkend oder ist das alles eine ganz großartige Hommage an das Medium selbst? Ich wusste es nach dem Verlassen des Kinosaales nicht genau und weiß es auch jetzt noch nicht genau. Irgendwie bin ich mir unschlüssig, ja. Narrativ gehört The Fall jedenfalls mit zu dem besten, das ich in den letzten Jahren sehen durfte. Doch gerade hier liegt auch die Krux der ganzen Sache. Der Humor der Mise en abyme war für mich völlig fehl am Platz.

Doch auf der anderen Seite: sieht man das Ganze als Hommage an das Geschichtenerzählen, das Medium Film, dann ist es ja eigentlich nur Konsequent; denn The Fall hat alles: er ist dramatisch, traurig, pathetisch, humorvoll, spannend, brutal, ausgefallen, atmosphärisch und sowieso ließe sich hier mit jedem Adjektiv fortfahren, das nur annähernd das Medium Film definiert. Fest steht jedenfalls, dass es der erste Film ist, den ich gesehen habe, der der Arbeit einer der wichtigsten Filmgruppen huldigt, nämlich jene der Stuntleute. Das bulgarische Original würde mich jetzt auch interessieren.

Als letztes wäre da dann noch Danny Boyles Slumdog Millionaire. Je länger ich darüber nachdenke – die Pressevorführung ist nun auch schon wieder ein paar Wochen her -, umso verärgerter bin ich eigentlich. Nicht unbedingt wegen der Qualität des Filmes, sondern vielmehr wegen dieses ganzen Kalküls. Der Film reiht sich in gewisser Weise nämlich nahtlos neben seine Oscarkollegen wie The Reader oder The Curious Case of Benjamin Button ein. Irgendwie habe ich langsam die Nase voll von all den Epikern, die nur auf Affekt und Pathos setzen und dabei dem Standardbackrezept folgen. Boyles Film wurde vorgeworfen, es handle sich um poverty porn und hierbei mag sicherlich auch etwas dran sein. Sicher, er erzählt sie alles andere als neue Geschichte des plötzlichen sozialen Aufstiegs recht interessant. Die Spielszenen sind spannender als mancher Thriller und der Laiencast ist auch nicht übel, aber ein Nachgeschmack bleibt eben, wie gesagt.

Fast schon interessanter ist dabei die Tatsache, dass man ob des settings permanent an die noch jungen Anschläge in der indischen Metropole denken muss. Etwas, das nicht gerade wenigen Filmen im Nachhinein anhaftetet, nur gerade hier wird eine märchenartige Geschichte erzählt, die letzten Endes nicht näher auf die sozialen Probleme eines riesigen Landes einzugehen vermag. Ich sag's einfach mal so: Würde er den Oscar für den besten Film des Jahres gewinnen (und das wird er aller Voraussicht nach auch) und damit Fincher auf seinen Platz verweisen, wäre ich nicht gerade verärgert (was ich ja sowieso schon bin seit feststand, dass The Wrestler hier nicht nominiert ist). Ach ja, Letzteren habe ich ausgelassen, da dieser nun wirklich eine volle Besprechung verdient hat.


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'Standard Operating Procedure': Trailer zur Morris Doku

Bisher kenne ich ja nur The Fog of War von Dokufilmer Errol Morris. Dieser hat mich damals so was von gepackt, dass ich seinen Neuen, Standard Operating Procedure, der auf der diesjährigen Berlinale mit dem Silbernen Bären geehrt wurde, kaum mehr erwarten kann. Das Thema ist einmal mehr eines, über das die meisten wohl eher das Tuch des Schweigens legen würden: Die Folterfotos im irakischen Militärgefängnis Abu-Ghuraib. Erstaunlich auch, dass der Trailer (480p/720p/1080p) erst jetzt offiziell erschienen ist, obwohl der Film ja bereits letzten Monat in Berlin lief. Deutscher Kinostart ist der 29.05.

‘Standard Operating Procedure’


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Berlinale 2008 – Die Verleihung der Bären

Tja, da ist sie schon fast wieder rum, die Berlinale. Heute findet nämlich die Verleihung des Goldenen und der Silbernen Bären statt. Die Nominierten hatte ich ja schon vorgestellt, zu verfolgen ist das Ganze Spektakel ab 19.00 Uhr live auf 3sat:

Berlinale Logo"Zum Höhepunkt und Abschluss der 58. Internationalen Filmfestspiele Berlin berichtet 3sat live über die im Berlinale-Palast stattfindende Abschlussgala, bei der der Goldene und die Silbernen Bären verliehen werden. Die feierliche Veranstaltung moderiert Katrin Bauerfeind. Außerdem zeigt 3sat Interviews mit den Gewinnern der Bären und präsentiert die preisgekrönten Filme." (3sat.online)

Richtige Favoriten habe ich ehrlich gesagt nicht, was angesichts der Tatsache, dass ich nur einen der Filme, nämlich There Will Be Blood – dem ich einen Bären auch gönnen würde – gesehen habe, auch nicht weiter wundert. Der Berichterstattung respektive den Ausschnitten zufolge, würde ich aber beispielsweise gerne Gardens of the Night (UK), Restless (Israel), Caos calmo (Italien), Tropa de Elite (Brasilien) oder Standard Operating Procedure (USA) mit einem Bären nach Hause gehen sehen.

Und um es noch erwähnt zu haben: Gestern Nacht habe ich noch kurz in die Pressekonferenz zu The Other Boleyn Girl auf dem RBB reingeschaut und war erstaunt, wie die drei Hauptdarsteller minutenlang (!) nur da standen, um vom Blitzlichtgewitter förmlich erschlagen zu werden (dazu lautstarke, aber monotone Kommentare wie das permanente Ausrufen des Vornamens) – ohne Kommentar aus dem Off und in dieser Länge hat mir das einen ziemlich kalten Schauer über den Rücken laufen lassen. Habe ich noch nie so bewusst wahrgenommen. Erschreckend jedenfalls…

Edit: Tropa de Elite gewinnt den Goldenen Bären – alle weiteren Gewinner finden sich hier.


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Berlinale total!

Seit vorgestern tobt sie in der deutschen Hauptstadt, die 58. Berlinale. Insgesamt 400 Filme laufen in den zehn Tagen, die sie dauert, angefangen bei den Wettbewerbsbeiträgen über die Retrospektiven bis hin zum Talent Campus. Dass man da recht schnell den Überblick verliert, dürfte deshalb nicht wundern. Die Berichterstattung fällt dementsprechend groß aus – egal ob im TV oder Web -, sodass ich die wichtigsten Anlaufstellen des Festivals einmal zusammengetragen habe:

Berlinale LogoZum einen wäre da Thomas Grohs Blog, das subjektiver nicht sein könnte, gerade deshalb aber auch so liebenswürdig ist. Weiter in der weiten Welt der Blogs geht es mit der Movie Lounge, die sich schon im Vornherein die Finger wund schrieben. Nicht vergessen darf man natürlich auch die Blogs der 'Großen', wie das rbb Berlinale Blog, das von epd Film oder den Perlentaucher.

In Sachen Fernsehberichterstattung muss an erster Stelle natürlich das tägliche Berlinale Journal von 3sat stehen (täglich live um 22.25 Uhr), das dieses Jahr zwar leider nicht von Katrin Bauerfeind moderiert wird, dafür aber ebenso kompetent daherkommt – es gibt Interviews, Wettbewerbsbeiträge werden vorgestellt und kritisiert, Kolumnen, … – wie im letzten Jahr. Des Weiteren kann sich glücklich schätzen, wer die Digitalen von ARD und ZDF empfängt. So sendet der ZDF Theaterkanal beispielsweise ab heute täglich um 19.00 Uhr das halbstündige Berlinale Journal aus. Und auch EinsFestival – der Name lässt ja auch nichts anderes vermuten – hat ein tägliches Berlinale Festival-Tagebuch aus Berlin (heute bspw. um 16.45 Uhr) im Programm.

Da dürfte also für jeden etwas dabei sein, der – wie ich – derzeit leider nicht in Berlin weilt und sich den Tag mit Pressekonferenzen, Pressevorführungen und sonstigem Trubel um die Ohren schlägt.


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Wettbewerbsprogramm der 58. Berlinale

Logo der BerlinaleEs ist bald wieder soweit, Deutschland darf eines der bedeutendsten Filmfestivals der Welt austragen, nämlich die Berlinale. Diese findet in diesem Jahr vom 07.02. bis zum 17.02. statt und wartet neben einer Retrospektive zu Luis Buñuel und zahlreichen anderen Programmpunkten (Talent Campus, Panorama) natürlich auch wieder mit 21 Filmen, die im offiziellen Wettbewerb laufen, auf. Dieses Jahr gehen die folgenden Filme an den Start:

Kirschblüten – Hanami von Doris Dörrie (Deutschland)
There Will Be Blood von Paul Thomas Anderson (Vereinigte Staaten)
S.O.P. Standard Operating Procedure von Errol Morris (Vereinigte Staaten)
Happy-Go-Lucky von Mike Leigh (Großbritannien)
Gardens of the Night von Damian Harris (Großbritannien)
Elegy von Isabel Coixet (Spanien)
Julia von Erick Zonca (Frankreich)
Lady Jane von Robert Guédiguian (Frankreich)
Feuerherz von Luigi Falorni (Italien)
Caos calmo von Antonello Grimaldi (Italien) Berline Wettbewerbsposter
Restless von Amos Kollek (Israel)
Zou You (In Love We Trust) von Wang Xiaoshuai (China)
Sparrow von Johnny To (Hongkong/China)
Kabei (Kabei – Our Mother) von Yoji Yamada (Japan)
Lake Tahoe von Fernando Eimbcke (Mexiko)
Tropa de Elite (Die Elite-Einheit) von José Padilha (Brasilien)
Ballast von Lance Hammer (Vereinigte Staaten)
Bam gua Nat (Night and Day) von Hong Sangsoo (Südkorea)
Il y a longtemps que je taime (I've Loved You So Long) von Philippe Claudel (Frankreich)
Musta Jaä (Black Ice) von Petri Kotwica (Finnland)
Avaze Gonjeshk-ha (The Song Of Sparrows) von Majid Majidi (Iran)

Außer Konkurrenz laufen zudem:

Shine a Light von Martin Scorsese (Vereinigte Staaten)
Katyn von Andrzej Wajda (Polen)
Fireflies in the Garden von Dennis Lee (Vereinigte Staaten)
The Other Boleyn Girl von Justin Chadwick (Großbritannien)
Be Kind Rewind von Michel Gondry (Frankreich) (FAZ)

Besonders gespannt bin ich auf Johnnie Tos Neuen, SPARROW, THERE WILL BE BLOOD (wobei der ja kurze Zeit später regulär anläuft), und natürlich auf Michel Gondrys BE KIND REWIND. Blöd nur, dass ich zirka 600 Kilometer von Berlin entfernt wohne und deshalb keinen der Filme zu sehen bekomme. Naja, wenn das ZDF es wie letztes Jahr hält, dann wird es zumindest als kleinen Trost täglich ein Journal live von der Berlinale geben (hoffentlich wieder mit Kathrin Bauerfeind). Wie sieht es denn mit meinen Lesern aus – wird von Euch jemand anwesend sein?


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