I'm Giving You a Night Call: 'Drive'


Nicolas Winding Refns Drive ist das passiert, was schon sehr vielen Filmen vor ihm widerfahren ist: Sie wurden im Vorfeld ins Unermessliche gehyped und können somit nur enttäuschen – wenn auch auf hohem Niveau. Vor allem bei den Fanboys und Nerds, die denken, dass sie Ahnung vom Medium hätten, war Drive das Must-See des vergangenen Jahres (meist schön aus dem Netzt gezogen, denn hierzulande startet er ja erst jetzt). Wenn man sie dann nach einer Begründung fragt, bekommt man meist nur die üblichen Adjektive und Phrasen entgegen geworfen, die im Prinzip nichts anderes als leere Worthülsen sind und eigentlich jeden zweiten Film beschreiben könnten. Ultracool, stylish, brutal, lässig, coole Dialoge, etc. pp. – Tarantino lässt grüßen. Nun würden an dieser Stelle viele sagen, dass er gerne ein Tarantino wäre. Da ich selbst aber kein allzu großer Fan des 'Meisters' bin, würde ich einen generellen Vergleich mit selbigem auch nicht unbedingt als Kompliment verstehen. Zumal das Tarantino-eske mittlerweile nur noch redundant und nervig daherkommt. Doch Drive befindet sich tatsächlich im Fahrwasser vieler Thriller, die man in den letzten Jahren so ähnlich bereits gesehen hat. Viel wirklich Neues gibt es nicht.

Dabei ist Drive aber bei Weitem kein schlechter Film. Nein, ganz bestimmt nicht. Sein Soundtrack ist in der Tat über allem erhaben, da muss man einfach in den Hype-Tenor mit einstimmen und ihn am besten gleich in der Dauerrotation hören. Durch ihn wird dem Film erst eine Atmosphäre zuteil, die ihn dann doch irgendwie aus der Masse heraushebt. Und doch trägt Refn leider viel dazu bei, dass sein Film letztlich über kurzweilige Unterhaltung kaum hinaus kommt. Dabei fängt alles so gut an. Die Exposition ist grandios atmosphärisch und spätestens wenn die Credits in pinken Retro-Lettern über die Leinwand flimmern, denkt man für einen kurzen Moment, dass man sich gerade in den 80ern befindet. Doch irgendwann kommt dann Carey Mulligan samt Balg ins Spiel und macht all ihre vorangegangenen Performances auf einen Schlag vergessen. Ihre Figur bleibt blass und gleichgültig; was Goslings Stuntman an ihr findet, bleibt ein einziges großes Geheimnis. Wenn er dann auch noch alles für sie riskiert, obwohl er sie gerade mal einige wenige Tage kennt, geht es mit dem Film schnell bergab.

Nicht so richtig bergab, aber er verschenkt so verdammt viel Potential, dass man sich einfach aufregen will. Da helfen dann auch die derben Gewalteinlagen, die quasi aus dem Nichts kommen und im Prinzip nur selbstzweckhaft sind, nichts mehr groß. Der Cast – allen voran natürlich Gosling – ist toll (bis auf Mulligan eben, aber das liegt auch zum Großteil am Drehbuch), aber auch hier wird wieder viel zu viel Potential verspielt, beispielsweise wenn 'Mad-Woman' Christina Hendricks nur wenige Minuten Screentime hat und Ron Perlman auf Autopilot agiert. Nach 100 Minuten ist dann auch alles vorbei und man fragt sich schließlich: really!? Das soll der Überfilm gewesen sein, für den Nicolas Winding Refn in Cannes prämiert wurde und der sich auf jeder Jahresbestenliste der US-Kritik befand? In einigen Jahren wird Drive wohl so ein Geheimtipp werden, der eigentlich gar keiner ist, den aber jeder Semi-Cineast jedem seiner Freunde empfiehlt, der mal was Cooles abseits des Mainstreams sehen will. Klappe zu, Affe tot. (7/10)


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Nicolas Winding Refns 'Drive' als Cartoon

In gerade mal einer Minute und einer Sekunde erzählen die beiden Animatoren Tom Haugomat und Bruno Mangyoku Nicolas Winding Refns Drive nach – in Form eines toll animierten, knallbunten Cartoons. Wer Drive noch nicht gesehen hat und nicht gespoilert werden möchte, der sollte hier allerdings passen. Allen anderen sei der Cartoon, der – wie der Film (die FSK hat ihn mit einer 18er-Freigabe bedacht) – nicht gerade NSFW ist, aber dringend empfohlen.

(Via FilmDrunk)


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Red Band Trailer zu Steve McQueens NC-17 Drama 'Shame'

Shame wird sich sicherlich auf einem Großteil der Jahresbestenlisten finden – zumindest bei den US-Kritikern, denn hierzulande muss man noch bis zum 01. März warten, erst dann startet das Drama, das in den Staaten das gefürchtete NC-17-Rating bekam, in den deutschen Kinos. Mit Michael Fassbender, Carey Mulligan und James Badge Dale ist der Film, über den sich die gesamte US-Blogosphäre derzeit unterhält (weil er ja ach so schlimm sein soll und dann doch wieder nicht), auch top besetzt – Fassbender wird zudem als heißer Oscar-Kandidat gehandelt. Der Red Band Trailer zeigt abgesehen von etwas nackter Haut nicht allzu viel Neues und erweckt meiner Meinung nach den Eindruck eines ziemlich grimmigen Filmes.

(Via /Film)


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'Drive' International Red Band Trailer

Und schon wieder ein neuer Trailer zu Nicolas Winding Refns Drive, wenn auch nur ein ganz klein wenig anders als der kürzlich erschienene UK-Trailer. Nicht wirklich Red Band meiner Meinung nach, aber auch nicht gerade harmlos. Bin ja mal gespannt, auf wie vielen Jahreslisten man den noch lesen wird, denn Kinostart ist ja erst am 29. Dezember …

(Via /Film)


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Neuer kick-ass Trailer zu Nicolas Winding Refns 'Drive'

Nach dem ersten, ziemlich geilen Trailer zu Nicolas Winding Refns Drive, ist nun ein neuer Trailer in UK erschienen – etwas kürzer, aber immer noch kick-ass! Dauert leider noch bis zum 29. Dezember, bis der Film hierzulande zu sehen sein wird, aber Vorfreude ist ja bekanntlich die schönste Freude.


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Stuntman Ryan Gosling: 'Drive' Red Band Trailer

Nicolas Winding Refns Drive hat in Cannes nicht nur den Preis für die beste Regie gewonnen, sondern bekam für seinen Film auch durchweg positive Stimmen. Drive wird jetzt schon als The Transporter für Erwachsene bezeichnet und sieht in der Tat ziemlich gut aus, auch wenn ich mir immer noch nicht ganz sicher bin, ob Ryan Gosling in solche einer Rolle taugt. Da freue ich mich schon mehr, dass Mad Men-Rotschopf Christina Hendricks mit von der Partie ist! Start in den US-Kinos ist am 16. September.

(Via I Heart Pluto)


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Knightley & Mulligan: 'Never Let Me Go' Trailer


Hat ja gar nicht lange gedauert, dass sich Keira Knightley und Carey Mulligan gemeinsam in einen Film verirren. Mir gefällt allein schon diese Tatsache, doch auch der erste Trailer zur Romanverfilmung Never Let Me Go (480p/720p/1080p) sieht fein aus, auch wenn der Plot um ein Internat, das Klone züchtet etwas nach The Island für's Arthouse klingt. Regie führt Mark Romanek, einen deutschen Start gibt es noch nicht.


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Learning by Doing: 'An Education'


Die vorstädtische Tristesse durchzieht das Leben des britischen Teenagers Jenny (Carey Mulligan). Mit ihren 17 Jahren soll es für sie nichts Wichtigeres geben als die Schule, das Lernen und die Zukunftsvorbereitungen, denn ihre Eltern sehen sie schon in Oxford. Doch Jenny will aus diesem Alltagsgrau ausbrechen, sie ist eine Querdenkerin, die für ihr Alter untypischerweise auf französische Musik, Literatur und überhaupt das Dolce Vita des Festlandeuropas steht. Bildung als das höchste Gut, das Jennys Familie ihr mitgeben kann: entweder dies oder sie findet einen reichen Mann, der sie ohne Probleme versorgen kann. Was in den 60ern in Großbritannien galt, das hat sich bis heute nicht verändert. In einer Leistungsgesellschaft gibt es eigentlich nichts Wichtigeres als die Bildung, die für eine gute Profession sorgen soll, die wiederum Geld bringen soll, der Katalysator der Leistungsgesellschaft. Jenny als Mitglied der Bohème, wovon sie in der Gesellschaft aber auch nicht (über-)leben kann. Man ist gefangen zwischen zwei Welten, die man nur schwer bis gar nicht miteinander vereinbaren kann – erst recht nicht im strengen London der 1960er Jahre.

Da kommt Jennys Traumprinz David (Peter Sarsgaard) wie gerufen, wenn er sie eines regnerischen Abends zu sich ins Auto einlädt, angeblich um ihr Cello nicht dem Wetter auszusetzen. Er führt sie in die upper class ein, die vielmehr aus Vergnügen als auf Leistung setzt. Doch auch hier steht am Anfang eigentlich Leistung, wenn auch nicht bei David uns seiner Entourage. Jenny beginnt nicht nur sich in dieses Leben, das ihr David bietet, zu verlieben, sondern auch in David selbst. Was eigentlich einer Dichotomie gleichkommt, versteht Jenny erst langsam, und so zieht sich die Titelgebende Bildung aber auch Erziehung immer und immer wieder als zentrales Motiv durch An Education. Während David als Kulturführer agiert, sind es Jennys Eltern (ein großartiger Alfred Molina), die für die Erziehung sorgen oder es zumindest probieren. Ihr Bestes geben sie dabei aber in jedem Falle, auch wenn dies für Jenny nicht immer gleich ersichtlich ist. Es ist zu einem guten Stück natürlich auch ihrer jugendlichen Naivität geschuldet, dass sie so wenig über sich und ihren Stand in der Gesellschaft reflektiert. Und dennoch hat sie mit ihren Aussagen selten Unrecht, denn wer in der Gesellschaft hat nicht zumindest hin und wieder das Verlangen auszubrechen und das alles hinter sich zu lassen. Das weiß auch Jennys Lehrerin Miss Stubbs (Olivia Williams), die dem jedoch ihre Erfahrung und Reife entgegensetzen kann.

Was Lone Scherfig als klassische story of initiation beginnt, wird immer mehr auch zu einer Auseinandersetzung mit der Gesellschaft und ihren (An-)Forderungen an sich. Nicht nur Jenny ist zwischen beiden Welten gefangen, sondern auch David, der seinen Stand in der Gesellschaft mit Jenny im konservativen Sinne festigen möchte, im Prinzip aber nur ein Parasit ist, der sich in der Oberschicht breit gemacht hat. Auch wenn Peter Sarsgaard gerade hier oft etwas zu steif wirkt, so ist es doch sein großer Charme (und der nahezu perfekt klingende Akzent), der zumindest ein leichtes Verständnis dafür schafft, warum sich Jenny gerade in diesen Mann verguckt. Vice versa gibt es ohnehin kaum Verständnisprobleme, denn Carey Mulligan ist nicht nur eine äußerst attraktive Frau, sondern liefert auch eine solch großartige Leistung ab, dass man durchaus gewillt ist sie als eine der besten Nachwuchsschauspielerinnen zu bezeichnen. Ihre Oscarnominierung ist jedenfalls nur konsequent. Man will diesem armen Mädchen einfach helfen, ihr die Intelligenz, die sie dabei ist aus dem Fenster zu werfen, aufzeigen, um sie vor dem nächsten Fehlschritt zu bewahren. Doch diesen muss sie bisweilen gehen, denn auch wie bei kleinen Kindern gilt es die Erfahrung einfach zu machen, nur um etwas später zu erkennen, dass man getrost auf diese hätte verzichten können. Eine etwas härtere Form des learning by doing quasi.

Lernen ist ohnehin das Schlüsselwort des Filmes, denn es geht nicht nur ums Lernen fürs Leben, Oxford und alles damit verbundene, sondern auch um das oftmals forcierte Lernen der Wahrheit, der eigenen Umstände und des Unglücks, in das man sich selbst hineingeritten hat. Das gilt für alle Beteiligten, egal ob Jennys Eltern, die es bei aller Strenge letzten Endes doch zu gut mit ihrer Tochter gemeint haben oder Davids Freund Danny (Dominic Cooper), der zu spät erkennt, was sein 'Freund' wirklich im Schilde führt. Das Erlernen geht mit dem Erkennen Hand in Hand, das macht An Education deutlich. Am Ende muss jeder für sich selbst entscheiden, welchen Weg er gehen will. An Education geht genau den richtigen. (8.5/10)


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Academy Awards 2010: Die Nominierten für den Oscar


Heute wurde die Liste der Nominierten für den Oscar im März bekanntgegeben, und da ich den ganzen Tag an der Uni war und vorhin auch noch einige Zeit im Stau verbringen durfte, nun also etwas verspätet einige Gedanken zu den Nominierten. Von der Aufstockung der Nominierten in der Kategorie 'Best Picture' mag man halten, was man will, aber sie dürfte zu einem guten Teil wohl auch ein Zugeständnis ans Blockbusterkino und seinen Kassenschlagern sein. Avatar und Disctrict 9 hätten andernfalls so gar nichts auf der Liste zu suchen, aber vielleicht ist der Publikumserfolg eines Filmes ja auch gar kein allzu schlechtes Kriterium für die Nominierten. Man bedenke nur, wie stark District 9 bisweilen im Gespräch war, egal ob auf Twitter oder per Mundpropaganda. Das alles scheint sich aber auf 'Best Picture' zu beschränken, denn schaut man sich die restlichen Kategorien an, so wirkt alles wie immer.

Dass Christoph Waltz eine Nominierung bekommen würde, war ja ohnehin klar. Dass es in der Kategorie 'Best Supporting Actor' ist, scheint zunächst unverständlich, so wurde der Film aber nun mal von Anfang an platziert – Brad Pitt mimte den Hauptfarsteller -, und da das Studio entscheidet, für welche Kategorie ein Film oder ein Darsteller bei der Academy beworben wird, ist es auch kein großer Aufreger. Apropos Darsteller: auch wenn man die letzten Jahre immer die gleichen  Namen zu lesen scheint, freuen mich zwei Nominierungen ganz besonders. Zum einen wäre da Jeremy Renner, der für seine Rolle in The Hurt Locker zu recht nominiert ist. Zum anderen sein weibliches Pendant, Carey Mulligan, die in An Education (Besprechung folgt) einen mehr als bleibenden Eindruck hinterließ – die süße Britin sollte wirklich jeder Casting-Agent im Auge behalten.

Zu den restlichen Kategorien: auch wenn Das weiße Band wohl den wichtigeren 'Best Foreign Language Film' gewinnen dürfte – da würde ich ein Ei drauf verwetten -, so ist es dennoch lobenswert, dass er auch für 'Best Cinemtography' nominiert ist, denn die elegischen schwarz-weiß-Bilder waren in der Tat das spannendste und am wenigsten problematische am Film. Ebenfalls freue ich mich für Hans Zimmer, der wieder mal nominiert ist, auch wenn ich in seinen Score zu Sherlock Holmes noch nicht hineingehört habe. Kommen wir zu den Dokus: Burma VJ war eine sichere Sache, ebenso The Cove. So was wie Food, Inc. ist irgendwie auch immer 'relevant', große Vorfreude herrscht aber bei The Most Dangerous Man in America. Beim besten animierten Film hoffe ich ja auf Coraline, auch wenn dieser angesichts der Konkurrenz wohl alles andere als gute Chancen haben wird. Am 03. März wissen wir dann mehr, bis dahin gilt es sowieso noch einige Nominierte nachzuholen.


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