Warum Drogen und Autorennen funktionieren können

Speed Racer
(Larry & Andy Wachowski, USA/Deutschland 2008)
Kino

Irgendwann im Leben kommt der Zeitpunkt, an dem man sich endgültig erwachsen fühlt. Vorbei die Zeiten, in denen man mit Rennautos und Carrerabahnen spielte, Bobbycar-Rennen fuhr oder sich in Papis Wagen setzte und so tat, als ob man auf der Straße herumheizen würde. Nunja, nicht ganz, denn zu einem gewissen Prozentsatz – beim einen ist er höher, beim anderen niedriger – bleibt dieses Kind im Manne doch irgendwie erhalten. Neben den Kleinen und Pubertären dürfte ebendiese Art Mann wohl das Zielpublikum von Speed Racer markieren – und bereits nach dem Trailer erkannte ich: Nein, zu dieser Gruppe Mann gehöre ich definitiv nicht. Natürlich gibt es schöne Wagen, für die man so einiges tun würde, allen voran den Chrysler 300C, aber Motorsport konnte mich nie begeistern, trotz einmaligem Besuches der DTM am Hockenheimring (boah, da war's aber auch schweinekalt!). Allerschlechteste Voraussetzungen für einen Film wie jenen der Wachowski Brothers. Doch was geschieht dann? Das Warner-Logo erscheint auf dem Bildschirm, knallbunt, als hätte ich gerade erst eine ordentliche Portion LSD eingeworfen. Ich bin mir zu diesem Zeitpunkt sicher, dass ich diesen surrealen Farben nicht lange folgen kann, doch es kommt glücklicherweise anders.

Speed Racer ist nämlich style over substance in Reinform. Was die Wachowskis effekt- und farbtechnisch hier vom Stapel lassen, ist schier unfassbar. Wer damals bereits The Matrix für eine Revolution im digitalen Kino hielt, der wird hier seine Augen hier noch mal um einige Zentimeter weiter aufreißen. Keinerlei Anzeichen von frühzeitigen Abnutzungserscheinungen, keine Langeweile, keine Redundanz – damit hatte ich wahrlich nicht gerechnet. Nahezu jede Szene kann einen aufs Neue begeistern, scheint sie doch noch bunter und noch verspielter. Auch bei den Rennen verhält es sich nicht anders. Trotz der Tatsache, dass hier fast Dreiviertel des Filmes gefahren wird, kann man keinerlei Langeweile festmachen, so rasant und spannend sind die Rennen inszeniert und choreografiert. Klingt für einen Film, der seinen Fokus auf jene Rennen legt eigentlich ziemlich gut, nicht? Stimmt, wären da nicht die Zugeständnisse ans junge Publikum, die leider viel zu groß ausfallen. Der Plot von Speed Racer spielt natürlich eine untergeordnete Rolle und unterfordert seine Darsteller bisweilen, das war bereits nach dem Trailer keine Frage. Doch in diesem ohnehin schon schwachen Plot wird dem kleinen Dickerchen und seinem Affen so viel Platz eingeräumt, dass es die Nerven eines Erwachsenen durchaus anspannt, und zwar sehr.

Zum anderen wäre da der Soundtrack, der so auf der Popschiene fährt, dass sich einem die Haare zu Berge stellen – der (verpoppte Original-)Titelsong ist dabei sicherlich die Spitze des Eisbergs. Ferner gibt es auch große Zugeständnisse an die deutschen Geldgeber, denn nicht nur Ralph Herforth, wie ja aus dem Trailer zu entnehmen war, ist mit von der Partie, sondern auch ein halbes Dutzend anderer deutscher Schauspieler. Bemerkenswert ist dies deshalb, da die deutschen Bulliden für eine ordentliche Portion (unfreiwilligen) Humor sorgen, so hölzern ist ihr Spiel bisweilen. Erstaunlich auch, wie stark unsere Jungs und Mädels in Hollywoodfilmen wie ein Fremdkörper wirken, spielen sie erst einmal an der Seite Emile Hirschs oder Matthew Fox'. Schön hingen ist dann aber wieder der Einlauf der Rennwagen in LSD-Berlin – inklusive Brandenburger Tor, das gleichzeitig auch die Ziellinie markiert. Auch Speed Racer läuft ins Ziel ein und erringt einen Sieg, wenn auch nur einen kleinen. Er konnte mich erfreuen, ist er doch nicht der Total(auto)schrott, für den ich ihn hielt, sondern kann er wenigstens formal mehr als überzeugen. Sicherlich kein Film von solch langer Halbwertszeit wie The Matrix, aber dennoch ein ganz großer Sprung in Sachen Digitalkino – ILM sei (einmal mehr) Dank. Außen hui, innen pfui quasi. (6/10)


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Top 20 der besten weiblichen Nacktszenen 2007

Da surfe ich zum allerersten Mal auf TV Spielfilm, um mein Abo zu verlängern (denn ja, TV Spielfilm ist die beste Fernsehzeitschrift) und was entdecken meine männlichen Augen da? Die Top 20 der besten – wohlgemerkt – ‘Cashback’ Posterweiblichen Nacktszene aus dem Jahre 2007. Und da ich Euch diese von Mr. Skin (ich hoffe, das ist keine Pornoseite, denn man(n) muss sich dort anmelden – oder kennt die Seite jemand?) zusammengestellt Liste natürlich nicht vorenthalten möchte, riskiere ich es auch, böse Post Kommentare von Feministinnen zu bekommen…

1. Marisa Tomei in Before the Devil Knows You're Dead

2. Keeley Hazell in Cashback

3. Natalie Portman in Hotel Chevalier

4. Christina Ricci in Black Snake Moan

5. Sienna Miller in Factory Girl

Über die Liste, deren restlichen 15 Platzierungen sich hier finden, läßt sich sicherlich streiten, allen voran über die ersten Plätze. Deshalb: Was meint Ihr, respektive die männlichen (gerne aber auch weiblichen) Leser?


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»Get yo ass back in my house!«

Black Snake Moan
(Craig Brewer, USA 2006)
DVD

Black Snake MoanSo langsam aber sicher muss ich die "Großen" des Jahres noch nachholen, und da ich BLACK SNAKE MOAN im Kino verpasst hatte, nun eben auf DVD. Auf DVD, die – so muss man Paramount an dieser Stelle wirklich mal loben – bildtechnisch wirklich auf Referenzniveau arbeitete, so großartig ist dieser Transfer. Und wenn dann auch noch der Film Freude bereitet, dann sitzt man wirklich etwas Großem bei. Doch alles nach und nach. BLACK SNAKE MOAN entwickelt sich nämlich langsam, kommt anfangs als schwüles Südstaatendrama daher, das einmal mehr von Gott, dem verlorenen Glauben und einer gescheiterten Liebe handelt. Samuel L. Jacksons Figur ist die Wut, gemischt mit Melancholie und einem Riecher für Gerechtigkeit. Christina Riccis Charakter, eine Sexbesessene Schlampe, die den White Trash kaum anschaulicher darstellen könnte. Sie ist im Gefühlschaos, sucht die Lösung ihrer Probleme im Alkohol und in den Drogen. Ihr Freund (gar nicht übel: Justin Timberlake) zieht gen Irak, lässt sie mit ihren Problemen allein.

Die Wege all dieser Figuren sollen sich schon bald kreuzen und so entwickelt sich BLACK SNAKE MOAN langsam aber sicher zu einer Mischung aus Drama, Thriller, Musikfilm und Komödie – ich meine, auf die Idee, eine Frau bei sich zu Hause anzuketten, muss man erst einmal kommen. Brewers Film lässt sich nämlich nicht einfach in eine Kiste stecken, denn dafür ist er einiges zu vielschichtig. Vielleicht nicht in seiner Prämisse, die einmal mehr die konservativen Werte und Tugenden hochhält, aber in seiner Inszenierung, in der er die Realität des Öfteren mit dem Gegenteil vermischt, ohne es dabei aber zu übertreiben. Der Film hat nämlich ein Gespür für Timing, verschenkt kaum Zeit, sondern füllt diese wohl proportioniert. Und auch wenn das Ende zugegeben wirklich dick aufgetragen, ja wohl fernab jeder Realität ist, so bleibt BLACK SNAKE MOAN nicht nur ob seiner grandiosen Darsteller im Gedächtnis, sondern auch wegen seinem Blues, den er ganz einfach im Blut hat. (7-8/10)


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