Für ein strahlend weißes Lächeln: 'Fright Night'


Das Wichtigste gleich vorweg: An das Original aus dem Jahre 1985 kommt Craig Gillespies Fright Night natürlich nicht einmal ansatzweise heran. Kann er auch gar nicht, denn in gewisser Weise ist das 85er Original schon ziemlich dated, was dem Vergnügen auch heute allerdings keinen Abbruch tut. Statt das alles eins zu eins zu kopieren, aktualisiert Gillespie sein Remake konsequent – sprich es gibt auch jede Menge Anspielungen auf die Popkultur – und macht aus Peter Vincent beispielsweise einen modernen Magier Marke Criss Angel, der sich in Las Vegas verdingt und mindestens so viel Probleme hat wie der alte Peter Vincent. Auch die Homoerotik, die das Original nur so durchzog, wurde hier deutlich zurückgefahren und ist nur noch marginal vorhanden (auch wenn der neue Peter Vincent vor Lack und Leder nur so strotzt). Es sind aber auch ebenjene Momente, die den Charme des Originals erst ausmachten, die hier fehlen. So findet sich zwar die Clubszene auch hier wieder, aber im Gegensatz zum Original, ist sie hier nur Mittel zum Zweck. Gleich geblieben ist dagegen der Gewaltgrad, der mich im Original doch sehr, sehr überrascht hat. Auch im 2011er Fright Night spritzt das Blut und Gliedmaßen fliegen durch die Gegend. Der Fokus liegt ebenfalls auf den Horrorelementen und nicht etwa auf humoristischen Einlagen, auch wenn diese zweifelsohne vorhanden sind.

Am Remake, das man als durchaus gelungen bezeichnen darf, stören eigentlich nur die typisch Hollywood'schen Blockbusterelemente. Natürlich muss es ein Happy End geben (und das nicht nur für die Protagonisten) und natürlich muss so ein Film im Jahr 2011 in 3D daherkommen. Zu Letzterem kann man dann auch nur sagen, dass es selten zuvor so wenig Verwendung fand und die Technik im Falle von Fright Night eigentlich fast schon kontraproduktiv ist. Da ein Großteil des Films in der Dunkelheit respektive Dämmerung spielt, muss man des Öfteren erraten, was da gerade eigentlich vor sich geht – denn eines weiß mittlerweile jeder: Helligkeit und 3D sind zwei Dinge, die nicht miteinander vereinbar sind. Sei's drum. Der Cast hält das ganze Ding schließlich am laufen, denn Colin Farrell gibt nicht nur einen tollen Obervampir ab, sondern harmoniert mit dem restlichen Cast perfekt. Anton Yelchin beweist einmal mehr, dass er ein ganz Großer werden kann und bekommt mit Imogen Poots (was ein Name!) eine sehr attraktive und vor allem dauerwellenfreie Dame an die Seite gestellt. Auch McLovin alias Christopher Mintz-Plasse gefällt in der Rolle des … Nerds, der der Versuchung nicht widerstehen kann. Am Schluss ist dann wieder alles wie im Original: Charley hat die Nachbarschaft gerettet und darf endlich mit seiner Freundin schlafen. (7/10)


Tags , , , , , , , , , , ,

57 Kilogramm Liebe auf Bestellung

Lars and the Real Girl
(Craig Gillespie, USA 2007)
Kino

‘Lars and the Real Girl’'Wo die Liebe hinfällt', heißt ja ein altes Sprichwort. Und es trifft nur zu oft voll ins Schwarze. Manche bandeln mit Jahrzehnte Jüngeren an, manche mit dem gleichen Geschlecht und wiederum manche eben… nunja… mit einer Plastikpuppe eben. Dass das nicht beiläufig immer etwas Verruchtes haben muss, zeigt Lars and the Real Girl eindrucksvoll. Der Film erzählt eine Geschichte, die so absurd, aber gleichzeitig auch so liebenswert und ehrlich ist, dass es einem schwer fällt, den guten Lars (Ryan Gosling) nicht sofort in sein Herz zu schließen. Die Wochen mit der Puppe an seiner Seite vergehen, und mir ergeht es ähnlich wie den Dorfbewohnern, denn auch ich akzeptiere Bianca so wie sie ist, nämlich ein Mensch mit Ecken und Kanten – wie ein Jedermann eben. Erstaunlich, dass ich Bianca in einigen Einstellungen sogar für real hielt, denn wenn das Licht günstig positioniert war und das Gesicht nicht gerade im Fokus stand, dann gab es doch die ein oder andere Sekunde, in der ich Lars' Freundin wohl ähnlich wie er wahrnahm. Toll, dass dem Film sogar das gelingt.

Richtig zu verdanken ist das jedoch weniger den tollen Formalia, als dem tollen – Oscarnominierten – Drehbuch und einem superben Ryan Gosling, dem man sein hoch emotionales Spiel zu jeder Zeit voll und ganz abnimmt. Dabei steht sein Charakter Lars wohl für eine undefinierte Zahl von Vertretern des männlichen Geschlechts, die Lars' Probleme nur zu gut kennen: Den Mut haben, eine Frau anzusprechen, einzuladen, ihr mitzuteilen, dass man sie gern hat. Ferner geht es um Akzeptanz seiner selbst und Anderer, ja um Stolz und Vorurteil. Lars and the Real Girl ist ein Plädoyer für und gegen fast alles Zwischenmenschliche. Egal ob Beziehungen zwischen Geschwistern, Arbeitskollegen, Liebenden oder Kirchenmitgliedern, der Film macht fast alles richtig. Einzig und allein einige Längen wären zu beklagen, die man hier und da doch bemerkt. Aber man will dem Film dafür eigentlich gar nicht böse sein, hat er einem doch das Herz aufgehen lassen. (8/10)


Tags , , , ,