Neuer Trailer zur 'The Hunger Games' Verfilmung

Nach dem Teaser Trailer vom August, wurde heute der erste offizielle Trailer zu The Hunger Games veröffentlicht. Sieht etwas lame aus und dürfte natürlich für Kinder und Jugendliche geeignet sein, also doch kein wirkliches Battle Royale-Pendant. Und mit Jennifer Lawrence habe ich auch so meine Probleme. Mal schauen, ob sich das Franchise besser als The Chronicles of Narnia schlagen wird …

(Via /Film)


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Teaser Trailer zur 'The Hunger Games' Verfilmung


Wer es noch nicht gewusst hat: Suzanne Collins' Fantasy-Roman-Trilogie The Hunger Games (in Deutschland unter dem Titel Die Tribute von Panem erschienen), die in einer nahen Zukunft spielt und etwas nach Battle Royale klingt, wurde verfilmt. Im Frühjahr steht der erste der insgesamt drei Teile an, dazu ist der erste Teaser Trailer erschienen (480p/720p/1080p). Jennifer Lawrence spielt die Hauptrolle, Gary Ross (Pleasantville, Seabiscuit) führt Regie. Deutscher Start ist am 23. März 2012.


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Nur noch 72 Stunden: 'The Next Three Days'


Es ist das gesellschaftliche Ideal, das John Brennan (Russell Crowe) sein Leben nennt: er hat eine hübsche Frau, einen Sohn und führt eine glückliche Ehe. Dieses Idyll wird eines abends jedoch im Bruchteil einer Sekunde zerstört, wenn Polizisten das Haus der Brennans stürmen und Johns Frau (Elizabeth Banks) festnehmen. Es ist nicht nur die Tatsache, dass sein häusliches Idyll unterminiert wird, sondern damit auch sein ganzes gut-bürgerliches Leben. Dem Hochschullehrer wird mit seiner Frau, die des Mordes verdächtig ist, nicht nur diese, sondern auch sein eigenes Leben genommen. Ängste und Motive, die Regisseur Paul Haggis vertraut scheinen, finden sie doch in nahezu allen seinen Filmen Verwendung. Haggis ist auch in The Next Three Days stets an der Dekonstruktion des Otto-Normal-Bürgers interessiert, der meist durch unglückliche Umstände buchstäblich aus seinem Alltag gerissen wird. Dies war auch schon in seinem letzten Film, In the Valley of Elah, deutlich zu vernehmen. Haggis setzt bei dieser Dekonstruktion stets auf die Kraft des Pathos, beispielsweise wenn wir Crowes Figur in unzähligen Großaufnahmen sehen, wie er an der Situation zu zerbrechen scheint oder die finale Sequenz, die den Zuschauer endgültig auf die 'richtige' Seite führen soll.

Was in seinen vorherigen Filmen allerdings noch funktionierte, allen voran in Crash, ist in The Next Three Days nichts weiter als plumpe Melodramatik, die zu keinem Zeitpunkt wirklich funktioniert. Das liegt zum einen daran, dass Russell Crowe den Film nicht alleine tragen kann, was Haggis ihm jedoch auferlegt. Er versucht den sorgsamen Familienvater zwar so gut wie möglich zu geben, kommt aber über seinen üblichen Hundeblick nicht hinaus. Erst recht nimmt man ihm deshalb auch nicht den eiskalten Schuft ab, der seine Frau im Alleingang aus dem Gefängnis holen will und sich dabei sogar mit Gangbangern anlegt. Sowieso ist sein John Brennan eine Figur, die voller Widersprüche steckt. Stets will der Film zwar betonen, dass er dies alles ja schließlich nur aus Liebe zu seiner Frau und zu seinem Sohn macht, dennoch wird gerade hier deutlich, dass Brennan eben kein John Doe der amerikanischen Gesellschaft ist. Zu so etwas wären wohl die wenigsten bereit, so stark ihre Liebe zum Partner auch ist. Brennans Frau hingegen – immerhin ganz akzeptabel gespielt von Elizabeth Banks, die dennoch lieber auf Komödien setzen sollte – macht ihm immer wieder deutlich, dass Liebe für sie heißt, dass er all das, was er tut oder im Begriff ist zu tun, sein lassen soll.

Haggis versucht also einen moralischen Konflikt an den nächsten zu stellen, ohne dass er sich dabei um den jeweils vorherigen kümmert. Da bringt der Film einen Liam Neeson ins Spiel, der den wohl unnötigsten Auftritt des Jahres hat oder Olivia Wild, von der man zu keinem Zeitpunkt wirklich weiß, was der Film mit ihrer Figur eigentlich bezwecken will. Ist sie nun love interest für Crowe, der statt den großen Coup zu planen sich lieber eine neue Frau suchen sollte, oder ist sie nur eine weiter moralische Hürde, die Haggis als Mahnung an den Zuschauer sieht? The Next Three Days ist leider nicht nur formal ein unausgegorenes Ganzes, bei dem nichts wirklich funktionieren möchte; Haggis versteht sein eigenes Handwerkszeug noch nicht einmal, denn wer sich Pathos bedient, der will auch eine gewisse Ideologie transportieren, die im Falle von The Next Three Days entweder nicht vorhanden ist oder so verschachtelt, dass auch Haggis sie nicht mehr wahrnehmen kann. Leider ist sein Film auch zu keinem Zeitpunkt spannend, was bei all den Thrillerelementen ja durchaus einen gewissen Schauwert hätte. Das Problem ist nämlich: man weiß recht schnell, wie das Ganze ausgehen wird. Zudem scheint Haggis Action auch nicht sonderlich gut inszenieren zu können, denn über genretypische Thrillerelemente kommt der Film nicht hinaus.

Danny Elfmans Musik bleibt das Einzige, das The Next Three Days aus der totalen Versenkung rettet, denn seine hoch emotionalen Stücke lassen das Pathos hin und wieder doch erfolgreich durchdringen und vermitteln so etwas wie Sympathie für die Figuren (wenn auch nur in geringem Maß). Man möchte fast schon hoffen, dass es sich bei diesem Film um den einzigen Fehltritt Haggis' handelt, denn gerade bei einem erfahrenen Regisseur und Drehbuchautor wie ihm fällt so etwas besonders schwer ins Gewicht. (5/10)


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Trailer zu Michel Gondrys 'The Green Hornet' Verfilmung


Zugegeben, bevor bekannt wurde, dass The Green Hornet verfilmt würde, sagte mir das Franchise gar nichts. Gut, ich bin auch kein großer Comicfan, aber nach dem ersten Trailer zur Verfilmung (480p/720p/1080p), bei der niemand geringeres als Michel Gondry Regie führt, wird sich das wohl auch nicht ändern. Zu platt und gewöhnlich sieht das alles aus, für Gondry dürfte das nicht gerade eine Ruhmestat sein. Und Rogen, der hier mal wieder sich selbst zu spielen scheint bzw. seinen üblichen schtick bringt, habe ich auch langsam satt. Deutscher Start ist am 13. Januar 2011.


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Actionpathos ohne Seele: 'Terminator Salvation'


Es tut schon etwas weh mit ansehen zu müssen, wie man mit einem der besten Action-Sci-Fi-Franchises umgeht. Zuerst wird Regiestümper McG verpflichtet, dann hat Arnie doch kein richtiges Cameo und die Drehbuchautoren haben in jüngster Zeit auch noch so etwas wie Catwoman verbrochen. Der vierte Teil der Reihe stand wahrlich unter keinem guten Stern, zumindest bis der erste Trailer veröffentlicht wurde. Plötzlich vollzog sich eine 180-Grad-Wendung, der Trailer sah richtig lecker aus, mit Action satt und gegen Ende sogar mit Brad Fiedels Main Theme aus dem zweiten Teil garniert (da kommt wenigstens Atmosphäre auf). Vielleicht würde das nach dem eher mäßigen Dritten vielleicht doch ein richtiger Kracher? Nunja, es kommt wohl darauf an, wie man 'Kracher' definiert.

Terminator Salvation ist leicht schizophren, um es mal so drastisch auszudrücken. Als Actionfilm, wie er im Sommer, der Hochzeit des Blockbusterkinos, gerne gesehen wird, funktioniert er doch ziemlich gut. Die Action set pieces sehen hervorragend aus, allein die erste Szene nach dem Vorspann hat mich schier vom Hocker gerissen (Helis, Slow-Mo, Explosionen). Vor allem auf der technischen Seite ist McGs Film ein Brett, denn so gut wie hier sahen die SFX aus der Schmiede ILMs schon sehr lange nicht mehr aus. Statt auf CGI setzt man hier nämlich – allen voran bei den Terminatoren – auf handmade, was nach wie vor um ein Vielfaches besser aussieht (nur verstehen das leider viele Verantwortliche nicht, aber klar, es ist ja auch eine Kostenfrage). Sogar Arnies (digitales) Cameo sieht handwerklich gar nicht mal so übel aus, auch wenn die Szene für sich genommen etwas deplaziert, ja sogar selbstzweckhaft, wirkt.

Der kurze Auftritt Schwarzeneggers – oder besser gesagt Roland Kickingers (der seinen Body quasi zur Verfügung stellte) – ist dann auch eines der wenigen Elemente, die den Vierten überhaupt irgendwie mit der Ursprungsgeschichte verbindet, denn hin und wieder fragt man sich doch, ob da eigentlich jemand das Ganze auch zu Ende gedacht hat (woher weiß der Widerstand eigentlich, dass John Connor (Christian Bale) der Eine ist?, Connor, der ja bereits erfahren hat, dass Terminatoren auch gut sein können, misstraut Marcus (Sam Worthington) dennoch ohne Einschränkungen?, usw.). Und dennoch bringt Terminator Salvation interessante Aspekte hervor, wie beispielsweise die Figur des Marcus Wright, der den Konflikt Mensch-Maschine – Menschmaschine durchaus bereichert.

Es sind also vielmehr die Schauwerte, die hier begeistern können, weniger das inhaltliche Konstrukt, das uns hier vorgesetzt wird. Auch die vielen Zitate, mit denen der Film alles andere als geizt, erschließen sich in erster Linie auf optischer Ebene, denn woher kennt man beispielsweise die Menschensammler oder an was erinnern bloß die vielen flüchtenden Menschenmassen? Terminator Salvation zitiert quer durchs Genre, und dabei sind zitierte Filme bisweilen selbst noch nicht besonders alt. Doch was spielt das Alter schon für eine Rolle? Terminator 2: Judgment Day gehört bis heute zu den Blaupausen des Actionfilmes und auch in Hinsicht auf die Effekte kann er vielen heutigen Produktionen noch immer das Wasser reichen. Leider geht die Magie, die von Camerons Actionbrett ausgeht, hier komplett flöten, nicht ein Magic Moment oder ähnliches, das groß in Erinnerung bleiben würde.

Dafür tummelt sich Terminator Salvation dann doch wieder zu sehr in gewöhnlichen, modernen Actiongefilden (Optik und Actionstil erinnern beispielsweise stark an Michael Bay). Auch in Sachen Pathos und Dialogen sind sich McGs Film und Bays Œuvre nicht unähnlich. Durchhalteparolen, Opferbekundungen und dergleichen dürften einigen sicherlich sauer aufstoßen, denn bisweilen ist es doch äußerst cheesy, das Ganze, keine Frage. Das messianische Ende – der Titel verrät es ja bereits – ist da sicherlich das Sahnehäubchen. Sowieso sticht gerade mal Anton 'Chekov' Yelchin als Einziger aus der Besetzung heraus (immerhin: Ironside!, wenn auch auf Autopilot), die zwar hochkarätig, aber deutlich unter ihren Möglichkeiten agiert (und ich zähle Bale immerhin zu meinen Lieblingen). Vielleicht liegt es aber auch am Fokus, der sich nie für eine Figur oder eine Situation entscheiden kann, sondern ständig zwischen Connor und Wright pendelt, was Terminator Salvation schließlich schlichtweg unausgegoren zurück lässt. (6/10)


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»What the fuck have you done lately?«

Wanted
(Timur Bekmambetov, USA/Deutschland 2008)
Kino

'Sytle over substance', dieses Motto haben sich in den letzten Jahren viele Comic- und Graphic-Novel-Verfilmungen auf die Flagge geschrieben. Mal freiwillig, mal unfreiwillig. Bei Timur Bekmambetovs Wanted ist die Sache hingegen klar: hier dominieren optische Spielereien, die man so zu Teilen wirklich noch nicht gesehen hat. Darauf, eine anständige Geschichte oder dergleichen zu erzählen, legt er so gut wie keinen Wert. Hier ein kleiner Plottwist, da eine kleine Loser-Ballade, fertig ist die Geschichte, die Wanted zu erzählen hat – oder eben auch nicht. Bekmambetovs erste rein westliche Regiearbeit lässt also deutlich mehr auf formaler als auf inhaltlicher Ebene rezipieren. Beides zusammen genommen führt aber zu einem mehr als ambivalentem Ergebnis. The Matrix, ein Film, der im Vorfeld des Filmes oft in den Mund genommen wurde, und zu dem nicht von ungefähr so viele Parallelen gezogen wurden. Doch auch hier finden sich die Gemeinsamkeiten primär auf der visuellen als auf der inhaltlichen Ebene, auch wenn gewisse Parallelen zu Letztere natürlich nicht von der Hand zu weisen sind.

War The Matrix nicht nur ein popkulturelles Phänomen, so zeigte es zumindest auch eine Sache ganz deutlich, nämlich, dass wahre Gewaltverherrlichung meist ungestraft durch die staatlichen Behörden kommt. Es findet sich eine Szene in Wanted, die gleicht jener aus The Matrix nahezu eins zu eins. Bis auf die Zähne bewaffnet stürmt der Protagonist das Domizil seiner Gegner, feuert aus allen Rohren und lässt die toten Körper nur so auf den Boden knallen. Natürlich inszeniert man das Ganze in Slow-Motion, so dass die Bewegungen, die der 'Held' ausführt auch nachzuvollziehen sind und man ihm seine Coolness auch ansieht. Unterlegt wird die Szenerie dann auch mit passender Musik, gerne auch harte Gitarrengriffe, die atmosphärisch zuträglich sind. Über Moral und Unmoral macht sich der Rezipient in diesem Moment keine Gedanken, denn es ist klar, dass dies der einzige Lösungsweg ist. Nackte Gewalt, das ist die universelle Sprache, die jeder versteht – und auch sehen will. Liegt hierin also nicht die Gewaltverherrlichung, die in den Medien jeden Tag omnipräsent scheint?

Natürlich muss auch das Outfit stimmen, denn wie lehrte schon ein Werbespot einer großen Bekleidungsfirma: 'Dress for the Moment', und so darf die feine Lederjacke (beziehungsweise der lange, schwarze Trenchcoat) inklusive Muskelshirt drunter natürlich nicht fehlen. Ein Paradebeispiel dafür, wie man allein durch die künstliche Optik des Mediums ein Gefühl erzeugen kann, dass Affekte heraufbeschwört, die vielleicht nicht ganz angebracht erscheinen. So verkommen die Gegner schließlich zu bloßen Zielscheiben, das lehrt auch Bruderschaftsanführer Sloan (Morgan Freeman). Und so wundert es auch nicht, dass man zu Trainingszwecken auf echte Leichen schießt: "Oh my God! Hey, we can't shoot a dead woman! She might be somebody's mom!", echauffiert sich Wesley (James McAvoy) und zack!, landet die Kugel im Kopf der Frau. Zynismus ist doch immer wieder etwas Feines. Es ist eine grundsätzliche Menschenphobie, die Wanted durchzieht. Die Namen der Opfer, die ein Webstuhl hervorbringt, sind Namen jener, die Böses tun werden und deshalb eliminiert werden müssen. Mitglieder mit Gewissensbissen oder sonstiger Ethik braucht man in der Bruderschaft deshalb gar nicht erst.

Mit Wesley hat man für alle diesen Zynismus dann auch gleich den perfekten Archetyp geschaffen, der ähnlich dem Charakter Neos ein Mensch ist, der mit seinem Leben nicht klar kommt, ein Einzelgänger ist, von dem viel erwartet wird, der diesem Leistungsdruck aber nicht standhält. Natürlich ist es nur eine Frage der Zeit bis sich hieraus Allmachtsphantasien entwickeln, die dann irgendwann auch ausgelebt werden – ohne Rücksicht auf Verluste. Wanted gibt sich hier vielleicht etwas moraldidaktisch, macht der Film seinen Protagonisten doch vom kleinen Bürohengst zum Quasi-Superhelden, doch diese bleibt auch die einzige Ebene, auf der dies noch nahezu wertfrei geschieht. Auf allen anderen Ebenen ist nur allzu deutlich, was der Film propagiert. Und dennoch sind es hauptsächlich Norris, Schwarzenegger, Stallone, Lundgren & Co. in den Achtzigern, denen man den Terminus 'reaktionär' ins den Mund legt. Wanted ist alles andere als wertfreie Weltanschauung (die es ja sowieso nicht gibt), vielmehr ist es politische Propaganda, eingehüllt in einen abendfüllenden Spielfilm, der sein Publikum genau kennt und es detailgetreu anspricht. Mark Millars Wanted steht Frank Millers 300 in Sachen Politik also in nichts nach.

Versucht man diese und andere Faktoren auszuklammern, so bleibt Wanted dennoch nur durchwachsen. Zu ermüdend und redundant ist das ganze Konzept der Morde, die immer nach demselben Schema von statten gehen und die immer die gleichen Konsequenzen nach sich ziehen. Lediglich der Soundtrack Danny Elfmans kann wirklich überzeugen, doch auch hier muss man sich fragen, warum sich dieser mittlerweile für fast alles und jeden hergibt. Auch in Hinsicht auf die Transferierung der Graphic Novel in das Medium Film muss man Bekmambetov einen gewissen Tribut zollen, denn selten traf die Floskel 'over the top' so was von ins Schwarze wie hier (und markiert zugleich eine weitere Parallele zu Miller). Genau hier liegt aber auch das größte Problem von Wanted. Kann man mit ihm durchaus seinen Spaß haben, so ist es ebendieser 'Spaß', der nichts weiter als ein Blender ist. Wanted ist reine Gewalt, die gar nicht erst versucht auf leisen Sohlen daherzukommen, sondern gleich mit der Tür ins Haus bricht – Angriff ist ja schließlich immer noch die beste Verteidigung. Eine Schande (zugleich aber auch eine Demaskierung der Behörden), dass so etwas in die Lichtspielhäuser darf, Planet Terror aber gerade erst den Weg auf den Index finden musste. (4.5/10)


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Tausend Worte sagen mehr als ein Bild

Standard Operating Procedure
(Errol Morris, USA 2008)
Kino

Keine Frage, die militärische Intervention der Koalitionstruppen, die 2003 im Irak begann, war nie sonderlich populär. Doch welcher Krieg ist schon populär? Noch schwerer kann man es sich eigentlich kaum machen, allen voran, wenn man USA heißt und einen Präsidenten wie Bush Jr. im Oval Office sitzen hat. Kann man? Ja, man kann, wie die Bilder aus Abu Ghraib, dem wohl bestbekannten irakischen Gefängnis zeigten. Genau jene Fotos, die uns wohl für immer im Gedächtnis bleiben werden, machte sich Dokulegende Errol Morris zum Sujet und folgte ihnen von ihrer Entstehung, über ihre Manipulation, bis hin zu ihrer Veröffentlichung in den Medien – und beweist damit, dass 1000 Worte manchmal doch viel mehr sagen als ein Bild. Er geht nämlich viel tiefer, schaut hinter die Bilder, die die Medien so reißerisch auseinander nahmen und zeigt die wahren Täter – und Opfer. Ja, es gab hier Opfer, und sie waren nicht nur irakischer, sondern auch amerikanischer Nationalität. Im Schach nennt man diese Bauernopfer.

Völlig frei von Exploitation kommt Morris' Film natürlich nicht aus, das war bereits im Trailer ersichtlich; man denke nur an den in Zeitlupe abgelichteten, zähnefletschenden Wachhund, unterlegt mit Danny Elfmans elegischer musikalischer Untermalung. Doch solch eine Thematik völlig ohne Wertung angehen, ist so etwas überhaupt möglich. Das gelang nicht einmal Zoo, der zwar ziemlich nah dran war, sich von der einen oder anderen bisweilen reißerischen Szene aber ebenfalls nicht völlig lossagen konnte. Morris versucht dennoch sein Bestes, das sieht man Standard Operating Procedure an. Auf den ersten Blick scheint das alles eine deutliche Sprache zu sprechen. Was man in den Medien gesehen hat, war schlicht und ergreifend unmenschlich, gegen jede Regel des Krieges verstoßend und absolut inakzeptable. Doch was ist die Geschichte, die hinter den Fotos steckt? Ist wirklich alles so geschehen, wie auf den Bildern zu sehen? Morris liefert hier eine Antwort, die deutlicher nicht sein könnte, und sie lautet nein, es ist nicht alles so passiert, wie auf den Bildern zu sehen.

Sie waren jung, gerade einmal 19 oder 20 Jahre alt, keine Offiziere, sondern enlisted, also von Mannschaftsdienstgraden. Morris ruft uns ins Gedächtnis, dass man in diesem Alter bei weitem noch nicht Herr der Dinge ist, zumal die jungen Soldaten und Soldatinnen im Schnellkurs in Sachen Abu Ghraib instruiert wurden. Hinzu kommt die Liebe der zwei Soldatinnen zu ihren Vorgesetzten, die wiederum in die Pläne – zumindest tiefer gehend – eingeweiht waren als ihr weibliches, deutlich jüngeres love interest. Morris lässt ebendiese Personen fast zwei Stunden zu Wort kommen, und selbst diese zwei Stunden scheinen bei Weitem nicht für all die Komplexität dieses (Vor)Falles zu reichen, um ihn wirklich zu analysieren. Lynndie England und ihre Kameraden wollten immer wieder in Erfahrung bringen, was hier überhaupt vor sich geht, doch keiner der Militärgeheimdienstler klärte sie hinreichend auf. Vielmehr wurde das militärische Autoritätensystem ausgenutzt um die jungen Soldaten das zu machen, was sie heute bisweilen bereuen.

Eine der Soldatinnen echauffiert sich, dass es doch nur Bilder seien, ohne jedoch die Konsequenzen eines einzigen Schnappschusses im Kopf zu behalten. Doch warum überhaupt Bilder, warum dachte niemand an eventuelle Folgen? Diese Frage vermag auch SOP leider nicht hinreichend zu beantworten, denn diese Frage scheint mindestens so geheimnisvoll umhüllt zu sein wie der Militärgeheimdienst, der alles anordnete. Genau hier kommen auch Morris' Reenactments ins Spiel. Es sind intensive Szenen, bisweilen pathetisch, doch vermitteln sie einen Eindruck davon, was im Irak anno 2004 unglaubliches vor sich ging. Dabei steht jedoch nie das Gesicht der Iraker im Fokus, vielmehr das verletzliche Fleisch. Genau mit diesem spielte man auch Spiele, die zum Teil jedoch – das stellt Morris recht früh und nüchtern da – nichts anderes als eben Standardprozedur waren (beispielsweise wurde der Iraker, der an einen Stormkreis angeschlossen zu sehen ist, nicht gefoltert, da der Stromkreis nie ein solcher war, sondern vielmehr eine Attrappe). Eine Standardprozedur, die von ganz oben festgeschrieben und befohlen wurde. Da kann auch der weibliche Ein-Stern-General nur mit den Ohren flackern, denn auch sie erfuhr nur durch ein Memo, dass sie all ihrer Pflichten enthoben sei.

Morris sucht keinesfalls nach Absolution für die Täter, vielmehr bringt er Licht ins Dunkel. Licht, ins Dunkel der Fronten, die klar verteilt waren, Sieger und Verlierer von Vornherein festlegten. Richtig interessant wird dieser Aspekt, begibt sich Morris einmal auf die technische Schiene und erläutert, wie stark die Bilder bisweilen beschnitten wurden, um die Opfer-Täter-Rollen klarer zu definieren – und die schlampige Arbeit der Medien vorzuführen, für die das Ganze natürlich ein gefundenes Fressen in einem ohnehin alles andere als prestigeträchtigen Krieg war. Morris blendet Typenbezeichnung der verwendeten Kameras ein, zeigt technisch haargenau auf, wie es zur Veränderung der Fotos kam und wie sich die Bilder das ein oder andere Mal sogar überschnitten. Wenn ein Regisseur das alles wieder rekonstruieren kann, warum können es die großen Nachrichtenagenturen dann nicht? Oder wollen sie ganz einfach nicht?

Am Ende bereuen dann nicht alle ihre Taten, vielmehr berufen sie sich auf ihre Naivität und die Umstände. Doch die einzigen Fragen, auf die Morris' Film eine Antwort findet, sind gerade einmal zwei Stück: Was war SOP, was war außerordentlich? Die deutlichste Antwort ist dem Zuschauer zwar schon lange klar, wird von Morris aber noch einmal verstärkt, denn man kann es nicht oft genug aufzeigen: Die wahren Täter sitzen nicht im Irak, sie sitzen hinter ihren großen Schreibtischen, geben Befehle und lassen andere die Schmutzwäsche waschen (so gab es beispielsweise genügend Iraker in Abu Ghraib, die zurecht saßen, sei es wegen Mord oder Vergewaltigung). Die finale Texttafel macht es dann endgültig: No one above the rank of staff sergeant was being held responsible for the events. Da scheint man den tatsächlichen Ausführen fast schon zu verzeihen (was aber genau das Gegenteil dessen wäre, was der Film will) und erkennt, dass Bays Philosophie dann doch nicht allzu weit von der Realität entfernt zu sein schein. (8.5/10)


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