'Alien, Marx und Co. – Slavoj Žižek im Porträt'

Wenn man ihn zum ersten Mal sieht, könnte man ihn durchaus für einen obdachlosen Alkoholiker halten, dem man noch schnell ein Hemd drüber gezogen hat, um ihn anschließend vor die Kamera zu stoßen. Selbst wenn man weiß, dass er kein Obdachloser ist, sondern der wohl bekannteste Slowene und Philosoph der Gegenwart, so scheint es dennoch nicht weit hergeholt, wenn man ihn für einen hyperaktiven Epileptiker hält. Die Rede ist natürlich von keinem Geringeren als Slavoj Žižek, der mindestens so schnell redet wie er denkt. Doch wer ist dieser Schnellfeuer-Philosoph, der seine Arbeiten auf Lacan und Hegel stützt? Natürlich könnte man sich nun den Wikipediaartikel durchlesen. Dieser mag auch durchaus Licht ins Dunkel bringen, aber kann er auch den Menschen Žižek illustrieren? Wohl kaum. Susan Charles de Beaulieu und Jean-Baptiste Farkas haben dem Querdenker deshalb ein filmisches Porträt gewidmet, das einen grundlegenden Einblick in den Kosmos des Slavoj Žižek liefert.
Wer ist dieser Mann und für was steht er? Welche Bereiche der Gesellschaft stehen ihm und seinen Überlegungen besonders nahe und wie steht es um sein Verhältnis zu Kollegen? Bedenkt man die Laufzeit von nicht einmal einer Stunde, so wird schnell klar, dass das für eine umfassende Doku deutlich zu wenig Zeit ist. Und dennoch: nicht nur, dass die knappe Stunde wie im Fluge vergeht, auch an Informationen mangelt es dem Porträt Alien, Marx und Co. – Slavoj Žižek im Porträt nicht. Wie der Titel bereits vermuten lässt, geht das Porträt primär auf Žižeks Ansichten rund um Marx, die Gesellschaft und das Medium Film ein. Während er anfangs noch die gesellschaftlichen Systeme der Bundesrepublik, der Franzosen und der Angelsachsen mit deren Toiletten vergleicht, kommt er etwas später dann auf das Thema Film zu sprechen. Es geht ihm um Identitäten. Er outet sich nicht nur als großer Fan von Lynch (welch Wunder) – auch wenn er ihm glücklicherweise eine gewisse geistige Unreife attestiert -, sondern erklärt anhand von Filmstills auch, was Alien, Fight Club und Filme der Marx-Brothers mit Identitäten zu tun haben (es liegt auch ein Bild von KieÅ›lowski in der Reihe, aber leider geht er darauf nicht ein, denn sein Kreislauf will nicht ganz mitspielen).
Bei all der Sympathie, die der Film für Žižek aufkommen lässt, vergisst er es aber auch nicht, aufzuzeigen, dass er bei vielen anderen – seien es Feuilleton oder Kollegen – nach wie vor auf Granit beißt. Eine ambivalente Figur ist er allemal, das macht der Film generell schnell deutlich. Dennoch darf die Rolle, die Žižek in den letzten Jahren zuteil wurde, nicht unterschätzt werden, das machen auch seine Kollegen deutlich. Bei so vielen anderen wäre man heilfroh, wenn man sie und ihre Eigenarten nach einer Stunde wieder los wäre, aber bei Žižek ist es geradezu umgekehrt. Man verfällt der aggressiven Rhetorik dieses Zappelphilipp und würde ihr gerne noch weitere 60 Minuten lauschen. Egal ob Film, Philosophie, Politik oder Literatur, Žižek ist wie Treibsand, in den man immer weiter eintaucht – mit dem Unterschied, dass man es hier freiwillig tut. Alien, Marx und Co. ist dabei ein perfekter Einstieg ins ganz spezielle Universum dieses Mannes aus Ljubljana.
Die DVD, die in der filmedition suhrkamp erschienen ist, bietet allen Žižek-Süchtigen neben dem Hauptfilm noch Ausschnitte aus einigen seiner Vorträge, die insgesamt noch einmal 60 Minuten Material ausmachen. Der Hauptfilm wird dabei zeitgemäß in anamorphem Breitbild präsentiert, der Ton ist fernsehgerecht in Stereo vorhanden. Im Booklet befindet sich zudem ein Essay von Jens-Christian Rabe.
Tags alien, david lynch, dvd, hegel, jean-baptiste farkas, lacan, literaturwissenschaft, marx, philosophie, slavoj zizek, suhrkamp, susan charles de baulieu
3 Kommentare
Immer wieder werden im Film Kameras aufgebaut. Sie sollen alles überwachen, keine Verhaltensänderung unbeobachtet lassen. Wer sagt die Wahrheit, wer lügt – dies herauszufinden liegt an den beiden FBI-Agenten, die sich nur wenig von den Cops und den Zeugen der schrecklichen Tat unterscheiden. Sowieso handelt hier kaum jemand rational, irgendwie wirkt das Verhalten aller sehr, sehr komisch. Dem FBI wird kein Respekt zuteil, den sie vielleicht verdienen. Keiner der Cops ist der Freund und Helfer, dem man gerne mal auf der Straße begegnen würde, hat man ein kleines Problem. Einzig und allein Michael Ironsides Charakter versucht zwischen Bund und Land zu vermitteln, was ihm jedoch nur mühselig bis überhaupt nicht gelingt. Er hat ja aber auch gut reden, sind es schließlich seine Männer, die raus auf die Straße müssen, nicht er, der Bürohengst. Doch seine Männer scheinen die T rips in die Natur zu genießen, können sie hier doch all ihren angestauten Emotionen freien Lauf lassen – sehr zum Nachteil der zu schützenden Bürger.
Es scheint eine etwas komische Woche zu sein, zumindest was neue Projekte Werner Herzogs betrifft. Erst anfang der Woche wurde verkündet, dass der Gute 












