Verfasst von Stefan am 19th Februar 2008 in
Review
Lars and the Real Girl
(Craig Gillespie, USA 2007)
Kino
'Wo die Liebe hinfällt', heißt ja ein altes Sprichwort. Und es trifft nur zu oft voll ins Schwarze. Manche bandeln mit Jahrzehnte Jüngeren an, manche mit dem gleichen Geschlecht und wiederum manche eben… nunja… mit einer Plastikpuppe eben. Dass das nicht beiläufig immer etwas Verruchtes haben muss, zeigt Lars and the Real Girl eindrucksvoll. Der Film erzählt eine Geschichte, die so absurd, aber gleichzeitig auch so liebenswert und ehrlich ist, dass es einem schwer fällt, den guten Lars (Ryan Gosling) nicht sofort in sein Herz zu schließen. Die Wochen mit der Puppe an seiner Seite vergehen, und mir ergeht es ähnlich wie den Dorfbewohnern, denn auch ich akzeptiere Bianca so wie sie ist, nämlich ein Mensch mit Ecken und Kanten – wie ein Jedermann eben. Erstaunlich, dass ich Bianca in einigen Einstellungen sogar für real hielt, denn wenn das Licht günstig positioniert war und das Gesicht nicht gerade im Fokus stand, dann gab es doch die ein oder andere Sekunde, in der ich Lars' Freundin wohl ähnlich wie er wahrnahm. Toll, dass dem Film sogar das gelingt.
Richtig zu verdanken ist das jedoch weniger den tollen Formalia, als dem tollen – Oscarnominierten – Drehbuch und einem superben Ryan Gosling, dem man sein hoch emotionales Spiel zu jeder Zeit voll und ganz abnimmt. Dabei steht sein Charakter Lars wohl für eine undefinierte Zahl von Vertretern des männlichen Geschlechts, die Lars' Probleme nur zu gut kennen: Den Mut haben, eine Frau anzusprechen, einzuladen, ihr mitzuteilen, dass man sie gern hat. Ferner geht es um Akzeptanz seiner selbst und Anderer, ja um Stolz und Vorurteil. Lars and the Real Girl ist ein Plädoyer für und gegen fast alles Zwischenmenschliche. Egal ob Beziehungen zwischen Geschwistern, Arbeitskollegen, Liebenden oder Kirchenmitgliedern, der Film macht fast alles richtig. Einzig und allein einige Längen wären zu beklagen, die man hier und da doch bemerkt. Aber man will dem Film dafür eigentlich gar nicht böse sein, hat er einem doch das Herz aufgehen lassen. (8/10)
Tags craig gillespie, emily mortimer, lars and the real girl, paul schneider, ryan gosling