Butt-Kicking Babe Gina Carano: 'Haywire' Blu-ray Review

Erst war es ein Pornostar, nun ist es eine ehemalige MMA-Kämpferin. Steven Soderbergh scheint gerne mit Talenten zusammenzuarbeiten, die keine ausgebildeten Schauspieler sind. Hat er für The Girlfriend Experience Porno-Sternchen Sasha Grey verpflichtet, ist es in Haywire Ex-MMA-Kämpferin Gina Carano. Im Interview sagt Soderbergh, dass Carano wunderschön ist und nebenbei andere zu Brei schlägt. Diese Kombination habe ihm so gut gefallen, dass er sie für seinen Spionagefilm, wie er ihn selbst beschreibt, brauchte. Und in der Tat, man könnte Carano nicht besser als mit diesen Worten beschreiben. Sie bringt nicht nur eine unglaubliche Physis mit, sondern auch eine natürliche Schönheit (sieht man sie im Making of, ist man ob der vielen Schminke schockiert, man erkennt sie kaum wieder!). Beides Eigenschaften, die für ihre Mallory Kane äußerst wichtig sind. Ex-Marine ist sie, der nun für eine private Sicherheitsfirma arbeitet, die mit der Regierung Geschäfte macht. Eines dieser Geschäfte verschlägt Mallory nach Barcelona, wo der Verrat an ihrer Person seinen Ursprung nimmt …
Soderbergh erzählt seine Geschichte um eine verratene Agentin (Carano) nicht chronologisch, sondern entführt uns mitten in den clusterfuck, in dem sich Mallory befindet; in einem kleinen Diner nördlich von New York, wie uns die Texttafel wissen lässt. Man kennt die Szenerie: wenig Gäste, Kaffeegeruch in der Luft und eine etwas verstreut anmutende Frau, die sich in eine der booths setzt. Ein Fremder (Channing Tatum) kommt herein und setzt sich zu ihr. Sie reden eine Weile, dann kommt es urplötzlich zum Kampf zwischen den beiden, der von zwei Profis bestritten wird, das wird sofort deutlich. Es sind diese kurten, plötzlichen Gewaltausbrüche, die in Haywire dominieren. Lauschte man im einen Moment noch jazzigen Tönen, hören diese blitzschnell auf und die Gewalt samt ihrer Geräuschkulisse übernimmt. Soderbergh widersetzt sich hier aller aktuellen Trends und zeigt uns nicht etwa unübersichtliche Schnittgewitter, sondern präsentiert uns das, was man so fast schon nicht mehr zu kennen scheint: hand-to-hand-combat, der wehtut.
Es wäre natürlich auch an der Sache vorbei gegangen, hätte Soderbergh Carano engagiert, nur um sie dann durch die Montage zur Kämpferin werden zu lassen. Stattdessen setzt er auf das, was sie am besten kann, nämlich kämpfen – aus nächster Nähe und mit einer unbarmherzigen Brutalität, die auch die männlichen Darsteller während der Dreharbeiten zu spüren bekamen. Eines der Highlights ist hier sicherlich der grandios inszenierte Kampf zwischen Carano und Michael Fassbender, der leider schon im Trailer vorweggenommen wurde, aber auch beim dritten Mal noch fesselt. Dieser Kampf schmerzt schon beim zusehen, denn Soderbergh unterlegt das Geschehen nicht unbedingt mit der typischen Soundkulisse, sondern scheint seine Mikros perfekt platziert zu haben – wenn die Vitrine beispielsweise zu Bruch geht, weil Carano in sie geworfen wird, klingt es auch genau danach. Wenn sie und Fassbender von der Couch fallen, hört man nicht viel, denn Stoff auf Teppich ergibt auch im echten Leben nicht wirklich ein lautes Geräusch.
Soderbergh überstilisiert nicht, und tut es aber doch genau dadurch wieder. Die Kampfchoreographien wirken gerade wegen ihrer Unaufgeregtheit und Rohheit wie ein Stilmittel. Ähnlich verhält es sich bei der Farbgebung. Wenn Schnee liegt und es kalt ist, dann durchzieht das Bild ein starker Blaustich, der das Bild verfremdet – aber nicht zu stark, so dass es stilistisch gut platziert, aber nicht aufdringlich wirkt. Selbiges gilt für das mediterrane Setting, das von Gelbtönen dominiert wird und die herrschende Hitze nur weiter verstärkt. Haywire ist ein Film, der die einfachen Dinge in den Vordergrund stellt und damit begeistern kann. Es sind nicht nur die Kämpfe oder die Farben, auch der Plot ist im Prinzip äußerst generisch, kann gerade deshalb aber begeistern. Soderbergh wollte keinen komplexen Verschwörungsthriller machen, sondern einen Actionthriller mit einer ganz besonderen Hauptdarstellerin, in dem er sie und ihre Fähigkeiten einem breiten Publikum präsentiert. Mission accomplished. Und mit der fast schon poetischen Prügel-Szene am Strand hat er zudem einen der schönsten Momente des aktuellen Filmjahres abgeliefert. (8.5/10)
Die Blu-ray von Concorde erscheint am 09. August (Amazon-Partnerlink) und kann technisch voll und ganz überzeugen. Zwar ist es etwas schwer das Bild ob Soderberghs überzeichneter Farbgebung einzuschätzen, der Gesamteindruck ist aber sehr gut. Der DTS-HD-Ton überzeugt auf ganzer Linie, die Dialoge sind klar verständlich, während die (wenigen) Actionszenen auch die Rears und den Subwoofer beschäftigen. Die Extras zwar nicht in Hülle und Fülle vorhanden, dafür überzeugt aber vor allem das Featurette, das Gina Carano beim Training zeigt und Ausschnitte aus einigen ihrer MMA-Kämpfe zeigt.
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In den letzten Jahren verstand es Woody Allen durchaus, wie man einen intelligenten Thrillerplot geschickt mit einer Prise Humor verbindet und sogar noch einen Fokus auf das Zwischenmenschliche legt. Dabei favorisierte Allen London stets als zentrales setting, samt seiner Oberschicht. Dass es laut Allen gerade hier zu vielen Krimis kommt, spricht für sich. Cassandra's Dream setzt die Tradition fort, jedoch mit einem kleinen aber feinen Unterschied: Allen konzentriert sich dieses Mal nicht auf die oberen Zehntausend, sondern auf zwei Brüder, die charakterlich zwar unterschiedlicher nicht sein könnten, im Kern aber beide gleich sind. Sie stammen nämlich nicht aus der Oberschicht, sondern aus dem normalen Gutbürgertum, der Mittelschicht. Der eine ist erfolgloser Restaurantspekulant, der anderer bodenständiger Automechaniker. Ian (Ewan McGregor) und Terry (Colin Farrell) komplettieren sich dabei perfekt: Während der eine die Autos seiner Kunden zum Gepose seines Bruders dazusteuert, unterstützt der ihn wiederum mit kleinen Finanzspritzen um dessen Schattenseite, das Glücksspiel, zu fördern – denn sie beide hoffen eines Tages auf den Jackpot, eines Tages muss er ja einfach kommen!

