Viennale 2012: Servus, Wien!


Da war er dann auch schon, mein letzter Tag im wunderschönen Wien. Nachdem ich etwas länger geschlafen habe (ich war ja wie gesagt erst um 6 Uhr im Bett), wollte ich den Tag komplett der Stadt widmen, denn mein Flug ging erst um 20.55 Uhr, so dass ich noch genug Zeit hatte, einen auf Touri zu machen. So verschlug es mich also noch einmal zum Stephansdom, den ich dieses Mal auch von innen betrachtete (mein Gott wäre ich gern da drin, wenn sie am 04. Dezember Mozarts Requiem spielen!). Weiter ging die Reise zur Oper, zum Burggarten und schließlich auch noch zum Prater, der gegen halb drei aber erst aufzumachen schien, denn der Ansturm hielt sich noch sehr stark in Grenzen. Gefahren bin ich nichts, aber es gab schon einige Stände, die wirklich pervers aussahen, wenn ich das mal so sagen darf – da hätte ich es mir wirklich zwei Mal überlegt, ob ich das wirlklich mitmachen will und eine Karte löse. Vom Prater ging es dann wieder zurück in Richtung Ring, wo ich einen Blick auf das wunderschöne österreichische Parlament warf. Dank der Infotafeln gab es dann auch noch etwas Geschichtsunterricht.

Gegen 17 Uhr verschlug es mich dann noch einmal ins Café Prückel, in das ich am Mittwoch schon mit @sibab wollte, das aber leider restlos besetzt war. Dieses Mal hatte ich Glück und bestellte einen Apfelstrudel mit Latte Macchiato Kaffee Latte, was vorzüglich mundete. Danach ging es dann zurück ins Hotel, wo mein Gepäck auf mich wartete und ich schon bald zurück zum Flughafen gefahren wurde. Ja, es waren leider nur drei Tage, aber es waren wirklich drei fantastische Tage. Ich habe nicht nur eine wundervolle Stadt kennengelernt, in die ich so schnell wie möglich wieder zurückkehren möchte, sondern auch eine sehr nette Umwelt und tolle Menschen! Und das erste Mal Viennale war sowieso großartig, auch wenn ich nicht mehr allzu viel vom eigentlichen Betrieb mitbekommen habe. Als ich in der S-Bahn zurück vom Flughafen Stuttgart saß, wurde mir schnell bewusst, wie sehr ich Wien doch vermisse – ich kam nicht drum herum, darauf Folgendes zu twittern: 'Sitze gerade in der S-Bahn und frage mich, ob wir Schwäbisch nicht gegen Wienerisch tauschen können.'

Ich hatte also wirklich tolle drei Tage als Viennale-Blogger von Silhouette, für die ich mich natürlich auch bei Silhouette und der Viennale selbst bedanken möchte. Namentlich bei Petra, Mariam, Carina, Kathrin, Birgit und meinen beiden Fahrern. Und natürlich bei allen, die das Festival erst möglich gemacht haben. Mir wurde wirklich jeder Wunsch von den Lippen abgelesen und alle haben sich wunderbar um mich gekümmert. Wie sagte schon einer Eurer Landsmänner, liebe Österreicher: "Ich komme wieder!" Tschüss und Servus, Wien!

Bild: © Viennale


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Viennale 2012: Prätention, Preise und Party


Mittwoch, es ist der letzte Tag der Viennale, die heuer – auch so ein Lieblingswort der Österreicher – zum 50. Mal stattfand und am Abend mit Leonardo di Constanzos L'Intervallo enden sollte. Doch bis es so weit war, hatte ich erst einmal mit dem Aufstehen zu kämpfen, denn dank US-Wahl und dem frühen Hinflug am Dienstagmorgen hatte ich nicht gerade super viel Schlaf. Aber wer schon mal auf einem Filmfestival war, der weiß, dass der Schlaf meist eh nur sekundär ist. Man will ja schließlich Filme sehen und etwas vom Festivalbetrieb mitbekommen – und wie in meinem Falle auch noch etwas von der Stadt selbst. Alles aber halb so wild, denn nachdem ich gut gefrühstückt hatte und mein 'Problem' sich von selbst gelöst hatte (ich dachte, ich hätte zwei meiner Einstecktücher verloren), habe ich mich erst einmal auf einen Strudel und eine Melange mit der bezaubernden @sibab getroffen, mit der ich über Wien, seine Bewohner und deren tollen Dialekt gesprochen habe. Und eben über Gott und die Welt. Während ich meine Melange schlüfte, wurde der Gewinner des Silhouette Instawalk zu Fernando Meirelles 360 bekannt gegeben. Ein wirklich sehr schönes Foto, wie ich finde.

Danach ging es dann weiter ins Künstlerhaus-Kino, das sich in der Nähe der Oper befindet und von außen recht unscheinbar ist. Im Saal angekommen, erwartet einen dann aber eines der schönsten Kinos, die ich je gesehen habe. In den Stuck und die Wandmalereien verliebt man sich sofort. Der Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt, u.a. auch mit vielen Schülern, was angesichts des Films aber nicht verwunderte, denn es lief schließlich Kenneth Lonergans Margaret. Ein 150-Minuten-Ungetüm mit einer langen Release-Geschichte und einem überraschend hochkarätigen Cast, der – das muss ich leider so deutlich sagen – mit das Schlechteste war, was ich in den letzten Jahren gesehen habe! Lonergans Margaret ist ein clusterfuck, wie er im Buche steht. Nichts will hier zusammen passen, nichts ergibt Sinn, nichts scheint auch nur ansatzweise interessant. Ich wusste es schon, als die Credits über die Leinwand flimmerten, dass es sich hier um pure Prätention handelt und mir das Ganze wohl nicht ganz zusagen würde. Je länger ich mir das Ganze jedoch antat, desto schlimmer wurde es. Wirklich, Margaret ist untragbar und ein riesiger Aufreger – und sollte am Abend dennoch den FIPRESCI-Preis gewinnen (sollte ich jetzt aus dem VdFk austreten?). Die Begründung ("masterpiece", "zeitgeist", "post 9/11") dafür kam fast schon einem Schlag in mein Gesicht gleich!

Nach diesen 150 Minuten Folter machte ich mich schnell auf den Weg zurück ins Hotel, denn um 19.30 Uhr gab es ja dann auch schon die Abschlussgala mit 20 Little Films und L'Intervallo. Doch bevor es mit den 19 kurzen Trailern zur Viennale losging, gab es zuerst eine Reihe von Preisen. Neben dem FIPRESCI-Preis waren das der Wiener Filmpreis, der Mehrwert-Filmpreis Erste Bank und der Viennale-Publikumspreis des Standard. An wen der Preis der FIPRESCI ging, will ich nicht noch einmal wiederholen, der Wiener Filmpreis ging an Michael Hanekes Amour (welch eine Überraschung). Leider war fast keiner der Preisträger mehr anwesend, was dann auch recht schnell zum Running-Gag des Abends wurde. Das ist aber wohl auch einer der größten Unterschied zur Berlinale – ja, ich höre ja schon auf mit den Vergleichen -, denn auf der Viennale ist alles einige Nummern kleiner und familiärer – keine allzu große Stardichte und Selbstbeweihräucherung, stattdessen feiert man die Viennale als Festival für die kulturinteressierten Besucher, die zwei Wochen lang in den Genuss von einheimischen und internationalen Produktionen kommen konnten.

Das ist einerseits toll und sehr begrüßenswert, andererseits aber auch etwas – und man verzeihe mir den Ausdruck – verschlafen. Das Prublikum im Saal war ungeduldig, wollte endlich die Filme sehen und war irgendwann auch nicht mehr so in wirklich in Klatschlaune. Ich weiß es nicht genau. Dann ging es mit 20 Little Films endlich los, mit Filmen von David Lynch, Jean-Luc Godard, Apichatpong Weerasethakul und anderen internationalen Filmemachern. Es gab keinerlei Vorgaben, wie Festival-Direktor Hans Hurch (der österreichische Dieter Kosslick) betonte – und das sieht man auch. Es war viel Mist dabei, aber auch einige wirklich originelle, schöne Filme. Die Sammlung an Kurzfilmen hat es jedenfalls auch ins MoMA geschafft. Nach einem kurzen Interview mit Leonardo di Constanzo gab es dann auch schon den Abschlussfilm der 50. Viennale, L'Intervallo, der bereits in Venedig gefeiert wurde. Di Constanzos Film baut eine interessante Atmosphäre auf, mit seiner Geschichte lässt er uns lange im Dunkel, bis wir langsam aber sicher erfahren, dass es irgendwie auch um die Mafia geht – der Film spielt schließlich in Neapel. Die beiden jungen Darsteller, die keinerlei Schauspielerfahrung hatten, schlagen sich extrem gut, auch wenn die Coming-of-Age-Geschichte nicht über die gesamte Spielzeit fesseln kann. Nichtsdestotrotz ist L'Intervallo ein eindrucksvolles Spielfilmdebüt – di Constanzo hat davor nur Dokus gedreht, was man seinem ersten Spielfilm auch anmerkt -, das sich technisch und vor allem darstellerisch durchaus sehen lassen kann. Ein gelungener Kontrast jedenfalls zum Hollywood-Eröffnungsfilm Argo.

Tja, nach dem Abschlussfilm gab es dann nur noch eines: Party! Hierzu bewegten sich die Gäste vom Gartenbaukino, mit kanpp 750 Plätzen das Wiener Flaggschiff, in den Volksgarten, wo bereits ein Buffet und mächtig viel Drinks auf uns warteten. Dank der vielen tollen Sponsoren (u.a. auch mein persönlicher Sponsor Silhouette), für die es bereits bei der Gala ein großes Dankeschön gab, war das Partyvolk dann auch mit reichlich Alkohol versorgt. Auch hier gab es Corona en masse, dito Jameson Whiskey, den ich zum ersten Mal mit Ginger Ale probiert habe, was wirklich richtig gut schmeckt. Auch die beiden DJanes, die uns einheizten, haben ihr Handwerk verstanden und für ordentlich Stimmung gesorgt. Ich habe viele nette Leute kennengelernt – aus Oxford, Chile und sogar aus der Steiermark – und mich natürlich nach wenigen Sekunden der Konversation als Deutscher 'geoutet' (ich kann es nur noch mal sagen, wirklich jeder spricht hier Dialekt). Kurz nach fünf war dann Schluss, noch mal etwas später war ich dann im Bett. Trotz Margaret also ein äußerst gelungener letzter Tag auf der Viennale und ein vorletzter in Wien!

Bild: © Viennale


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61. Internationale Filmfestspiele Berlin


I'm in Berlin, bitch! Es ist schon wieder Mitte Februar, das heißt es ist Berlinale-Zeit. Und statt wie jedes Jahr zu bloggenden/schreibenden/sprechenden Kollegen zu verlinken, will ich an dieser Stelle darauf hinweisen, dass ich in diesem Jahr selbst auf der Berlinale zugegen sein werde. Das heißt konkret, dass ich akkreditiert bin und Euch Kritiken, Hintergrundberichte und hoffentlich auch Interviews aus erster Hand bereitstellen kann. Meine Kritiken werden sich aber nicht hier im Blog finden, sondern drüben bei F.LM, wo ich im Rahmen der Berlinaleberichterstattung auch gleichzeitig meinen Einstand geben werde (einige Berlinale-News sind bereits von mir verfasst worden). Das heißt aber auch, dass es hier die nächsten zwei Wochen etwas still werden dürfte, auch, weil ich nach meiner Rückkehr aus Berlin mein Studium zu Ende bringe, sprich meine letzten Klausuren habe.

Wer also nicht zu den glücklichen 4.000 Journalisten gehört, die in diesem Jahr akkreditiert sind, aber dennoch wissen will, warum Berlin für 10 Tage im Ausnahmezustand ist, der schaut hier und auf Twitter vorbei, wo ich eigens eine Liste mit Kollegen erstellt habe, die ebenfalls von den 61. Internationalen Filmfestspielen Berlin twittern und berichten. Wenn ich nicht gerade im Kino sitze oder mich in Berlin zurecht finde, dann schreibe ich Texte befinde ich mich wohl gerade auf einer Preisverleihung oder auf einer Party des Vice Magazine, die ich endlich mal wahrnehmen kann (ja, richtig, ich will Eure neidischen Gesichter sehen!). Ein Blick auf alle Kanäle – u.a. auch Equilibrium bei Facebook – lohnt sich also auch deshalb. Noch zwei Tage, dann sitze ich im Flieger und bin so lange in der Hauptstadt wie noch nie – mögen die (hoffentlich guten) Spiele beginnen!

Foto: Blogging Dagger


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