Da hilft auch Rum nicht mehr: 'The Rum Diary' Blu-ray Review


Johnny Depp scheint wohl der Meinung zu sein, dass er irgendwie in Hunter S. Thompsons Schuld stehe. Anders kann man sich wohl kaum erklären, weshalb Depp sich für Bruce Robinsons Verfilmung des Thompson-Romans The Rum Diary hergegeben hat. Vielleicht ist Depp aber auch ein so großer Fan von Thompsons Werk, dass er für alles zur Verfügung steht, was den Namen Thompsons trägt. Im konkreten Falle von The Rum Diary war Depp sogar maßgeblich für die Veröffentlichung des Romans verantwortlich, denn während der Vorbereitungen für Fear and Loathing in Las Vegas verbrachte Depp viel Zeit bei Thompson, wo er schließlich ein unveröffentlichtes Manuskript des Werkes fand. Depp überzeugte Thompson davon, The Rum Diary (geschrieben in den 60ern) zu veröffentlichen – ohne Depp gäbe es höchstwahrscheinlich also gar keine Verfilmung. Es muss ihm also doch irgendwie ein großes Anliegen gewesen sein, dieser Film, zumal Thompson der Veröffentlichung nur zustimmte, wenn Depp im Falle einer Verfilmung die Hauptrolle übernehmen würde.

Auch The Rum Diary basiert in bester Thompson-Tradition einmal mehr auf seinen eigenen Erfahrungen als Journalist (streng genommen ist es Thompsons allererster Roman). Paul Kemp (sein Alter Ego, gespielt von Depp) kommt 1959 nach Puerto Rico, wo der Film seinen Lauf nimmt. Kemp wacht eines morgens und mit gigantischem Kater in einem Hotel auf. Als er aus dem Fenster schaut, scheint er im Paradies auf Erden angekommen zu sein. Wäre da nicht dieser schreckliche Kater, den er mit zu seinem ersten Arbeitstag schleppt. Was als typische Thompson-Geschichte beginnt, wird schon sehr bald zum langatmigen, um sich selbst drehenden Geschichte, die zu keiner Zeit an die wahre Klasse eines Hunter S. Thomspon herankommt. Depp schlägt sich mit Charme und mächtig viel Rum in Puerto Rico durch, lernt dabei sowohl Freunde als auch Feinde kennen und lässt den Zuschauer stets fragend zurück, was das Ganze eigentlich will. Höhepunkt ist eine Drogenszene (klar!), die völlig deplatziert wirkt und den Film keinen Millimeter voran bringt. In diesen Momenten hätte man den Film, der mit seinen 120 Minuten ohnehin viel zu lang ist, deutlich zurechtstutzen können.

Alle im Ansatz durchaus interessanten Charaktere bleiben völlig auf der Strecke. Sei es nun Aaron Eckhart als schleimig-fieser PR-Berater oder Männertraum Amber Heard als Mädchen, das das Dolce Vita liebt. Die erst klischeebeladene Lovestory zwischen Depp und Heard, die sich am Ende viel zu ernst nimmt, ist ebenfalls ein großes Ärgernis. Und dann ist da ja auch noch Giovanni Ribisi als degenerierter Journalist, der als einzige wirklich interessante Figur leider viel zu wenig beleuchtet wird. The Rum Diary kann sich zu keinem Zeitpunkt entscheiden, worauf er nun eigentlich seinen Fokus legen will: Auf die Figuren, auf die Geschichte oder doch auf die soziopolitischen Untertöne? Alles zusammengewürfelt funktioniert leider hinten und vorne nicht. Robinsons Film biedert sich immer wieder mit diesen typischen Thompson-Momenten an, die dem Zuschauer ein 'What the fuck!?' entlocken soll, in Wirklichkeit aber nichts weiter als reiner Selbstzweck sind, die viel zu forciert wirken. Das sah wohl auch ein Großteil des Publikums so, denn an den Kinokassen hat The Rum Diary weltweit (!) gerade mal die Hälfte seines Budgets wieder eingespielt. (4/10)

Die Blu-ray von Universum Film erscheint am 18. Januar (Amazon-Partnerlink) und kann technisch schon deutlich mehr überzeugen als der Film selbst. Das Bild geht größtenteils in Ordnung. Helle Tagesaufnahmen von Puerto Rico sind teilweise richtig schön scharf und lassen durchaus Urlaubsfeeling aufkommen. In dunklen Szenen – und davon gibt es einige – kann der Schwarzwert leider nicht überzeugen. Schwarz ist hier eher ein Grau. Der Ton hingegen überzeugt auf ganzer Linie. Natürlich dominieren die Dialogszenen, aber wenn es mal etwas für den Subwoofer und die Rears zu tun gibt, dann wurde das sauber umgesetzt. An Extras finden sich Interviews mit dem Cast, eine B-Roll und der Originaltrailer.


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Trailer zur Hunter S. Thompson Verfilmung 'The Rum Diary'

Wurde ja auch Zeit, dass endlich mal wieder ein Hunter S. Thompson-Buch verfilmt wird, die ja ohnehin fast alle pures Gold sind (zumindest aus literaturwissenschaftlicher Sicht)! The Rum Diary gilt als Thompsons erster Roman, in der Hauptrolle natürlich einmal mehr Johnny Depp, der Thompsons Alter Ego Paul Kemp mimt. Die reichlich absurde Story – wie immer eben bei Thompson – wird im Trailer ja schon gut zusammengefasst, aber ich bin gespannt, was da noch für Überraschungen auf uns zukommen werden (kenne das Buch nicht). US-Start ist am 28. Oktober.


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'Avatar' in Deutschland vorerst nicht in 3D?


Heute starten in ganz Deutschland die Vorpremieren zu James Camerons Avatar. Der Film, der das 3D-Kino revolutionieren sollte, stößt aber bereits jetzt schon auf technische Probleme, denn in vielen Kinos in Deutschland Update: ganz Europa soll es anscheinend Probleme mit dem Key geben, der die Projektoren versorgt und freischaltet (ich weiß nicht genau, wie das technisch alles funktioniert, aber es hängt jedenfalls mit einem Key zusammen) Update: hier die genauen technischen Infos. In Foren ist bereits die erste Panik losgebrochen, denn wenn sich dieses Problem wirklich flächendeckend bestätigen sollte, dann ist das alles andere als ein Traumstart für Avatar und hochpeinlich dazu. Das Problem könnte jedoch bis morgen bereits gelöst sein. Ich werde Euch auf dem Laufenden halten, wenn es etwas Neues gibt.

Update, 21.40 Uhr: Die Märkische Oderzeitung hat nähere Infos zum Fehlstart (Dank an @tfunke). Und auch Filmstarts.de hat eine Meldung raus.

Update, 17.12.: heise online hat die Stellungnahme von 20th Century Fox.


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James Camerons 'Avatar' – 3D Kino 2.0


Im Gegensatz zur Literatur hat das Medium Film einen großen Vorteil: es verfügt über weitere Ebenen, allen voran die audiovisuelle Ebene. Die schlechteste Geschichte kann so dennoch von hervorragenden Bildern getragen werden, technisch total vereinnahmen. Exakt so verhält es sich beim vermeintlichen Film des Jahres, Camerons Avatar, der bereits im Vorfeld für eine Revolution des Mediums sorgen sollte – zumindest laut Cameron selbst und vielen Technikfreaks, die in der Stereoskopie ohnehin die Zukunft des Kinos und seiner Theater sehen. Und in der Tat, die neue alte Technik kann bisweilen von großem Vorteil für das Medium sein, würde es nicht immer und immer wieder ins Gimmickhafte verfallen. 2009 starteten so viele 3D-Filme wie noch in keinem Jahr zuvor. Es ist wie mit allem im Leben, entweder man mag die Technik und verfällt ihr voll und ganz oder man reduziert sie auf reine Effekthascherei, die dem Film an sich keinen Mehrwert verleiht.

Sicherlich gilt es auch hier zu differenzieren, denn es gab durchaus Filme, die die Technik geschickt für sich nutzten, allen voran Coraline, der unglaublich fantasievolle Welten schaffte, die den Rezipienten emotional dadurch deutlich mehr einbinden als beispielsweise in 2D (es sei hier nur auf den wundervoll gestalteten Tunnel verwiesen, der den Effekt hervorragend für sich nutzt). Fantasievolle Welten sind wohl auch die richtigen Schlüsselwörter für Avatar. Der Planet Pandora ist nicht nur unglaublich liebevoll gestaltet in all seinem Produktionsdesign, sondern erhält durch die Plastizität zudem eine Tiefe, die ihn nur allzu real erscheinen lässt. Alle Wesen, die hier wüten, scheinen einem irgendwie bekannt vorzukommen, das eine erinnert an einen Dinosaurier, wohingegen ein anderes einem Glühwürmchen gleichkommt. Das Creature-Design Camerons ist eine der größten Stärken des Filmes, denn auch in 2D würden die Schöpfungen alles in den Boden stampfen, was man hier bisher gesehen hat, allen voran jene Wesen aus George Lucas' Feder.

Cameron lässt sich bisweilen viel Zeit für seine Kreaturen, was natürlich nicht immer von Vorteil ist, bedenkt man die große Laufzeit des Filmes. Anfangs wird man noch in Bann gezogen von alledem, was da auf der Leinwand vor sich geht, aber auch dies lässt relativ schnell nach. Es ist die Geschichte, die uns Cameron erzählen will. Irgendwo zwischen amerikanischen Urweinwohnen versus weißer Mann, Vietnamkrieg und den Kriegen in Afghanistan und im Irak anzusiedeln, macht sie deutlich, dass Pfeil und Bogen und die Verbindung zur Umgebung und zum Land – und hier sind natürlich Erde und Dreck gemeint, nicht die politische Form Land – noch immer die stärksten Waffen sind. Da muss dann auch die mächtigste Militärmaschinerie kapitulieren, denn gegen Mutter Natur kommt man nicht an, erst recht nicht, wenn sie über ganz eigene Kräfte verfügt wie die Naturgöttin Eywa. Das klingt reichlich plump und nach einer der beliebtesten Allegorien auf die vermeintlich machthungrige und imperialistische USA.

So wundert es dann auch keinen, dass das Militär und kapitalistische Unternehmer die wahren Schurken auf dieser Welt sind, das macht Avatar auch in seiner Rhetorik nur allzu deutlich ("We will answer terror with terror!"). Sogar an 9/11 erinnert uns Cameron, an das Einstürzen des Herzens einer ganzen Nation. Er verschiebt die Opfer- und Täterrollen einfach, und schon sollen wir uns Gedanken darüber machen, wie falsch das alles doch ist. Dieses Pathos ist eigentlich ebenjenen Filmen inhärent, die ebenfalls in schwarz und weiß denken, lediglich mit einer anderen Ideologie. Nicht aber bei Cameron, denn hier triefen Pathos und Kitsch nur so von der Leinwand. Avatar verbindet dieses nicht nur mit einer flachen Ökologiekritik – Al Gore wird diesen Film lieben -, sondern gibt auch der Esoterik Einzug ins Geschehen. Unterstützt wird das Ganze schließlich von einem Score, der das Ethnogehabe lautstark untermalt (und erinnert dabei stark an Brüder im Geiste wie Black Hawk Down oder Tears of the Sun), auch wenn James Horner hier eine wirklich gute Filmmusik gelungen ist. Irgendwann gestaltet sich diese Mischung aber nicht nur unglaublich zäh, sondern fängt langsam aber sicher ob ihrer Plumpheit an zu nerven.

Auf der anderen Seite hingegen steht aber das Technische, die Effektschau, die Cameron in jeder Sekunde zelebriert und die in der Tat das derzeit technisch Mögliche verkörpert. Was am heimischen PC noch nach einem Videospiel aussah, ist hier vollkommen ausgereift und begeistert schlichtweg. Bei einem geschätzten Budget von 700 Millionen US-Dollar aber auch kaum verwunderlich. Avatar ist durchaus ein Blender, denn die formale Perfektion, die von Cameron auch zu erwarten war, muss leider sukzessive der inhaltlichen Ebene weichen, die gegen Ende hin lediglich in der großen Schlacht, auf die man jedoch deutlich zu lange warten muss, noch einen kleinen Höhepunkt findet. Am Ende bleibt eine technische Machtdemonstration, die leider viel zu viel Potential auf anderen Ebenen verspielt. Auch wenn Cameron viele Karten verspielt hat, so hat er sich doch eindrucksvoll zurückgemeldet und drängt sich einmal mehr als technischer Meister des Mediums auf. Mit Avatar ist 3D im Medium Film und damit auch beim Massenpublikum endgültig angekommen, allein dafür muss man Cameron Tribut zollen. (7.5/10)


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Neuer, epischer internationaler Trailer zu 'Avatar' in HD


Der erste Trailer zu James Camerons scheinbarem Überfilm Avatar hat mich nicht gerade vom Stuhl gerissen, zu stark nach Videospiel sah das Ganze aus. Auch der neue, internationale Trailer (480p/720p/1080p), der knappe dreieinhalb Minuten geht, ändert diese Tatsache nur geringfügig. Klar, es wird vielmehr auf die Geschichte eingegangen (USA vs. ein 'wildes', sein Land verteidigendes Volk – ring any bells?) und auch an Schlachtszenen wurde nicht gespart, aber vereinnahmen will es mich einfach nicht. Das muss es ja auch gar nicht, denn vielleicht kann man es ja auch nur im technischen Kontext, also in 3D, so richtig beurteilen (ein Kollege bei den Filmforen meinte, dass es schon einen großen Unrterschied mache, Fetzen des Filmes wie beim Event in 3D zu sehen oder lediglich in 2D).


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Ja gut, dann will ich auch … er ist da: 'Avatar' Teaser Trailer


… und er macht mich nicht gerade an, der erste Teaser Trailer (480p/720p/1080p) zum neuen Cameron. Zu sehr auf Effekt ausgelegt scheint mir das Ganze – auch wenn ich zugeben muss, dass das alles in 3D durchaus schick daher kommen könnte, nein, wird. Ich bin jetzt nur froh, dass ich morgen zum 'Avatar Event' sowieso keine Zeit habe … Deutscher Kinostart ist der 17. Dezember.


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Mann. Schießereien. HD. 'Public Enemies' Trailer


Der erste Trailer zu Michael Manns Public Enemies (480p/720p/1080p) feiert gerade seine Premiere, da ist meine sich sowieso nur in Grenzen haltende Vorfreude schon wieder so gut wie weg. Das Ganze haut mich alles andere als vom Hocker und außer den Schießereien, die Mann ja beherrscht wie kaum ein anderer, sieht es auch nach nicht gerade viel aus. Ja, der Cast ist recht gut, und ja, ich mag den digitalen Look, den Mann in seinen letzten Filmen verwendete, aber was soll dieser Look den bitteschön in einem 30er-Jahre-period-piece!? Gut, warten wir's bis zum 06.08. mal noch ab …


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