'The Imaginarium of Doctor Parnassus' Blu-ray Review


Ich muss ehrlich gestehen, dass mir Terry Gilliams Arbeit nicht allzu sehr vertraut ist. Und eines ist nach der Sichtung von The Imaginarium of Doctor Parnassus sicher: dieser Zustand wird sich nicht so schnell ändern. Nicht, dass Gilliams Film eine Katastrophe wäre, nein, sein jüngster Film ist nur absolut nicht my cup of tea. The Imaginarium of Doctor Parnassus ist das, was ich als buntes Knallbonbon bezeichnen würde, eines, das mir aber zu bunt und zu knallig und sowieso viel zu quietsch fidel ist. Zu Beginn kam mir der Film zwar noch etwas wie eine Hard-Boiled-PI-Geschichte vor – ich weiß nicht wirklich warum, am ehesten mache ich dafür noch die Atmosphäre verantwortlich -, schlug dann aber recht schnell in Fantasy um, bis ich ihn schließlich als Liebesfilm wahrnahm. Richtig, Gilliams Film ist für mich in erster Linie ein Film über die Liebe und alle Gedanken und Kämpfe, die sich darum drehen. Zu verdanken ist dies zum größten Teil den beiden jungen Hauptdarstellern Andrew Garfield – der ja bald den neuen Spider-Man gibt und mich schon in Red Riding: 1974 beeindruckte – und der bezaubernden Lily Cole.

Es fiel mir, um meine Ehrlichkeit weiter voranzutreiben, selten so schwer über einen Film zu schreiben wie über diesen. Natürlich könnte ich in die üblichen Floskeln verfallen (zum Beispiel die ganze Chose mit Heath Ledger), aber das würde dem Film wohl nicht unbedingt gerecht. Vielmehr möchte ich damit fortfahren, warum ich The Imaginarium of Doctor Parnassus als Film über die Liebe verstehe und den Rest eher als schmuckes Beiwerk sehe. Es ist die klassische, aber wohl romantischste Geschichte, die Gilliam hier mit Hilfe von Garfield und Cole erzählt. Zwei junge Menschen, die sich seit Ewigkeiten kennen, ihre Zuneigung zueinander aber nur selten zeigen oder gar wahrhaben wollen – zumindest hinsichtlich einer Person. Gilliam lässt Parnassus erzählen, wie es einst bei ihm war, welchen signifikanten Fehler er damals beging und wie er ihn bereut. Natürlich soll auch Anton und Valentina das Schicksal zuerst nicht gut geweiht sein. Mit der Figur Heath Ledgers kommt nun die Konkurrenz für Anton, der klassische Dritte im Bunde, der für Anton natürlich eine Konkurrenz und damit Gefahr darstellt.

Im gesamten Film geht es um zwischenmenschliche Beziehungen, wie sie miteinander interagieren, wie sie täuschen und dem anderen etwas vorspielen. Faust kommt plötzlich ins Spiel, Seelen werden verkauft, alles im Namen der Liebe versteht sich. All die bunten Bilder, denen Gilliam uns ausliefert sind zur Reflexion da, sie lassen uns über unser eigenes Leben nachdenken. Am Ende leitet es aber wieder zur Liebe hin, die erfüllt werden soll oder schon langer erfüllt ist, je nachdem. So hanebüchen der Vergleich vielleicht auch sein mag, aber am Ende fühlte ich mich schließlich an den grandiosen Love Exposure (愛のむきだし) erinnert, der das Geschehen mit der Bibel zitiert und die Liebe als etwas darstellt, das alles übersteht. Gilliam konnte mich zumindest hiermit fesseln, zumal sein Ensemble grandios aufspielt. Vielleicht sollte ich mich ja doch an sein Œuvre herantrauen …

Die Blu-ray zu The Imaginarium of Doctor Parnassus besticht durch ein ordentliches Bild, das die knalligen Farben jenseits des Spiegels hervorragend zum Ausdruck bringt. Der Ton ist an den richtigen Stellen knackig geworden, auch an Basseinlagen mangelt es nicht. Die Dialoge, die den größten Teil des Filmes ausmachen sind klar zu verstehen und gut abgemischt. Auch an Extras mangelt es der Scheibe nicht, im Gegenteil. Randvoll mit Making-Ofs und einem Special zu Heath Ledger, wird die Blu-ray gebührend abgerundet.

The Imaginarium of Doctor Parnassus ist seit dem 01. Juli auf DVD und Blu-ray erhältlich.


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Das 9/11 Gotham Citys & des Sommerblockbusters

The Dark Knight
(Christopher Nolan, USA 2008)
Kino

Im wohl größten und erfolgreichsten Blockbuster der letzten Jahre gibt es eine Szene, in der Feuerwehrmänner alles versuchen, ein brennendes Gebäude und seine Flammen in den Griff zu bekommen. Das Gebäude ist völlig zerstört, lediglich Überbleibsel seines Metallskeletts sind noch zu erkennen. Die Szenerie ist voller Rauch und den Feuerwehrmännern scheint nicht nur deshalb der Schrecken ins Gesicht geschrieben. Diese Szene, die bereits einen großen, weil atemberaubenden Höhepunkt des Films markiert, erinnert nicht von ungefähr an die Ereignisse des 11. Septembers 2001. Dieses Datum, das nie ein Mensch vergessen wird, der an diesem Tag auch nur irgendeinem Medium folgte, war nicht nur eine Tat unproportionellen Ausmaßes, sondern markierte auch die Geburtsstunde des internationalen Terrorismus, der uns seit dem jeden Tag heimsucht. Nach dieser Einstellung Schnitt, dann steht plötzlich Batman (Christian Bale) vor diesem Trümmerhaufen, sein Cape weht im Wind, ähnlich dem Sternenbanner. Keine Frage, es ist Ground Zero und zugleich die Geburtsstunde des irrationalen Terrors, der Gotham City mit seinen 30 Millionen Einwohnern heimsucht.

Nicht, dass Gotham nie Ziel von terroristischen Attacken gewesen ist. Nur waren sie nie so unglaublich motiviert und signifikant wie in diesen Tagen. Warum das alles? Warum müssen unzählige unschuldige Menschen sterben, die zudem noch ihrer Stadt und ihrem Land dienen? Auch wenn The Dark Knight sich nicht explizit dem Glaubenskrieg verschreibt, was der Krieg gegen den Terror ja ist, so zeichnet er dennoch ein sehr düsteres, weil genaues Bild des Terrors, der die USA seit Beginn nicht nur auf den Kopf stellte, sondern ihr auch bis Heute Entscheidungen abringt, die bisweilen ihre eigenen Werte verrät. Nolans zweiter Beitrag zum Franchise ist also nicht nur der politischste Blockbuster der es überhaupt jemals auf die Leinwand schaffte, sondern auch die wohl intelligenteste Comicverfilmung seit Anbeginn der großen Welle von Comicverfilmungen. Der Joker – in der Tat eine großartige Leistung von Heath Ledger, auch wenn er in Brokeback Mountain seinen Höhepunkt hatte und der Oscar ihm wohl vergönnt bleiben dürfte – ist dabei buchstäblich das Gesicht des Terrors. Im Gegensatz zu vielen anderen Gegenspielern benötigt er keine Maske, die Fronten sind klar verteilt, der Terrorfürst ist sowieso nicht zu fassen.

Seine Wahl der Waffen, ein unglaubliches Repertoire an Messern, scheint primitiv, jenen des Staates deutlich unterlegen. Jedoch weiß er damit umzugehen, sie richtig einzusetzen und viel Schaden anzurichten. Doch der Joker verkörpert weniger einen Terrorchef als vielmehr das westliche Demokratieverständnis respektive das der Vereinigten Staaten. Fast alles, was da aus dem Mund dieses vermeintlichen Psychopathen kommt, scheint die Wahrheit zu sein, denn es bestätigt sich immer und immer wieder. "You either die a hero or you live long enough to see yourself become the villain", verkündet Staatsanwalt Harvey Dent (Aaron Eckhart) auf einer Pressekonferenz kurz nach den ersten Terroranschlägen und bringt damit pointiert eine ganze politische Richtung auf den Punkt, die ambivalenter kaum sein könnte. Was bringt man dem Terror, dem puren Hass entgegen? Welche demokratischen Mittel stehen dem Staat zur Verfügung – und wie weit darf Demokratie gehen. Egal ob Massen fliehender Menschen oder Batman, der illegal alle Mobiltelefone abhört, um die Quelle des Terrors ausfindig zu machen und das Nest auszurotten, auch in Gotham heiligt der Zeck zu Teilen die (undemokratisch beziehungsweise weit gedehnten demokratischen) Mittel.

Im Film stellt sich die Frage nach dem richtigen Mittel, undemokratisches Verhalten auf nicht-staatlicher Seite zu bekämpfen, erst gar nicht, dafür sorgt allein schon der Einsatz von nicht gerade kleinem Pathos und dem dazugehörigen, für Gänsehaut sorgenden Zimmer/Newton Howard-Bombast-Score. Egal ob Batman selbst oder DA Harvey Dent, große Reden, die Menschen überzeugen und damit gleichzeitig auch für sich und ihre Politik gewinnen, können sie alle halten. Wer aber nie selbst (unfreiwillig) Teil des Terrors war und das Ganze lediglich in den Nachrichten aufschnappt, der ist politisch natürlich vollkommen integer – denkt er zumindest. Harvey Dent, das ist kein Spoiler, dies zu sagen, zeigt, dass dies eben nicht der Fall ist. Jeder glaubt an Werte und Normen, diese zu brechen fällt schwer, doch es hängt auch von den Umständen ab, und so verändern sich Menschen bisweilen urplötzlich – auch wenn seine Figur und ihre Wandlung etwas zu unausgegoren ist. Gotham befindet sich im Ausnahmezustand, so viel ist sicher. Doch warum all der Schrecken, warum all dieses Leid? "Some men just want to watch the world burn", manchmal gibt es eben keine Rationalität hinter solchen Taten – oder sie will sich uns zumindest nicht so richtig erschließen. Clash of Civilizations nannte es Huntington.

Was in den meisten Fällen eine Fantasiewelt ist, die mit der unseren nur wenig gemein hat, ist bei The Dark Knight vollkommen anders, ja geradezu auf den Kopf gestellt. Im Prinzip ist der Film ein hochspannender, hochpolitischer und clever konstruierter Thriller, der mit einem Comic nur seine Gadgets und seinen maskierten Flattermann teilt. Der Rest ist so natürlich auch schon da gewesen, aber sicher nicht in solch einem großartigen Blockbustergewand, dem man jeden einzelnen Cent seines Millionenbudgets ansieht. Weniger überzeugend sieht hingegen der Schnitt aus, der teilweise nicht nur dilettantisch, sondern auch zu stark nach PG-13 riecht. Das fällt aber nicht weiter ins Gewicht, denn neben all den anderen Adjektiven, mit denen sich The Dark Knight in der Tat schmücken darf, ist er vor allem, und das in sehr hohem Maße, dunkel in Ton und Inszenierung. Was bei einem Sin City noch viel zu aufgesetzt und forciert wirkte, ist hier nahe der Perfektion, denn auch wenn es zahlreiche Aufkommen von comic relief gibt, so bleibt der Film dennoch überraschend zynisch und ehrlich, was primär natürlich auch seiner Politik zuzuschreiben ist.

The Dark Knight, das ist Hype, der seinem Namen gerecht wird und Blockbusterkino in seiner schönsten Form. Auch wenn die großen Vorzüge des Filmes den meisten durch die vielen anderen Schauwerte vorenthalten bleiben werden – zugegeben, audiovisuell ist der Film, bis auf den Schnitt, auch der Inbegriff und Archetyp eines Comicfilmes -, so darf er dennoch als Meisterwerk des Genres feiern lassen, denn nichts weniger ist The Dark Knight. (9/10)


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Ich brech' weg: 'The Dark Knight' ist der beste Film ever!


… meint zumindest die IMDb, die den Film nach offiziellem Start nun als besten Film aller Zeiten sieht und ihn somit auf Platz eins ihrer Top 250 setzt. Das Ende der Welt naht, ganz sicher!

Update [20.07.] The Dark Knight spielt über 155$ Millionen am Startwochenende ein und bricht damit einen weiteren Rekord!


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'The Dark Knight': MADNESS? LOL WUT?


Heute startet er offiziell in den nordamerikanischen Kinos, Christopher Nolans Sequel zu Batman Begins, The Dark Knight. Gestern gabe es bereits extra eingerichtete Mitternachtspremieren und ausgewählte Kinos spielen den Streifen bereits seit Mitternacht 24 Stunden hintereinander. Ja, die Filmwelt scheint derzeit kein anderes Thema mehr zu kennen als The Dark Knight. Natürlich sehen die diversen Trailer, Poster und TV Spots grandios aus, doch wohin soll der ganze Hype noch führen? Die Reviews lesen sich fantastisch, wer den Film nicht als Meisterwerk sieht, wird kurzerhand denunziert und seiner Fähigkeiten verbal beraubt. In den Top 250 der IMDb steht The Dark Knight bereits am ersten Tag auf Platz vier, und bei eBay finden sich bereits Tickets zu Preisen von bis zu 350$ – nur, damit man den neuen Batman am Starttag in IMAX sehen kann.

Vom Tode Heath Ledgers und den damit verbundenen Oscarrufen will ich gar nicht erst anfangen. Ich meine, wohin soll das alles noch führen? Schön und gut, dieses Fanboytum – immerhin ist 'fanboy' laut Merriam-Webster nun auch ein offizielles Wort -, aber so ein Hype epischen Ausmaßes kann doch gar nicht gut sein, oder? Ich glaube ja, dass FilmDrunk.com mit seiner 'Timeline of Universe' Recht behalten wird und es nur eine Frage der Zeit ist, bis die Sonne in die Erde kracht – wenigstens durften wir noch The Dark Knight sehen – obwohl, wer weiß, vielleicht ist es bis zum 21.08. ja schon zu spät -, bevor es ein Ende mit uns nimmt. Ich meine, "why so serious?"


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'The Dark Knight': Erste Fotos von Two Face!


Bei all der riesigen Promotion zu The Dark Knight, war er eines der bestgehütetsten Geheimnisse. Die Rede ist von Harvey Dent alias Two Face (Aaron Eckhart). Gab es bisher nur einige unscharfe Screencaps aus dem Trailer und ein fanmade Fake, so gibt es jetzt die ersten wirklichen Bilder zu Two Face. An dieser Stelle natürlich auch eine große Spoilerwarnung, denn die Bilder verraten mehr, als dem ein oder anderen lieb sein dürfte … Wer sich dennoch nicht zurücknehmen kann, der findet die fünf Fotos bei Rotheblog, einem eher ungewöhnlichen Ort für die Veröffentlichung der Bilder, aber sei's drum (immerhin meint auch Filmstalker, der die Bilder als erstes entdeckt zu haben scheint, dass es sich nicht um Fakes handelt).


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Neuer 'The Dark Knight' Trailer: Nun auch in HD zu bestaunen

Nachdem der neue Trailer zu The Dark Knight bereits seit einer Woche als Bootleg und in unbeschreibliche schlechter Qualität im Netz herumschwirrt, gibt es ihn nun endlich auch in glorreichem HD (480p/720p/1080p). Und ich will jetzt wirklich nicht nach einem Fanboy klingen, aber der Trailer ist der absolute Wahnsinn!


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'The Dark Knight': Hong Kong Banner

Okay, doch noch was zu The Dark Knight heute – und zwar das epische Banner aus Hong Kong, wo der Film anfangs auch spielen wird (beziehungsweise dienten die Wolkenkratzer Hong Kongs als Kulisse).

[Quelle: /Film]


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'The Dark Knight' Poster: Welcome to a World Without Rules.

Wow!

[Quelle: AHT]


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Heath Ledgers Joker Szene nicht in 'The Dark Knight'?

Der Tod Heath Ledgers ist ja noch nicht allzu lange her. Erst machte man sich Sorgen, ob auch all seine Arbeit an The Dark Knight fertig gestellt wurde – was der Fall war. Jetzt, gute zweieinhalb Monate nach Ledgers Tod, scheint der Schock aber wohl immer noch tief zu sitzen, spielen die Macher von The Dark Knight doch mit dem Gedanken, eine Szene, in der Ledger alias The Joker (angeblich) tot in einem Leichensack liegt, aus dem Film herauszuschneiden: "The scene involves Ledger's Joker character pretending to be dead and being pictured in a body bag. Apparently the aftershock of Ledger's unfortunate death are such that many in the [test] screening reacted rather badly to this moment and now execs are considering excising the scene altogether." (FilmDrunk.com)

Ich kann nur hoffen, dass es nicht dazu kommt, denn was sollte das bitteschön? Lebendig macht ihn das auch nicht wieder, und glauben die Leute wirklich, dass wenn er im Film kurze Zeit später wieder lebendig ist (er tut ja nur so, als sei er tot), dass das auch in der Realität der Fall ist? Komisch, diese Testpubliken – können die jetzt nichtmal mehr zwischen Realität und Fiktion unterscheiden? Ich meine, wo kämen wir denn da hin, wenn wir das bei allen Filmen machen würden und den Künstler somit auch quasi berauben würden? Hätte Eyes Wide Shut gar nicht erst veröffentlicht werden sollen, da Kubrick starb, hätte man The Crow am besten komplett canceln sollen?

‘The Dark Knight’


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Ohne Worte

"They had this promo up in their stores within two hours of his death."

Heath Ledger Promo

Danke an die delle für den Hinweis.

[Quelle: My Confined Space]


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