Abel Ferrara verfilmt den Strauss-Kahn-Fall mit Depardieu!


Was lese ich da gerade bei den Kollegen von Twitch!? Abel Ferrara arbeitet aktuell an der Verfilmung des Dominique Strauss-Kahn-rape-Falls – und wer soll DSK spielen? Genau, Gérard Depardieu, der Mann, der auseinandergeht wie Hefeteig. Depardieu äußerte sich nun wie folgt zur Rolle:

"'Because I don't like him, I'll do it,' said Depardieu to Swiss Radio Television (RTS). Having said that, the actor then went to town on both Strauss-Kahn and also almost everybody in France. 'I think he's a little like all of the French, a bit arrogant. I don't like the French very much…He's very French, arrogant and smug, so he's playable.'"

Ebenfalls mit an Bord ist Isabelle Adjani, die in die Rolle von DSKs Ehefrau Anne Sinclair schküpfen wird. Na, wenn das mal nicht absolut Lust auf mehr macht! Ich weiß, die News ist nicht mehr ganz frisch, aber besser spät als nie, ne?


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Die geteilte Stadt: 'Possession' DVD Review


Will man über Trennung, über Teilung und Ungerechtigkeit erzählen, bietet sich das geteilte Berlin als Schauplatz ja geradezu an. Triste Wohnsiedlungen, leer gefegte Straßen und die noch tristere, gigantische Mauer, die da mitten durch die Stadt verläuft und nicht selten auch in den Köpfen der Menschen weiter verläuft. Und dennoch scheint es in dieser Umgebung tolle Wohnorte zu geben – für all jene, die es sich leisten können und zumindest ein kleines Stück Luxus genießen wollen. So zu sehen in Andrzej Zulawskis Possession, der keine Illusionen schafft, sondern uns mit der harten Realität konfrontiert. Und dennoch abstrahiert Zulawski auch, denn auf seinen Straßen finden sich keine Passanten, in den U-Bahnen finden sich nur die sozial Ausgegrenzten, die das triste Bild der Stadt unterstreichen. Wenn Mark (Sam Neill) durch die Straßen Berlins läuft, hört man jeden Schritt, jedes Klacken, das er mit dem Absatz seines Schuhs auf dem Asphalt kreiert. Man kann sogar so weit gehen und sagen, dass Zulawskis Berlin nur von Freaks bewohnt wird. Zum einen natürlich von Mark und seiner Frau Anna (Isabelle Adjani), zum anderen von sleazigen Privatdetektiven, undurchsichtigen Geschäftsleuten und Liebhabern mit Kung-Fu-Kenntnissen.

Nicht nur zwischen den beiden politischen Systemen gibt es große Differenzen, auch zwischen den beiden Geschlechtern, die ihre Ehe am Ende sehen. Doch wie so oft will es einer der beiden nicht akzeptieren, weshalb es schließlich zum 'Kampf' kommt. Dieser ist dann auch ein Kampf auf Leben und Tod – und am Ende wird der anfangs kleine Küchenbrand zum globalen Brandherd. Es ist schon beeindruckend, was Zulawski in Possession alles vom Stapel lässt. Auch wenn er immer wieder auf grobe Schockmomente setzt und seinen eigentlichen Hauptdarsteller in voller Pracht zeigt, bleibt Possession stets bemüht und subtil in seiner politischen und gesellschaftlichen Allegorie. Ihm ist mit seinem Film so viel gelungen, dass man Possession keinesfalls einem Genre zuordnen kann. Er ist nämlich nicht nur Beziehungsdrama, sondern auch Thriller, Horrorfilm und alles andere – eine Art abseitiger, exploitativer Arthousefilm mit ganz vielen Gross-Out-Momenten und einem aberwitzigen Finale. Dabei setzt Zulawski weniger auf eine kohärente Geschichte, als vielmehr auf Fragmente, die des Öfteren ins Surreale abwandern. Auch das Spiel von Neill und Adjani grenzt nicht selten ans Surreale oder gar Masochistische. Zu Recht gab es dafür für Adjani den Preis für die beste Darstellerin in Cannes.

Dabei ist Possession aber nicht immer ein Vergnügen, denn gerade durch seinen Surrealismus, das enorm physische Spiel der Darsteller, das daher hin und wieder etwas redundant wirkt, ist es nicht immer einfach, dem Geschehen zu folgen. Man will sich nicht wirklich in die Beziehungsprobleme eines Ehepaares einmischen, das eigentlich alles hat, was es will. Doch erst später, wenn es sich zu einem größeren Ganzen entwickelt, ist man wieder voller Spannung dabei. Dann, wenn die ganze Welt plötzlich aus den Fugen zu geraten droht und endgültig alles gescheitert ist zwischen den beiden Liebenden, die einfach nicht zusammen sein können. Letztlich regiert der Nihilismus. Die einzige Konstante während alledem, das man buchstäblich als Krieg bezeichnen kann, bleibt der Ort, Berlin. Dass Zulawskis vermeintlicher Skandalfilm als solcher wahrgenommen wurde, liegt sicherlich auch daran, dass die Mauer nach Erscheinung noch acht Jahre bestehen sollte. Aber auch heute ist Possession noch ein ziemlich verstörendes Werk, das auch hinsichtlich seiner politischen Allegorien nicht an Aktualität verloren hat. Denn das Böse, das Zulawskis selbst erlebt hat, ist allgegenwärtig. (8/10)

Bildstörung hat die deutsche DVD-Premiere (Amazon-Partnerlink) als OmU im schicken Schuber und mit einem wundervollen Artwork veröffentlicht. Bild und Ton sind wie vom Label gewohnt auf hohem Niveau, die Extras wie immer große Klasse. Neben einem Audiokommentar findet sich eine fast einstündige Doku, die den Entstehungsprozess beleuchtet und die Beteiligten zu Wort kommen lässt (und auch auf die Skandalwirkung des Filmes eingeht). Krönender Abschluss ist das 48-seitige Booklet mit Texten von Jörg Buttgereit, Daniel Bird und Dr. Marcus Stiglegger, der zu Zulawskis Gesamtwerk schreibt. Schöner und dem Film gerecht werdender könnte eine Veröffentlichung kaum sein.


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