Wann ist ein Mann ein Mann? Trailer zur Doku 'Mansome'

'Wann ist ein Mann ein Mann?', das fragte sich schon Herbert Grönemeyer und hatte durchaus einige Antworten parat. Nach diesen Antworten sucht nun auch Morgan Spurlock in seiner neuesten Doku Mansome. Der Trailer zeigt, dass es heute mehr Definitionen von Männlichkeit gibt als je zuvor. Unter anderem lässt er dabei Paul Rudd, Judd Apatow und Jason Bateman zu Wort kommen – Letzterer hat den Film dann auch gleich mitproduziert. Mit The Greatest Movie Ever Sold hat Spurlock zuletzt gezeigt, welch informative und amüsante Mischung das Medium Dokumentarfilm sein kann. Und auch Mansome sieht ganz danach aus, als würde da ein ziemlich interessanter Film auf uns zukommen.


Tags , , , , , , , , , , , ,

»Do I look like I care what people think?«

Hancock
(Peter Berg, USA 2008)
Kino

Will Smith steht vom Boden auf, die Kamera folgt ihm vom Boden in die Luft, sie dreht sich. Nicht ein Mal, nicht zwei Mal, sondern eine halbe Ewigkeit, eine halbe Ewigkeit dreht sie sich in 360-Grad-Manier um den Titelgebenden Protagonisten, Hancock. Diese eine Einstellung kommt nicht von Ungefähr, und sie erinnert nicht zufällig an Smith in Bad Boys II. Peter Berg, das hat er bereits mit The Kingdom eindrucksvoll gezeigt, scheint langsam aber sicher Michael Bay in Sachen Optik in nichts nachzustehen. Es ist die Art, Action zu inszenieren, seine Helden zu porträtieren und sie abzufeiern. Bei den einen verursacht dieses Kameragezappel Kopfschmerzen, andere können davon nicht genug bekommen. Und so findet sich bereits in der Eröffnungsszene von Hancock eine deutliche Parallele zu Bays Actionvehikel. Hancock (Smith) macht jagt auf drei Asiaten, die ähnlich den Rastas bei Bay für ordentlich Chaos auf dem Highway sorgen.

Hancock macht kurzen Prozess mit ihnen, er ist launisch und es fließt nicht gerade wenig Alkohol durch seinen Blutkreislauf. Genau das macht den eigentlichen Antihelden Hancock aber aus. Er ist launisch, unhöflich, Alkoholiker, pflegt keinen feinen Umgangston, kurz: Er ist asozial. Diese Idee des asozialen Superhelden, der keinem Topoi folgt und sowieso ziemlich 'anders' ist, ist für sich genommen eine sehr schöne Idee. Berg setzt diese auch sehr schön um, wenn er Hancock alle nur erdenklichen Zerstörungsszenarios durchlaufen lässt und mit jeder Menge Gleichgültigkeit gegenüber Autoritäten und Mitmenschen füllt. Da kann auch PR-Mann Ray (Jason Bateman) nicht mehr helfen, denn wir alle wissen, was es mit Alkoholikern meist für einen Lauf nimmt … Fast paradox erscheint dabei auch die Tatsache, dass man diesem asozialen Geschehen voller Freude folgt, sich daran erlabt, wenn Hancock kleine Kinder in die Luft wirft und sie damit wohl ihr Leben lang prägt. Ja, dieser Hancock ist schon ein subversives Kerlchen, und der Film erst recht.

Berg spielt dabei nicht nur mit den Autoritäten und der Gleichgültigkeit der amerikanischen Vorstädtler, sondern auch mit den Medien, wie die You-Tube-Szene mit Hancock und dem Wal eindrucksvoll zeigt. Das macht alles ziemlich großen Spaß, wie gesagt, der Höhepunkt ist dabei sicherlich der Eintritt Hancocks ins Gefängnis, wenn er dort seine Muskeln spielen lässt, Köpfe in Körperteile eindringen lässt und somit gleichzeitig auch noch mit Gefängnis(film)klischees spielt. Doch dann, man will seinen audiovisuellen Rezeptoren kaum glauben, bricht Berg mit alledem – zugunsten eines 0815-Superheldenplots, der nichts mehr von dem Charme und Witz der ersten Hälft erkennen lässt. Es ist ein Bruch, wie er nie gern gesehen wird, einer der schmerzt, aus einem guten Film einen nicht nur mittelmäßigen macht, sondern sogar noch tief greifender zerstört. Plötzlich wird erklärt, warum Hancock über die Kräfte verfügt, die er nun auch im Konsens mit der Stadt nutz. Das ist an sich ja nichts schlechtes, nur ist die Auflösung inklusive lächerlichem Plottwist so dermaßen klischeeträchtig und doof, dass man es Berg nicht durchgehen lassen kann.

Dabei versprühen Smith, der für die Rolle wie gemacht zu sein scheint, und seine Kollegen so viel Witz und Charme, dass man dem Geschehen eigentlich noch gerne weiter gefolgt wäre – nur eben nicht so. Bereits der Trailer machte ja deutlich, dass Hancock gegen Ende eine andere Richtung einschlagen würde. Dass er all seine Subversivität und Anarchie, die er in der ersten Hälfte so konsequent aufbaut, aber dann zugunsten eines Hollywood-Klischeeendes verschenkt, war allerdings nicht zu erwarten – und auch nicht zu hoffen. Da hätte man sich doch einmal gewünscht, dass der Trailer noch mehr vorwegnimmt und man sich das Ganze dann gleich hätte sparen können. Nur dieses eine Mal. (5/10)


Tags , , , ,

'HanCOCK' …


FilmDrunk.com beweist mal wieder, warum es zu den besten Filmblogs überhaupt gehört – I loled. Übermorgen weiß ich dann übrigens auch, ob Hancock tatsächlich mehr cock als Hancock ist …


Tags , , , , , ,

Trendiger Giftzwerg im Walkostüm, 16, sucht…

Juno
(Jason Reitman, USA/Kanada/Ungarn 2007)
Kino

‘Juno’Es ist der amerikanische Traum, wie er im Buche steht: Da beschließt ein gut-bürgerliches Mädchen von zu Hause loszuziehen, um Stripperin zu werden. Nebenher ist sie fleißig am Bloggen, wird dadurch schließlich von Hollywood entdeckt, schreibt ihr erstes Drehbuch und gewinnt dafür gleich den Oscar. Ihr Name: Diablo Cody, ihr Film: Juno, die Prämisse: Eine 16-jährige, Juno (Ellen Page), wird schwanger, was täglich passiert und ohne Probleme zu handeln ist. So weit, so gut. Oder auch nicht. Denn Juno wurde wohl wie kein anderer Independentfilm der letzten Jahre so gelobt, wobei er auch deutliche Schwächen besitzt. Ja, meine Erwartungen waren dann wohl doch etwas zu hoch, aber auch dem Kinopublikum, das asozialer nicht hätte sein können (ab jetzt boykottiere ich dieses Kino wirklich [trotz Studentenrabatts], entweder wird [allein] ins OV-Kino gegangen oder auf die DVD gewartet, so hart es bisweilen auch sein mag) will ich das teilweise Versagen von Juno zu einem gewissen Grad ankreiden.

Ich meine, dass das erste Drehbuch einer unerfahrenen Autorin – die immerhin ein Medien-Diplom hat und der die Materie deshalb nicht völlig fremd ist – nicht gerade perfekt ist, dürfte ebenso klar sein, wie die Tatsache, dass es die Figur der Juno so im wahren Leben nur einmal unter Millionen gibt – wenn überhaupt. Denn genau hier offenbart sich nämlich die größte Schwäche des Drehbuchs, nämlich seine Figuren. So liebenswürdig und von Ellen Page toll gespielt Juno auch sein mag, so ist sie dennoch nichts weiter als eine typisch-fiktive Erfindung des konservativen Hollywoods (das sich ja sonst so liberal gibt). Sie hat Ahnung von Musik, kennt Argentos Filme, und hat immer einen locker-flockigen Spruch auf den Lippen, der sie nahezu unzerstörbar erscheinen lässt. Natürlich schildert Juno auch den Kampf und die Verletzlichkeit dieser kleinen Göre, aber das ist nur oberflächlich und bisweilen verlogen, denn im Kern ist sie der Archetyp des starken Teens, der schon reifer ist als alle andere, bzw. dies gern wäre.

Zum anderen wären da die Eltern, im Prinzip eher konservativ, aber dennoch guten Mutes, denn was soll man denn machen? Da gibt es dann auch keine große Reflexion über die Zukunft oder dergleichen, sondern das wird schon werden – irgendwie. Überhaupt sind hier alle Figuren so schrecklich klischeeisiert – ich sage nur Jenny Garner (so sehr ich sie auch schätze) -, sodass die Geschichte niemals die Leinwand verlässt, sondern stets streng fiktiv bleibt – bei der Thematik dann irgendwie doch erschreckend. Es sind die Frauen, die hier das Sagen haben, da ist für Männer kaum Platz, auch wenn diese durch Jason Batemans Figur deutlich machen, was sie davon halten – die Gender Studies hätten jedenfalls ihre Freude am Film, da bin ich mir sicher. Richtig toll hier aber der buchstäbliche running gag, nämlich die Sportmannschaft Bleekers (gut wie immer: Michael Cera).

Dass das hier alles weniger spektakulär zugeht als in der Realität – allein Junos Freundin ist ja das komplette Gegenteil von ihr selbst -, dürfte also klar sein, zumal ich einen realen Fall kenne, indem die Mutter zwar schon ein paar Jährchen älter war, aber die solche Voraussetzungen nicht hatte (wobei ihre Eltern beide pensioniert sind, was immerhin auch schon ein großer Vorteil ist). Auf diesen Ebenen versagt Juno zu einem großen Teil, da will ich den vielen (deutschen, weil wohl aufgeklärter) Kritikern nicht widersprechen. Was macht Juno dann also doch zu einem buchstäblich netten Erlebnis? Zum einen ist es die Welt Junos, die zwar wie bereits genannt nur zu einem kleinen Bruchteil der Realität entspricht, dafür aber wohl gerade auch so liebenswert ist. Sie diskutiert über die besten Horrorfilme, zeigt ihren Mitschülern wo es langgeht und bleibt dabei doch stets zuckersüß (trotz widerlicher Kleidung uns bisweilen ungehörigem Verhalten). Es ist die Liebe, die im Detail steckt, wie die tolle Musikauswahl oder der noch tollere Vorspann, der wie eine Frischzellenkur wirkt – vom Burgerphone (das Fox in den USA ja auch an einige Kritiker versendet hatte) ganz zu schweigen. Auch wenn ich nie eine Highschool besucht habe (zumindest keine amerikanische) und den Lebensstil Junos auch alles andere als toll finde, so ist es doch diese Popkultur, die sie repräsentiert und in die sie involviert ist – wie wohl auch der Großteil der Rezipienten.

To put it in a nutshell: Reitmans Film gibt sich oberflächlich extrem liberal hipp und modern, ist unter der Lackschicht jedoch zutiefst konservativ, was alles andere als schlecht, aber irgendwie doch heuchlerisch ist. Formal gibt es nahezu nichts auszusetzen, und auch die Darsteller sind toll, so abziehbildhaft sie auch sein mögen. Dass das Drehbuch jedoch deutliche Schwächen aufweist, ist nicht von der Hand zu weisen – aber ein perfektes Drehbuch kann man von einer solch jungen, aber ehrgeizigen Frau auch nicht erwarten. Dennoch bleibt das ganze Phänomen um Juno, ob man ihn nun mag oder nicht, eine interessante, wenn auch überbewertete Angelegenheit. (7/10)


Tags , , , , , , ,