Die 67. Golden Globe Awards und ihre Gewinner


Nein, ich bereue es wirklich nicht, dass ich die 67. Golden Globes verschlafen habe, auch wenn ich sie die letzten Jahre eigentlich immer live verfolgt habe. Camerons Avatar wird bester Film, Up in the Air gewinnt das beste Drehbuch und Robert Downey Jr. wird bester Darsteller in der Comedy & Musical-Kategorie. Oh Mann, das tut doch irgendwie weh, oder etwa nicht? Natürlich sind Awards selten nach dem perönlichen Geschmack, aber etwas mehr Objektivität darf man doch noch verlangen. Avatar, der technisch zwar perfekte, aber sonst lahmarschige Sci-Fi-Esokitsch vor Kathryn Bigelows The Hurt Locker geht einfach nicht, nein. Jeder in der Kategorie hätte es mehr verdient als Camerons Film, jeder. Ja, sogar Up in the Air, der zwar durchaus zu gefallen weiß, bei näherer Betrachtung jedoch so egal wie sonst was ist. Der Globe für Regie? Wegen mir.

Dass der Preis für das beste Drehbuch an Jason Reitman und Sheldon Turner geht, regt mich nach wie vor auf, denn auch wenn der Film gefallen konnte, dann lag das sicherlich nicht am Drehbuch, nein. Hier hätte der Gewinner eindeutig Inglourious Basterds beziehungsweise Quentin Tarantino heißen müssen. Dass The Hangover die beste Komödie würde, war ja irgendwie abzusehen, auch wenn ich auf (500) Days of Summer gehofft hatte, der der Kategorie deutlich mehr gerecht wird als Phillips Film. Doch es gibt auch erfreuliche Entscheidungen, allen voran der Globe für Christoph Waltz, auch wenn der ja so sicher war wie das Amen in der Kirche, der Oscar hoffentlich auch. Unentschlossen bin ich hingegen beim besten fremdsprachigen Film, den Das weiße Band gewinnen konnte. Auch hier ist der Oscar so gut wie sicher, denn ich glaube mittlerweile, dass man den Amerikanern alles an deutscher Geschichte vorwerfen könnte, sie würden es lieben, wenn es nur einige 'Vorgaben' erfüllte.

Der Preis fürs Lebenswerk an Martin Scorsese war irgendwie ja an der Zeit. Die ganzen Serien sind mir ja eigentlich immer ziemlich Schnuppe, aber Mad Men und vor allem Dexter sollte ich langsam aber sicher auch endlich mal angehen. Aber vielleicht doch erst einmal die finale Season von The Shield beenden, dann sehen wir weiter. Auch bei der Show selbst soll es ja keine großen Highlights gegeben haben, die es wert gewesen wären, sich die Nacht um die Ohren zu schlagen, denn ich bin mir sicher, dass ich, wäre dies doch der Fall gewesen, etwas mitbekommen hätte. Habe ich aber nicht, ergo hat Ricky Gervais wohl einen ordentlichen, wenn auch keinen outstanding Job gemacht. Wenn die Oscars jedenfalls in etwa auch so enden werden, dann überlege ich mir das mit dem Aufbleiben doch auch noch ein zweites Mal. Die komplette Liste der Gewinner findet sich hier.

Foto: Joe Shlabotnik


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Trendiger Giftzwerg im Walkostüm, 16, sucht…

Juno
(Jason Reitman, USA/Kanada/Ungarn 2007)
Kino

‘Juno’Es ist der amerikanische Traum, wie er im Buche steht: Da beschließt ein gut-bürgerliches Mädchen von zu Hause loszuziehen, um Stripperin zu werden. Nebenher ist sie fleißig am Bloggen, wird dadurch schließlich von Hollywood entdeckt, schreibt ihr erstes Drehbuch und gewinnt dafür gleich den Oscar. Ihr Name: Diablo Cody, ihr Film: Juno, die Prämisse: Eine 16-jährige, Juno (Ellen Page), wird schwanger, was täglich passiert und ohne Probleme zu handeln ist. So weit, so gut. Oder auch nicht. Denn Juno wurde wohl wie kein anderer Independentfilm der letzten Jahre so gelobt, wobei er auch deutliche Schwächen besitzt. Ja, meine Erwartungen waren dann wohl doch etwas zu hoch, aber auch dem Kinopublikum, das asozialer nicht hätte sein können (ab jetzt boykottiere ich dieses Kino wirklich [trotz Studentenrabatts], entweder wird [allein] ins OV-Kino gegangen oder auf die DVD gewartet, so hart es bisweilen auch sein mag) will ich das teilweise Versagen von Juno zu einem gewissen Grad ankreiden.

Ich meine, dass das erste Drehbuch einer unerfahrenen Autorin – die immerhin ein Medien-Diplom hat und der die Materie deshalb nicht völlig fremd ist – nicht gerade perfekt ist, dürfte ebenso klar sein, wie die Tatsache, dass es die Figur der Juno so im wahren Leben nur einmal unter Millionen gibt – wenn überhaupt. Denn genau hier offenbart sich nämlich die größte Schwäche des Drehbuchs, nämlich seine Figuren. So liebenswürdig und von Ellen Page toll gespielt Juno auch sein mag, so ist sie dennoch nichts weiter als eine typisch-fiktive Erfindung des konservativen Hollywoods (das sich ja sonst so liberal gibt). Sie hat Ahnung von Musik, kennt Argentos Filme, und hat immer einen locker-flockigen Spruch auf den Lippen, der sie nahezu unzerstörbar erscheinen lässt. Natürlich schildert Juno auch den Kampf und die Verletzlichkeit dieser kleinen Göre, aber das ist nur oberflächlich und bisweilen verlogen, denn im Kern ist sie der Archetyp des starken Teens, der schon reifer ist als alle andere, bzw. dies gern wäre.

Zum anderen wären da die Eltern, im Prinzip eher konservativ, aber dennoch guten Mutes, denn was soll man denn machen? Da gibt es dann auch keine große Reflexion über die Zukunft oder dergleichen, sondern das wird schon werden – irgendwie. Überhaupt sind hier alle Figuren so schrecklich klischeeisiert – ich sage nur Jenny Garner (so sehr ich sie auch schätze) -, sodass die Geschichte niemals die Leinwand verlässt, sondern stets streng fiktiv bleibt – bei der Thematik dann irgendwie doch erschreckend. Es sind die Frauen, die hier das Sagen haben, da ist für Männer kaum Platz, auch wenn diese durch Jason Batemans Figur deutlich machen, was sie davon halten – die Gender Studies hätten jedenfalls ihre Freude am Film, da bin ich mir sicher. Richtig toll hier aber der buchstäbliche running gag, nämlich die Sportmannschaft Bleekers (gut wie immer: Michael Cera).

Dass das hier alles weniger spektakulär zugeht als in der Realität – allein Junos Freundin ist ja das komplette Gegenteil von ihr selbst -, dürfte also klar sein, zumal ich einen realen Fall kenne, indem die Mutter zwar schon ein paar Jährchen älter war, aber die solche Voraussetzungen nicht hatte (wobei ihre Eltern beide pensioniert sind, was immerhin auch schon ein großer Vorteil ist). Auf diesen Ebenen versagt Juno zu einem großen Teil, da will ich den vielen (deutschen, weil wohl aufgeklärter) Kritikern nicht widersprechen. Was macht Juno dann also doch zu einem buchstäblich netten Erlebnis? Zum einen ist es die Welt Junos, die zwar wie bereits genannt nur zu einem kleinen Bruchteil der Realität entspricht, dafür aber wohl gerade auch so liebenswert ist. Sie diskutiert über die besten Horrorfilme, zeigt ihren Mitschülern wo es langgeht und bleibt dabei doch stets zuckersüß (trotz widerlicher Kleidung uns bisweilen ungehörigem Verhalten). Es ist die Liebe, die im Detail steckt, wie die tolle Musikauswahl oder der noch tollere Vorspann, der wie eine Frischzellenkur wirkt – vom Burgerphone (das Fox in den USA ja auch an einige Kritiker versendet hatte) ganz zu schweigen. Auch wenn ich nie eine Highschool besucht habe (zumindest keine amerikanische) und den Lebensstil Junos auch alles andere als toll finde, so ist es doch diese Popkultur, die sie repräsentiert und in die sie involviert ist – wie wohl auch der Großteil der Rezipienten.

To put it in a nutshell: Reitmans Film gibt sich oberflächlich extrem liberal hipp und modern, ist unter der Lackschicht jedoch zutiefst konservativ, was alles andere als schlecht, aber irgendwie doch heuchlerisch ist. Formal gibt es nahezu nichts auszusetzen, und auch die Darsteller sind toll, so abziehbildhaft sie auch sein mögen. Dass das Drehbuch jedoch deutliche Schwächen aufweist, ist nicht von der Hand zu weisen – aber ein perfektes Drehbuch kann man von einer solch jungen, aber ehrgeizigen Frau auch nicht erwarten. Dennoch bleibt das ganze Phänomen um Juno, ob man ihn nun mag oder nicht, eine interessante, wenn auch überbewertete Angelegenheit. (7/10)


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