PewCast 002: 'Zero Dark Thirty'


Wir haben es wieder getan! Sascha und ich haben uns selbst beim Wort genommen und die zweite Episode unseres gemeinsamen Podcasts aufgezeichnet (nachdem die eigentlich zweite Episode zu Django Unchained wegen technischer Probleme leider unter den Tisch fallen musste). Für PewCast 002 haben wir und dieses Mal in Form von Alex Gajic von Real Virtuality tatkräftige Unterstützung geholt. In der zweiten Episode besprechen wir Kathryn Bigelows 'Kill-Bin-Laden-Film' Zero Dark Thirty. Außerdem gibt es unseren Senf zu aktuellen Film-News, unseren zuletzt gesehenen Filmen und unserem 'Cool Thing of the Week'. Und keine Angst, dieses Mal sind wir deutlich kompakter und gehen Euch nur 80 Minuten lang auf die Ohren. Viel Spaß also beim Hören! Über Feedback freuen wir uns wie immer in den Kommentaren. Ein großer Dank geht wie immer an unseren Produzenten.

Shownotes

00:00:00 – Intro

00:04:00 – News

00:11:51 – Watched

00:24:13 – Zero Dark Thirty Review

01:12:00 – 'Cool Thing of the Week'

01:16:49 – Outro

Hören & Download / iTunes


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Die Stille nach dem Schuss: 'Zero Dark Thirty'


Das Bild ist noch komplett schwarz. Wir hören Originalaufnahmen von Telefongesprächen aus dem World Trade Center vom 11. September 2001. Wir kennen die meisten dieser Telefonate, die wir da fast schon voyeuristisch belauschen aus der Berichterstattung von damals. Wir sind diesen Aufnahmen komplett ausgeliefert, können nichts anderes tun als zuzuhören, wie ein zweites Flugzeug in das WTC fliegt und die Stimmen der Menschen voller Angst sind. Nein, keiner, der diese Ereignisse live miterlebt hat, wird sie jemals wieder vergessen. Erst eine Dekade später sollte der Urheber dieser Tat zur Rechenschaft gezogen werden. Doch bis dahin ist es auch in Kathryn Bigelows Zero Dark Thirty noch ein weiter Weg. Auf die 9/11-Protokolle folgt ein harter Schnitt. Plötzlich befinden wir uns in einem Geheimgefängnis in Afghanistan, wo ein Verdächtiger – man sieht es ihm deutlich an – schon länger verhört wird. Es ist ein äußerst harter Schnitt. Einer, der Bigelow und ihrem Drehbuchautor Mark Boal im Vorfeld viel Kritik einbrachte, weil Bigelow das ausführlich zeigt, was nach wenigen Minuten folgt: Waterboarding und andere Foltermethoden.

Einerseits will man sich immer wieder ins Gewissen rufen, dass dieser Mann, der dort gerade das unangenehme Gefühl nacherlebt zu ertrinken, für ebenjene Ereignisse mitverantwortlich ist, mit denen Bigelows Film beginnt. Andererseits versteht es Bigelow aber auch, diese Szenen so zu inszenieren, dass nicht selten Mitleid für den Gefangenen aufkommt und man das Ganze nicht immer leicht ertragen, geschweige denn zusehen kann. Genau so ergeht es auch Bigelows Protagonistin Maya (Jessica Chastain), die vom Schreibtischjob in D.C. nach Afghanistan kommt und dort quasi gleich ins kalte Wasser geworfen wird. Anfangs scheint sie sich selbst nicht sicher zu sein, ob diese 'coercive interrogation' wirklich von Nöten ist. Sie selbst geht es jedenfalls anders an, auch wenn sie Gefangenen ebenfalls nicht mit Samthandschuhen anfasst. Doch nicht nur ihre Haltung gegenüber extremen Verhörmethoden soll sich schon bald ändern. Zero Dark Thirty ist nicht nur dieser 'Kill-Bin-Laden-Film', als der er anfangs etikettiert wurde, sondern vor allem auch ein Film über eine besessene Frau.

Bigelow lässt sich viel Zeit für ihre 'Heldin', bei der wir nie wirklich wissen, was es nun eigentlich ist, was sie antreibt und dieser ständigen Gefahr aussetzen zu lassen. Ist sie einfach nur eine knallharte Karrierefrau oder ist sie der Meinung, dass sie eine gewisse Bringschuld zu begleichen hat? Zumindest zu Beginn bleiben sie und ihre Motive etwas im Dunkel. Erst später, wenn sie Freundschaften geschlossen hat, was angesichts der Arbeit und Lage schon schwer genug ist, wird klar, dass sie dies auch für ihre Freunde und Kameraden tut. Viele davon lernen wir im Laufe des Films kennen, viele davon gehen auch schnell wieder. Dies passiert aber meist unfreiwillig, denn Zero Dark Thirty schert sich nicht nur um sein vermeintliches Anliegen, das Finale in Abbottabad, sondern ist vor allem auch ein Film, dessen Anliegen es ist, den sogenannten Kampf gegen den Terror zu porträtieren. Ständig befinden wir uns an einem anderen Ort, in einem anderen Hotel, einer anderen Green Zone, einer anderen US-Basis. Genauso oft sitzen andere Terror-Verdächtige vor uns und ihren Richtern, bei denen wir schon mit den Namen Probleme haben, sie zu- oder gar einzuordnen.

Hier findet sich ein weiterer Aspekt, der im Vorfeld Anlass zur Kritik gab, denn nicht nur CIA-Direktor Morell war der Meinung, dass Bigelows Film nicht die Wahrheit spricht, waren es doch zig Tausende Männer und Frauen, die sich am Kampf gegen den Terror beteiligten und Bin Laden schließlich in Pakistan ausmachten. Doch diese Kritik greift nicht wirklich, denn Zero Dark Thirty ist immer nur eine Momentaufnahme. Wenn ein hochrangiger Taliban, von dem man sich Informationen erhofft, ein Geheimtreffen mit einer Kollegin von Maya (Jennifer Ehle) auf einer US-Basis hat, dann wissen wir, dass hier deutlich mehr als nur diese Gruppe von Beamten und Soldaten beteiligt ist. Doch es geht sowieso nicht um den Einzelnen, auch wenn es immer Einzelne sind, die beispielsweise bei einem Selbstmordattentat zu Tode kommen (das Bigelow in all seinem Schrecken immer wieder zeigt). Oder wenn Maya wie besessen davon ist, das große, geheimnisvolle Haus in Pakistan zu stürmen. Es geht um ganze Nationen, Allianzen und Systeme, deren Stellvertreter wir lediglich kennen lernen. Auch Bin Laden selbst ist ein Einzelner, der aber für ein ganzes System steht.

Genau hierin zeigt sich eindrucksvoll, wie stark Bigelows Film geworden ist. In einzelnen Szenen scheint alles so einfach und klar zu sein. Bigelows eine Pro-Folter-Haltung vorzuwerfen ist deshalb so vermessen, weil das alles doch so viel komplexer ist als es auf den ersten Blick scheint. In einer Szenen im Film heißt es explizit, dass das Verhören von Verdächtigen seit Obamas Präsidentschaft deutlich schwerer geworden sei, aber ist diese Aussage wirklich damit gleichzusetzen, dass Bigelow und Boal Folter begrüßen? So viel Fiktion und Dramatisierung auch in Zero Dark Thirty stecken mag, so real sind doch die Vorlagen nicht nur für 'Operation Neptune's Spear', sondern auch für den Kampf gegen den Terror. Auch die Tatsache, dass dies alles Opfer mit sich bringt, und zwar auf beiden Seiten, schönt Bigelow nicht. Maya weiß, dass es ihre Spur ist, die einen Unterschied machen kann. Und genau deshalb ist sie so besessen und überzeugt davon, dass ihr Weg der Richtige ist. Irgendwann ist sie allerdings an einem Punkt angekommen, an dem sie nicht mehr weiß, ob es das alles wert war. Sie dankt dabei nicht nur an sich, sondern auch an ihre Freunde und Kollegen.

Zero Dark Thirty kommt über weite Strecken einem procedural gleich: Wir schauen Profis bei der Arbeit über die Schulter, mit dem Unterschied, dass sich dieses procedural über einen Zeitraum von fast 10 Jahren erstreckt. Und am Ende sind wir dann schließlich am Höhepunkt angelangt. Wir begleiten SEAL Team Six dabei, wie es Bin Ladens Hauskomplex in Abbottabad stürmt. Doch wenn wir hier endlich ankommen sind, scheint es nicht etwa so, als würde der Film nun sein eigentliches Sujet vortragen, sondern die Erstürmung wirkt nur noch konsequent und als eine logische Folge des zuvor Ges(c)ehenen. Das heißt nicht, dass es minder spannend wäre, im Gegenteil. Die letzte halbe Stunde ist visuelle und narrative Perfektion. Wenn die Arbeit getan ist und Maya die Bestätigung bekommt, die sie jahrelang gesucht hat, dann kommt doch alles ganz anders. Und am Ende, als 'Operation Neptune's Spear' erfolgreich verlaufen ist und die SEALs Material sichern und es noch immer nicht glauben können, was sie da gerade vollbracht haben, scheint alles so schrecklich gleichgültig. Nichts ist mehr von Bedeutung, die Entrückung ist da. Die junge Dame, nein Heldin, der CIA steht inmitten der Apokalypse. (9/10)


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CIA Direktor Morell scheint 'Zero Dark Thirty' nicht zu gefallen


Als gäbe es aktuell nicht schon genug 'Diskussionen' um Kathryn Bigelows Zero Dark Thirty (zuletzt verurteilte Senator John McCain, der selbst Jahre lang in Vietnam gefoltert wurde, den Film), schaltet sich nun auch noch CIA-Direktor Michael Morell ein. Dem gefällt Bigelows 'Kill-Bin-Laden-Film' nämlich nicht wirklich, wie er unmissverständlich zu verstehen gab: "What I want you to know is that Zero Dark Thirty is a dramatization, not a realistic portrayal of the facts (…) CIA interacted with the filmmakers through our Office of Public Affairs but, as is true with any entertainment project with which we interact, we do not control the final product."

Im Kern geht es im darum, dass mehrere Hundert CIA-Beamte an der Jagd nach Bin Laden beteiligt waren und nicht wie im Film gezeigt nur eine Handvoll. Des Weiteren hält er in der Pressemitteilung, die man auf der offiziellen Website der CIA findet, fest, dass nicht die Verhörmethoden der Schlüssel zum Erfolg waren: "(…) the film creates the strong impression that the enhanced interrogation techniques that were part of our former detention and interrogation program were the key to finding Bin Ladin (…) That impression is false." (E! Online) Mal schauen, wer sich bis zum Kinostart noch alles zu Wort meldet …


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Nothing Else Matters: Final 'Zero Dark Thirty' Trailer

Kathryn Bigelows Zero Dark Thirty wird bei der US-Kritik gerade in den höchsten Tönen gelobt und auch bei den Golden Globes wurde ihr 'Kill-Bin-Laden-Film' mit vier Nominierungen bedacht. Um die Zeit bis zum deutschen Kinostart am 10. Januar zu überbrücken, wurde heute heute der Final Trailer veröffentlicht, der absolut rockt! Zum Glück sehe ich ihn schon nächsten Freitag, denn bis zum 10. Januar würde ich es wohl nicht aushalten! Beim Metallica-Cover bin ich mir zwar noch nicht sicher, ob ich es richtig geil finde oder total unpassend, aber der Trailer ist auch so unfassbar gut und intriguing.


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'Zero Dark Thirty': Score von Alexandre Desplat komplett online


Bis zum 10. Januar müssen sich die deutschen Kinogänger noch gedulden, erst dann kommt Kathryn Bigelows 'Kill-Bin-Laden-Film' Zero Dark Thirty in die Kinos. Ich bin natürlich seit der Ankündigung heiß auf den Film, wobei sich mein Interesse noch weiter verstärkt hat, seit Zero Dark Thirty in den ersten US-Kritiken über den Klee gelobt wird und schon jetzt als heißer Oscar-Kandidat gesehen wird. Um die Zeit bis zum Kinostart zu überbrücken, hat Madison Gate Records den Score veröffentlicht, für den niemand Geringeres verantwortlich zeichnet als einer der besten aktuell arbeitenden Filmkomponisten, Alexandre Desplat. Alle 18 Tracks des Scores sind komplett online zu hören, und ich muss sagen, dass er mir recht gut gefällt, auch wenn ich etwas mehr Action erwartet hätte (die meisten Tracks sind ziemlich ruhig). Der Score ist ab dem 19. Dezember im Handel.

(Via The Playlist)


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Neuer Trailer zu Kathryn Bigelows 'Zero Dark Thirty'

Hui, sieht der gut aus, der neue Trailer zu Kathryn Bigelows Zero Dark Thirty. Die Bilder sind fantastisch, irgendwo zwischen Poesi und Apokalypse. Auch vom ziemlich geilen Cast bekommt man im neuen Trailer etwas mehr zu sehen. Für den Score zeichnet übrigens Alexandre Desplat verantwortlich. Ich kann es kaum erwarten! Deutscher Start ist am 10. Januar 2013.


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Apocalypse Now: 'Take Shelter' Blu-ray Review


Wenn Kritiker und Jurys sich einig sind, dann ist oftmals doch etwas dran. So auch im Falle von Take Shelter, der unzählige Preise absahnen konnte, unter anderem auch in Cannes. In seinem zweiten Film setzt Regisseur Jeff Nichols erneut auf Michael Shannon, der hier eine ziemlich beeindruckende Leistung abliefert, die man getrost zu den besten des laufenden Kinojahres zählen darf. Selbiges gilt für die weibliche Hauptrolle, die mit Jessica Chastain ebenfalls topp besetzt ist. So ist Take Shelter dann auch primär Schauspielkino auf höchstem Niveau, denn statt auf einen ausgefeilten Plot zu setzen, zeigt Nichols, was er aus den beiden alles rausgeholt hat. Shannon gibt den psychisch erkrankten Ehemann, der keiner Fliege etwas zu leide tun könnte und seine Familie über alles liebt. Chastain ist die sorgsame, liebende Mutter und Ehefrau, die ihren Mann auch in den dunkelsten Zeiten unterstützt, zugleich aber auch um das Wohlergehen ihres taubstummen Kindes besorgt ist.

Nichols gelingt es sehr schnell eine spannende, teils bedrohliche Atmosphäre aufzubauen, ohne auf billige Effekthascherei setzen zu müssen. Sein Film lebt von seinen Darstellern, teils allein durch ihre Mimik schon eine Bedrohlichkeit ausstrahlen, dass man gefesselt ist. Das einzige, was man Take Shelter vorwerfen kann, ist dann auch lediglich die Tatsache, dass sich der Film viel zu sehr auf dieser Atmosphäre ausruht und lange Zeit nicht wirklich in die Gänge kommen will. Nichols lässt Curtis (Shannon) eine Vision nach der anderen haben, obwohl dem Zuschauer schon längst klar ist, dass da etwas nicht stimmt. Damit verspielt es sich Nichols ein klein wenig – denn trotzt dieser Intensität können Shannon und Chastain den Film nicht über die ganze Laufzeit von zwei Stunden tragen. Und auch beim Ende wäre weniger mehr gewesen. Mit Nichols' Ende ist der Film nicht nur etwas zäher, sondern nimmt dem Ganzen ein klein wenig die Magie, statt mit der Erwartungshaltung des Zuschauers gekonnt zu spielen. Mehr kann man Take Shelter aber wirklich nicht vorwerfen, denn trotz kleinerer Mängel hat er all die Lorbeeren verdient. (8/10)

Die Blu-ray von Ascot Elite ist seit dem 21. August im Handel erhältlich (Amazon-Partnerlink) und wird dem Naturschauspiel sowohl was das Bild als auch den Ton angeht absolut gerecht. Vor allem die hellen Naturaufnahmen sind ziemlich scharf und detailfreudig. Das Highlight der Scheibe ist aber definitiv die DTS-HD-Tonspur, die in den richtigen Momenten richtig aufdreht und Subwoofer und Rears fast schon zum Glühen bringt. Wer den Film abends schaut oder gar sensible Nachbarn hat, der sollte lieber die UTs anschalten und runterdrehen – oder sein System am besten ganz ausschalten. Neben entfallenen Szenen (die zurecht im Schneideraum landeten) gibt es noch einen Audiokommentar, ein Making-of und vieles mehr. Eine wirklich schöne Veröffentlichung.


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Teaser Trailer zu Kathryn Bigelows 'Zero Dark Thirty'

Hui, das ging jetzt aber doch recht schnell! Der erste Teaser Trailer zu Kathryn Bigelows Verfilmung der Osama bin Laden-Tötung Zero Dark Thirty (inoffiziell Kill Bin Laden genannt). Natürlich verrät der Teaser noch nicht allzu viel vom Plot (dessen Ausgang wir ja kennen), sieht aber schon mal astrein aus. Mit dabei sind u.a. Jessica Chastain, Joel Edgerton, Mark Strong und Frank Grillo. US-Start ist am 19. Dezember.

(Via Film Junk)


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Texanische Blendgranate: 'Texas Killing Fields' Blu-ray Review


Amerikanische Thriller spielen gerne im Süden des Landes. Da, wo die Natur noch dominiert und die Menschen angeblich nicht ganz so zivilisiert sind wie im Rest des Landes. Dort, wo Menschen große Verandas haben mit Ventilatoren haben, wenn sie nicht gerade im Trailer hausen. Die schwüle Hitze, die sich durch den Süden zieht, setzt vielen dabei schwer zu, so auch den beiden Cops Mike (Sam Worthington) und Brian (Jeffrey Dean Morgan). Letzterer wurde erst vor kurzem von New York nach Texas versetzt und geht dort, im tiefsten Süden, nun einer mysteriösen Mordserie auf den Grund, der junge, hübsche Frauen zum Opfer fallen. Die Morde geschehen nicht irgendwo, sondern im Sumpfland, das es den beiden Cops dank Nebel und Feuchtigkeit nur noch schwerer macht, die Morde aufzuklären und den Killer zu stoppen. Ami Canaan Mann, die Tochter von Thrillerspezi Michael Mann, setzt mit ihrem zweiten Spielfilm Texas Killing Fields besonders zu Beginn auf ein starkes Setting, das durchaus Schauwerte bietet und den Staat Texas als ziemlich siffig und hoffnungslos darstellt. Es braucht hier schon eine gehörige Portion Gottesglauben, wie ihn Brian zelebriert, um hier nicht den Verstand zu verlieren oder selbst Amok zu laufen.

Brian ist ohnehin der ruhigere, routiniertere der beiden Cops. Mike hingegen ist zwar aus der Gegend und kennt die örtlichen Zustände deshalb nur zu gut, hat seine Emotionen aber nicht immer ganz im Griff, was auch daran liegen mag, dass seine Ehe mit einer Kollegin (Jessica Chastain) gescheitert ist, er sie aber dennoch jeden Tag sehen muss. Auf der anderen Seite führt Brian ein Familienleben, wie es im Buche steht: Frau, Kinder, Haus und sein Glaube. Ami Canaan Mann versucht die beiden Männer immer wieder zu psychologisieren, was aber nur bedingt funktioniert, denn der Plot wird aufgrund dessen immer wieder vernachlässigt. Dass die beiden Männer eher eine Hassliebe als ein gemeinsames Ziel verbindet, wird schnell deutlich. Dafür wird nie richtig deutlich, welchen Zweck die Geschichte um die mysteriösen Morde im Dunkel der Nacht und der dreckigen Sümpfe verfolgt. Wird werden nie Zeuge davon, wie ein Mord geschieht, sondern werden nur mit dem Ergebnis konfrontiert, was eigentlich eine tolle, weil unorthodoxe Idee ist. Das Problem ist dabei nur, dass sich der Film für die Morde nicht wirklich interessiert, sondern einen Nebenschauplatz nach dem anderen eröffnet.

So taucht plötzlich die kleine Ann (Chloë Grace Moretz) samt White-Trash-Familie auf und präsentiert uns einen soziopathischen Bruder (Stephen Graham), den man sofort unter Verdacht hat – das ist Type-Casting, wie es im Buche steht … Ann hat es natürlich nicht einfach mit solch einer Familie und hat deshalb einen Stein im Brett der beiden Detectives. Als sie auch noch entführt wird, verstehen die beiden endgültig keinen Spaß mehr und regeln die Angelegenheit auf ihre Art und Weise. So vermeintlich spannend das auch klingen mag, so nüchtern ist es tatsächlich. Selten will etwas passen, und wenn dann mal etwas ins Fahrt kommt, verläuft es in den üblichen Genrebahnen. Große Twists gibt es nicht, im Gegenteil. Gegen Ende bleiben einige der Figuren, die erst massenweise eingeführt werden, sogar ganz auf der Strecke. Man fragt sich, ob sie einfach vom Nebel verschluckt worden sind oder doch nur vom äußerst schwachen Drehbuch. Auch die Besetzung kann nicht mehr viel vom sinkenden Schiff retten: Sam Worthington setzt ständig seinen Hundeblick auf, Jeffrey Dean Morgan steckt zu sehr in einem Korsett und die kleine Moretz hätte durch jeden anderen Teen ersetzt werden können. Einziger Lichtblick ist das Jessica Chastain, die nach ihrer Rolle als liebende Mutter in The Tree of Life die toughe Powerfrau gibt.

Texas Killing Fields, der auf wahren Begebenheiten basieren soll, verliert sich in seiner eigenen Geschichte, die künstlich verkopft ist und außer den tollen Naturaufnahmen keinerlei Schauwerte bietet. Das Ende grenzt dann fast schon an einer Unverschämtheit, was letztlich aber egal ist, denn man hat schon viel früher mit dem Film abgeschlossen. (4/10)

Die Blu-ray aus dem Hause Ascot Elite erscheint am 17. Juli (Amazon-Partnerlink) und kann auch technisch nur bedingt überzeugen. Die Schwarzwerte könnten besser sein, zumal der Film die meiste Zeit über nachts oder in der Dämmerung spielt. Naturaufnahmen des Sumpfes bei Tageslicht sehen hingegen sehr schön und knackig scharf aus. Der Ton, der in Deutsch und Englisch in DTS-HD vorliegt, ist ordentlich. Wenn es beim ansonsten eher dialoglastigen Film kracht, dann bekommen auch der Subwoofer oder die Rears mal etwas zu tun. Als Extras finden sich auf der Blu-ray eine Trailershow, Interviews mit dem Cast und eine B-Roll. Auch ein Wendecover ist selbstverständlich dabei.


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Blutiger Süden: 'Texas Killing Fields' Trailer

Dass Texas zumindest im US-amerikanischen Film nicht gerade ein sicheres Pflaster ist, dürfte hinlänglich bekannt sein. Texas Killing Fields basiert angeblich auf wahren Begebenheiten, die zwei Sheriffs zusammengetragen haben – so ist es zumindest im Trailer zu lesen, der mich erstaunlich kalt lässt. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass ich Sam Worthington solch eine Rolle nicht abnehme und Jeffrey dean Morgan immer irgendwie der Comedian bleiben wird. Und dann noch das nervige Balg aus Kick-Ass … Bei der Regisseurin handelt es sich übrigens um Michael Manns Tochter. Start in den Staaten ist am 07. Oktober.


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