Nur ein kleiner Hauch: 'Star Wars: Episode VIII – The Last Jedi'


Wer mit Star Wars: Episode VIII – The Last Jedi in das Star Wars-Universum eintauchen wollte, den muss ich leider enttäuschen. Denn eins schon vorweg genommen – es ist teilweise unterirdisch und hat leider nicht mehr das Geringste mit Star Wars zu tun. Nun gut, nicht alles ist schlecht am neusten Teil der beliebten Saga. Gute Actionszenerien, tolle neue Planeten und auch fluffige kleine oder funkelnde Wesen lassen den Zuschauer oftmals ganz schön staunen. Allerdings rücken diese Szenerien schnell in den Hintergrund wenn man genauer hinhört. Denn die Dialoge sind teils echt unterirdisch. So beginnt Carrie Fischer alias Lea "Möge die Macht …" wird dann schlagartig unterbrochen, um von ihrem Gegenüber, der allseits bekannten, aber dennoch Newcomerin im Star Wars-Unsiversum, Laura Dern, beendet zu werden.

Sinn hierbei!? Null – und genauso ziehen sich die Dialoge durch den gesamten Film. Besondere Enttäuschung: Yoda! Ausgerechnet der Altmeister der Jedi bekommt seinen Gastauftritt und versemmelt diesen aber gehörig. Womöglich wollten die Macher den „Originalen“ Yoda wieder aufleben lassen, allerdings waren Stimme und eben die Erscheinung echt total enttäuschend und nicht passend in dieser Episode. Diese und viele weitere Fauxpas lassen den kompletten Film einfach alt aussehen. Mit Sicherheit gibt es auch Szenen, die top sind, allerdings ist der gesamte Plot für den Eimer und extrem vorhersehbar. Neue Charaktere, die in Episode 7 so wunderbar aufgebaut wurden, verenden hier kümmerlichst, da ihre Geschichte nicht weiter ausgebaut wird, sondern teils sogar verkleinert wurde. Und auch Superbösewicht Snoke ist sehr blass.

Und so geht es eigentlich nur wieder um den Familientwist, der weiter und weiter erzählt wird. Rey und Kylo Ren geben es sich ordentlichst und versuchen sich gegenseitig irgendwie stets zu übertreffen. Nun ja, tolle Bilder entstehen immerhin bei den Kampfszenen mit den Lichtschwertern. Und auch die tollen Eisfüchse, die man auf dem ebenfalls gelungenen Wüstenplaneten antrifft, sind Grund zur Freude. Alles in allem ist und bleibt es aber eine Enttäuschung für wahre Fans, wie mich. Und dennoch schaue ich zuversichtlich auf Episode 9. Möge die Macht in der nächsten Episode mit uns sein!

- Kritik von Julia


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Meine Straße, mein Zuhause, mein Block: 'Attack the Block'


Kaum hat sich die Lage wieder beruhigt, wird es erneut knallen. Dieses Mal aber nicht etwa auf den tatsächlichen Straßen Londons samt all seiner Vororte, sondern auf der Leinwand. Der Verleiher hat wohl mehr als nur einmal tief durchgeatmet, dass auf Englands Straßen wieder Ruhe eingekehrt ist, denn ein Starttermin, der mit Gewaltausschreitungen zusammenfällt, ist nicht gerade die feine englische Art – auch wenn die Briten schwarzem Humor ja nicht abgeneigt sind. Diese Kritik wird wohl nicht die einzige sein, die die Krawalle in London anführt und Parallelen zum Film zieht. Wäre in London in den letzten Monaten nie etwas vorgefallen, dann wäre Attack the Block auch keinesfalls ein schlechterer Film als er es jetzt, nach den Krawallen, ist. In Großbritannien hatte der Film seinen Kinostart ohnehin schon längst hinter sich. Doch wenn sich aktuelle Ereignisse mit Filmstarts überschneiden, dass übt das immer einen gewissen Reiz auf den Film selbst und dessen Rezeption aus. Er ist plötzlich seiner Zeit voraus, eine Art Prophet. 'Life imitating art' quasi. Oder doch 'art imitating life'? Davon aber einmal ganz abgesehen, ist Attack the Block das ziemlich gelungenes Spielfilmdebüt von Joe Cornish, das auch als Anti-These zu Daniel Barbers Harry Brown.

Attack the Block beginnt ähnlich trist und grau wie Daniel Barbers Film. Ein Blick auf die Straßen Londons zeigt, wie jugendliche Gangs die Stadt im Griff haben und ehrliche, unbescholtene Bürger sich kaum noch aus dem Haus trauen. Die Gangs – natürlich zu einem Großteil aus Migranten bestehend – finden dann auch recht schnell ihr erstes Opfer, nämlich eine junge Frau (Jodie Whittaker), die eigentlich nur noch Hause möchte. Doch sie kann dem Mob nicht entkommen, wird ausgeraubt und von Jugendlichen erniedrigt, die ihre kleinen Brüder sein könnten. Natürlich kommen sie alle aus dem Plattenbau, auch die junge Frau, die als einzige in der Straße, so scheint es, einen Job hat. Sie ist verärgert, genau so wie es auch Michael Caine in Harry Brown war. Ärger, der sich schnell in Wut und Rachegedanken wandelt. Während Harry Brown allerdings einen militärischen Hintergrund hat und schon einmal gekämpft hat, ist Sam eine zierliche Frau, die der Gewalt nicht zugewandt ist. Doch ihre Rachegedanken muss sie schon bald unterdrücken, denn der Feind ist plötzlich nicht mehr der eigene Nachbar, nicht einmal mehr der Mitbürger, sondern ein Feind von außerhalb. Er ist noch gefährlicher und blutrünstiger als der Mob auf der Straße – und so wird der Feind meines Feindes plötzlich zum Freund.

Es ist schon erstaunlich, wie viele Einstellungen in Attack the Block und Harry Brown nahezu identisch sind. Die langen, leblosen Einstellungen von Plattenbauten, die dreckigen, nur von den Laternen beleuchteten Straßen, sowie die jungen Erwachsenen, die sich durch Mutproben und schließlich Gewalttaten beweisen müssen. Während Harry Brown, der sich immer wieder mit dem Faschismus-Vorwurf auseinandersetzen musste, für dieses Problem eine einfache, aber effektive Lösung präsentiert, schlägt Attack the Block einen völlig anderen Weg ein. Hier werden die eigentlichen Anti-Helden plötzlich zu Helden, die ihr Stadtviertel nicht etwa gefährlicher, sondern sicherer machen. Die Aliens, die ausgerechnet in Südlondon landen müssen, sind eine Bedrohung – nicht nur für die Bevölkerung, sondern auch für die Gang selbst, die ja schließlich die gefährlichste im Block sein möchte. Man könnte sogar so weit gehen und diese Invasion der Aliens als Gentrifizierung verstehen (ich bin gespannt, wann Kritiken erscheinen, die hier sogar Parallelen zu den Schwaben in Berlin ziehen). Plötzlich ist da nämlich ein Wir-Gefühl da, das sich vorher nicht mal wirklich durch die Gangs zog. Nun ist sogar Sam ein Teil der Gang geworden. So wie viele andere.

Insofern ist Attack the Block also eine Art Anti-These zu Harry Brown. Die Intelligenz, der Mut und der Zusammenhalt der Bewohner des Blocks wird hier gefeiert. Somit zieht Cornishs Film ein völlig anderes Fazit als Barbers Film. Natürlich geschieht dies erst in letzter Instant, aber dennoch: Wenn es hart auf hart kommt, zeigen die Möchtegern-Gangster Eier und kämpfen für- und miteinander. Gerade der, der die größte Fresse von allen hat, zeigt, dass hinter der großen Klappe auch etwas steckt. Mit einer heroisch passenden Inszenierung untermauert Cornish seine Sichtweise, die im Gegensatz zu Barbers Herangehensweise fast schon humanistisch erscheint. Eines haben sie aber dann doch noch gemeinsam, nämlich die Hilflosigkeit der Staatsmacht. Die Polizei kommt ihren Verpflichtungen kaum nach, kann nicht wirklich für den Schutz des Blocks sorgen. Ob sie es nicht kann oder einfach nur nicht will, wird dabei nicht klar. Und schon wieder ist man in der Gegenwart angekommen, denn auch in London war die Polizei (zumindest anfangs) einer Übermacht an Krawallmachern (und nichts anderes sind die Aliens) ausgesetzt. Umso mehr stellt der Film somit seine Protagonisten und ihre Taten in den Vordergrund. Es mutet fast schon obligatorisch an, die beiden Filme im Doppelpack zu sehen. Die Reihenfolge ist dabei eigentlich egal, denn so verschieden sie sind, so gleich sind sie dann doch auch wieder.

Vom tagesaktuellen Geschehen aber einmal abgesehen ist Attack the Block ein formal gesehen durchaus gelungenes Debüt, das dem großen Hype allerdings nicht immer ganz gerecht wird. Ja, das creature design ist große Klasse, ja, die Darsteller sind allesamt talentiert. Nur basiert der Großteil des Humors auf der Sprachebene, die durch die Synchronisation komplett verloren gehen dürfte. Trotz vieler Spannungsmomente gibt es aber auch genügend Durchhänger und Rohrkrepierer, die doch etwas ins Gewicht fallen. Da kann der Film mit seinen kleinen Gewaltspitzen, die es immer wieder gibt, schon eher punkten. Attack the Block ist letztlich ein klarer Fall von 'es-wird-heißer-gekocht-als-gegessen'. Und dennoch handelt es sich um eine leckere Mahlzeit. (7/10)


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Aliens in South London: 'Attack the Block' Red Band Trailer

Dass South London nicht gerade ein friedlicher Flecken ist, hat uns Michael Caine erst letztes Jahr in Harry Brown gezeigt. Dito, dass man fast schon Untertitel benötigt, um zu verstehen, was die Protagonisten da eigentlich von sich geben. Besser wird es in Attack the Block wohl auch nicht, im Gegenteil. Jay von Film Junk hatte nämlich selbst als Kanadier große Probleme, die Jugendlichen Süd-Londons zu verstehen. Das tat dem Ganzen aber keinen Abbruch, denn er liebte den Film, in dem Aliens South London invasieren und die Jugendgangs nun einem übermächtigen Gegner gegenüber stehen, um ihren Block zu verteidigen. Der neue Red Band Trailer zeigt dabei nicht nur die Aliens, sondern ist natürlich auch in seiner Gangart deutlich härter als noch der erste Trailer. Es ist der erste Spielfilm von Joe Cornish, der zusammen mit Edgar Wright und anderen das Drehbuch zum neuen Spielberg geschrieben hat.

(Via F5)


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