»Ich bin Sportsmann, kein Schlächter!«

Der Rote Baron
(Nikolai Müllerschön, Deutschland/UK 2008)
Kino

‘Der Rote Baron’Im Prinzip ist Der Rote Baron nichts anderes als ein Biopic vor dem Hintergrund des 1. Weltkrieges, ohne den es den Roten Baron, Manfred von Richthofen (Matthias Schweighöfer), ja auch nicht gegeben hätte. So nimmt der erste Film des Jahres, der sich einen deutschen Helden zum Sujet macht – im Oktober, pünktlich zum Nationalfeiertag gibt es dann ja noch Tom Cruises Valkyrie – also seinen Lauf. Schon in seiner Kindheit, mit der der Film seinen epischen Anspruch von Beginn an deutlich macht, weiß er zwar, wie man mit der Waffe umgeht, doch nutzt er sie nicht – er ist ja schließlich "Ein Sportsmann und kein Schlächter", wie er seinen Kameraden immer wieder einredet. Es herrscht aber nun mal Krieg, auch wenn man es angesichts der eher liebkosenden als kämpfenden, deutschen Piloten bisweilen kaum glauben mag. Selbst die deutsche Führung unter Kaiser Wilhelm und Reichskanzler Hindenburg, die mehr Wachsfigur als Mensch aus Fleisch und Blut sind, scheint auch nicht so recht zu wissen, was da eigentlich vor sich geht in Europa und trinkt lieber Kaffe mit dem Baron – am liebsten im Bunker unter den Schützengräben, wo man dann doch noch etwas vom Krieg mitbekommt. Irgendwie ist es dann aber doch nur ein großer Spielplatz für Männer, die eigentlich nie richtig erwachsen geworden sind.

Vielmehr mag man da schon den Spezialeffekten glauben schenken, die sich – so überraschend das auch klingen mag – definitiv sehen lassen können und einige (teurere) Hollywoodproduktionen mal eben in den Schatten stellen. Keine Spur von Künstlichkeit in diesem Fall, die gibt es höchstens bei Til Schweiger, der zwar nur einen kleinen Part hat, aber in jeder einzelnen Szene deutlich zu verstehen gibt, dass er für den Beruf indem er arbeitet einfach nicht geboren wurde und wenn überhaupt, dann nur für Komödien taugt (wobei seine Szenen mit Fliegerbrille einer gewissen Komik nicht entbehren). Schweighöfer hingegen macht seine Sache ordentlich, auch wenn er es bisweilen zu gut meint, was aber teilweise auch an der Figur des Richthofens liegen mag. Egoismus und Kameradschaft liegen bei ihm sehr nah beieinander und so verschwimmen die Grenzen manchmal etwas, sodass nicht klar zu sein scheint, wer Freund und wer Feind ist. Richthofen war ein Draufgänger, ein arrogantes, aber manchmal liebenswürdiges Arschloch, das sich stets um seine aristokratischen (!) Kameraden zu pflegen schien. Um sich aber auch um den kleinen Mann zu scheren, dafür hat er ja dann seine Käte (zum dahin schmelzen: Lena Headey), die ihm ebendiesen im Lazarett, ihrer Hauptarbeitsstätte – man beachte das gesellschaftliche Gefälle -, zeigt.

Es gelingt dem Film sein Hauptanliegen, nämlich das Näher bringen einer deutschen Größe, seinem Publikum zu vermitteln, keine Frage. Hier liegt ganz klar der Fokus des Filmes. Etwas störend, aber dramaturgisch natürlich kaum anders lösbar, ist das Liebesgeplänkel zwischen dem Baron und seiner Käte. Vielleicht ist das aber auch nur ein Zugeständnis zu den britischen Koproduzenten, die neben Headey sogar noch Joseph Fiennes 'springen ließen'. Blöd nur, dass dieser größtenteils verschenkt ist. Ja, es werden sich viele an diesem Film stoßen, ihn als Kriegs verherrlichend titulieren oder – so ist dies ja auch bei Stauffenberg der Fall – Richthofen weniger als Held, sondern vielmehr als Kriegstreiber sehen. Er und Stauffenberg sind ja auch ambivalente Figuren, das steht, denke ich, außer Frage. Inwieweit bei diesem Film auch das deutsche Historienbewusstsein eine Rolle spielen wird, will ich nicht äußern, es wird aber eine Rolle spielen, auch das dürfte außer Frage stehen, zumal der Film einerseits nichts anderes ist als die deutsche Antwort auf den äußerst anti-teutonischen Flyboys.

Als Film, der sich mit Richthofen und dem 1. Weltkrieg befasst, taugt Der Rote Baron jedenfalls, denn trotz einigen dramaturgischen Schwächen (es kommt einem vor, als ginge er drei Stunden) und triefendem Pathos am Ende – inklusive Texttafeln, die, ja, für Gänsehaut bei mir sorgten, bietet der Film tolle Luftkämpfe, eine tolle Ausstattung und einen bewegenden Soundtrack. Auch wenn Tom Cruise nur selten Recht hat, "Wahnsinn, dass ihr das aus Deutschland gemacht habt!", würde ich dann doch unterschreiben. (6.5/10)


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