Der mächtigste, aber schwächste Mann Amerikas: 'J. Edgar'


Wenn es um die Verfilmung des Lebens eines bedeutenden Amerikaners geht, dann hat Hollywood oft einen starken Hang zu Pathos und Kitsch. Viele werden aber auch außerhalb des bewegten Bildes immer wieder in höchsten Tönen gelobt, obwohl ihr Leben alles andere als honorabel war, auch wenn sie große Taten vollbracht haben. So halte ich Benjamin Franklins Autobiographie beispielsweise bis heute für eine einzige Enttäuschung, die sich weniger auf Franklins signifikante Taten fokussiert, als vielmehr auf seine trivialen Begegnungen mit Hinz und Kunz. Wenn man im Vorfeld nun hörte, dass ausgerechnet Clint Eastwood, jener bekennende Republikaner (wenn auch äußerst gemäßigt), der für sein pathetisches Kino bekannt ist, das Leben des FBI-Gründers J. Edgar Hoover verfilmen sollte, dann war der eine oder andere Zweifel ob der Neutralität des Ganzen wohl durchaus angebracht. Und natürlich ist auch J. Edgar phasenweise voll von Pathos – nur der Blick auf Hoover selbst ist sehr differenziert ausgefallen. Eastwood zeigt J. Edgar Hoover (Leonardo DiCaprio) als eine ziemlich ambivalente Figur der jüngeren US-Geschichte, der die Vereinigten Staaten viel zu verdanken haben, die gleichzeitig aber auch viel Schaden angerichtet hat.

Wir begleiten Hoover im Film in der Gegenwart, den 70ern (also kurz vor seinem Tod), von wo aus er zwei jungen FBI-Agenten seine Lebensgeschichte diktiert, die – und hier wird schon viel über Hoover verraten – geschönter kaum sein könnte. Alles will er quasi im Alleingang geschafft haben: Sei es nun die Gründung des heutigen FBI, die Tötung John Dillingers oder sonstige Meilensteine der Kriminalgeschichte. Und in der Tat, das macht J. Edgar ziemlich deutlich: Hoover war lange Zeit der mächtigste Mann Amerikas. Darf man dem Film auch nur ansatzweise Glauben schenken, dann haben sich selbst Präsidenten – und Hoover hat immerhin unter acht von ihnen gedient – vor diesem Mann gefürchtet. Insbesondere Richard Nixon, den auch Regisseur Eastwood einmal mehr als totalen Versager und Idioten darstellt, was in einer wundervollen Szene zum Ausdruck kommt. Hoover war ein sehr guter Rhetoriker, selbstlos und kannte nur eines: Loyalität. Mit der nahm er es zwar nie so genau, aber welcher Mitarbeiter nicht zu einhundert Prozent hinter ihm stand, dessen Karriere beim FBI war so schnell zu Ende, wie sie begonnen hatte.

Dass diese Selbstlosigkeit und das geradlinige Verfolgen der eigenen Agenda/Ideologie aber auch persönliche Opfer fordert, dürfte dabei nicht überraschen. Hoover lebt ewig bei seiner Mutter, obwohl sie nicht auf ihn angewiesen ist. Er ist aber auf sie angewiesen, denn sie scheint die einzige zu sein, die ihm je nahestand. Nach einem gescheiterten Date mit seiner Sekretärin Helen Gandy (Naomi Watts) traut er sich nie wieder an das weibliche Geschlecht – vielmehr wird er zum emotionalen Krüppel, der selbst in intimsten Momenten mit seinem 'Freund' Clyde Tolson (Armie Hammer) nicht zu ihm steht und ihn damit immer weiter verletzt. Zumindest ist Hoover um sein Bild in der Öffentlichkeit besorgter als um seine Beziehung zu Tolson. Erst als es zu spät ist, erkennt er, wie wichtig ihm sein loyalster aller Mitarbeiter doch ist. Es sind Momente wie diese, in denen Eastwood dann natürlich die Emotionsklaviatur spielt und die Geschichte (im doppelten Sinne) dramatisiert. Es sind aber auch gerade diese Momente, die einen Eastwood zu einem Eastwood machen. Hoover ist hier keine abstrakte Geschichts-Figur aus einer Schuldoku, sondern ein greifbarer Mensch aus Fleisch und Blut.

Ohnehin versteht es Eastwood nahezu perfekt, seinen Film nicht nur ein emotionales Biopic und klassisches Erzählkino sein zu lassen; vielmehr ist J. Edgar auch ein spannender Streifzug durch fünf Jahrzehnte US-amerikanische Geschichte. Die erste Weltwirtschaftskrise, die Gründung des FBI, die Weltkriege, die kommunistische Gefahr, die schwarze Bürgerbewegung, die Ermordung Kennedys – das alles spricht Clint Eastwood an, ohne dabei geschwätzig oder gar selbstzweckaft zu werden. Natürlich merkt man dem Film die eine oder andere Länge an, aber allein für DiCaprio und noch mehr für Armie Hammer sollte man sein Sitzfleisch trainieren. Nicht nur ihr Makeup ist Oscar-verdächtig, sondern vor allem Armie Hammers Performance, die für Gänsehaut sorgt. J. Edgar ist Eastwood-Kino, wie man es kennt und liebt. Sein Film ist keine Abrechnung mit J. Edgar Hoover, aber auch keine Verehrung. J. Edgar, in kühle, manchmal gar triste Töne getaucht, ist ein nüchternes filmisches Denkmal für einen Mann, der in seiner ganz eigene Welt lebte. Eine Welt, in der wohl nur ganz wenige hätten Leben wollen. (8.5/10)


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Und noch so 'n Hirnfurz: 'American Psycho' Remake


Es ist noch keine Woche her, dass ein Remake von Starship Troopers angekündigt wurde, da kommt Hollywood auch schon mit dem nächsten Hirnfurz um die Ecke. Das Remake-Opfer dieses Mal: American Psycho aus dem Jahr 2000! Noble (!) Jones, Second Unit Director bei The Social Newtork, wird das Drehbuch schreiben, Lionsgate hat entschieden, dass es nur ein sehr kleines Budget geben wird. Wie The Playlist weiter berichtet, soll das Setting ins heutige New York verlegt werden. Wieso kann man sich da nur fragen!? Wer Bret Easton Ellis' Roman kennt, der weiß, dass die Adaption ziemlich getreu ist und ohnehin niemals eins zu eins umgesetzt werden könnte. Und jemand anderes in der Rolle als Christian Bale? Ohne Worte! Da will man ganz Pat Bateman-like am liebsten die Axt aus dem Kämmerchen holen und irgendetwas kurz und klein hacken … "Hey, Noble Paul!"


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Trailer zu Clint Eastwoods Biopic 'J. Edgar'

Clint Eastwood meldet sich zurück! Dieses Mal hat er ein Biopic über den FBI-Gründer und Direktor J. Edgar Hoover gedreht, gespielt von Leonardo DiCaprio. In Michael Manns Public Enemies drang ja schon etwas von Hoovers Figur durch, deren Leben Eeastwood sich in J. Edgar etwas detaillierter annimmt. Der Trailer schindet jedenfalls durchaus Eindruck – typisches Hollywooderzählkino Marke Eastwood eben. Da dürfte auch die Oscarnominierung schon so gut wie sicher sein. Deutscher Start ist am 16. Februar 2012.


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