Für alle, die denken, dass Print tot sei … Der Gegenbeweis!

Erst vor kurzem hat es die Financial Times Deutschland erwischt, wie wir alle wissen. Ja, wer im Jahr 2012 noch auf Print setzt, der hat es schwer, denn jede Woche hören wir aufs Neue, dass Print tot sei. Doch weit gefehlt, wie das belgische Newspaperswork, die Marketing-Plattform der belgischen Zeitungsverlage, eindrucksvoll beweist. Zusammen mit der Agentur Duval Guillaume hat Newspaperswork nämlich einen ziemlich geilen Spot auf die Beine gestellt, der Vertreter der Top-Werbekunden wie Coca-Cola, BNP Paribas (die größte Bank Europas) und Telenet einen Tag lang mit der Limousine von Termin zu Termin fährt und ihnen dabei eine Tageszeitung in die Hand drückt. Wird die Aufmerksamkeit der Leser wirklich auf dem Printerzeugnis bleiben? Seht selbst …

(Via meetinx)


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Oscar Shortlist: 'Under Fire: Journalists in Combat' Doku Trailer

Dass es nicht immer ungefährlich ist, Journalist zu sein, dürfte beim Leser/Zuschauer spätestens dann ankommen, wenn die Rede von Kriegsreportern ist. Jüngst wurde beispielsweise Tim Hetherington, der in Libyen als Kriegsfotograf arbeitete, im Dienst getötet. Man könnte die Liste ewig lang fortsetzen, denn es sind nicht nur die Reporter selbst, die sich in Gefahr begeben, sondern auch ihre Kameraleute und Fotografen. Die Doku Under Fire: Journalists in Combat widmet sich den Journalisten, die sich in Krisen- und Kriegsgebiete begeben, damit die Öffentlichkeit zu Hause möglichst viele Informationen erhält. Der Film befindet sich ebenfalls auf der Oscar-Doku-Shortlist und kam durch die Mithilfe von Reportern von BBC, CBC, Reuters, NY Times und Times of London zustande.


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Worte sind wertvoll: Redakteursstreik im streikblog0711


Vielleicht hat es der eine oder andere mitbekommen: Zeitungsredakteure und Volontäre streiken derzeit – vor allem im Süden des Landes. Ich selbst kenne Kollegen von der Stuttgarter Zeitung, die betroffen sind, weshalb ich an dieser Stelle ebenfalls auf das streikblog0711 der Stuttgarter Zeitungsredakteure aufmerksam machen möchte. Ich habe mich mit genanntem Kollegen bereits darüber etwas ausgetauscht, und wer die Medien etwas verfolgt (u.a. hat zapp darüber berichtet), der weiß, dass diese Streiks mehr als gerechtfertigt sind. Das Gehalt, mit dem die Redakteure – und vor allem Volontäre – in Zukunft abgespeist werden sollen, ist jenseits von Gut und Böse und ermöglicht ferner keinen guten und kompetenten (Lokal-)Journalismus mehr. Dass sich die Verleger damit wieder mal nur selbst ins Bein schießen, verstehen sie wohl genau so wenig, wie sie die gesamte Zukunft des Printjournalismus nicht verstehen.

Genau das ist auch der Grund, weshalb die StZ und die StN in den letzten Wochen so mager ausgefallen sind – aber wenn man es Verleger und Leser nicht spüren lässt, dann hat das Ganze ja auch keinen wirklich sein, nicht? Heute Mittag um 15 Uhr geht der Streik dann in die nächste Runde, es wird auf dem Schlossplatz gestreikt – mit einer Mischung aus Unterhaltung und Information, wie man auf dem streikblog0711 nachlesen kann. In diesem Sinne: support your local Redakteur/Volontär, wie es die Kollegen von Kessel.TV auch tun (und deren treffende Überschrift ich quasi geklaut habe)!


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Münsterscher Lokaljournalismus und Twitters Schattenseite


Es war ungefähr halb eins als ich Firefox öffnete und Echofon die neuesten Tweets aufbereiten lies. Ich rechnete mit dem Üblichen: nützliche Links, persönliche Statusmeldungen, Leute, die sich via foursquare irgendwo einloggen und natürlich rechnete ich auch mit etwas Spam (der gehört ja irgendwie dazu). Als ich das erste Mal das Wort 'Blumenkübel' in einem Tweet las, dachte ich mir auch noch nichts Böses. Doch dann, immer mehr Tweets, die entweder das bloße Wort oder gar den Hashtag 'Blumenkübel' beinhalteten. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt keinen blassen Schimmer, was es mit all den Blumenkübeln auf sich hatte. Es interessierte mich auch nicht weiter, denn ich wusste nur eines sicher: es ging mir gehörig auf den Zeiger!

Die Tweets nahmen sukzessive zu, langsam wollte ich doch wissen, was es damit auf sich hat, und einige Twitterer waren dann auch so freundlich auf den Ursprung allen Übels zu verlinken, nämlich einen Artikel, genauer gesagt eine Art Polizeibericht, auf dem Onlineangebot der Münsterschen Zeitung. Der Artikel selbst ist nicht der Rede wert, einige wenige Zeilen über einen Sack Reis, der in China umfiel über einen Blumenkübel, der in Neuenkirchen umgestoßen wurde. Natürlich ist das Ganze hanebüchen, aber wer wie ich die Arbeit einer Lokalredaktion kennt, der weiß, dass jedes noch so kleine Ereignis von mehr oder weniger großer Relevanz ist. Ja, das ist eben Lokaljournalismus: heute die Theateraufführung der fünften Klasse einer Hauptschule, morgen die Vorstandssitzung des Kleintierzuchtvereins, übermorgen eben einige kaputte Blumenkübel. Der Zeitung und speziell der Verfasserin des Artikels – wohl eine Praktikantin oder eine Volontärin – ist also alles andere als ein Vorwurf zu machen.

Dieser ist schon viel eher all den Möchtegernspaßvögeln auf Twitter zu machen, die diese Meldung in Massen auf den Arm nahmen, indem sie irgendwelche Meldungen twitterten, die – in welcher Form auch immer – den Blumenkübel involvierten. Ich bin seit über zwei Jahren bei Twitter und twittere selbst für mein Leben gern; seit es das Licht der Welt erblickt hat, hat Twitter immer und immer wieder gezeigt, von welcher Relevanz der Microbloggingdienst bisweilen ist und das selbst die Leitmedien (Twitter ist ja mittlerweile selbst eines) nicht mehr um diesen Dienst herumkommen. Es sind aber genau Momente wie dieser, in denen Twitter seine Schattenseiten offenbart. Jeder meint, er müsse auf den Zug aufspringen, jeder fürchtet Follower oder die Aufmerksamkeit zu verlieren, wenn er diesen 'Trend' nicht mitmacht. Das größte Problem dabei jedoch: jeder versucht lustiger zu sein als der andere und dem Ganzen noch eines draufzusetzen – meist, nein, in diesem Fall immer, ein vollkommener Schuss in den Ofen, denn lustig war nicht ein einziger Tweet, der sich da in meiner Timeline befand.

Und als wäre das noch nicht genug, partizipierten ab einem gewissen Zeitpunkt sogar die großen Medien (@StZ_Stuttgart, @ZDFonline), spätestens hier war für mich klar, dass ich meinen Client für einige Stunden schließen musste, um nicht weiter zugespammt zu werden. Dass die Münstersche Zeitung selbst zu diesem Phänomen Stellung nimmt, ist dabei völlig in Ordnung, aber dass der Blumenkübel sogar in den Trending Topics auftaucht nur ein weiteres Armutszeugnis – erst recht wenn sich ausländische Twittere zurecht fragen, was mit uns Deutschen eigentlich los sei und dies gar böse kommentieren. In solchen Momenten denke ich dann auch an Bekannte und Freunde zurück, die Twitter stets verdammten, weil es ja keinen interessiere, was der andere gerade so von sich gibt. Recht haben sie, in solch einem Moment schäme ich mich dann doch auch Twitterer zu sein. In diesem Sinne: beruhigt Euch mal alle wieder, lasst den Hype abflachen und den Lokaljournalismus weiter seine Arbeit machen. Und bitte, dass Ihr lustig sein könnt, das bekomme ich so gut wie jeden Tag mit, aber das heute war wirklich schlimmer und unlustiger als das Gros der deutschen Comedy.


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Ein Abiball inklusive vermeintlicher Polizeigewalt


Ich erinnere mich noch genau daran. Daran, dass ich im Verlauf meines Grundstudiums mindestens zwei Mal gefragt wurde, ob das Goldberg-Gymnasium Sindelfingen nicht dieses Elitegymnasium sei. Nein, erwiderte ich stets, auch wenn ich sofort die Vorzüge der Schule nannte (u.a. Kunstprofil und die Gesprächsreihe 'Gespräche am Goldberg' bzw. 'Goldberg Aktuell'). Fünf Jahre ist es nun her, dass ich mit der Schule fertig bin, auch wenn mich seit meinem Abitur im Jahre 2005 noch immer viel mit dem GGS verbindet. Man ist stolz auf diese Schule, besonders als Abgänger, und das nicht nur im Kreis Böblingen. Dies könnte sich für zukünftige Abgänger jedoch ändern, denn der Jahrgang 2010 ist nicht gerade der Beste, wurde er Samstag doch signifikant in Mitleidenschaft gezogen. Nicht, dass der ganze Jahrgang aus Raufbolden bestünde, nein, aber die Rückflussmechanismen kann keiner aufhalten, die nun auf die Schule, den Jahrgang und besonders einige Abiturienten einwirken.

Was ist passiert? Vergangenen Samstag feierte der '10er-Jahrgang des GGS den Abiball in der Sindelfinger Stadthalle. Gegen drei Uhr morgens, also lange nach dem Ende des offiziellen Programms, wurde die Polizei von Anwohner gerufen, die sich in ihrer Nachtruhe gestört fühlten. Nichts Besonderes, kommt vor, auch wenn es angesichts der Lage der Stadthalle doch ziemlich laut gewesen sein muss, dass sich Anwohner belästigt fühlten. Die herbeigerufenen beiden Polizeibeamten trafen ein und ab hier gibt es nun zwei verschiedene Darstellungen. Während die Abiturientenseite von Polizeigewalt spricht, beharrt die Böblinger Polizei auf einen Übergriff durch die jungen Erwachsenen. Was ist in jener Nacht wirklich geschehen? Das ist nun das Ziel nicht nur der Presse, sondern auch der Polizei und des frisch gegründeten AK 11. Juli. Hohe Wellen in der regionalen Presselandschaft haben die Ereignisse bereits geschlagen (siehe Linksammlung unten), es wird fleißig diskutiert, leider nicht immer im Sinne der Dialektik und des guten Geschmacks.

Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis auch überregionale Medien auf das Thema aufmerksam werden dürften, zumal die Thematik ja gerade hochaktuell ist. Ob dies der ganzen Sache hilft, ist jedoch eine andere Frage, denn die Leitmedien dürften sich es kaum leisten können eigene Redakteure darauf anzusetzen, und so wird man sich wohl auf die wenigen lokalen Berichterstatter konzentrieren, die ihre Nachforschungen hoffentlich objektiv anstellen dürften. Gerad hier sehe ich aber auch eine Chance für den Lokaljournalismus, denn statt Theateraufführungen oder neu eröffneten Busbahnhöfen hinterherzurennen, gibt es nun die Chance quasi investigativen Journalismus zu betreiben, sprich Anwohner, Behörden und sonstige Zeugen zu befragen und einen Blick über den Tellerand zu wagen. Das mag vielleicht etwas zäh sein, aber der Leser – und natürlich auch die beiden Streitparteien – wird es begrüßen. Ganz zu schweigen vom GGS, dessen Schulleiter sich fair zeigte und die Ermittlungen abwarten will, bevor er Konsequenzen (welche auch immer, schließlich sind die Beteiligten keine Schüler des GGS mehr) ziehen will.

Ich für meinen Teil kann zur Aufklärung nicht viel beitragen, denn ich war an besagter Nacht nicht anwesend, kenne aber einige der Beteiligten. Natürlich könnte auch ich jetzt mutmaßen, was tatsächlich geschehen ist, aber das wäre nur ein weiterer Tropfen auf den ohnehin zu heißen Stein, und zudem ziemlich anmaßend. Sicher ist hingegen nur, dass die Geschichten beider Seiten offensichtliche Ungereimtheiten offenbaren. Wie kommt es beispielsweise dazu, dass besagte Gruppe zufällig (!) das Lied 'Bullenschweine' anstimmt – mit äußerst bedenklichen Lyrics – als die Polizei eintrifft (und sie wissen müssen, dass sie bereits wegen Ruhestörung Ärger bekommen werden)? Und warum kann sich einer der jungen Erwachsenen nicht ausweisen oder will es sogar gar nicht? Aber auch die Polizei scheint Fehler begangen zu haben, denn mit Pfefferspray und Schlagstöcken gegen Abiturienten vorzugehen, die zwar in Überzahl sind und zudem teilweise betrunken, ist nicht nur überzogen, sondern dürfte auch auf keiner Polizeischule dieses Landes gelehrt werden.

Einige Kommentatoren in den Onlineauftritten der Stuttgarter Zeitung und der Stuttgarter Nachrichten bemerkten die de-facto-Konsequenzen des ganzen Vorfalls hingegen richtig: es hat nicht nur der Ruf des Goldberg-Gymnasiums gelitten, sondern auch der Ruf eines ganzen Abiturjahrganges, denn zukünftige Arbeitgeber würden sich den Abiturjahrgang '10 aus Sindelfingen ganz genau ansehen. Das ist natürlich insofern traurig, als es auch all jene betrifft, die mit dem Vorfall nichts zu tun haben, allen voran die Gruppe betroffener Abiturienten, die nach wie vor als unschuldig anzusehen ist. Unschuldsvermutung, anyone? Eine Wiederholung des Falles Kachelmann wünscht sich ja schließlich keiner, oder? Schließlich geht es bei den jungen Menschen nicht etwa um einen Ruf oder ein Business wie bei Kachelmann, sondern es geht hier schlichtweg um ihre Zukunft, die noch komplett vor ihnen liegt. Ferner geht es auch um den Ruf der Polizei, nicht nur im Kreis, sondern in ganz Deutschland, der – mal zurecht, mal weniger zurecht – gerade ohnehin stark angeschlagen ist. Ungünstiger hätte dieser Vorfall nicht kommen können, und das für alle Beteiligten.

Links zur Berichterstattung:

'Polizisten bei Abi-Feier verletzt'
'SWR3 Nachrichten'
'Das traurige Ende eines Abi-Balls'
'Festnahmen, Schlagstöcke und Pfefferspray auf Abschlussfeier'
'Schwere Vorwürfe gegen die Polizei nach Abi-Ball in Sindelfingen'
'Zwei Polizisten bei Abi-Feier verletzt'
'Tumulte bei der Abifeier'
'Abiturienten kritisieren Angriff der Polizei'
'Offizieller Polizeibericht'


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