Christophs Top 10 des Kinojahres 2011


An dieser Stelle die Top 10 des Kinojahres 2011 von Christoph Gumpert

Im abgelaufenen Kinojahr gab es ganze 54 Filme, die ich auf einer Skala von 0-10 im Bereich von 8-10 ansiedeln würde. Daraus eine Top 10 auszuwählen gestaltet sich durchaus schwierig und wenn ich mit meinen Ausführungen fertig bin hat sich bestimmt noch der ein oder andere Platz verschoben oder wurde gänzlich ausgetauscht.

Sechs Filme haben die Top 10 besonders knapp verfehlt: Der Plan mit der perfektesten Leinwandchemie des Jahres zwischen Matt Damon und Emily Blunt, der zurecht mit mehreren Oscars und zahlreichen weiteren Preisen bedachte The King's Speech, das experimentelle Doku-Projekt Life in a Day, einer der emotional mitreissendsten Filme des Jahres und Centerpiece des Fantasy Film Fest Perfect Sense, Susanne Biers mit dem Oscar für dem besten fremdsprachigen Film ausgezeichnetes Drama In einer besseren Welt, sowie das opulente Animationsspektakel Kung Fu Panda 2.

Auch bei der Top-Liste gilt, dass ich leider nicht alle potenziellen Kandidaten sehen konnte. Dazu gehören vor allem: This Must Be The Place, Eine dunkle Begierde, Die Haut in der ich wohne, Restless und Eine offene Rechnung. Berücksichtigt wurden, wie schon bei der Flop 10, lediglich Filme, die im Jahr 2011 einen deutschen Kinostart hatten. Wiederaufführungen, wie die restaurierte Langfassung von Fritz Langs Metropolis und Disney's König der Löwen wurden ausgeschlossen.

Platz 10: Der Gott des Gemetzels

Zwei Elternpaare treffen sich um über ein Aneinandergeraten ihrer beiden Söhne zu sprechen. Was völlig normal und gefasst beginnt, schaukelt sich langsam hoch bis hin zu völligem Chaos und liefert im Ergebnis: ganz großartiges Darstellerkino! Damit ein Film wie Der Gott des Gemetzels funktioniert, braucht man großkalibrige Schauspieler wie Christoph Waltz, Kate Winslet, Jodie Foster und, einen der unterschätztesten Schauspieler überhaupt, John C. Reilly. Alle vier laufen hier zu Bestform auf und jeder einzelne hätte einen Oscar für seine Leistung verdient. Ebenso Regisseur Roman Polanski, der das auf einem 80-seitigen Theaterstück basierende, zunehmend aufbrausende Kammerspiel perfekt in Szene gesetzt hat. Ich hätte dem Treiben gerne noch länger als die 76 Minuten bis zum Abspann zugeschaut, aber so ist der Film ein kurzweilig, durchgehend sehr unterhaltsames Stück Kino.

Platz 9: Geständnisse – Confessions

Confessions ist ein ganz besonderes und eigenes Rachedrama, das durchaus Tiefgang zu bieten hat. Der Film beginnt mit einem 20minütigen Eröffnungsmonolog, in dem eine Lehrerin ihrer Klasse enthüllt, dass der Tod ihrer Tochter, von der Polizei als Unfall eingestuft, in Wahrheit ein von zwei ihrer Klassenkameraden ausgeübter Mord war. Dabei verrät sie nicht nur, wer diese beiden Schüler sind, sondern auch, wie sie sich an ihnen rächen will. Dieser Monolog wird beinahe schon unerträglich ruhig vorgetragen und übt eine hypnotische Gewalt auf den Zuschauer aus. Doch dann folgt eine schockierende Enthüllung auf die nächste und die Charaktere zeigen ihr wahres Gesicht. Rache ist ein Gericht, das man am besten kalt serviert. Und wie kalt sie hier serviert wird! Selbst die Bilder wirken blau-lastig unterkühlt. Doch Matsu Takako schafft es bei der kompromisslosen Ausführung ihres Racheplans dem Zuschauer auch die Emotionen ihrer Figur zu vermitteln und Mitgefühl zu wecken. Wirklich Sympathie für eine der beiden Parteien zu empfinden und sich auf deren Seite zu stellen ist trotzdem schwer bis unmöglich und das ist auch gut so. Confessions ist ein verstörender und brutaler Film (und das nicht nur im blutigen Sinne), ein perfekt geschriebener und ebenso makellos inszeniertes Rachedrama, das seinesgleichen sucht.

Platz 8: Super 8

J.J. Abrams's Film ist wie eine Mischung aus Stand By Me, Die Goonies, ein bisschen E.T. mit einem Schuss Cloverfield. Endlich wieder ein Sci-Fi-Streifen, bei dem die Charaktere nicht einfach egal sind sondern man wirklich mitfühlt und -fiebert. Die Kinderdarsteller leisten hervorragende Arbeit und wirken sehr natürlich, was vor allem daran liegen mag, dass es für einige von ihnen das erste Mal vor der Kamera war. Elle Fanning begeistert hierbei am meisten. Es ist Abrams hoch anzurechnen, dass die menschliche Geschichte und deren Charaktere immer im Vordergrund stehen, während er im Hintergrund durchaus beeindruckende Actionsequenzen abfeuert. Ein geschickter Zug, dass er es, was auch immer es sein mag, erst extrem spät zeigt. Zu jedem Zeitpunkt spürt man die Liebe zum Filmemachen und die Bewunderung für den frühen Steven Spielberg. Super 8 fühlt sich an, wie eine große Hommage an das (Sci-Fi-)Kino der 80er Jahre, ist aber letztlich viel mehr als nur das. In Zeiten leerer, emotionloser Materialschlachten à la Transformers eine dringend nötige, willkommene Abwechslung und eine Erinnerung daran, wie gut Science-Fiction-Kino sein kann. Ein fantastischer Film!

Platz 7: Die Abenteuer von Tim und Struppi – Das Geheimnis der Einhorn

Genau SO hätte ein vierter Indiana Jones Film sein müssen. Steven Spielberg hat es halt doch noch drauf, einen packenden Abenteuerfilm zu machen. Durchgehend spannende Handlung, optisch atemberaubend, großartige Action (und sicherlich DIE Actionsequenz des Jahres), da stimmt einfach alles. Allein technisch ein echtes Brett, der Film. Was man hier auf der Leinwand präsentiert bekommt sieht so unglaublich gut aus, da kann man schonmal vergessen, dass man in einem Animationsfilm sitzt. Die Kameraführung ist auffällig toll, in einem Animationsfilm hat man eben einfach andere Freiheiten und die bereits erwähnte Actionsequenz des Jahres folgt dem fulminanten Geschehen etwa 10 Minuten ohne einen einzigen Schnitt. Wahnsinn! Auch wurde nie Performance Capturing so perfekt eingesetzt wie hier, da hat sogar Daniel Craig mehr als 2 Gesichtsausdrücke. Endlich löst man sich von dem Glauben, eine auf Performance Capturing basierende Figur müsse hinterher auch so aussehen wie ihr Darsteller. Statt dessen bildet man die Charaktere so originalgetreu wie möglich ab und haucht ihnen echtes Leben ein. Insgesamt wurde der Film der Vorlage getreu umgesetzt und bietet viele kleine Anspielungen auf andere Hefte. Was will man mehr? Naja, MEHR DAVON!

Platz 6: Die Frau die singt – Incendies

Zwei Geschwister machen sich nach dem Tod ihrer Mutter auf die Suche nach ihrem Vater und ihrem Bruder um ihnen jeweils einen Brief der Mutter zu überbringen. Ihre Reise führt sie von Kanada in den Mittleren Osten und zu einer Unmenge Entdeckungen über die Vergangenheit ihrer Familie. Womöglich mehr, als ihnen lieb ist. Regisseur Denis Villeneuve inszenierte eine intensive, absolut kompromisslose, emotionale Achterbahnfahrt und mehr als einmal wird man als Zuschauer fassungslos und schockiert auf die Leinwand starren. Mieses Gefühl im Magen garantiert. Eigentlich ein perfekter Film. Das einzige, was ich kritisieren kann, ist, dass er am Ende schlicht zu konstruiert ist um komplett zu überzeugen.

Platz 5: Midnight in Paris

Eine fantastische und unsagbar witzige Komödie von Woody Allen! Eine Liebeserklärung an Paris, den Film, die Literatur, die Kultur. Um wirklich Spaß an dem Film zu haben, ist einiges an literatur- und kunstgeschichtlicher Vorbildung von Vorteil. Das hochkarätige Darstellerensemble ist durchgehend sehr gut, bis in die kleinsten Rollen ist der Film perfekt besetzt, doch begeistern kann allen voran Owen Wilson. Dieser darf hier endlich unter Beweis stellen, dass er die Bezeichnung Schauspieler verdient und weit mehr kann, als niveauloses Geblödel. Ein entscheidendes Plot-Detail wurde in den Trailern übrigens gekonnt unter den Tisch fallen gelassen, auf den Covern der deutschen Heimkinoveröffentlichungen leider jedoch nicht. Weniger zu wissen ist wieder einmal mehr! Der beste Woody-Allen-Film seit langem und einer seiner großartigsten Werke überhaupt.

Platz 4: Nader und Simin – Eine Trennung

Ganz großes Kino aus dem Iran, einem Land, in dem Filmemachen gar nicht mehr möglich sein sollte. Man sollte am besten gänzlich unvoreingenommen an den Film herangehen und im Vorfeld möglichst wenig über seinen Inhalt wissen. Soviel sei gesagt: diese Geschichte einer Trennung ist ein durchgehend spannendes, packendes und sehr menschliches Drama, das von einem glaubwürdigen, nachvollziehbaren Script, beeindruckender Regie und perfekten Darstellern getragen wird. Völlig zurecht hat der Film auf der Berlinale Preise für den Besten Film und Beste Darsteller/in abgeräumt. Dem Oscar für den besten fremdsprachigen Film dürften allenfalls politische Gründe im Weg stehen.

Platz 3: The Tree of Life

Terrence Malick lässt sich in der Regel viel Zeit um einen neuen Film zu machen, doch wenn es dann soweit ist, kann man sich (fast immer) sicher sein, großes Kino auf der Leinwand zu erleben. The Tree of Life ist keine Ausnahme. Der Film mag nicht gerade leicht zugänglich zu sein und manch einer wird aufgrund des teils sehr religionslastigen Inhalts und der gesamten 'Arthouseigkeit' überhaupt keinen Zugang finden. Doch wer sich auf den Film einlässt und etwas Gabe zur Eigeninterpretation mitbringt kann in The Tree of Life viel entdecken. Mit- und Nachdenken ist hier wahrlich nötig, denn Malick sprengt bei seinem neuesten Geniestreich jegliche klassiche Erzählform und spannt seine Geschichte, in dessen Zentrum ein Familiendrama steht, von der Entstehung der Welt bis ins Jenseits. Ein höchst ambitioniertes Werk, das in unfassbar schönen Bildern eingefangen wurde. Wer also inhaltlich keinen Zugang findet, kann sich immernoch von der großartigen Bilderflut erschlagen lassen. Ein Film, den man im Kino gesehen haben muss! Anmerkung: Die erste Schnittfassung ging offenbar 8 Stunden, die Kinofassung hingegen nur 139 Minuten. Angeblich arbeitet Malick an einer 6-stündigen Fassung. Diese wäre dann möglicherweise leichter verständlich. Ich würde sie jedenfalls sofort ansehen!

Platz 2: Black Swan

Bereits im Januar kam Black Swan in die deutschen Kinos und was war das für ein Auftakt in das neue Kinojahr! Zuzuschreiben ist dies vor allem zwei Personen: 1. Natalie Portman, die hier eine unglaubliche toure de force hinlegt und eine der besten darstellerischen Leistungen hinlegt, die ich in den letzten Jahren gesehen habe. Kein Skandal über darüber, wie groß der Anteil der von ihr selbst dargebotenen Ballettszenen nun wirklich war, kann daran rütteln. Der Oscar musste kommen und er kam. 2. Darren Aronofsky. Auch er hätte meines Erachtens einen Oscar für seine Regieleistung verdient gehabt. Der Beitrag des Regisseurs zu großen darstellerischen Leistungen wird oft vernachlässigt und neben Natalie Portman führt er auch Vincent Cassel und Mila Kunis extrem gekonnt. Mit nur 13 Millionen Dollar hat Aronofsky einen ungemein packenden Film mit intensiver, geradezu elektrisierender Bildsprache geschaffen. Und obwohl man schon früh ahnen kann, wie der Film endet (und ein besseres Ende ist nicht denkbar), blickt man als Zuschauer dennoch über die gesamte Laufzeit gebannt auf das spannende Treiben. Lange war ich fest davon überzeugt, dass im Kinojahr 2011 kein Film mehr kommen könnte, der das Potenzial hätte Black Swan vom Thron zu stoßen. Doch dann kam …

Platz 1: Melancholia

Zu Lars von Triers Meisterwerk Melancholia muss ich wohl kaum noch viele Worte verlieren, dies habe ich ja schon mehr als ausführlich an anderer Stelle getan. Es ist der Film, der mich in diesem Jahr am meisten gepackt hat und über seine volle Laufzeit mitreissen konnte, der mich hinterher noch lange beschäftigt hat und auch nach Zweitsichtung nichts von seiner ungemeinen Kraft verloren hat. Meine ausführliche Meinung kann man hier nachlesen.


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Die Top 10 des Kinojahres 2011


Es ist wieder mal rum! Vorgestern sind die letzten Filme für dieses Jahr in den deutschen Kinos angelaufen, DVD- und Blu-ray-Veröffentlichungen bekommt man bis heute noch in den Videotheken. Insgesamt ein ordentliches Jahr, wie ich finde. Keine allzu vielen Highlights, aber auch keine vielen Enttäuschungen. Ich will mich an dieser Stelle auch nicht etwa über Statistiken oder dergleichen auslassen – wobei fest steht, dass ich in diesem Jahr nicht sehr häufig im Kino war, vieles habe ich auf Blu-ray nachgeholt -, sondern vielmehr auf zwei Dinge eingehen. Zum einen hatte ich sehr, sehr lange keine eindeutige Nummer eins. In den letzten Jahren wusste ich meist schon im ersten Halbjahr, was mein Favorit sein würde. Dieses Jahr hat es sehr lange gedauert, da ich ihn erst sehr spät gesehen habe.

Des Weiteren ist es auch keine Nummer eins, von der ich in allerhöchsten Tönen spreche oder die ich gar mehrmals gesehen habe. Sie ist eher eine Notlösung, da mich in diesem Jahr – was eigentlich sehr traurig ist – kein Film so richtig von den Socken gehauen hat. Einzelne Szenen oder Momente, ja, aber kein Film als Ganzes. Das hat mir 2011 schon irgendwie gefehlt. Natürlich stört es mich auch ein klein wenig, dass ich nun quasi die Standard Nummer eins habe, die man in diesen Tagen auf gefühlt jeder zweiten Liste liest. Aber sei's drum, das spricht nur weiter für den Film, dessen eine Sequenz ich so schnell nicht wieder vergessen werde.

Zum anderen wäre da die traurige Tatsache, dass die deutschen und amerikanischen Starttermine immer weiter auseinander klaffen. Die Hälfte nicht nur meiner Liste, konnte man so schon im letzten Jahr bei der amerikanischen Kritik finden. In diesem Jahr finden sich bei den amerikanischen Kollegen dafür wieder Filme, die bei uns erst kurz vor den Oscars oder gar danach anlaufen (z.B. Drive und Hugo). Dass das markttechnische Gründe hat, ist mir durchaus bewusst und macht ja auch Sinn, ist aber insofern schade, als sich die Listen dadurch immer weniger decken und eben um ein oder sogar mehrere Jahre nach hinten verschieben – erst recht bei den Dokus. Würde man nun ganz auf Festivaltermine verzichten und lediglich deutsche Kino- und Videostarts berücksichtigen, dann hätte ich mir meine Top 10 fast schon aus den Fingern saugen müssen.

Bevor wir zu den Filmen kommen vielleicht noch einige Filme, die ich nicht mehr geschafft habe zu schauen. Allen voran The Skin I Live In (La piel que habito), A Separation (Jodaeiye Nader az Simin) oder Hobo With a Shotgun. Besonders den Almodóvar hätte ich gern gesehen, weil ich anfangs überhaupt kein Interesse hatte, sich die positiven Stimmen dann aber überschlugen – und spätestens als ich von Nip/Tuck-Reminiszenzen hörte, hatte er mich. Sogar einen major wie The Fighter habe ich noch immer nicht gesehen (was diverser Meinungen aber auch nicht weiter schlimm sein soll). Das werde ich dann eben im kommenden Jahr nachholen. Plus weitere viele gute Filme, hoffe ich.

10. The Devil’s Double

09. Midnight in Paris

08. The King’s Speech

07. Black Swan

06. Super 8

05. Transformers: Dark of the Moon

04. The Veteran

03. Scream 4

02. The Woman

01. The Tree of Life

Runners-up: I Saw the Devil (Akmareul boatda), Margin Call, New Kids Turbo, Take Me Home Tonight, SUPER, A Serbian Film (Srpski film)


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Christophs Flop 10 des Kinojahres 2011


An dieser Stelle die Flop 10 des Kinojahres 2011 von Christoph Gumpert

Das Jahr 2011 ist zu Ende und die gesamte Internetgemeinde ist fleißig am Listen-Erstellen. Wir lieben Listen einfach. Die größten Politikskandale, die peinlichsten Promifotos, die süßesten Tiervideos auf Youtube … Alles Erdenkliche muss in Rangfolge gebracht werden. Zeit auch für mich einmal einen Blick auf das Kinojahr 2011 zu werfen und meine persönlichen Top- und Flop-Filme des Jahres aufzulisten. Berücksichtigt werden hierbei jeweils nur Filme, die im Jahr 2011 einen deutschen Kinostart hatten.

Zunächst hole ich aus zu dem, was immer am meisten Spaß macht, zum großen Rundumschlag gegen die Crème de la kotz, den Abschaum, den letzten Dreck, der es irgendwie auf die deutschen Leinwände geschafft hat. Filme, welche die Bezeichnung Film gar nicht verdienen. Filme, die reine Zeitverschwendung sind. Filme, bei denen man sich fragen muss, wer überhaupt auf die Idee kommen könnte so eine Scheiße zu produzieren. Filme, vor denen dringend gewarnt sei, die man sich allenfalls antun sollte, wenn man masochistische Neigungen hat (oder einfach keinen Filmgeschmack, darüber lässt sich ja bekanntlich streiten).

Zugegeben, nicht alle Filme auf dieser Liste sind unterirdisch, was entweder daran liegt, dass das Kinojahr einfach nicht so viele extrem schlechte Filme zu bieten hatte, vermeintliche Flops dann doch irgendwie nicht so schlecht waren (z.B. Transformers 3), oder ich einfach nur Glück hatte und mir nicht jeden Mist antun musste. Demnach nicht wundern, wenn Filme, die es mit Sicherheit auf die Flopliste geschafft hätten, beispielsweise Happy New Year oder Twilight 4.1 (ich weigere mich vehement!), auf der Flopliste vermisst werden müssen. Jetzt aber ran ans Eingemachte!

Platz 10: Conan

Ein Paradebeispiel dafür, dass Remakes in aller Regel keine gute Idee sind. Die Neufassung des Films, der Arnold Schwarzenegger seinerzeit über Nacht zum Star machte, ist ein einziger Rohrkrepierer. Das man hier kein oscarreifes Drehbuch erwarten sollte, versteht sich von selbst, allerdings darf man auch bei einer zweckhaften Handlung erwarten, dass sie in sich schlüssig ist. Statt dessen gibt es hier Logik- und Storylöcher ohne Ende und Spannung kommt zu keinem Zeitpunkt auf (allein schon, da alle Gegner von Conan mit Leichtigkeit niedergemäht werden, was auch nie so unterhaltsam ist wie es ein könnte). Da hätte man an Stelle von Jason Momoa auch einfach einen großen Stein durchs Bild rollen lassen können, mehr schauspielerische Fähigkeiten brauchts hier nicht.

Platz 9: Die Relativitätstheorie der Liebe

Olli Dittrich. Ich hatte kurz mit dem Gedanken gespielt das einfach so stehen zu lassen. Mit Olli Dittrich kann ich einfach nicht, vor allem dann nicht, wenn er gleich fünf (!) Rollen im selben Film spielt. Katja Rieman übrigens ebenfalls. Letztere beweist immerhin Wandlungsfähigkeit und ist teilweise kaum zu erkennen. Allerdings zeichnen sich die fünf Liebesgeschichten vor allem durch Belanglosigkeit aus und das bei zehn überzogenen, nervtötenden Charakteren. Kaum erträglicher Schwachsinn.

Platz 8: Fluch der Karibik – Fremde Gezeiten

Cash-Cows soll man melken, so lernt man im Wirtschaftsstudium. Daher kann man es den Machern dieser lustlosen und unnötigen Fortsetzung aus dieser Sicht nicht verübeln, dass sie eben das getan haben. Solange die Leute kommen (und sie kamen in Scharen, weltweit hat der Film etwas über 1 Milliarde Dollar eingespielt), wird es auch noch weitere Fortsetzungen geben. Leider ist von Abenteuer nicht mehr viel zu spüren: eine Actionsequenz auf zugefrorener Themse wurde aus Kostengründen gestrichen, aus selbigen Gründen muss man auch weitgehend auf Hochseeaction verzichten und statt dessen dackeln die unterforderten Darsteller in einer unspannenden Story durch irgendwelche tropischen Wälder. Langeweile pur und da Regisseur Rob Marshall nicht mit der dritten Bilddimension umzugehen weiß, wirkt der Film, trotz Einsatz echter 3D-Kameras, optisch genauso platt wie inhaltlich.

Platz 7: Die drei Musketiere

Der Film ist optisch hübsch gemacht, soviel kann man ihm zu Gute halten. Es ist aber auch schwer, die Sehenswürdigkeiten meiner Heimatstadt Würzburg (die Residenz spielt das Louvre, die Alte Mainbrücke führt nach Paris, die Festung Marienberg ist der Tower von London) schlecht aussehen zu lassen. Diese optischen Schauwerte sind dann aber auch das einzige, was den Film erträglich macht. Das Drehbuch ist nämlich unter aller Sau! Alexandre Dumas würde weinen, könnte er sehen, wie sein Roman hier vergewaltigt wird. Die Lächerlichkeiten sind endlos: da werden Strafzettel an Pferde gehängt, überlange Dialoge über Modetrends geführt und Modernisierungsversuche (Luftschiffe!) gehen komplett nach hinten los. Dummerweise ist die Handlung viel zu sehr auf die Frau des Regisseurs, Milla Jovovich, zugeschnitten, die aus Milady de Winter eine Schwerter schwingende, im Kugelregen Gänge entlangrutschende Action-Lady macht. Man hätte den Film also auch Resident Evil 5 – Back to the Middle Ages nennen können. So schafft Frau Jovovich es mit ihrem nichtexistenten Talent den Film komplett im Alleingang zu ruinieren während ihre viel talentierteren Kollegen keine Chance haben eine sehenswerte Leistung auf die Leinwand zu bringen. Christoph Waltz wusste wohl als einziger auf was er sich da einließ und hatte anscheinend seinen gut bezahlten Spaß.

Platz 6: Honey 2

Ich habe generell nichts gegen Tanzfilme, Honey 2 bietet jedoch noch weniger Handlung als seine Genrekollegen und noch weniger von ungefähr allem was einen Tanzfilm ausmacht. Dafür gibts aber eine saftige Gratisladung Klischees. Die Charaktere sind flacher als ein Blatt Papier, das Drama oberflächlich und bei den Dialogen rollt es dem Zuschauer die Zehennägel hoch. Wäre vielleicht noch erträglich, wenn es wenigstens gute Tanzsequenzen gäbe, aber auch hier Fehlanzeige. Hilfloses, lächerliches, anscheinend unchoreographiertes Rumgehampel in einer überlangen (110 verdammte Minuten!), offenbar sehr billigen Produktion.

Platz 5: Red Riding Hood

Eine moderne Fassung von Rotkäppchen mit Horrorelementen? Klingt eigentlich gut, aber nicht wenn man die Regisseurin von Twilight ans Ruder lässt! Dann bekommt man nämlich einen unfreiwillig komischen Pseudo-Twilight-Klon in dem die Horrorelemente einfach fehl am Platz wirken. Dass dieser Schwachsinn aus der Feder des Autors von Orphan stammt, tut richtig weh. Die viel zu talentierte Amanda Seyfried irrt in einer platten Dreiecksbeziehungshandlung hin und hergerissen zwischen ihren beiden ach so gutaussehenden Dorftrotteln ziellos durch ein billiges Studio-Set. Als Zuschauer schlägt man die Hände über dem Kopf zusammen und konzentriert sich dann auf die Frage, wie eigentlich Gary Oldman auf die blöde Idee gekommen ist, bei so etwas mitzumachen.

Platz 4: Kein Mittel gegen die Liebe

Eine Kate Hudson Komödie in der Kate Hudsons Figur Marley so gar keine Lust auf Liebe hat! Wie das wohl weitergehen mag kann sich jeder denken. Nun ja, nicht ganz, denn auf so eine schlechte Story kommt man als Normalsterblicher spontan gar nicht. Denn Marley hat Darmkrebs. Und dann trifft sie auf einer Wolke Gott in Form von Whoopie Goldberg. Drei Wünsche hat sie frei, kommt aber nicht auf die naheliegende Idee, sich einfach den Darmkrebs wegzuwünschen! Nein, nach zwei belanglosen Wünschen hat sie nichtmal eine Idee für ihren dritten Wunsch. Ab dann sind wir in der Kate Hudson Komödie nach Schema F, die realitätsfern und viel zu fröhlich vor sich hinkrebst. Blödes Wortspiel, ich weiß. Ein fürchterlich schlechter Film und ein Schlag ins Gesicht für jeden, der schon einemal wirklich mit Krebs zu tun hatte.

Platz 3: Der letzte Tempelritter

Nicolas Cage sucht sich seine Projekte anscheinend anhand der Dicke der Drehbücher aus. In diesem Fall dürfte es wohl auf einem Bierdeckel geliefert worden sein. Ein als Hexe verdächtigtes Mädchen muss von A nach B geschippert werden, zwischendurch greifen ein paar Wölfe an und über eine lädierte Holzbrücke müssen wir ja auch noch. Ach ja, wir brauchen noch einen Twist, irgendwas worauf keiner kommt. Die Dialoge improvisiert ihr dann einfach nach Gefühl, Hauptsache es sind ein paar One-Liner dabei. So oder so ähnlich dürfte das ausgesehen haben, fertig ist ein stinklangweiliges Mittelalter-Mystery-Roadmovie, dem man seine 40 Millionen Dollar Budget zu keinem Zeitpunkt ansieht und an dessen Ende man sich als Zuschauer schlicht verarscht fühlt.

Platz 2: Atemlos

Die spannendste Frage in Atemlos ist, wann denn eigentlich Taylor Lautner oberkörperfrei zu sehen ist. Zu dumm, dass sich diese Frage schon nach fünf Minuten in Luft auflöst. Alternativ kann man sich dann mit der Frage beschäftigen, ob die irritierenden Augenbrauen von Hauptdarstellerin Lily Collins vielleicht in Wahrheit aus einer einzigen, dicken, großen Augenbraue zurechtrasiert wurden (ich sage ja!). Und was macht eigentlich Sigourney Weaver da? In jedem Fall sollte man sich auf keinen Fall Gedanken über den Plot machen, der zum kollektiven Haare-Raufen animiert. Spätestens als man sich zur Übergabe eines digitalen Dokuments in einem Sportstadium trifft muss man als Zuschauer resignierend das Hirn und am besten gleich den ganzen Film abschalten. Ein inkompetent zusammengeflicktes Debakel, das kein noch so guter Schauspieler retten könnte, schon gar nicht Teenie-Schmacht-Schwarm Taylor Lautner.

Platz 1: Kottan ermittelt: Rien ne va plus

Die Gurke des Jahres geht in diesem Jahr nach Österreich. Ich kenne die Serie, auf der dieser 'Film' basiert, nicht und nach Sichtung desselben will ich sie auch gar nicht sehen. So eine, gelinde gesagt, gequirrlte Scheiße ist mir selten im Kino untergekommen. Völlig abstruse Parodie (?) eines Krimis, in der ein Schneeballsystemspiel tödliche Folgen hat. Die sowieso schon unterirdische Darstellerriege wird von einem absolut fehlbesetzten Robert Stadlober sogar noch überboten. Hier reiht sich eine bescheuerte Albernheit an die nächste und jeder Ansatz einer womöglich angedachten Satire, beispielsweise der Polizeiapparat als sperriger, auf Migranten ballernder Roboterklotz, ist völlig platt und misslingt bereits im Ansatz. Optisch ist das Ganze billigst eingefangen und scheint von einem Praktikanten am Heimrechner mit Hilfe von Freeware-Tools zusammengebastelt worden zu sein. Merkwürdige Playback-Musiknummern und ein vom Himmel Wiens auf die Straße herunterkackender Mops runden den negativen Gesamteindruck gekonnt ab. A gonz großa Schmarrrrn, man kann kaum in Worte fassen, wie abgrundtief schlecht dieses fast zweistündige Machwerk ist!


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Die Top 10 Dokumentationen des Jahres 2011


In diesem Jahr habe ich einfach zu viele gute Dokus gesehen, als dass ich sie in eine gemeinsame Liste mit den Spielfilmen stecken könnte. Aus diesem Grund habe ich mich entschieden, eine extra Top 10 für die Dokumentationen zu machen, die in diesem Jahr wieder mal ziemlich hochkarätig waren. Beherrschendes Themen waren auch in diesem Jahr wieder der Krieg und die Missstände in der Gesellschaft. War es im letzten Jahr Restrepo, ist es in diesem Jahr der thematisch sehr ähnliche Armadillo, der den besten Dokumentarfilm des Jahres markiert.

Zugegeben, es ist etwas schwer bei den Dokus nach Veröffentlichung zu gehen, denn viele dieser Perlen wurden entweder ganz spät oder bis heute nicht in Deutschland veröffentlicht. Leider wird das ganze 'Genre' hierzulande noch immer äußerst stiefmütterlich behandelt, was sich so schnell auch nicht ändern dürfte (ich will nicht wissen, mit wie vielen Kopien beispielsweise The Black Power Mixtape 1967-1975 in die Kinos kam – immerhin kam er in die Kinos, das allein verdient schon Respekt).

Wenn ich mir meine Top 10 der Spielfilme anschaue (die morgen kommt), dann muss ich ohnehin sagen, dass die Dokus dem Spielfilm meist überlegen sind. Ich könnte außer dem unsäglichen Pina beispielsweise keine schlechte Doku aus 2011 nennen, denn ich habe einfach keine (wirklich) schlechte gesehen. Eigentlich wollte ich noch viele mehr sehen, was aufgrund der Verfügbarkeit, weniger der Zeit, aber nicht möglich war. The Big Eden ist so ein Kandidat, dito Die Jungs vom Bahnhof Zoo und Tears of Gaza.

Hier also meine Top 10 Dokumentationen des Jahres:

10. The Black Power Mixtape 1967-1975

09. Machete Maidens Unleashed!

08. The Tillman Story

07. Cave of Forgotten Dreams

06. The Greatest Movie Ever Sold

06. Tabloid

04. Inside Job

04. Khodorkovsky

02. Bigger Stronger Faster*

01. Armadillo

Runners-up: Countdown to Zero, American Grindhouse, Catfish, American Teen


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