Kurz mal abgehakt # 30

Haute tension – beim letzten Mal hatte ich die Zweitsichtung ganz vergessen, pardon. Um ehrlich zu sein, weiß ich aber auch nicht, was ich dazu noch groß sagen soll? Die homophilen Tendenzen sind überdeutlich, ebenso das Spiel mit den Wirklichkeits-/Bewusstseinsebenen. Haute tension ist nicht nur deshalb auch deutlich ergiebiger als beispielsweise der im gleichen Atemzug häufig genannte À l'intérieur. Die finale 'Kettensägenszene' im Auto markiert für mich bis dato eine der größten des ganzen Genres. (8/10)

The Condemned – gar nicht mal so übles 'Remake' von Battle Royale (バトル・ロワイアル), von WWE Films produziert und mit Steve Austin in der Hauptrolle, der so viel Charisma hat wie ein Autoreifen. Die Moral wird, wie auch der Rest des Filmes, mit den Fäusten vermittelt, was angesichts der Trivialität des Ganzen jedoch nicht weiter stört. Wer mit The Marine Spaß haben konnte, der wird ihn auch hier haben. (5.5/10)

Sicko – gibt es eigentlich noch jemanden, der wirklich was auf Michael Moore hält? Perönlich habe ich das noch nie und werde es in Zukunft wohl auch nie tun. Moore ist Polemiker, Manipulateur und Träumer. Warum ich mir dann überhaupt seine neueste Doku angeschaut habe? Nun, zum einen ist die Thematik eine äußerst interessante, denn wenn es an den USA einen großen Nachteil gibt (nunja, wie man's nimmt), dann ist es das Fehlen einer staatlichen Krankenversicherung. Europa ist da natürlich das krasse Gegenteil, denn hier ist alles umsonst, egal was für eine Behandlung man benötigt – zumindest laut Moore. Dass es auch hier große Unterschiede gibt, kommt dem Guten natürlich nicht in den Sinn.

Lieber zoomt er exploitativ in die Gesichter von Opfern, wenn diese die Tränen gerade nicht mehr zurückhalten können und unterlegt ein Geständniss einer ehemaligen Versicherungsagentin vor dem Senat mit 'Adagio for Strings'. Ich denke, das sagt alles – von der blödsinnigen Idee nach Guantanamo Bay zu fahren ganz zu schweigen (wie alt ist der Junge, 13?). Und dennoch hat Sicko auch seine guten Seiten, allen voran die ersten 20 Minuten, in denen Moore das amerikanische System ad absurdum führt und die aberwitzigsten Fälle, die natürlich alles andere als witzig sind, anführt. Die Augen hat mir Sicko also, wenn überhaupt, dann nur in der Hinsicht geöffnet, dass man in Großbritannien Medizin studieren sollte, denn als Arzt verdient man da schon mal an die 100.000 (?) Pfund pro Jahr (im Krankenhaus wohl gemerkt!) – zumindest wenn man Moore Glauben schenken darf… (5/10)

Dekalog, dziesiec – leider hat der Rekorder Dekalog, dziewiec nicht von Beginn an aufgenommen, sodass ich den Dekalog eben ohne das neunte Gebot abschließen musste. 'Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus', lautet das zehnte Gebot, das Kieslowski hier pointiert veranschaulicht. Vermisst habe ich die kieslowski'sche Präsenz einer Frau, denn hier stehen zwei Brüder im Mittelpunkt, die über das Briefmarkenerbe ihres Vaters entscheiden müssen. Die Habgier erfasst beide von ihnen, führt sie sogar so weit, dass einer der Brüder eine Niere gegen eine Briefmarke tauscht. Kieslowski löst sich nahezu von jedem Pathos, zeigt, welche Konsequenzen diese Todsünde auf Menschen haben kann – nur um am Ende dann wieder versöhnlichere Töne anklingen zu lassen. Man kann solch ein Mammutwerk ja schließlich nicht voller Pessimismus beenden – was er in genügend anderen Episoden ja gemacht hat -, oder? Der Dekalog ist nicht nur ein meisterliches Werk, sondern auch ein Werk von unbeschreiblicher Emotionalität. Was man hier in zehn Episoden erlebt, kommt keiner Achterbahnfahrt der Welt gleich. Ein einzigartiges Werk! Dekalog, dziesiec (8.5/10), Dekalog (10/10)


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Kurz mal abgehakt # 29

Ich weiß, es gab schon seit schier unendlich langer Zeit kein(e) Review(s) mehr, was ich hiermit auch ändern will. Zugegeben, es hat sich auch nicht so viel angesammelt über die letzten Wochen, denn außer den PVs scheine ich derzeit nicht viel auf DVD oder im TV zu schauen – warum auch immer. Jedenfalls darf man sich in den nächsten Tagen noch auf ausführliche Reviews u.a. zu Speed Racer, Funny Games U.S. und Cassandra's Dream freuen. Bis dahin gibt es aber erst einmal einige Kurzreviews zu nicht allzu aktuellen Filmen.

La double vie de Véronique – ich traue es mich als großer Fan Kieslowskis ja eigentlich kaum zu sagen, aber hier war ich doch etwas enttäuscht. Kieslowski scheint hier vielmehr auf das unbekleidete Äußere Irène Jacobs abzuzuielen als auf ihr emotionales Äußeres (das noch deutlich bezaubernder ist). Die Geschichte, die Kieslowski hier erzählt ist bisweilen schwer zu greifen – er philosophiert über Seelenverwandschaft, Freundschaft und, natürlich, die Liebe. Gewohnt setzt er dabei alles faszinierend in Szene und lässt Jacob den Film mal eben nahezu allein tragen, was angesichts ihrer Präsenz aber auch nur allzu verständlich ist. La double vie de Véronique ist großes emotionales Kino, das wollte ich mit dem einführenden Satz nicht verneinen, nur kommt er nicht an Dekalog oder Trois couleurs: Rouge heran. (8.5/10)

The Killing – ja, langsam aber sicher bereite ich mich mal auf mein Film-Noir-Seminar vor, das, wie ich jetzt erfahren habe, aber keinen Kubrick auf dem Plan hat. Egal, Kubricks The Killing ist jedenfalls ziemlich spannend, in seiner Erzählstruktur recht intelligent gesponnen und mit einem tollen Sterling Hayden, von dem ich in Zukunft definitiv mehr sehen will. Erstaunlich, wie roh und brutal Kubricks Film bisweilen daherkommt. Das alles wird dann nur noch von der grandiosen Schlusseinstellung getoppt, die dem Zuschauer, also dem potenziellen Verbrecher (?), direkt vor die Nase tritt. Crime doesn't pay, wer's immer noch nicht geschnallt hat, der weiß es spätestens jetzt. (8/10)

El Topo – ja, hier war die Vorfreude nicht minder groß – ebenso wie die Verwirrung. Um mit einem Brainstorming zu beginnen und zu schließen: Ureinwohner vs. Amerikaner, Sklaverei, Polygamie, Gewalt, Kolonialmentalität, Religion und ihr Einfluss, Herrschaftswahn, Vater-Sohn-Beziehung, … (5/10)

House of the Dead – machen wir's kurz: Zusammen mit zwei Freunden geschaut, die das ganze Boll-Gebashe ebenfalls verfolgt haben. Geschaut wurde das Bollwerk natürlich mit Audiokommentar (wir sind ja schließlich nicht lebensmüde!), und was soll man sagen? Es hat mindestens so viel Spaß gemacht wie noch beim ersten Mal.


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Kurz mal abgehakt # 26

Und weiter ging es mit Kieslowskis Meisterwerk…

Dekalog, dwa – 'Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen'. Nach Trzy der bisher beste Beitrag der Serie. Mit Krystyna Janda hat Kieslowski wieder mal eine wunderschöne Protagonistin gefunden, die er in wunderschönen, aber einmal mehr kalten Bildern einfängt. (9.5/10)

Dekalog, piec – wie ich erst heute herausgefunden habe, ist diese Episode die Grundlage für Kieslowskis Spielfilm Krótki film o zabijaniu (A Short Film About Killing), deshalb auch das Gebot 'Du sollst nicht töten'. Und selbst in der Kurfzform funktioniert das Ganze hervorragend, auch wenn ich anfangs Probleme hatte, den Zugang zu finden. Kieslowski nutzt zum ersten Mal warme Farben, anfangs mehrere Protagonisten – auch wenn es am Ende wieder auf zwei hinausläuft – und könnte die Prämisse deutlicher nicht machen. Die letzten Minuten des Verurteilten haben mich übrigens stark an Paths of Glory erinnert. Zudem hat es mich überrascht, dass es in Polen vor 20 Jahren noch die Todesstrafe gab. (9/10)

‘Dekalog, szesc’

Dekalog, szesc – wieder mal ein recht harter Stoff, den Kieslowski hier verarbeitet. Ein junger Mann, der sich in eine Frau verliebt, die alterstechnisch seine Mutter sein könnte und sich in losen Beziehungen befindet – 'Du sollst nicht ehebrechen'. Das Spiel der beiden Protagonisten erinnerte mich an Trzy: Eine Beziehung, aus der nichts werden kann, eine Liebe, die zwar kurz erwidert wird, aber auf lange Sicht nicht bestehen bleiben kann. Das Ende ist dann buchstäblich das Ende: "Ich beobachte Sie nicht mehr." – Gänsehaut! Basiert auf Krótki film o milosci (A Short Film About Love). (9.5/10)

Dekalog, siedem – primär bin ich hier überrascht gewesen, dass Kieslowski zum ersten Mal eine Frau 'nimmt', die vor natürlicher Schönheit nicht gerade blüht, was dem Ganzen aber kaum Abbruch tut. Das 'Du sollst nicht stehlen'-Gebot wird nach meinem Geschmack etwas falsch angegangen, da der Fokus leider nicht auf dem Zwischenmenschlichen zwischen Tätern(n) und Opfer(n) liegt. Die erste Episode, die mehr als zwei Protagonisten hat. (8.5/10)

Dekalog, osiem – 'Du sollst nicht falsches Zeugnis geben wider deinen Nächsten'. Fängt sehr stark an – besonders die kurze Eröffnunfssequenz ist großartig -, baut dann aber leider etwas ab, was wohl den nicht allzu charismatischen Figuren zuzuschreiben ist. Sehr schön und im Gedächtnis bleibend aber die erste Parallele zu einer anderen Episode, nämlich zu Dwa. Außerdem ist mir hier der kurze Einsatz des comic relief, den es ja fast in jeder Episode gibt, am stärksten aufgefallen. (8.5/10)


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Kurz mal abgehakt # 25

Masters of Horror: Valerie on the Stairs – habe ja bisher nur Argentos Pelts aus der Masters of Horror-Reihe gesehen, den ich nicht sonderlich gut fand. Glücklicherweise konnte mich aber Mick Garris', ausführender Produzent der Reihe, Beitrag da reichlich mehr begeistern. Dass in den etwas mehr als 50 Minuten kein Platz für große Charakterstudien und anderes bleibt, ist hinlänglich bekannt, und dennoch empfand ich Valerie on the Stairs als einen recht ausführlichen Beitrag mit Ansätzen von Subtext. Was ist die Realität? Was durchleben (erfolglose) Autoren, die nach Inspiration suchen? Valerie on the Stairs ist eine Geschichte in der Geschichte, denn genau das, was Protagonist Rob (Tyron Leitso) da schreiben will, durchlebt er auch (was am Ende in einer schönen Einstellung dann pointiert auf den Punkt gebracht wird). Natürlich bleiben dabei aber auch Sex und Gore nicht auf der Strecke, wobei das die Geschichte ob ihres Ansatzes von Subtilität gar nicht unbedingt nötig gehabt hätte. (7.5/10)

Dekalog, jeden – was habe ich mich auf dieses Mammutwerk Kieslowskis doch gefreut. Stanley Kubrick nannte den Dekalog das einzige Meisterwerk, das er benennen könne, und ich denke respektive hoffe, dass er sich da alles andere als getäuscht haben dürfte. Den Anfang, 'Du sollst keine anderen Götter neben mir haben', macht eine Geschichte, die die Technologie in Frage stellt. Können wir uns immer blind auf die Technik verlassen oder kann man sich nur auf Gott verlassen? Die Antwort am Ende ist eindeutig. Kieslowski lässt kalte Farben sprechen, nichts, aber auch gar nichts wirkt hier warm oder dergleichen, nicht einmal Zbigniew Preisners gewohnt tolle Musik. Ein ganz großer Auftakt. (9/10)

‘Masters of Horror: Valerie on the Stairs’

Dekalog, trzy – den zweiten habe ich noch nicht gesehen (arte wiederholt ihn aber morgen), deshalb gleich mit Gebot Nummer Drei, 'Du sollst den Sabbat heilig halten', weiter, den ich bis jetzt für den absoluten Höhepunkt der Serie halte. Kieslowski versteht es, das wird mir immer mehr bewusst, wie kein anderer, Frauen und deren Gesichter einzufangen – hoch emotional sind sie meist, wunderschön dazu. Kieslowski lässt hier das Rot dominieren, nicht die einzige Parallele zu Trois couleurs: Rouge. Es ist Heilig Abend, zwei Menschen treffen sich, die sich drei Jahre nicht gesehen haben und sich eigentlich auch nie wieder hätten sehen sollen. Doch es kommt anders, obwohl beide wissen, dass das nie etwas werden kann. Am Ende kehrt Janusz (Daniel Olbrychski) zu seiner Frau zurück. Trzy hat eine unglaubliche emotionale Kraft, die nicht nur von den beiden Darstellern ausgeht, sondern auch von den poetischen Bildern. Es wird schwer, das zu toppen. (10/10)

Dekalog, cztery – einige sehr heiße Eisen, die Kieslowski hier anpackt. 'Du sollst Vater und Mutter ehren', so das vierte Gebot. Einmal mehr lebt die Episode von seiner Lethargie, den ruhigen, aber äußerst aussagekräftigen Bildern, und auch hier dominieren eher kalte Farbtöne. Auffällig, dass Kieslowski hier ebenfalls nur – mehr oder weniger – zwei Personen agieren lässt und diese einen Konflikt untereinander austragen müssen. Nicht ganz meine Thematik, das Ganze, vielleicht auch deswegen die bisher schwächste Folge (was angesichts der extrem starken Konkurrenz aber nichts heißen soll). (8/10)


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Kieslowskis 'Dekalog' und 'Véronique' auf arte

‘La Double vie de Véronique’Ich bin ja so was von glücklich darüber, dieses Meisterstück endlich sehen zu können (die DVD-Box war mir mit einem Preis von 50,00 EUR aufwärts bisher immer zu teuer). arte beweist nämlich einmal mehr, warum es einer der besten Sender überhaupt ist und zeigt von Heute bis Donnerstag alle zehn Teile Krzysztof Kieslowskis Dekalog. Im Kern geht in in dieser Filmkunstreihe um die 10 Gebote, zu denen Kieslowski je einen Film gedreht hat, der seine Prämisse – ähnlich wie bei seiner Trois couleurs-Trilogie – um das Gebot Gottes spinnt. Die einzelnen Ausstrahlungstermine – die meisten werden im 'Doppelpack' gesendet – der jeweiligen Episoden gibt es auf der offiziellen Seite artes zum Dekalog.

Doch damit nicht genug, denn arte zeigt am 16.04. auch noch La Double vie de Véronique mit der absolut bezaubernden Irène Jacob (Trois couleurs: Rouge), den ich ebenfalls noch nicht gesehen habe (und dessen DVD dito nicht gerade billig zu bekommen ist – zumindest nicht die Criterion). Tausend Dank, arte, je t'aime!


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