Karamell in den Haaren
Caramel (سكر بنات)
(Nadine Labaki, Libanon/Frankreich 2007)
Kino
Mein erster libanesischer Film – der offizielle Oscarbeitrag 2008 des arabischen Landes. Es geht um Frauen, Männer, Religion und die Beziehung zwischen diesen dreien. Regisseurin Nadine Labaki ist mit viel Eifer bei der Sache, das sieht man ihrem Film an. Er ist bisweilen geschwätzig und extrem feminin, ja. Ich gebe zu, für mich als Mann war es des Öfteren ziemlich schwer, dem ganzen Frauengetue zu folgen – ähnlich wie bei Frei nach Plan, zu dem gewisse Parallelen vorhanden sind -, denn Labaki fehlt manchmal dann doch das Timing für einzelne Szenen. Diese Lethargie, besser gesagt das Schmachten, durchzieht den ganzen Film, und meist funktioniert es sogar. Labakis Film verfügt über einige wirklich starke Szenen, andere wiederum sind zum davonlaufen (was aber auch an den starken kulturellen Unterschieden liegen könnte).
Caramel ist, um es auf den Punkt zu bringen, ein zwiespältiges Vergnügen für mich. Einerseits war ich vom Geschehen gelangweilt und davon angebiedert, was Labaki nicht alles in ihrem Film unterbringen will – angefangen bei den verschiedenen Religionen über die Beziehung Mann-Frau in Arabien, bis hin zu Freundschaft -, andererseits aber auch sicher, dass ich etwas Tollem beigewohnt habe. Der Film hinterlässt einfach eine Art lebensfrohes Gefühl, bedenkt man Hintergründe, dann will man den Film einfach mögen. Ein Frauenfilm, keine Frage, doch auch ich gehe mit einem Lächeln aus dem Kino – und das ist doch nichts, wofür man sich schämen muss, oder? (6-7/10)
Tags caramel, libanon, nadine labaki, oscar
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