Verlosung: Gewinnt die DVD & Blu-ray zu 'The Void'


Am 19. Mai erscheint ein Film bei uns auf DVD & Blu-ray, der bei Horrorfans aktuell für großes Aufsehen sorgt. Die Rede ist natürlich von The Void, den ich kürzlich bereits sehen konnte und der mich ziemlich beeindruckt zurück gelassen hat. The Void ist nämlich eine sehr schöne und gelungene Hommage an John Carpenter, David Cronenberg, Lucio Fulci (der Meister!) und zahlreiche andere Genreklassiker. Kein perfekter Film, aber man sieht die Liebe zum Detail – allen voran an den practical effects – und er entführt für knappe 90 Minuten in eine andere, sehr dunkle Welt …

Wer noch nicht in den Genuss von The Void gekommen ist, der sollte nun die Ohren spitzen, denn ich verlose in Kooperation mit Ascot Elite eine DVD und eine Blu-ray zum Film, der natürlich ungeschnitten zu uns nach Deutschland kommt (und das sogar mit einer beachtlichen FSK-16-Freigabe). Alles, was Ihr tun müsst, um ein Exemplar gewinnen zu können, ist mit in den Kommentaren Euren Lieblingsfilm von John Carpenter zu nennen.

Zeit habt Ihr dafür bis Sonntag, 7. Mai 2017, 23:59 Uhr. Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen. Ich wünsche Euch allen viel Erfolg. Die Gewinner werden dann zeitnah hier in diesem Post bekanntgegeben. Für alle, die noch immer nicht wissen, was es mit The Void auf sich hat, hier noch der entsprechende Teaser zum Film:

Update, 8. Mai Verlängerung: Ihr habt noch bis Sonntag, 14. Mai 2017, 23:59 Uhr Zeit mitzumachen! Viel Erfolg!

Update, 16. Mai Die Gewinner stehen fest! Die Blu-ray geht an Michael Kastner, die DVD an Reinhold. Herzlichen Glückwunsch Euch beiden und vielen Dank an alle Teilnehmer.


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Lucio Fulci Retro: 'The Beyond'


Der deutsche Verleihtitel (der übrigens ob der Zombiewelle in der BRD darauf bestand, dass Fulci Zombiemassen einbaut) beschreibt Fulcis E tu vivrai nel terrore – L'aldilà wohl am besten: Die Geisterstadt der Zombies, denn das, was da in Louisiana vor sich geht, ist in der Tat mit einer Geisterstadt gleichzusetzen. Ein Fluch, der Tote in Untote verwandelt, eine Stadt, die mehr nach mystischem Dorf als nach Großstadt aussieht und eine junge Frau (Fulcis Bank: Katherine MacColl), die von Visionen heimgesucht wird. Fulci greift auch hier wieder altbekannte Motive auf, die er bereits ein Jahr zuvor in City of the Living Dead so atmosphärisch dicht zusammenführte. Nicht umsonst wird The Beyond gerne auch als Mischung aus City of the Living Dead und The House by the Cemetery bezeichnet. Und dennoch verfügt The Beyond über genügend Originalität, um als eigenständiger Film zu funktionieren. Fulci gelingt es hier nämlich – allen voran im Vergleich zum Glockenseilzombie – eine Atmosphäre und Spannung aufzubauen, die dem zeitlich später entstandenen Pfarrer, der sich erhängt, doch deutlich überlegen ist.

Er führt Momente wie das plötzliche Erscheinen von Toten oder abgründige Visionen konsequenter um, was sich vor allem in der Figur der blinden Frau mit Hund zeigt. Allein ihre pure Erscheinung sorgt bereits für Gänsehaut, ganz zu schweigen davon, wenn Fulci sein Augen-Close-Up auf sie anwendet. Der Hund – ein deutscher Schäferhund, der ihr so treu zur Seite steht wie man es sonst nur von Führerportraits kennt – sorgt deshalb ebenfalls für ein gewisses Schaudern. Etwas später wird Fulcis 'Tierfetisch' dann auch auf den Höhepunkt getrieben, wenn er riesige Spinnen im Verbund mit Plastikspinnen auf sein hilfloses Opfer jagt, das schließlich vor dem Hintergrund eines mindestens so absurden wie genialen Sounddesigns – tumulder geht in seiner tollen Besprechung darauf etwas näher ein – zerlegt wird. Und genau hier steckt der Charme so vieler Filme des Italieners – es ist die Naivität, mit der er bewusst zur Sache geht, die man seinen Filmen stets ansieht, aber gerade deshalb auch so schätzt, denn irgendwie ist es ja nur ehrlich. Ehrliches Filmemachen eben. Und schließlich 'verzaubert' es dennoch, etwas, das heute nur noch den allerwenigsten gelingt. Es ließen sich noch so einige Szenen dahingehend auformulieren, aber wer einen Fulci gesehen hat, der weiß, dass es fast auf den ganzen Film in all seinen Aspekten zutrifft.

Und dennoch hat mich speziell dieser Fulci zwiegespalten zurück gelassen. Einerseits sind hier viele seiner Marotten nahezu perfekt – die Spinnenszene macht mir immer noch Angst -, die Tode sind nicht nur technisch, sondern auch inszenatorisch so gut wie selten zuvor (wie genial ist denn bitteschön der Säureüberfall?). Auch der Fokus auf die Augen besitzt hier eine völlig einnehmende Schönheit, die bisher kaum so intensiv war wie hier. Andererseits störe ich mich jedoch am Plot selbst, der hier nun wirklich auf ganzer Strecke versagt. Und dabei will ich noch gar nicht mal auf das fast schon indifferente nicht-auf-den-Kopf-Schießen hinaus, sondern irgendwie ging es mir einfach so, dass ich keinen blassen Schimmer hatte, was mir Fulci hier eigentlich erzählen will. Aber wenn ich so drüber nachdenke … das macht ja eigentlich nichts, denn Fulci war selten ein guter Geschichtenerzähler. Heute würde man seinen Stil wohl style over substance nennen, was die Endszene des Filmes nochmals eindrucksvoll unter Beweis stellt. Die beiden Protagonisten finden sich buchstäblich in einer entrückten Stadt wieder, irgendwo zwischen Himmel und Hölle, Über dem Jenseits. Es gibt nur wenige Filme, die eine einzige Einstellung rechtfertigt. The Beyond ist einer von ihnen. (7.5/10)


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Lucio Fulci Retro: 'The New York Ripper'

Ein Killer geht um, der es auf junge, attraktive Frauen abgesehen hat. Wo? In New York, wo auch sonst? Mit einem Messer schlitzt er seine Opfer von Kopf bis Fuß auf – oder besser gesagt vom primären Geschlechtsorgan bis zum Hals, immerhin sind seine Morde ja auch sexueller Natur -, redet permanent mit Entenstimme und scheint der Polizei immer einen Schritt voraus zu sein. Auf den ersten Blick scheint Fulci mit Lo Squartatore di New York nicht wirklich etwas Neues an den Tisch des Slasherfilmes zu bringen. Auch sein Killer hat eine Vorliebe für junge Frauen, eine komische Eigenschaft (die Stimme, die zwei fehlenden Finger) und hält sich für meilenweit überlegen. Nicht unbedingt neu, aber definitiv erwähnenswert ist vielmehr die latente Misogynie, mit der Fulci seinen Killer versieht.

Alle seine Opfer scheinen nicht gerade brave Bürgerinnen zu sein, nein, es handelt sich um Sachbeschädigerinnen, untreue Ehefrauen mittleren Alters, die auf der Suche nach Sexabenteuern sind oder um junge Frauen, die nachts allein mit der Metro fahren, sich der Gefahr aber nicht bewusst sind. Ach ja, Prostituierte sind natürich auch noch dabei, jene, die dem Cop nicht einmal einen Kaffee holen, wenn er sie dafür sogar bezahlt. Am interessantesten von ihnen allen ist sicherlich Jane (Alexandra Delli Colli), die zwar verheiratet ist, aber mit ihrem Mann keine intime Beziehung führt, sodass sie diese anderswo sucht. Bereits im Pornokino fragt man sich, was es mit ihr auf sich hat, wohin Fulci das Ganze noch verlaufen lassen will. So gehen dann auch weitere komische Dinge vor sich, Dinge, die irgendwo zwischen what the fuck? und comic relief anzusiedeln sind, aber definitiv Zeit kosten (die Fußszene).

Fulci wird da sicherlich noch das Ass aus dem Ärmel holen, da bin ich mir sicher. Doch was passiert dann? Sie wird natürlich zu einem weiteren Opfer des Killers, zwar ein 'spektakuläres' Opfer, aber nur ein weiteres Opfer. Wozu dann also die ganze Geschichte rund um Jane, wenn sie am Ende doch wieder nur gut aussehen und sterben darf? Es weiß wohl nur Fulci selbst. Da hätte er jedenfalls deutlich mehr draus machen können. Ein weiterer Beleg dafür jedenfalls, dass Fulci einzelne Szenen viel besser liegen als ein in sich kohärenter Spielfilm. Und dennoch, er versteht es gut, Spannung aufzubauen und die Fährten immer wieder falsch zu legen, so dass es am Ende doch eine kleine Überraschung gibt. The New York Ripper ist Slasher und Whodunnit, psychischer Horror – die Alptraumsequenz ist grandios -, Fulci zeigt also einmal mehr, wie versiert er doch ist, wie gut er Genre versteht und mit ihnen und ihren Motiven arbeiten kann.

Die bereits angesprochene sexuelle Komponente, allen voran der Morde, wird dabei nicht nur zur Exploitation benutzt (so werden beispielsweise Brustwarzen von einer Rasierklinge durchtrennt), sondern dienen auch als Tatmotiv – auch wenn die offizielle Begründung der Morde natürlich eine andere ist. Es geht um die Schönheit einer Frau, was diese ausmacht und wie sie durch unter anderem diese weibliche Merkmale definiert wird. Bei all dieser Tiefe, die Fulci bisweilen in seinem Film hat, wirken die Gewaltausbrüche manchmal fast wie Fremdkörper. Einen gewissen Kontrast dazu (wobei es die Misogynie gleichzeitg verstärkt) ist die Tatsache, dass Dr. Davis (Paolo Malco, The House by the Cemetery) schwul ist (zumindest kauft er sich Schwulenmagazine). Und in der Tat, für eine kurze Zeit dachte ich, er sei der Mörder.

Aber ein schwuler Psychologe, der junge Frauen ermordet und dabei ihre Körper verstümmelt? – das wäre dann wohl doch etwas zu homophob gewesen. Dennoch bleibt offen, was Fulci mit der Kioskszene bezwecken wollte. Neben City of the Living Dead sicherlich der am wenigsten kohärente und schwächste Film der bisher besprochenen Fulcis. Dabei aber ob seiner Thematik und Motive definitiv der streitbarste. (6.5/10)


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Lucio Fulci Retro: 'City of the Living Dead'


Und wieder muss erst einmal jemand dran glauben, bevor alles überhaupt in die Gänge kommt. Dieses Mal ist es ein Priester, der sich kurzerhand erhängt und somit schreckliches im kleinen Städtchen Dunwich verursacht. Es folgt eine typische Fulci-Geschichte: übernatürliche Kräfte, Untote, jede Menge Ekeleffekte und am Ende sind es wieder mal Mann und Frau (die vom Typ her immer gewisse Ähnlichkeiten teilen), die sich davor nicht kannten, die die Welt retten – oder auch nicht, denn Fulcis Ende lässt viel Spielraum … In Paura nella città dei morti viventi wird am deutlichsten, dass Fulci nicht gerade der allerbeste Geschichtenerzähler ist. Zu inkohärent kommt das Ganze daher, zu unausgegoren.

Das mag zum einen daran liegen, dass Fulci seinen Fokus hier eher auf einzelne Szenen als auf die Gesamtheit legt. So wirken die diversen Goreszenen hier extrem selbstzweckhaft und exploitativ, auch wenn es die ein oder andere Szene gibt, die ob ihrer Inszenierung einfach nur begeistert (allen voran die Mehlwürmerattacke). Sowieso versteht Fulci die Mise-en-scène besser als die Verbindung dieser, denn auch wenn er es mit dem Augen-Close-Up hier definitiv übertreibt (viele von ihnen sind absolut unpassend), so fasziniert er auch hier wieder mit ebendiesem. Spätestens hier habe ich gemerkt, dass Fulci seine durchweg hübschen Protagonistinnen so erhaben inszeniert, dass man nicht nur mit ihnen fühlt, sondern sich auch stets zu ihnen hingezogen fühlt – etwas, das ich sonst nur von einem Kieślowski kenne. Ihre Augen spielen dabei eine bedeutende Rolle.

Fulci, der hier nicht nur gesellschaftskritisch, sondern auch politisch wird – die Bohrerszene soll seiner Aussage zufolge ja den Faschismus, der im Dorf herrscht, veranschaulichen -, legt mit City of the Living Dead dennoch seinen bisher schlechtesten Film ab. Am Ende wird das Hauptthema aus Zombi 2 kopiert beziehungsweise lediglich leicht abgewandelt, das Ende wirkt etwas uninspiriert und sowieso scheint Fulcis Herzblut nur in einigen wenigen Szenen zu stecken. Am Ende hat der Film seinen 'Ruhm' lediglich dem Zensurgeplänkel zu verdanken. (6.5/10)


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Lucio Fulci Retro: 'Zombi 2' a.k.a. 'Zombie Flesh Eaters'


Und wieder läutet Fulci seinen Film mit einem großen Knall ein – buchstäblich. "The boat can leave now … tell the crew", und kurze Zeit später laufen die Zombies schon in New York ein (auch wenn der Straßenverkehr budgetbedingt normal weiterläuft). Zwei Dumme, ein Gedanke, sagt man ja gerne, und in der Tat, es ist schon erstaunlich, dass auch Fulcis Zombies die Konsumgesellschaft erreichen, auch wenn sein Film genau an jener Stelle endet, an der Romeros quasi erst beginnt. Doch auch zu Fulcis anderen Filmen gibt es überdeutliche formale Parallelen. So trägt Quella villa accanto al cimitero beispielsweise vorallem im Schnitt und in der Eigenheit der Musik (d.h. auch Geräuschkulisse) die Handschrift von Fulci, die sich auch hier in Zombi 2 äußert.

Eines scheint diese frühere und wohl auch bekanntere Produktion Fulcis jedoch deutlich von The House by the Cemetery zu unterscheiden: Fulci geht hier viel exploitativer vor, setzt viel mehr auf Effekte und weibliche Brüste als auf ein kohärentes und vorallem atmosphärisches Ganzes. Das soll aber nicht heißen, dass Zombi 2 nicht atmosphärisch wäre, im Gegenteil. Vor allem die Make-Up-Effekte der Zombies kommen meisterhaft daher, selten zuvor – und auch danach – hat man solch erschreckend gut gemachte Zombies gesehen (allen voran jender, der das Cover der DVD schmückt). Ein klarer Sieg für Fulci, schaut man sich im Gegensatz dazu einmal die Maske von Romeros Untoten an (so fern man diese überhaupt vergleichen mag/kann). Und wenn sie schließlich in der Abenddämmerung aus ihren Gräbern steigen oder sich langsam im Windschatten der Lebenden erheben, dann sorgt das schon für den einen oder anderen kalten Schauer, der einem da den Rücken hinunter läuft.

Man sieht schon, es ist nicht ganz einfach von Fulcis Zombieapokalypse zu reden, ohne Romeros Pendant zu erwähnen. Beide wollen mit ihren Filmen unterschiedliches, doch natürlich sind Parallelen unvermeidlich. Zombies als Kontrast zur Südseeidylle und in Scope haben dann aber doch einen größeren Reiz als Zombies im Kaufhaus, die man jeden Tag auch um die Ecke zu sehen bekommt. Sowieso scheint Fulcis Film weniger auf Gesellschafts- und Sozialkritik zu zielen, als vielmehr auf ein Publikum, das die paar Mark zahlt, um dann anderthalb Stunden Brüste, Gore und eine spannende Geschichte zu bekommen. In Anbetracht diverser Beschlagnahmeurteile und heutiger Rezeptionshaltung natürlich noch einmal eine ganze Ecke interessanter (was jedoch auf zahlreiche Filme des Genres und der Zeit, nicht nur von Fulci, zutrifft). Und sind wir doch mal ehrlich: einen Unterwasserzombie, der einen Haifisch anknabbert gab es so auch noch nicht. Da haben sie Filmgeschichte geschrieben, signore Fulci.

Interessant auch, wie Fulci mit Räumen spielt. Die Enge des Bootes, die immer wieder durch den Gegensatz des weiten Meeres und des Südseeflairs relativiert wird. Das Belagerungsszenario, das nicht von ungefähr an Carpenters Assault on Precinct 13 (und dessen Original) erinnert und schließlich das Haus von Dr. Menard und dessen Frau, das sich als Todeslabyrinth erweist. Da versucht sich seine Frau dann auch ins enge Zimmer zu retten, nur um wenig später aus dieser Enge samt Auge hinausgezogen zu werden ("Aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaah!") – neben dem Hai sicherlich das Highlight des Filmes. Die vielen Totalen, eingefangen im Scopeformat, ein Zeichen der Freiheit, werden spätetens dann zur endgültigen Apokalypse, wenn die ersten Zombies in New York einlaufen … (8/10)


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Lucio Fulci Retro: 'The House by the Cemetery'


"No one will ever know whether the children are monsters or the monsters are children", dieses Zitat beendet Lucio Fulcis Quella villa accanto al cimitero, und es stammt nicht von Henry James, wie da dem Bildschirm zu entnehmen ist, sondern es ist Fulic selbst entsprungen. Jenem Fulci, der hier nicht nur übernatürlichen mit Kinderhorror – geht es nur mir so, oder wirkt Bob (Giovanni Frezza) mit seinen riesigen Augen und seinem noch größeren Mund am angsteinflößendsten von allen? – vereint, sondern doch so viel mehr. Ein altes Spukhaus, jede Menge Puppen, heftige Goreeinlagen und sogar Slasherelemente, es gibt wirklich nahezu keinen Bereich des Genres, den Fulci hier nicht tangiert.

Eigentlich ist The House by the Cemetery primär atmosphärischer Horror, der mit ruhiger Hand geführt wird. Diese stille und äußerst dichte Atmosphäre wird aber immer wieder von harschen Gewalteinlagen unterbrochen, die nicht nur die Atmosphäre um 180 Grad kippen, sondern die Musik, die da so erhaben über den Bildern schwebt, gleich mit. Gerade noch im Auto auf der Straße in New York, findet im nächsten Moment schon wieder ein roher Gewaltausbruch statt, der einen nicht nur aus seinen Gedanken reißt, sondern auch erschrecken lässt. Doch so viel Fulci mit dem roten Lebenssaft auch rumsuhlen mag, so sind es oftmals doch weniger die rauen Gewaltmomente, die den Horror ausmachen, als vielmehr Fulcis Liebling, das Augen-Close-Up. Dieses Extrem doppelt er sogar, indem seine Darsteller leuchtend blaue Augen haben, die so strahlen, dass es fast schon wieder übernatürlich wirkt.

Und auch hierzu schafft er wieder den Gegensatz. Auf nahezu jedes Close-Up folgt eine Totale oder Halbtotale in der Natur, die zudem am hellichten Tag spielt. Es kommt einem so vor, als würde man auf den heißen Kaffee einen eiskalten Schluck Cola nehmen. Beides ist nicht gut für die Zähne oder in diesem Falle die Nerven. Nicht anders verhält es sich bisweilen mit dem Schnitt – ob gewollt oder ungewollt ist hier aber vielmehr die Frage, denn das ein oder andere Mal wirkt Vincenzo Tomassis Arbeit doch mehr laienhaft als professionell. Aber selbst diese 'Laienhaftigkeit', die sich vorallem auch in den Effekten äußert, entzieht sich nicht gerade eines gewissen Charmes. So zählt der Kampf Dr. Boyle (Paolo Malco) versus Fledermaus beispielsweise zu den Highlights des Filmes. Sowieso scheint man heute nahezu komplett vergessen zu haben, dass Puppen die meiste CGI immer noch um Längen schlagen.

The House by the Cemetery zählt für mich zu den poetischsten Horrorfilmen überhaupt. Was auf den ersten Blick ob der vorherigen Zeilen paradox klingen mag, ist alles andere als paradox, schaut man sich nur mal allein den Beginn und den Schluss des Filmes an. Klar, Fulcis erster shot ist einer auf nackte Frauenbrüste, aber gleich danach verkommen die vergilbten Farben zu einem wunderschönen schwarz-weiss-Postkartenmotiv, das im Zusammenspiel mit Walter Rizzatis wirklich großartiger Musik – die sowieso einen Löwenanteil der Atmosphäre ausmacht – sofort vom Horror weggeht und eine Sehnsucht wie ein Gemälde heraufbeschwört. Und dennoch kann man sich einem gewissen Horror, den das Ganze mit sich bringt, nicht entziehen. Fulcis Film ist ein Film voller Gegensätze. Kaum ertönt noch einmal das musikalische Thema des Bambinos, wird es im Abspann auch schon wieder vom agressiven Hauptthema abgelöst, das gar nicht erst nach einem sanften Übergang fragt.

Dunkelheit. Man sieht die Hand vor Augen nicht. Ein paar hell leuchtender, definitiv nicht menschlicher Augen ist das einzige, das den Raum erhellt. Auch wenn Argento das schon sechs Jahre zuvor erschreckend gut inszenierte, so ist es aber auch hier einer der großartigsten Genremomente überhaupt. Wie sagt man so schön? Die Augens sind das Tor zur Seele. Kaum einer verstand dies so gut wie Lucio Fulci. (8.5/10)


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