Just Fucking Great. Not. 'Seven Psychopaths' Red Band Trailer

Naja, so wirklich great finde ich ihn gar nicht, den Red Band Trailer zu Martin McDonaghs Seven Psychopaths. Im Gegenteil: Das sieht alles viel zu self-indulgent und 'cool' aus, was McDonagh hier präsentiert. Andererseits hat er mit In Bruges ja einen Knaller abgeliefert, der die Latte für Gangster-Comedies ohnehin recht hoch gelegt hat. Der Cast ist gut, sicher, aber besonders Harrelson und Walken wirken zu bemüht. Deutscher Start ist am 06. Dezember.

(Via Twitch)


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Brügge die Hölle und Tottenham das Fegefeuer?

In Bruges
(Martin McDonagh, UK/Belgien 2008)
Kino

‘In Bruges’Ich selbst war noch nie in Belgien, leider. Ein Freund von mir macht gerade ein Praktikum in der belgischen und europäischen Hauptstadt bei der EU und ist vom Land durchaus angetan. Nun spielt In Bruges ja nicht in Brüssel, sondern in Brügge, der am besten erhaltenen mittelalterlichen Stadt Belgiens – und das sieht man auch. Es ist fast schon gefährlich, wie mich die wunderschönen Aufnahmen dieser wunderschönen Stadt begeistert haben, sodass es fast schon an ein Wunder grenzt, dass ich nicht sofort einen Flug dorthin gebucht habe (ohne auf das Finanzielle zu achten). Ja, Colin Farrells Figur hasst diese reinrassige Kulturstadt, doch da habe ich es wohl eher wie dessen Kollege, Brendan Gleeson, der weise feststellt, dass man so etwas nicht alle Tage zu sehen bekommt. Kein Wunder also, dass es zwischen den beiden bald schon raucht, da der eine kein Museum auslassen will, der andere aber keinen Pub. Doch sie sollen noch mehr Zeit miteinander verbringen, mehr, als beiden vielleicht lieb ist.

Was in den ersten 45 Minuten als Komödie mit dramatischem Tiefgang daherkommt, entwickelt sich in der zweiten Hälfte zu einem intelligenten Gangsterkrimi, der auch nicht davor zurückscheut, die Gewalt richtig ausbrechen zu lassen – Tarantino und Ritchie lassen grüßen. In Bruges ist primär aber sowieso ein Drama mit knochentrockenem Humor, perfekt getimt und niemals überzogen oder in Klamauk abdriftend. Das macht dann auch sichtlich Spaß, wenn Ray (Farrell) in reinrassigem Irisch Sprüche von sich gibt, die pointierter und auf die Situation passender nicht sein könnten: "If I'd grown up on a farm and was retarded, Bruges might impress me, but I didn't, so it doesn't." Sowieso ist der Humor eine der größten Stärken, auf die der Film baut. Er dient nicht nur als unterhaltsames Element, des Humor wegen, sondern wird auch geschickt als comic relief genutzt. Diesen hat der Film bisweilen auch bitter nötig, denn die eine oder andere Szene setzt einem emotional dann doch ziemlich zu, jedoch ohne auch nur ansatzweise pathetisch zu sein. Und das ist nicht zu letzt auch einem grandiosen Colin Farrell zu verdanken ist.

McDonaghs Film lässt sich nicht so einfach in eine Schublade stecken, das habe ich nach dem Film gemerkt. Vermutete ich nach dem Trailer eine neue Gangsterkomödie im Stile von Snatch. oder Layer Cake, so musste ich danach jedoch feststellen, dass die genannten Filme mit In Bruges bis auf einige gemeinsame Schnittpunkte nicht viel gemeinsam haben. Die Art von Humor, ja, die schrägen Charaktere, ja, aber das war es dann auch schon. In Bruges stellt zu keiner Zeit den Anspruch, cool zu sein, denn das ist er ganz bestimmt nicht. Der Film ist vielmehr eine Symbiose, die perfekt zusammenarbeitet und eine positive Stimmung schafft, obwohl sie selbst meist alles andere als positiv ist. Ja, ich war doch ziemlich angetan, erst recht von einigen Szenen, die wirklich ganz groß sind und am Ende des Jahres wohl definitiv auf der Liste der schönsten magic moments landen dürften. Wirklich erstaunlich, dass solch ein depressiver Film dennoch solch einen großen Spaß macht, auch wenn ich diesen Spaß nicht mit dem geläufigen Unterhaltungsspaß gleichsetzen würde, nein. In Bruges ist etwas besonderes, ein Film, den es in dieser Form nicht oft gibt.

War es in There Will Be Blood die Musik, die sich primär nicht im Hintergrund abspielte, sondern meist in den Vordergrund drängte, so ist es auch hier einmal mehr die Musik, die einen bedeutsamen Teil zum Gesamten beiträgt. Bewegt sich das Ganze zwischen melancholischen Tönen und alteingesessenem Pop, so trifft sie stets den Nagel auf den Kopf und hilft der traurig-schönen Atmosphäre des Filmes. In Bruges ist all das, was das Kino sein sollte: Emotional – mal lustig, mal traurig; inspirierend, atmosphärisch, narrativ und mit einer ziemlich langen Halbwertszeit versehen. Aber eines gilt es zu beachten, will man in diesen Genuss kommen: Unbedingt, und dieses Mal meine ich es wirklich so ernst, wie noch nie zuvor, im Original schauen. (8-9/10)


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