Fuck You, Cancer! '50/50' Blu-ray Review


Es ist schon erstaunlich, wie vielseitig manche Regisseure sind. Diese Eigenschaft unterstelle ich nun auch einfach mal Jonathan Levine, der mit All the Boys Love Mandy Lane 2006 einen Überraschungshit lieferte, der nicht nur bei Genrefans für gute Stimmung sorgte. Levine zeigte nicht nur ein ausgeprägtes Gespür für die Jugend, sondern insbesondere auch für Atmosphäre und Spannung. Ganze fünf Jahre hat er Pause gemacht, bevor er mit der viel zitierten 'Cancer Comedy' 50/50 zurückmeldet. Dieses Mal geht es nicht etwa um Horror und Thrills – zumindest nicht direkt –, sondern um die Geschichte eines 27-Jährigen, der im besten Alter plötzlich mit einer seltenen Krebserkrankung fertig werden muss. Es ist die wahre Geschichte von Will Reiser, der auch gleich das Drehbuch zum Film lieferte. In der Verfilmung dieser Ereignisse, die als typische Comedy beginnt und schon bald umschlägt, zeigt Jonathan Levine einmal mehr, dass er es versteht, die Probleme und Gefühle junger Erwachsener einzufangen und zu visualisieren. Denn wenn Joseph Gordon-Levitt kurz vor seiner lebensentscheidenden Operation nach seiner Mutter ruft, dann lacht man nicht mehr, sondern muss kurzerhand mit den Tränen ringen.

Es ist der intensivste Momente in 50/50, ein Moment, wie man ihn nur ganz selten in all diesen seichten und vermeintlich leichten ’Dramedies’ vor den Latz geknallt bekommt. Ist im ersten Drittel noch von Blowjobs, Drogen und Kunst die Rede, werden schon bald ernstere Töne angestimmt, und das ganz ohne auf comic relief zu verzichten, das keinesfalls deplatziert wirkt, sondern ehrlicher kaum sein könnte. Adam (Gordon-Levitt) hat alles, was man sich in seinem Alter nur wünschen kann: Er hat einen ordentlichen Job, eine hübsche Freundin, eine eigene Wohnung und einen guten Freund (Seth Rogen, der mit Will Reiser befreundet ist und den Anstoß zur Verfilmung gab). Seine Probleme, nämlich dass seine Freundin ob seiner Rückenschmerzen keine Lust auf Blowjobs hat, sind allerhöchstens als Luxusprobleme zu bezeichnen. Das ist auch der Grund, weshalb ihm wie dem Zuschauer die Diagnose des Arztes völlig surreal vorkommt. Gerade erfährt er, dass er einen Krebstumor hat, da kann er im nächsten Moment sein Lachen kaum verkneifen, als er zwei Pfleger sieht, die gerade einen Leiche durch die Krankenhausflure schieben. Eine natürliche Abwehrreaktion, wie es scheint, denn uns Jungen kann doch keiner weiß. Erst recht nicht das, was sonst den alten Säcken vorbehalten bleibt.

Langsam aber sicher realisiert Adam, was mit ihm passiert, auch wenn er es bis zum Schluss nicht ganz wahrhaben möchte. Er versucht sich in Alkohol, Drogen, Frauen, Fernsehen und Unternehmungen mit seinem Bro. Letztlich hilft das aber alles nichts, denn wie er irgendwann begreift, läuft er lediglich vor sich selbst weg. JGL liefert dabei eine gigantische Performance ab, die buchstäblich durch Mark und Bein geht – vom Lebemann zum Chemo-Patienten ist es ein ganz kurzer Weg, wie uns 50/50 zeigt. Ständig fragt man sich, wie man selbst in solch einer Situation und mit solch einer Diagnose umgehen würde. Würde man sich so verhalten wie Adam oder würde man der Wahrheit viel eher ins Auge sehen? Oder würde man doch einen ganz anderen Weg gehen? Fragen, mit denen der Film vorsichtig und vor allem sehr ehrenwert umgeht, denn auch wenn 50/50 bisweilen zynisch daherkommt, hat er das Herz doch am rechten Fleckt, wie beispielsweise die Chemo-Sitzungen mit Matt Frewer und Phillip Baker Hall, die zwischen derbem Humor und ernsteren Tönen pendeln, eindringlich zeigen. Der Tod ist allgegenwärtig, nicht nur bei den Alten. Und wer nicht bereits ist zu kämpfen, der hat bereits verloren.

Natürlich ist die Geschichte des Will Reiser schon ein Filmstoff, wie ihn nur das Leben selbst schreiben kann, aber unter der Regie von Levine wird aus 50/50 trotz Zugeständnissen an die Dramaturgie und einer leicht aufgesetzten Lovestory eine emotionale Achterbahnfahrt, die mich so richtig gepackt hat und erst einiges später wieder losgelassen hat. Der Cast ist fantastisch und besonders JGL beeindruckt nachhaltig (ich würde sogar so weit gehen und diese Rolle als seine bisher beste bezeichnen). 50/50 ist nicht nur die Geschichte eines persönlichen Schicksals, sondern vor allem auch eine über Männerfreundschaften, die alles und jeden überstehen. Vor allem wir Männer dürften uns nicht selten wiedererkennen. (8.5/10)

Die Blu-ray von Universum Film ist seit 07. September im Handel (Amazon-Partnerlink) und bietet für einen Nicht-Blockbuster ein erstaunlich gutes Bild, das an den richtigen Stellen scharf ist und nur selten Schwäche zeigt. Der Ton ist ebenfalls seht gut geworden, auch wenn er natürlich filmbedingt keine wirklichen Highlights bietet. An Extras gibt es ein informatives Feature zur wahren Geschichte hinter 50/50, sowie Deleted Scenes und einen Audiokommentar.


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Dr. Boll wird wieder emotional: 'Darfur' Promo Trailer


Ich meine mich zu erinnern, dass der Herr Doktor in einem seiner Interviews verkündete, dass er Filme wie Black Hawk Down und sonstigen Hollywoodkriegsschmalz "scheiße" finde. Umso erstaunlicher also, dass er sich jetzt gerade einem solchen Stoff in Darfur annimmt, dessen Promotrailer (mäßige Qualität) nicht nur knappe neun Minuten geht, sondern auch auf massig Pathos setzt und das Ganze mit Hans Zimmers Musik aus Tears of the Sun untermalt. Klingt ein wenig heuchlerisch, oder? Dieser Eindruck erhärtet sich nur weiter, schaut man einmal, was Dr. Boll sonst noch so in der filmischen Planung hat. Sein Film über den Siegburger Foltermord, Stoic, beispielsweise, der sich auch in Richtung menschliche Abgründe hangelt.

Im Film selbst gerät – wie der Trailer großzügig verrät – eine Gruppe amerikanischer (klar, wer auch sonst hat es nötig) Journalisten inmitten der Gräuel, die im Sudan an der Tagesordnung sind. Entweder helfen sie den Menschen oder sie kehren wieder um. Es dürfte klar sein, für was sie sich entscheiden … Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich den Dr. schätze, aber ich bin mir in jüngster Zeit wirklich nicht mehr sicher, wohin das alles führen soll. Beide genannten Filme sehen jedenfalls mehr nach 'Tabubruch' als nach intelligentem, dem Thema angemessenen, Kino aus.


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