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	<title>Equilibrium</title>
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		<title>Der wahre kinematografische &#039;Untergang&#039; des Dritten Reichs</title>
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		<pubDate>Sun, 23 Aug 2009 23:41:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-full wp-image-3625" style="border: 1px solid black; margin-top: 5px; margin-bottom: 5px;" title="'Inglourious Basterds'" src="http://www.equilibriumblog.de/wordpress/wp-content/uploads/basterds2.jpg" alt="" width="560" height="316" /><br />
Es gibt eine Szene in <a href="http://www.imdb.com/title/tt0361748/" target="_blank"><em>Inglourious Basterds</em></a>, die zwar nur den Bruchteil einer Sekunde dauert, aber doch so stellvertretend f&#252;r den ganzen Film ist: Dr. Joseph Goebbels nimmt seine franz&#246;sische Dolmetscherin von hinten und hat dabei gro&#223;en Spa&#223;. Diese kurze Einstellung, diese wenigen Frames repr&#228;sentieren dabei wiederum nur einen Bruchteil seines lachhaften Charakters. Stellt man einmal allein diese Szene in Kontrast zur Darstellung Goebbels in Oliver Hirschbiegels <em>Der Untergang</em>, dann bemerkt man schnell, dass der wahre Wahnwitz nicht Tarantinos Film entspringt, sondern dem teutonischen Machwerk aus der Schmiede Bernd Eichingers. Man denke nur an die Gebrechlichkeit eines Goebbels in <em>Der Untergang</em>, das Pathos, die Verkl&#228;rung, die ihn, seine Frau, ja seine ganze Familie umnebelt, um bei dramatischer Terminologie zu bleiben, denn nichts anderes als eine theatralische Inszenierung ist <em>Der Untergang</em> und seine Geschichtsverf&#228;lschung doch am Ende. Das gleiche gilt nat&#252;rlich auch f&#252;r den F&#252;hrer selbst, der hier statt den schmeichelhaften Charmeur den Reichsf&#252;hrer gibt, f&#252;r den das alles nur ein gro&#223;es Indianer-und-Cowboy-Spiel ist, von dem er eigentlich keine Ahnung hat, aber er sitzt eben ganz oben, da ist das nicht weiter wild.</p>
<p>Nat&#252;rlich tobt sich Tarantinos Neuer auch in Exploitationgefilden aus, keine Frage, das zeigen aber weniger die beiden genannten Akteure und ihre &#220;berzeichnung, als vielmehr die Historizit&#228;t, denn hier endet der Krieg schon im Jahre 1944, ohne die bedingungslose Kapitulation des Deutschen Reiches. Wobei man auch hier schon wieder, w&#228;re man spitzz&#252;ngig, zu Recht behaupten k&#246;nnte, dass es <em>Der Untergang</em> da ja auch nicht allzu ernst nahm, trotz der Zusammenarbeit mit diversen historischen Instituten. Das einzige, was f&#252;r ein reines Exploitationkino fehlt, ist der Sex &#8211; wobei, den gibt es ja in Form von Goebbels &#034;Ausrutscher&#034;. Ansonsten ist alles dabei, allen voran die Gewalt, die jedoch erstaunlich selten wirklich selbstzweckhaft daherkommt. Am meisten beutet Tarantino dann sowieso das Talent seiner deutschen Darsteller aus. Statt in einem weiteren deutschen TV-Schmonzes verbraten zu werden, leben allen voran nat&#252;rlich Christoph Waltz, aber auch August Diehl und Daniel Br&#252;hl so richtig auf, als h&#228;tte man sie um den ewigen Schatten erleichtert, der deutsche Schauspieler bei ebendieser Thematik doch stets begleitet. Und sie haben ja auch allen Grund aufzuspielen, losgel&#246;st von all dem deutschen Erinnerungskino, das, man kann es nicht oft genug betonen, in den meisten F&#228;llen unehrlicher nicht sein k&#246;nnte.</p>
<p>Nat&#252;rlich ist es unm&#246;glich einen Film mit dieser Thematik zu machen, der nicht wertend ist, da allein die Inszenierung des f&#252;r dieses Kino stellvertretenden <em>Der Untergang</em> schon wertend ist, aber ein SS-Offizier, der in aufkommenden Nebelschwaden hingerichtet wird (die Rede ist von Thomas Kretschmanns SS-Gruppenf&#252;hrer Hermann Fegelein), weil er die NS-F&#252;hrung davon &#252;berzeugen wollte, dass der Krieg bald zu Ende sei, ist schlichtweg unakzeptabel, zumal er ein linienteuer Nazischerge war. Alle gehen sie in tiefen Kitsch getr&#228;nkt unter, und stets sind wir Zeuge dabei. Nur beim F&#252;hrer nat&#252;rlich nicht, der darf hinter verschlossenen T&#252;ren sterben. Allein diese Mystifizierung, die auch <a href="http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,642401,00.html" target="_blank">Georg See&#223;len in seinem Buch</a> &#252;ber Tarantinos <em>Inglourious Basterds</em> anspricht, zeigt die ganze Widerw&#228;rtigkeit, die doch in <em>Der Untergang</em> und Konsorten steckt. Bei Tarantino m&#252;ssen all die b&#246;sen Schergen selbstverst&#228;ndlich auch ins Gras bei&#223;en, die Nazijagd ist schlie&#223;lich der Hauptplot des Filmes, nur geschieht dies hier sang- und klanglos, wenn beispielsweise ein hoher Gestapo-Mann zuerst seine Hoden weggeschossen bekommt und dann einfach im Chaos oder besser gesagt Schnittgewitter des Drunter und Dr&#252;ber untergeht. So ergeht es dann schlie&#223;lich auch der gesamten F&#252;hrungsriege, der keine Nebelschwaden zur Seite stehen, keine aufspielende Musik und keine nachdenklich stimmende Stille nach dem H&#246;hepunkt.</p>
<p>Sie alle verbrennen, das Gesicht des angeblich Schw&#228;cheren vor Augen, Hitlers Gesicht nur noch ein einziger Brei, durchsiebt von unz&#228;hligen Kugeln &#8211; kein M&#228;rtyrertum, keine Heroisierung, nur ein Auftrag, der erfolgreich zu Ende gebracht wurde. Gleich danach geht es dann auch buchst&#228;blich weiter mit der Geschichte. Wie singt Zarah Leander dann im Film auch so sch&#246;n? <em>&#034;Davon geht die Welt nicht unter&#034;</em>, w&#228;re ja noch sch&#246;ner. Bei allem Beifall, dem man Tarantino allein daf&#252;r schon geben m&#246;chte, verf&#228;llt aber auch er etwas in die typische Hollywoodkiste, bei der die T&#228;ter stets die Partei (Goebbels, Hitler), SS (Landa), Gestapo (Hellstrom) und SD sind. Die Wehrmacht kommt dabei stets fast v&#246;llig unbefangen davon. Dies sieht man am besten nat&#252;rlich am Beispiel vom Sch&#252;tzen Fredrick Zoller (Daniel Br&#252;hl) oder Wilhelm, einem einfachen Soldaten, der gerade Vater geworden ist und eigentlich nur nach Hause zu seinem Sohn will. Vor allem Zoller macht eine Entwicklung durch, die ihm gegen Ende durchaus eine Katharsis zukommen l&#228;sst. Vom hilflosen Wehrmachtssoldaten, der die Stellung seiner Kameraden nicht preisgeben m&#246;chte und daraufhin von den Basterds zu Brei geschlagen wird, ganz zu schweigen. Hier ist kein gro&#223;er Unterschied zu deutschen <em>period pieces</em> auszumachen, was an und f&#252;r sich nicht weiter schlimm ist, da die Schuldfrage der Wehrmacht und ihrer Partizipation an Kriegsverbrechen noch immer nicht ganz klar definiert ist, aber es f&#228;llt zumindest auf.</p>
<p>All diese Zusammenh&#228;nge d&#252;rften aber nicht nur f&#252;r den Verlauf der deutschen Erinnerungskultur von Interesse sein, sondern vor allem auch f&#252;r den deutschen Film und die deutsche Medien im Allgemeinen. Waren es doch stets mediale Ereignisse wie die Serie <em>Holocaust</em>, die B&#252;cher von G&#252;nther Grass und J&#246;rg Friedrich, die f&#252;r eine gro&#223;e &#246;ffentliche Diskussion und Auseinandersetzung gesorgt haben. Auch das trifft zumindest bis zu einem gewissen Grad auf Tarantino und seinen Film zu. Man schaue sich nur einmal das heuchlerische deutsche Plakat an, in dem nat&#252;rlich das Hakenkreuz fehlt, weil es weder &#8211; wie auf einem anderen zu sehen &#8211; von einem Messer durchstochen wird, noch dezent im Hintergrund zu sehen ist. Es ist <a href="http://coronacomingattractions.com/sites/default/files/inglourious_basterds_teaser_poster.jpg" target="_blank">blutverschmiert</a>, exakt das, was es schlie&#223;lich auch pr&#228;sentierte, aber das haben die Verantwortlichen wohl wieder nicht verstanden oder einfach nur nicht verstehen wollen. Immerhin d&#252;rfte es ja sowieso als gro&#223;er Schritt gesehen werden, dass man bei uns Making-Ofs mit gut gelaunten deutschen Darstellern sieht, die gro&#223;e Namen tragen und sich nun f&#252;r solch einen Film engagieren und die Werbetrommel r&#252;hren. Sicherlich ist es auch dem Namen Tarantino selbst zu verdanken, dass der Film hier so gro&#223;en Anklang findet und es endlich normal werden l&#228;sst, dass auch deutsche Gr&#246;&#223;en in solchen &#034;darf-man-so-etwas-&#252;berhaupt-Filmen&#034; mitwirken.</p>
<p>Und auch wenn es bereits erste Stimmen gibt, die am Film viel auszusetzen haben (ja, Eli Roth hat wirklich keine Ahnung, wie Filme <a href="http://www.equilibriumblog.de/wordpress/2009/08/05/nations-pride-fake-trailer-zu-eli-roths-beitrag/" target="_self">in den 40ern aussahen</a>), unter anderem beispielsweise die Kapitelstruktur, die mehr aufgezw&#228;ngt wirke als passend oder die dialoglastigkeit ankreiden (haben die schon mal einen Tarantino gesehen?), so ist es der Film selbst, der Tarantino hoch anzurechnen ist, der nicht nur ein Kapitel deutscher (Film-)geschichte zu Ende bringt oder besser gesagt zu Grabe tr&#228;gt, sondern auch historisch so viel ehrlicher ist als ebendiese (kurz gesagt: man merkt, dass Tarantino fast zehn Jahre am Drehbuch schrieb). Nat&#252;rlich sollte man bei alledem nicht vergessen, dass <em>Inglourious Basterds</em> auch hervorragendes Schauspielkino ist &#8211; und das nicht nur wegen eines hervorragenden Christoph Waltz (hier hat endlich der richtige &#214;sterreicher eine Hauptrolle), sondern auch wegen eines Til Schweigers, der &#8211; wie die anderen eben auch &#8211; endlich sein wahres Schauspieltalent unter Beweis stellen kann, n&#228;mlich das griesgr&#228;mige Dreinschauen, das einer gewissen Komik alles andere als entbehrt. <em>Inglourious Basterds</em> ist so viel, so detailreich, so ehrlich und vor allem so gut, dass er in Tarantinos Filmografie einen besonderen Platz einnehmen sollte. Gegen diesen Film wirken all seine anderen Werke fast schon wie postmoderne Ego- und Zitatemasturbation. Auch wenn der Begriff so ausgelutscht ist wie der deutsche WWII-Schmonzes, <em>Inglourious Basterds</em> ist ein Meisterwerk. <strong>(10/10)</strong></p>
<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<br />
<em>Bibliographie</em></p>
<p>B&#246;sch, Frank. <em>Film, NS-Vergangenheit und Geschichtswissenschaft</em>. Oldenbourg 2007.<br />
Heer, Hannes. <em>Hitler war&#039;s</em>. <em>Die Befreiung der Deutschen von ihrer Vergangenheit</em>. Berlin<br />
2005.</p>
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