R.I.P. Sydney Pollack

Zuletzt habe ich ihn noch in Michael Clayton gesehen, wo er eine wirklich außerordentlich gute Leistung ablieferte. Man sah ihm die Freude am Spielen stets an, in all seinen Filmen. Auch als Regisseur feierte er große Erfolge, zuletzt mit der Dokumentation über Stararchitekt Frank Gehry. Gestern starb Pollack im Alter von 73 Jahren an Krebs: "According to the AP, quoting Pollack's agent Leslee Dart, Pollack died Monday afternoon (5/26/08) at his home in Pacific Palisades, surrounded by family and friends." (IMDb) Möge er in Frieden ruhen.

Sydney Pollack in


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»I'm not the guy you kill. I'm the guy you buy!«

Michael Clayton
(Tony Gilroy, USA 2007)
Kino

‘Michael Clayton’Steuerflucht nach Liechtenstein, inländische Steuerhinterziehung, große Konzerne, die nicht von der Politik bevormundet werden, sondern die Politik bevormunden – man will es eigentlich gar nicht wissen, was da bei den Großen und Mächtigen alles hinter verschlossenen Türen vor sich geht. Jemand, der die Spuren, die dabei entstehen, beseitigt, ist Michael Clayton (George Clooney). Oder auch nicht. Zumindest beseitigt er Müll, und die Definition dieses ist Ansichtssache. Er ist kein Mann, der das Musterbeispiel einer integeren Person wäre, doch ist er auch nicht unbedingt das Gegenteil. Clayton ist ein vielschichtiger, undurchschaubarer Charakter, mal Familienmensch, mal Zocker, mal bester Freund, mal kalter Hund. Es ist genau dieser Vielschichtigkeit und Tiefe, die Clooneys Figur so interessant macht. Man könnte ihm ob seines großartigen Spiels stundenlang zusehen, was der Film im Prinzip auch macht. Es ist kein gewöhnlicher Thriller, ja, plottechnisch am ehesten noch, aber alles andere an Michael Clayton ist eifrige Detailarbeit, die man zu jeder Sekunde sieht.

Es ist kein Thriller, mit dem man es hier zu tun hat, vielmehr ein ruhiger Erzählfilm, der zwar eine gewissen Spannungsbogen besitzt, diesen aber in aller Ruhe spannt. Das Ausgangsszenario ist dabei aber so konstruiert, dass eine vorschnelle Auflösung nicht dringend benötigt wird, sondern so, dass man Clayton nahezu in Echtzeit begeleitet und den Fall mit ihm gemeinsam löst. Fast aus dem Nichts gelingt es Gilroy immer wieder Spannung aufzubauen, keine, die an den Nerven zerrt, aber genug, um am Ball zu bleiben. Clooney zur Seite steht ein fantastischer Cast, der so gut zusammenspielt, dass man nicht genug davon bekommen kann. Besonders Tom Wilkinson als latent verrückter Kanzleichef weiß in seiner Rolle zu gefallen, wohingegen Tilda Swinton zwar gut wie eh und je ist, aber von einem Oscar – besonders angesichts der Konkurrenz – dann doch ziemlich weit entfernt. Michael Clayton ist also, um es kurz zu machen, auch großartiges Schauspielkino, das ob des eher konventionellen Drehbuchs locker von seinen Darstellern allein getragen wird.

Nicht weniger positiv fallen Musik, Dialoge und Kamera auf. Letztere begeistert besonders, sind mir doch seit langer Zeit keine Bilder mehr aufgefallen, die so perfekt durchkomponiert und passend waren (von No Country for Old Men, der sowieso eine Klasse für sich ist, mal abgesehen). Sie ist metaphorisch, scheint die Gedanken der Figuren nonverbal zu äußern, sodass man sich voll und ganz auf die schönen Bilder konzentrieren kann. Besonderes Highlight ist Rolltreppenszene, die einen wunderbaren Übergang zum Abspann eingeleitet hätte, hätte sich Regisseur Gilroy nicht doch für das 0815-Ende, das Clooney aber immerhin noch mal voll und ganz fordert, entschieden. Michael Clayton ist lange nicht perfekt, nein, doch ist er ein intelligenter, ruhiger Thriller, der keinen ausgeklügelten Plot oder sonstigen Firlefanz benötigt um zu fesseln. Ihm reichen aussagekräftige Bilder, eine ordentliche Portion Ruhe und eine schauspielerisch große Darstellerriege. Ein schönes Beispiel dafür, dass ein Thriller nicht immer Action oder Psychoelemente haben muss, um zu fesseln – und dass George Clooney ein wirklich Großer ist. (8/10)


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