Tony Scott Retro: 'Days of Thunder'


Es hat den Anschein, als käme Maverick auf seiner Harley (?) direkt von seiner (ehrenhaften) Entlassung aus der Navy. Er hat den Tod von Goose noch immer nicht verkraftet und sucht sich nun ein neues Adrenalin-haltiges Hobby. Er landet schließlich bei Robert Duvall und Randy Quaids Team, bei dem er fortan als NASCAR-Fahrer den Kick sucht und findet. Es ist genau dieser Shot mit Cruise auf dem Motorrad vor der untergehenden Sonne, die das Scope-Bild orangener nicht färben könnte, das zu dieser Annahme verleitet und uns so bekannt vorkommt.

Und natürlich die Tatsache, dass Days of Thunder ein Quasi-Remake von Top Gun ist – nur mit Rennautos statt Kampffliegern. Der Werdegang Cruises vom Hotshot zum Gewinner ist dabei fast noch etwas platter als in Top Gun, die Konflikte nicht wirklich interessant oder von Bedeutung. Das Mädchen in Form seiner späteren Frau Nicole Kidman bekommt er ja ohnehin – egal, wie oft er den Karren (buchstäblich) gegen die Wand fährt. Es liegt vielleicht auch zu einem nicht unerheblichen Teil daran, dass mich Autorennen nicht das Geringste interessieren, aber bei meiner Erstsichtung von Days of Thunder wollte der Funke einfach nicht überspringen.


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Trailer zu Park Chan-wooks neuem Film 'Stoker'

Drei Jahre ist es schon wieder her, dass Koreas Ausnahmeregisseur einen Spielfilm gedreht hat. Thirst (박쥐), das war 2009, für den er in Cannes ausgezeichnet wurde und den ich bis heute nicht gesehen habe. Nun meldet sich Park Chan-wook mit seinem neuen Thriller Stoker zurück, in dem Nicole Kidman, Mia Wasikowska und Matthew Goode die Hauptrollen spielen. Zum Plot:

"After India's father dies, her Uncle Charlie, who she never knew existed, comes to live with her and her unstable mother. She comes to suspect this mysterious, charming man has ulterior motives and becomes increasingly infatuated with him." (YouTube)

Der Trailer sieht bereits nach all dem aus, was wir an Park so schätzen. Produziert haben Ridley und Tony Scott. Einen US-Start gibt es noch nicht, dito einen deutschen. In UK startet Stoker am 01. März 2013.


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Gefangen in den eigenen vier Wänden: 'Trespass' Blu-ray Review


Joel Schumacher hat noch nie wirklich zu der ersten Riege Hollywoods gehört. Trotz seinen 30 Filmen, die mittlerweile auf sein Konto gehen. Sicherlich hat Schumacher einige bekannte Filme vorzuweisen, aber insgesamt kann man ihn wohl getrost zu Hollywoods mediokersten Regisseuren zählen – erst recht, wenn man sich seinen kreativen Output der letzten Jahre so ansieht. Da wundert es dann auch nicht weiter, dass er für seinen neuesten Film Trespass den in den letzten Jahren ebenfalls höchstens mediokren Nicolas Cage angeheuert hat, der hier wieder mal auf Autopilot agiert. Seit Jahren fragen sich Filmfans nun schon, ob das, was Nic Cage da zum Besten gibt, reines Kalkül oder tatsächliche Talentfreiheit ist. Denkt man aber an seine früheren Rollen (und auch noch an einige wenige der letzten Jahre) und das Talent, das er darin zeigte, dann könnte man doch meinen, dass der Gute es nun einfach ruhiger angeht. Schließlich hat auch er Rechnungen, die bezahlt werden müssen. So oder so: Auch bei Schumacher ist Cage wieder mal voll in seinem Element – mit Toupet, Opa-Brille und Zuhälter-Anzug.

Auch wenn man Cage so schon oft genug gesehen hat, ist es immer wieder aufs Neue faszinierend, wie corny Cage doch sein kann. In Schumachers Film gibt er einen erfolgreichen Makler, der alles hat: eine schöne Frau (Nicole Kidman), eine Tochter (Liana Liberato), die langsam zur Frau wird und ein Haus mit Anwesen, das so groß wie ein Fußballstadion anmutet. Doch es ist nicht alles Gold, was glänzt, das macht uns Schumacher schnell klar. Seine Frau hat genug davon, dass er nur an seine Arbeit denkt und die pubertierende Tochter rebelliert, weil sie nicht auf die Party einer Freundin darf. Luxusprobleme eben. Gerade hat die Frau das Abendessen zubereitet und die Tochter eine Lösung gefunden, wie sie doch noch auf die Party kommt, da schaffen es einige Gangster ins schwer gesicherte Haus – durch einen einfachen Trick, der schon erste Zweifel ob der Plausibilität des Ganzen beim Zuschauer weckt. Was der Haufen Gangster mag und weshalb sie überhaupt die drogenabhängige Braut mit hergebracht haben, die nichts besseres zu tun hat als sich durch Kidmans Kleiderschrank zu wühlen, bleibt ebenso im Dunkel wie die Tatsache, dass einer der Gangster etwas mit Kidman hatte. Oder auch nicht.

Es ist schon erstaunlich, in welches Kuddelmuddel sich Trespass in der ersten Stunde bringt, nur um dieses dann mit der Schere einfach durchzuschneiden, statt es gekonnt zu entknoten. Zu keiner Zeit gelingt es dem Film wirkliche Spannung aufzubauen oder irgendwelche falsche Fährten zu legen. Stattdessen werden einem Klischees um die Ohren geworfen, die einen Bart haben, der bis zum Boden reicht. Dass Schumachers Thriller das Rad nicht neu erfindet, ist hier gar nicht das Problem. Das Problem ist vielmehr die Tatsache, dass Schumacher sich keinerlei Mühe gibt mit dem, was er uns da vor die Nase setzt. Statt sukzessive eine Auflösung des Ganzen zu versuchen, wählt er in den letzten 10 Minuten des nicht einmal 90-Minüters die Brechstange und baut in den Thriller, die zudem auch Beziehungs- und Familiendrama ist, noch eine Coming-of-Age-Geschichte ein, die dem Fass dann endgültig den Boden ausschlägt. Auch, weil alle Darsteller bis auf Kidman – und diese hat es zu einem Großteil auch ihrer Erscheinung zu verdanken (trotz Botox) – unglaublich schnell nerven, allen voran die oberschlaue, taffe Tochter oder der Oberfiesling mit den vielen Versprechen.

Am Ende fragt man sich eigentlich nur noch: Warum sah der Trailer zu Trespass eigentlich recht ordentlich aus, wenn das Endergebnis dann so lahm daherkommt? Ich weiß es bis heute noch nicht. Und ich werde es so schnell wohl auch nicht herausfinden, denn Schumachers Film vergisst man mindestens so schnell wieder, wie man ihn gesehen hat. Das war noch nicht einmal wirkliche Mittelmäßigkeit, viel eher mediokres Mittelmaß – selbst für Schumacher'sche Verhältnisse. Das sah auch das amerikanische Kinopublikum so, denn dort spielte er gerade mal 24.000 US-Dollar (!) und damit nicht einmal sein Budget ein. Es wundert also nicht, warum Schumacher, der in den letzten Jahren immer ein Film pro Jahr drehte, noch kein Projekt für dieses Jahr hat. (4/10)

Trespass ist seit dem 28. Februar auf DVD und Blu-ray erhältlich (Amazon-Partnerlink) und kann auch technisch nicht wirklich punkten. Die Blu-ray hat ein ordentliches Bild ohne große Highlights (was wohl auch daran liegt, dass der Film die meiste Zeit im Dunkeln spielt), der Ton ist ebenfalls gutes Mittelmaß. Räumlichkeit sucht man allerdings vergeblich, selbst in den wenigen Szenen, die außerhalb des Hauses spielen. An Extras befinden sich ein Making-of, Interviews, eine B-Roll und Trailer auf der Scheibe, die von Ascot Elite vertrieben wird.


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Trailer zu Joel Schumachers 'Trespass'


Das Poster zu Joel Schumachers neuem Actionthriller Trespass sieht gelinde gesagt bescheiden aus, der erste Trailer zum Film sieht hingegen gar nicht mal so übel aus (480p/720p/1080p). Cage wirkt mit der Brille zwar reichlich deppert, aber als ausflippenden Freak mögen wir ihn doch am liebsten, oder? US-Start ist am 14. Oktober.


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»War is coming Lyra.«

The Golden Compass
(Chris Weitz, USA/UK 2007)
Kino

Weihnachtszeit, Familienfilmzeit – THE CHRONICLES OF NARNIA hat es letztes Jahr vorgemacht, THE GOLDEN COMPASS macht es dieses Jahr nach. Doch ist das, was da auf der Leinwand flimmert, riesige Eisbären, die Menschen zerquetschen und Hexen, die ihre Gegner mit Pfeilen aufspießen, wirklich was für die Kleinen? The Golden CompassDefinitiv nicht – zumal jeder Tod durch den Tierdämon, der zu leuchtendem Staub zerfällt, zusätzlich visualisiert wird. Da möchte ich wirklich nicht in einer kleinen (wobei, die FSK gab ihm ja immerhin eine 12er-Freigabe) Kinderseele stecken. Natürlich liegt im Großen und Ganzen der Fokus aber auf einer kinderfreundlichen Erzählung, die allerdings des Öfteren ins Unverständliche abdriftet. Sie ist wild, wechselt die Handlungsorte häufiger als mancher die Unterhose und wirkt vor allem gegen Ende viel zu schnell abgespult. Klar, es läuft auf den zweiten (und dritten) Teil hinaus, das wird hier überdeutlich klar gemacht. Doch muss ein Schluss wirklich so überkandidelt sein?

Doch erstmal genug der Kritik, denn THE GOLDEN COMPASS hat auch seine guten Seiten, das kann man nicht von der Hand weisen. Die Animationen der Tiere sind grandios, allen voran jene des Eisbären Iorek Byrnison (im Original gesprochen von Ian McKellen) – da scheint jemand wirklich was vom diesjährigen Bay-Kracher gelernt zu haben. The Golden CompassSowieso sind Kostüme, Ausstattung und Details zum dahin schmelzen, angefangen von den imposanten Städten über den Zeppelin, bis hin zum ewigen Eis. Das fasziniert dann nicht nur die Kleinen. Es ist nämlich genau jene Welt, die zur Weihnachtszeit, zur besinnlichen Zeit am besten funktioniert, nach der sich die Leute sehnen, vor allem wenn am Heiligen Abend mal wieder kein Schnee liegt. Zudem lebt Weitz' Film nicht nur von seinen schönen Welten, sondern auch von der Masse seiner Stars, denn sogar Christopher Lee ist sich für seinen 10-sekündigen Auftritt nicht zu schade (und wird im Abspann sogar als drittes genannt).

Doch auch die weniger bekannte, kleine Dakota Blue Richards, für die es die erste große Rolle ist, kann auf ganzer Linie überzeugen – ob das wohl am Vornamen liegt? Sie ist die typische kleine Besserwisserin, aber jene, die man trotzdem gern hat. The Golden CompassUnd auch ihre Freunde sind zum knuddeln, klar, die Eltern sollen ja emotional ja auch irgendwie mit einbezogen werden. Ich, weder Kind, noch Elternteil, empfand das Ganze nach dem Abspann dann aber doch etwas zu trivial. THE GOLDEN COMPASS ist eye candy in Reinform, ein mathematisch genau berechneter Blockbuster, der es mit seiner Zielgruppe jedoch schwer haben wird. Denn wie gesagt, für die Kleinen ist es gewalttechnisch zu explizit, für die Großen hingegen einfach zu belanglos. Der Film ist einfach zu durchschauen, denn seine optischen und darstellerischen Reize sind vital für ihn. Ohne diese könnte THE GOLDEN COMPASS auch getrost im Abendprogramm RTLs oder ProSiebens laufen. Ob ich im kommenden Jahr dem zweiten Teil beiwohnen werde, steht also noch in den Sternen. (6/10)


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