Das waren die 85th Annual Academy Awards


Irgendwie interessiert mich der Oscars von Jahr zu Jahr weniger, das schicke ich gleich voraus. Warum? Nun, ich habe es im PewCast zu den Oscar-Nominierungen bereits angesprochen, wenn mir ein Film gefällt, ist mit egal, wie viele Preise er gewinnt – oder eben nicht. Und sind wir mal ehrlich, die letzten Jahre waren nicht gerade das, was man eine fantastische Show nennen würde. Ich würde es zumindest nicht so nennen. Vor allem der immer größer werdende Musik-/Musical-Part missfällt mir nach wie vor. Und der war leider auch letzte Nacht wieder enorm groß – fast noch größer als in den letzten Jahren, zumindest gefühlt. Selbst Gastgeber Seth MacFarlane ließ es sich nicht nehmen ein Lied zu trällern.

Apropos Gastgeber: Auch wenn ich kein Fan seiner Serien bin, muss ich sagen, dass MacFarlane das hervorragend gemacht hat! Sein Opening, das bisweilen stark an die MTV Movie Awards erinnerte (was ich begrüße, und schließlich wollte man ja ein jüngeres Publikum für sich gewinnen) war ziemlich toll, wie auch der Rest seiner Moderation. Einzig und allein sein permanentes Geklatsche ging mir etwas auf die Nerven. Er darf den Job nächstes Jahr jedenfalls gerne wieder haben, wenn es nach mir ginge.

Ansonsten war es rein showtechnisch doch wie immer, oder? Viel Brimborium, viele Laudatoren, die immer noch unsicher sind, wenn sie einen Preis vergeben sollen und die üblichen Einspieler. Richtig gefreut hatte ich mich auf den zum 50. Bond-Jubiläum. Umso enttäuschter war ich vom tatsächlichen Ergebnis, denn der Zusammenschnitt war nicht gerade ein Highlight wie jener von Kees van Dijkhuizen. Dafür entschädigte aber Shirley Bassey mit 'Goldfinger', die eine tolle Performance ablieferte. Das tat wenig später auch Adele, nur war der Song dank katastrophaler musikalischer Begleitung der Horror – das war schon fast ein anderer Song!

Sonstige Gedanken zur Show selbst: Das The Avengers-Team war nur noch peinlich und der mit Abstand schlechteste Auftritt des Abends, Jennifer Lawrences Ausrutscher war super sympathisch, Les Misérables konnte oder wollte keiner auch nur annährend korrekt aussprechen und Reese Witherspoons Kleid war das schrecklichste des Abends. Dank Seth MacFarlane eine insgesamt recht solide Show, die wie immer viel zu lang geraten ist und die noch nie so viele Werbeunterbrechungen hatte.

Doch kommen wir zu den Gewinnern, das, worum es ja eigentlich gehen soll. Ich war bereits im Vorfeld von den Nominierten alles andere als begeistert. Klar, man hat seine Favoriten, nur, dass das in diesem Jahr so wenige wie noch nie für mich waren. Das mag zum einen daran liegen, dass ich nicht wirklich viele der Filme gesehen habe, zum anderen daran, dass ich es aber auch nicht wollte, weil mich bereits Trailer und Kritiken abschreckten. Auf den besten Film Argo habe ich nach wie vor große Lust, auf den Fim mit den meisten Preisen des Abends (4 Oscars), Ang Lees Life of Pi, absolut nicht – der interessiert mich nach wie vor nicht die Bohne.

Ansonsten machen sich fast nur Enttäuschungen breit: Tarantino das beste Originaldrehbuch für Django Unchained zu geben, wundert mich kein bisschen, auch wenn ich "Einkaufszettel gesehen habe, die besser geschrieben waren", um es mit den Worten eines Freundes zu sagen, der Regie studiert. Daniel Day-Lewis als bester Darsteller in Lincoln war ebenfalls klar, auch wenn ich mit ihm nach wie vor rein gar nichts anfangen kann – der ist selbst in seinem Sessel im Publikum noch komplett 'verschwurbelt', was mich von ihm total entfremdet. Ebenfalls ein glasklarer Gewinner und ein Film, den ich ASAP nachholen muss: Michael Hanekes Amour.

Größtes Ärgernis des Abends – und jetzt werde ich wieder mal viel Gegenwind spüren – war aber ganz klar Christoph Waltz, der erneut bester Nebendarsteller wurde. Klar, wirklich jeder in Film und TV hat ihn in den Himmel gelobt, aber dass er ihn schon wieder bekommen würde, hatte zumindest ich nicht wirklich geglaubt. Umso ärgerlicher, dass er für ein und dieselbe Rolle (was immerhin auf Twitter einige ähnlich gesehen haben wie ich) den Oscar gewonnen hat. Österreich ist natürlich wieder komplett aus dem Häuschen, dito Deutschland. Und ich hämmere meinen Kopf einmal mehr gegen die Wand ob dieser Entscheidung, weil ich Waltz nicht mag, er im Interview mit Gätjen extrem fakey rüberkam und ich sein 'bescheidenes Posen' einfach nicht mag. Und natürlich weil ich ihn nicht für einen großartigen Schauspieler halte.

Gefreut habe ich mich aber auch über den einen oder anderen Gewinner. Besonders gefreut, wenn auch keine Überraschung, hat mich der Preis für Adele, denn ihr Titelsong zu Skyfall hat es mehr als verdient. Auch der zweite Oscar für Sam Mendes' Skyfall hat mich sehr gefreut. Schade, dass Roger Deakins nicht auch noch einen dritten Oscar für seine grandiose Kameraarbeit gewinnen konnte. Ebenfalls große Freude bei Zero Dark Thirty, der den Goldjungen für das beste Sound Editing zusammen mit Skyfall bekam. Der Rest der Preise geht in Ordnung, keine großen Überraschungen (Doku an Searching for Sugar Man, Animated an Brave, Makeup an Les Misérables).

Ach ja, wer sich wundert, dass es nach der Red Carpet Show so ruhig bei mir auf Twitter geworden ist, dem sei gesagt, dass ich zum ersten Mal das Twitter-Limit erreichte, sprich ich habe über 100 Tweets in einer Stunde zu Steven Gätjen, den Stars und ihrem Styling versendet – zu viel für die Twitter-API. Aber vielleicht auch gar nicht schlecht, denn so hatte ich keinen 'sozialen Druck' und konnte die Show unbeschwert 'genießen'.


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Verdrehte Köpfe: 'My Week With Marilyn' Blu-ray Review


Wenn man sich Simon Curtis' My Week With Marilyn ansieht, fragt man sich zu allererst, weshalb noch niemand vor ihm auf die Idee kam, diesen Stoff zu verfilmen. Curtis' Film hat nämlich all das, was vor allem Kritiker zur Awards Season so gerne sehen: Eine Geschichte mit wahrem Hintergrund, tolle Darsteller, die in große Fußstapfen treten, eine tolle Ausstattung und besonders für die US-Kritiker handelt es sich fast auch noch um einen fremdsprachigen Film. Zum Ende des Jahres wird ohnehin alles irgendwie besinnlicher, da konzentriert man sich nicht etwa auf große Blockbuster wie im Sommer, sondern auf kleine Autorenfilme, die einfach dieses gewisse Etwas haben, das man erkennt und sofort "Oscar-Material!" schreit. Genau so erging es My Week With Marilyn dann auch, denn Michelle Williams erhielt für ihre Rolle als Marilyn Monroe eine Nominierung als beste Hauptdarstellerin. Auch Kenneth Branagh erhielt für seine Rolle als Sir Laurence Olivier eine Nominierung. In beiden Fällen blieb es allerdings bei der Nominierung.

Genau so verhält es sich auch mit dem Film selbst. Sicherlich, die Geschichte um den jungen Colin Clark (Eddie Redmayne), der unbedingt beim Film arbeiten will und deshalb alles tut, um für Laurence Olivier (Branagh) zu arbeiten und schließlich Marilyn Monroe am Set von The Prince and the Showgirl trifft, ist nicht uninteressant und lebt von seinen tollen Darstellern. So richtig will der Funke aber zu keinem Zeitpunkt überspringen, was auch daran liegt, dass sich My Week With Marilyn nie aus gewohnte Bahnen loslöst und etwas Eigenes auf die Beine stellt. Alles plätschert mehr oder weniger vor sich hin, die Geschichte kann nicht wirklich fesseln, auch wenn sie auf wahren Begebenheiten beruhen soll (ohnehin ist ja nicht gesagt, dass diese Geschichten die besseren sind). Williams und Redmayne harmonieren gut, schrammen aber des Öfteren nur knapp am Overacting vorbei. Das ist alles etwas zu viel des Guten, kann man getrost sagen – und das auf den ganzen Film bezogen.

Curtis verschenkt aber auch viel Potential, denn genau so schnell wie er Emma Watson als eigentliches love interest von Colin einführt, so schnell verschwindet sie wieder im Hintergrund. Ja, diese Marilyn verdreht allen den Kopf, besonders den jungen Männern dieser Welt, die trotz gutem Elternhaus einfach mal fünf grade sein lassen und sich ihrem Verlangen hingeben, egal welche Konsequenzen das Ganze hat. Das selbe gilt für Judi Dench, die über einige wenige Szenen nicht hinauskommt (was teilweise auch auf Terminprobleme zurückzuführen ist) oder Julia Ormond, die mit ihrem Mann Laurence Olivier einige Male Händchen halten darf. Warum sich die Produzenten um die Weinstein Bros. für ein R-Rating entschieden haben, bleibt auch schleierhaft, denn die vielen forcierten Kraftausdrücke wirken angesichts der Geschichte fast schon wie Fremdkörper und wären absolut nicht nötig gewesen, zumal es den Humor nicht wirklich fördert. My Week With Marilyn ist ein gut gemeinter Film, der leider an der Umsetzung und seiner etwas zu seichten Geschichte krankt. In Erinnerung bleibt vor allem ein toller Eddie Redmayne. (6.5/10)

Die Blu-ray aus dem Hause Ascot Elite ist seit dem 06. November erhältlich (Amazon-Partnerlink). Bild und Ton sind ordentlich, auch wenn vor allem der Center-Kanal deutlich lauter hätte abgemischt werden können. Neben einem Making-of, einem Featurette und einem Audiokommentar von Regisseur Simon Curtis gibt es auch noch den Trailer und eine Trailershow mit weiteren Filmen aus dem Programm von Ascot Elite.


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Trailer zu Steven Spielbergs Abraham Lincoln Biopic 'Lincoln'

Nach dem Trailer zum Trailer ist der erste offizielle Trailer zu Steven Spielbergs Abraham-Lincoln-Biopic Lincoln da und sieht nach einem typischen Hollywood-Epos Marke Spielberg aus. Don't get me wrong, das sieht nach mindestens 150 Minuten langem packendem Historienkino aus, nur werde ich nicht das Gefühl los, dass es sich hier eben auch um den typischen Oscar-contender Nummer eins handelt. US-Start ist auch noch pünktlich zu den Oscars 2013, nämlich am 16. November.

(Via The Playlist)


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Oscars 2012: Die Gewinner, die Verlierer und die Opfer

Gestern habe ich die Oscars zum ersten Mal seit vielen Jahren nicht gesehen. Halb so wild, wie sich herausstellen sollte, denn die Gewinner sind größtenteils eh nicht nach meinem Geschmack und die Show selbst war wohl so wie immer. Wer noch nicht weiß, wer genau gewonnen hat, der kann hier nachschauen. Da ich die Verleihung nicht gesehen habe, kann ich auch kein großes Fazit ziehen (ich freue mich aber sehr für Woody Allen und The Girl with the Dragon Tattoo). Das will ich aber auch nicht, sondern verweise deshalb auf zwei Videos, auf die ich bei Kollege reeft gestoßen bin. Zum einen über all jene, die bei der Verleihung übergangen wurden (hätte es nur die Hälfte der Filme darin zu einer Nominierung gebracht, hätte ich die Oscars auch geschaut), zum anderen Sacha Baron Cohen aka Borat aka Brüno aka Admiral Aldeen, der Moderator Ryan Seacrest Kim Jong-Ils Urne auf den Smoking schüttet.


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Oscar Doku Shortlist: Neuer 'Hell and Back Again' Trailer

Im Mai hatte ich bereits den Teaser Trailer zur Afghanistan-Doku Hell and Back Again gepostet. Durch die Oscar-Doku-Shortlist, auf der auch Hell and Back Again zu finden ist, bin ich auf den neuen Trailer aufmerksam geworden. Der suggeriert eine Mischung aus Restrepo, Brothers at War und Armadillo, sprich eine Mischung aus allen bedeutenden Kriegs-Dokus der letzten Zeit. Während es die Doku in einige europäische Länder geschafft hat (u.a. UK und Frankreich), dürften wir hierzulande wieder mal leer ausgehen. Dann eben auf DVD – oder eben nach den Oscars im Februar, dürfte er dort den Goldjungen einsacken.


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Ödes aus der Einöde: 'Winter's Bone'


Es gibt zahlreiche Klischees und Stereotypen über die amerikanische Unterschicht, den White Trash, wie er im Volksmund genannt wird und der meist schon anhand des Dialekts ausgemacht werden kann. Natürlich nimmt sich besonders der amerikanische Film dieser Bevölkerungsgruppe an, die mal aufs Korn genommen wird, mal als Hinterwäldler unschuldige Mitmenschen foltert und meuchelt oder ganz einfach nur als abscheulicher Sonderling ausgestellt wird. Auch Winter's Bone porträtiert den White Trash, der in maroden Holzhütten lebt einmal mehr ein Bild des amerikanischen Südens bedient, an das der Zuschauer bereits gewöhnt scheint. Nun handelt es sich zwar weniger um den wirklichen Süden der USA, als vielmehr um die Ozark Mountains, die eine Hochlandregion inmitten der Vereinigten Staaten bilden. Was bereits beim Setting interessant klingt und über dem Vorspann besungen wird, entfaltet aber leider zu keiner Zeit seine Reize, denn Regisseurin Debra Granik scheint es nicht etwa um die Entdeckung dieser Region der USA zu gehen – die durchaus einige interessante Aspekte zu haben scheint, das dringt im Film immer wieder durch -, sondern lediglich um ein weiteres stereotypes Bild einer Region, in der die Menschen per se verdammt zu sein scheinen. Die Familien, die hier leben, sind nicht nur arm und der Bildung meist fern, sondern verhalten sich auch dementsprechend. Da landet dann auch öfter mal Eichhörnchen auf dem Teller, das zuvor natürlich selbst erlegt wurde. Um zumindest einen gewissen Lebensstandard zu haben, wird mit Drogen gedealt oder die Nachbarschaft angepumpt.

Ja, es ist ein ziemlich düsteres Bild, das Winter's Bone vom Ozark-Plateau, wie es auch genannt wird, zeichnet. Hinzu kommt, dass der Vater von Ree (Jennifer Lawrence) sich aus dem Staub gemacht hat und sie sich nun sowohl um die kranke Mutter, als auch um die beiden jüngeren Geschwister kümmern muss. Plottechnisch ist es mit diesem einen Satz dann auch schon fast getan, denn außer einem vermissten Vater und undurchsichtigen Verwandschaftssippen und Nachbarn hat der Film zumindest auf der Inhaltsebene nichts zu bieten. Dementsprechend unspannend kommt das alles dann auch daher, man fragt sich ständig, wann es eigentlich mal losgeht und der Film an Fahrt gewinnt. Ganze 100 Minuten lang verfolgt der Film eine Spur, die letztlich doch quasi ins Nichts führt und den Zuschauer enttäuscht zurücklässt – auch, weil Winter's Bone doch ziemlich bemüht ist, ein großes Geheimnis lüften zu wollen, das es aber gar nicht gibt. Sämtliche Figuren versucht der Film in ein Zwielicht zu stellen, in Wirklichkeit sind sie aber lediglich austauschbare Abziehbilder, die wirklich jedes Klischee bedienen, das man über den White Trash nur haben kann (korpulent, arm, ungebildet, gewalttätig, ideologisch, etc.). Winter's Bone geht allerdings noch einen Schritt weiter, er geht nämlich von der Falschannahme aus, dass diese blassen Figuren interessant, ja mysteriös erscheinen und den Zuschauer gerade ob Ihrer 'Andersartigkeit' faszinieren können.

Diese Tatsache ist nicht nur an der Realität vorbei, sondern fast schon beleidigend (allen voran für die Menschen in den Ozark Mountains). Winter's Bone verfällt recht schnell dem Irrglauben, dass das, was er uns zeigt, ach so anders ist – in Wirklichkeit kennt man die hier zu sehenden Muster aber zur Genüge, und auch die neunmalkluge und taffe Ree fängt schon bald an zu nerven statt als harte Heroin durchzugehen. Da betreibt Jennifer Lawrences zugegeben wirklich gutes Spiel auch lediglich noch so etwas wie Schadensbegrenzung. Warum John Hawkes gar für einen Oscar nominiert wurde, bleibt wohl das Geheimnis der Academy, denn außer grimmig und düster aus der Wäsche schauen, war da nichts. Winter's Bone ist von einer Langeweile und Gleichgültigkeit durchzogen, dass man fast schon Mitleid mit den Beteiligten empfindet – allen voran aber für die realen Bewohner der Ozark Mountains, denen der Film ganz und gar keinen Gefallen getan hat. Entweder Sozialdrama oder Thriller; dass beides nicht unbedingt miteinander vereinbar ist, zeigt Winter's Bone leider eindrücklich. Ein typischer Fall von zu stark gehyptem Indie, der substanzloser und gleichgültiger kaum sein könnte. (4/10)


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Oscar Nominierungen 2011


Gerade wurden sie bekannt gegeben, Überraschungen gibt es eigentlich keine. Ich freue mich natürlich sehr, dass The Social Network in allen wichtigen Kategorien nominiert ist (auch wenn eine Nominierung für Andrew Garfield fehlt), ebenso The King's Speech, der mit 12 Nominierungen die Liste deutlich anführt. True Grit kommt immerhin auf 10 Nominierungen, der ja die diesjährige Berlinale eröffnen wird. Am 27. Februar wissen wir dann mehr. Schön auch, dass der deutsche Otto-Normal-Zuschauer in diesem Jahr viele der Nominierten bereits sehen konnte bzw. sie vor der Verleihung noch ins Kino kommen.


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The WASP Woman: 'The Blind Side'


In einem amerikanischen Podcast wurde eine alte Dame zitiert, die an der Kinokasse stand und zum Kassierer meinte: "This movie is going to change our country." Die Rede ist von The Blind Side, jener Film, der Sandra Bullock den Oscar einbrachte und damit zumindest schon einmal ihr Leben veränderte. Bullock, die neben dem Oscar auch die Goldene Himbeere für die schlechteste Darstellerin (jedoch in einer anderen Rolle) gewann, zeigt eine gewisse Authentizität, war sie doch eine der wenigen, die auch diesen 'Schandpreis' persönlich abholten und sich dafür bedankten. Authentizität ist ohnehin etwas, das besonders Hollywood zu lieben scheint. Beschränkt sich der Hinweis, dass ein Film auf wahren Begebenheiten basiert meist auf Thriller und period pieces, so sind es hin und wieder auch die Biopics, die sich mit dieser Tatsache rühmen, auch wenn natürlich medienrelevante Aspekte wie die Dramaturgie bisweilen angepasst oder gar geändert werden müssen. Auch The Blind Side ist in gewisser Hinsicht ein Biopic, nicht nur eines einzelnen Menschen (hier eines Sportlers), sondern einer Frau und ihrer Familie. Und dennoch verzichtet der Film auf die anfängliche Texttafel, dass es sich bei dem nun gezeigten um wahre Begebenheiten handelt.

Dies markiert der Film nämlich, in dem er asynchron beginnt und Archivaufnahmen von Michael-Oher-Spielen zeigt, die das Ende des Filmes bereits vorwegnehmen und deutlich machen, welche Kraft vom Film und seiner Geschichte ausgehen soll. The Blind Side erzählt eine typisch amerikanische Geschichte, wie sie Hollywood immer wieder gern erzählt, wenn auch meist ohne realhistorischen Zusammenhang. Es ist einmal mehr die Geschichte eines Menschen, für den der American Dream wahr zu werden scheint: Michael Oher (Quinton Aaron), der aus ärmlichen Verhältnissen stammt, wird eines Tages an einer christlich-konservativen Highschool vorgestellt, in der er aus Nächstenliebe einen Platz bekommt, denn seine intellektuellen Fähigkeiten sind seinen sportlichen deutlich hinterher. Leigh Anne Tuohy (Sandra Bullock) entdeckt den Jungen eines Nachts in der Kälte und offeriert ihm einen Schlafplatz im Haus ihrer Familie. Langsam bemerkt sie, wie sich nicht nur das Leben des Jungen ändert, sondern auch ihr eigenes. Natürlich klingt diese Prämisse reichlich kitschig, zumal Bullocks Figur den letzten Satz auch so von sich gibt, denn auf die Bemerkung einer Freundin, dass sie doch das ganze Leben dieses Jungen verändere meint sie nur: "No, he's changing mine." Dennoch ist The Blind Side selten kitschig, vielmehr bedient er sich stark bei Mechanismen des emotionalen Erzählens.

Die offensichtlichste Strategie ist hierbei sicherlich die Geschichte an sich. Nach gewissen Szenerien tendiert man durchaus dazu, sich zu fragen, warum man hier eigentlich so dich aufträgt. Spätestens nach dem gesamten Film wird aber deutlich, dass man es eigentlich kaum glauben könnte, würde es sich nicht um Tatsachen handeln. Diese Authentizität läuft dem Kitsch dann auch etwas entgegen, so dass man doch ständig gewillt ist, sich einmal mehr ins Gewissen zu rufen, dass das alles ja schließlich tatsächlich (mal mehr, wie man der Trivia entnehmen kann, mal weniger) so passiert ist. Dies ändert jedoch nichts daran, dass der Film viele Aspekte weiter verstärkt. So regnet es beispielsweise stark, als Leigh Anne Michael das erste Mal begegnet, eine beliebte Strategie, um die emotionale Wirkung zu verstärken. Es sind vor allem aber die Dialoge, die ihre volle Wirkung hier offenbaren, denn immer wieder wird mit familiären Themen gespielt, immer wieder beruft sich Leigh Anne darauf, dass Michael auf seine Familie aufpassen müsse (und hiermit ist nicht nur Familie Tuohy gemeint, sondern alle Mitglieder der christlich-konservativen Community), wie auch diese auf ihn aufpasse. Bullock kann hier aber auch besonders durch ihr zugegeben wirklich eindingliches Spiel überzeugen, denn man nimmt ihr diese durchgestylte WASP-Frau, die auch vor größeren Hindernissen nicht zurückschreckt, doch ab.

John Lee Hancock macht zu keinem Zeitpunkt einen Hehl daraus, dass es sich bei The Blind Side um einen kalkulierten Film voller Pathos handelt. Im Gegenteil, manchmal wirkt es fast schon etwas selbstreflexiv, wenn beispielsweise Kathy Bates' Nachhilfelehrerin der Familie offenbart, dass sie aber Demokratin sei. An einer anderen Stelle im Film will sich Leigh Anne beschweren, da sie in einer Behörde so lange warten muss. Auf die Frage, wer den Laden hier zu verantworten hätte, schwenkt die Kamera auf ein großes Porträt von George W. Bush – ein deutliches, fast schon wie ein comic relief anmutendes, Statement. Ebenfalls offensichtlich wird dies in Leigh Annes Mittagsrunde, die aus Frauen mittleren Alters besteht, deren optisches Erscheinungsbild klischeehafter kaum besetzt sein könnte. Hier fällt Leigh Anne spätestens nach Aufnahme Michaels etwas aus der Reihe, denn auch wenn sie sich optisch weiterhin nahtlos einfügt, so ist es doch ihr Verhalten, in dem sie sich unterscheidet, und welches sie auch vor ihren Freundinnen nicht weiter rechtfertigt. Es sind diese kleinen Momente, in denen man The Blind Side sogar für eine subtile Satire halten könnte, würde das Pathos nicht so stark dominieren und vor allem wirken.

Es ist also nicht schwer, die Mechanismen zu durchschauen, mit denen Hancock arbeitet. Er versteht es hervorragend, solch ein emotionales Gefühlskino zu inszenieren, das am Ende eigentlich nur Freudentränen zulässt. Auch wenn es paradox klingen mag, so wirkt all das geballte Pathos, alle Affekterzeugung, mit dem The Blind Side nahezu auf den Zuschauer einschlägt, am Ende, auch wenn das Konstrukt leicht zu durchschauen ist. Entgegen läuft all diesem Kino der großen Gefühle eigentlich nur die Ideologie (die mit dem Pathos meist Hand in Hand geht), die in Ansätzen dann doch äußerst fragwürdig erscheint. Selbst wenn man das christlich-konservativ-republikanische Milieu außen vorlässt, so kommt The Blind Side doch etwas verlogen daher. Michael Oher wird nicht nur wegen seines Talents integriert, ja assimiliert, sondern auch, weil er Schwarz ist und somit in der Community nahezu einzigartig ist. Seine Brüder und Freunde, ja all die anderen Schwarzen in der Stadt, werden als talentlose Gangster und Schläger gezeichnet, ohne Perspektive, ohne etwas, das ihnen das gleiche Schicksal zuteil werden ließe wie Michael. Der Film versucht diese Tatsache auszuklammern, begibt sich nur einige wenige Male in dieses Viertel der Stadt. Es mag bisweilen fast schon an eine gewisse Kolonialmentalität erinnern, wenn hier suggeriert wird, dass man sich nicht selbst helfen könne, sondern auf die Hilfe des Weißen Mannes angewiesen sei.

Doch auch hier weiß sich der Film zu helfen, denn auch der Familie Tuohy wirft er kurz vor, das alles nur wegen des damit verbundenen Erfolges getan zu haben. Dieser kritische Moment wird aber schnell wieder zugunsten weiteren Pathos aufgegeben, stellt somit also vielmehr ein kurzes kritisches Moment vor dem Finale dar. Das entkräftet das Pathos kurzzeitig, so dass es seine Wirkung am Ende nur weiter verstärken kann. The Blind Side lässt den Zuschauer mit dem Abspann dann auch nicht etwa mit dessen Tränen allein, sondern illustriert diesen mit Originalfotos der Familie Tuohy, die vor allem die schönen Seiten des Erfolges von Michael Oher zeigen. Untermalt wird das alles schließlich von Five For Fighting mit ihrem Song 'Chances'. Und jeder, der von der Band schon einmal gehört hat, weiß, dass diese meist mit patriotischen Songs auf Truppen-CDs vertreten ist (der Song 'Brothers in Arms' des Frontmanns John Ondrasik war zuletzt Titelsong für die Irakdoku Brothers at War). Es ist nicht nur die Tatsache, dass sich der Text des Songs hervorragend auf den Film übertragen lässt, sondern er zeigt auch, dass Hancock wirklich nichts dem Zufall (chance) überlässt. Allein deshalb ist The Blind Side ein ganz außergewöhnlicher Film. (8/10)


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Die Gewinner der 82. Annual Academy Awards


Natürlich habe auch ich mir wieder mal die Nacht für die Oscars um die Ohren geschlagen. Doch eines gleich vorweg: ich weiß nicht, ob ich das im nächsten Jahr wieder tun werde, denn meine Güte war das eine lahmarschige Veranstaltung! Als NPH statt Baldwin und Martin hineinkam, dachte ich noch "Yeah, Barney!", doch sobald er begann zu singen war die Freude dann auch wieder verflogen (glücklicherweise hielt sich das Gesinge in diesem Jahr aber in Grenzen). Dann: Baldwin und Martin reißen einen lahmen Witz nach dem anderen. Gut, der eine oder andere bringt mich zum Schmunzeln, aber das war's dann auch. Sowieso ließ der Humor wieder mal zu wünschen übrig, auch, weil er immer die gleiche Richtung einschlägt: man macht Witze über sich selbst. Da war es dann fast schon eine Erlösung, als Ben Stiller die Bühne als Na'vi betrat und allen zeigte, was wirklich witzig ist. Für weitere Lacher sorgten einige Dankesreden, nicht, weil sie schlecht gewesen wären, nein, weil die Preisträger wirklich verstanden einen Witz zu reißen ("That's an über-Bingo.")

In Sachen Preisträger geht das eigentlich alles in Ordnung. Überrascht haben mich eigentlich nur einige wenige Entscheidungen, allen voran jene, dass Michael Haneke den Oscar für Das weiße Band nicht bekam – nicht, dass ich diese Entscheidung nicht begrüßen würde, aber wer dachte bitteschön nicht, dass dies eine sichere Kiste sei!? Die andere Überraschung – zumindest für mich – war Precious: Based on the Novel Push by Sapphire (was ist das eigentlich für ein bescheuerter Beititel? Da wollte wohl jemand undbedingt seinen Namen im Titel haben), der den Preis für das beste adaptierte Drehbuch einsackte – hier hatte ich dann doch mit Reitmans Up in the Air gerechnet. Doch auch hier begrüße ich die Entscheidung. Weniger überrascht, aber dennoch verwundert, haben mich einige Technikkategorien, die ich eigentlich Avatar zugeschrieben hatte, sie The Hurt Locker aber absolut gönne. Mit am meisten gefreut hat mich aber der Kostümoscar für The Young Victoria, auf den ich mich doch sehr freue.

Um noch einmal zu den Dankesreden zurück zu kommen: Christoph Waltz hat es Tarantino zu verdanken, dass er da oben stand und den Goldjungen in Empfang nehmen durfte, ja, aber muss er deswegen solch eine Arschkriecherei betreiben, wie er das vergangene Nacht tat (zumal sich die Preisträger ja hinter der Bühne nochmals bei allen Produzenten, Regisseuren, etc. bedanken konnten)? Sowieso wurde meinem Empfinden nach viel mehr den Filmemachern als der Familie gedankt, da erfreut es natürlich ganz besonders, wenn MILF Kathryn Bigelow sich bei den Streitkräften bedankt, die man nicht vergessen dürfe. Für einige ein Aufreger, aber Hollywood steht nunmal hinter den Truppen, das wird fast jedes Jahr deutlich – und es hat ja auch nichts mit Politik zu tun, sondern mit dem persönlichen Engagement der Soldaten generell, weshalb sie gleich beide Reden zum Dank nutzte. Geschichte hat Hollywood mit dieser Entscheidung ohnehin geschrieben, denn Bigelow ist die erste Frau, die den Regiepreis verliehen bekam. Ein klares Zeichen dafür, dass es viel zu wenige Frauen in diesem Job gibt.

Auch an der Zeit mangelte es der Verleihung, so zumindest mein Eindruck. Die Übergänge waren so schnell, dass man nicht einmal die Ansagen aus dem Off richtig wahrnehmen konnte. Fast schon gehetzt wirkte das alles, allen voran die Offenbarung des besten Filmes des Jahres, denn kaum war Tom Hanks auf der Bühne war es auch schon wieder vorbei. Grundsätzlich ist dies ja begrüßenswert, denn in den letzten Jahren zog es sich phasenweise doch recht stark, aber ein wenig Tempo könnte man hier schon rausnehmen. Abschließend noch einige unsortierte Gedanken zur Show … Die Horrormontage war hervorragend *** T-Bone Burnett sieht aus wie Cameron mit Sonnenbrille *** Bullock ist und bleibt unattraktiv und unsympathisch *** keine einzige Dame hat mich gestern umgehauen, am ehesten vielleicht noch Vera Farmiga in ihrem schönen Kleid *** Steven Gätjen, unser Mann am Roten Teppich, bekommt sie alle (bzw. Scott Orlin) *** nächstes Mal bitte NPH alles moderieren lassen


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Die Oscar 2010 Predictions von Equilibrium


Gutschein Codes hat uns Filmblogger dazu aufgefordert, die Gewinner der 82. Annual Academy Awards zu tippen. Da diese ja ohnehin vor der Türe stehen und es zudem auch noch etwas zu gewinnen gibt, will auch ich hiermit meine Einschätzung abgeben. Die von mir Genannten stellen dabei jedoch nicht den von mir gewünschten Gewinner dar, sondern jenen, von dem ich ausgehe, dass er gewinnen wird. Ich habe zudem absichtlich nicht alle Kategorien getippt. Hier also nun meine Einschätzung:

# Bester Film The Hurt Locker
# Bester Hauptdarsteller Jeff Bridges
# Beste Hauptdarstellerin Sandra Bullock
# Bester Nebendarsteller Christoph Waltz
# Beste Nebendarstellerin Mo'Nique
# Beste Regie Kathryn Bigelow
# Bester animierter Spielfilm Up
# Bester fremdsprachiger Film Das weiße Band
# Bester Dokumentarfilm The Cove
# Bestes Szenenbild Avatar
# Bestes Kostümdesign Nine
# Beste Kamera Inglourious Basterds
# Beste Filmmusik Up
# Bester Filmsong 'The Weary Kid' – Crazy Heart
# Bester Schnitt The Hurt Locker
# Bestes Originaldrehbuch Inglourious Basterds
# Bestes adaptiertes Drehbuch Up in the Air
# Bester Tonschnitt Avatar
# Bester Ton Avatar
# Bestes Make-up The Young Victoria
# Bester animierter Kurzfilm A Matter of Loaf and Death
# Beste visuelle Effekte Avatar

In der Nacht vom 07. auf den 08. März wissen wir dann mehr. Die Verleihung inkl. der Show vom Roten Teppich ist wie immer live auf ProSieben zu sehen.


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