As Time Goes By: 'Casablanca' feiert heute sein 70. Jubiläum


"Of all the gin joints, in all the towns, in all the world, she walks into mine.", echauffiert sich Rick (Humphrey Bogart) als er mit Drink in der Hand und der Dunkelheit im Gesicht in seinem Café lange nach Ladenschluss sitzt. Er hat gerade erfahren, dass Ilsa (Ingrid Bergman) sich genau an dem Ort auf der Welt befindet, an dem er sie als allerletztes erwartet hätte. Der Rest ist Filmgeschichte. Genau heute vor 70 Jahren hat man nicht nur dieses, mein Lieblings-Filmzitat, zum ersten Mal auf der Leinwand gehört, sondern auch alle anderen, die Michael Curtiz' Casablanca zum unsterblichen Klassiker haben werden lassen.

Ich könnte hier ewig lang in Erinnerungen schwelgen und Anekdoten erzählen, weshalb Casablanca ein Über-Film ist, aber es würde diesem Meisterwerk dennoch nie gerecht werden. 70 Jahre, das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: 70 Jahre! Und hoffentlich wird man ihn auch in 7.000 Jahren noch nicht vergessen haben. 'As Time Goes By' … The Playlist hat zum Jubiläum noch '5 Things You Might Not Know About Casablanca' zusammengetragen. Und kein anderer Re-Release-Trailer fasst einen Film so schön zusammen wie jener von 1992 – damals zum 50. Jubiläum.


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»Of all the gin joints in all the towns in all the world …«


… she walks into mine!" Ein Satz, der bei mir Gänsehaut auslöst wie wohl kein zweiter. Natürlich, es ist Bogeys Monolog aus Casablanca. Warum ich das gerade jetzt, 67 Jahre nach dem Kinostart und mehr als eineinhalb Jahre nach der Wiederaufführung, sage? Vergangenen Montag durfte ich, wie es vielleicht der eine oder andere schon bei Twitter geselen hat, den besten (amerikanischen) Film zum ersten (und hoffentlich nicht letzten) Mal im Kino sehen. OV, mit ausgezeichnetem, dem Film ebenfalls hingegebenen, Publikum und in einem kleinen, äußerst netten Programmkino (man beachte auch das vorzügliche Klassikerprogramm der nächsten Monate).

Zwar stellte sich nach dem Abspann heraus, dass es sich nicht um eine 35mm-Kopie handelte, sondern um eine (digitale?) Projektion, aber das war angesichts der Gefühlsachterbahn zur reinen Nebensache verkommen. Richtig, eine Gefühlsachterbahn, anders ließe sich dieser Kinobesuch auch nicht beschreiben. Schon der Vorspann, das große Logo der Warner Bros., lässt mir alle Härchen senkrecht stehen. Ein Magic Moment reiht sich an den anderen, die Hände schwitzen trotz der Minusgrade vor der Türe und nahezu im Sekundentakt scheint sich mir ein neues, zuvor nicht wahrgenommenes Detail zu erschliessen.

Dann, der erste Auftritt Bogeys, es könnte sich Jennifer Garner neben mir ausziehen, meiner Konzentration würde dies keinen Abbruch tun. Wenig später das gleiche mit Ingrid Bergmans Figur Ilsa. Ihr erstes Zusammentreffen, ihre Aufforderung an Sam, es zu spielen – "Play it, Sam … for old time sakes!" -, die Rückblende nach Paris ("Here's looking at you, kid."). Ich könnte den ganzen Film Station für Station abklappern, jedes Moment mit meinen Lieblingszitaten ausführen und dennoch würde es nicht die tiefen Emotionen wiedergeben, die ich während des Filmes empfand. Casablanca muss jeder für sich erleben, und wenn er sich weigert dies in der unsynchronisierten und damit auch unzensierten Fassung zu tun, dann hat er sowieso schon verloren und wird nie verstehen können, was den Film so besonders macht.

Irgendwann hatte ich dann auch mit den Tränen zu kämpfen, doch ein Blick auf die Reihen vor mir bestätigte, dass ich weiß Gott nicht der Einzige war, dem so geschah. Sowieso, man konnte sogar das Rauschen der Klimaanlage hören, so muxmäuschenstill war es im Saal. Gelacht wurde natürlich auch, mehr sogar, als ich in Erinnerung hatte. Verwundert oder vielmehr überrascht hat mich auch, dass der Film das Thema Sexualität ziemlich explizit anspricht. Captain Renault, der zwiespältige Präfekt mit einem übergroßen Herz für das weibliche, meist sehr junge, Geschlecht (eigentlich aber auch wieder nicht weiter verwunderlich, denn der Noir thematisierte Sexualität schon Jahre zuvor ziemlich explizit).  Ebenfalls auch (erneut) erstaunt gewesen, wie der Film mit dem Thema Krieg und Nazideutschland umgeht ("Even Nazis can't kill that fast!").

Ich bin froh, dass ich zumindest einige 'nüchterne' Aspekte anführen konnte, denn eigentlich dachte ich ja, dass diese Zeilen zu reinem Pathos verkämen. Pathos, das selten angebrachter war und in dem ich mich selten wohler fühlte. Casablanca ist der Inbegriff von Kino, tangiert er doch das volle (emotionale) Spektrum des Mediums. "Im Kino gewesen. Geweint." (Franz Kafka)


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SemiNoir: 'Stranger on the Third Floor'

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SemiNoir is a continuing series of short academic essays dealing with film noirs watched and reviewed in the seminar 'Film Noir and American Culture' at the University of Tuebingen.

I am pretty sure that nobody has ever seen Fritz Lang's M and was not amazed by Peter Lorre's performance. He has a very strong presence, and although he has only a few scenes in Stranger on the Thrid Floor, he certainly dominates each of these scenes. It is not only his unconventional appearence, but rather his acting which is very impressive (altough at times it is to some degree pretty corny). The crux about him and his character is the fact that he is not only a cold-blooded serial killer who cuts throats but also a man, a foreigner, who has fears. Lorre's character is not physically superior to his victims he is rather inferior in terms of body measures as one can see during the final scene when he is walking next to Jane (Margaret Tallichet) who is mostly portrayed as the woman who alsways needs (male) protection and care-taking , which makes him an even more untypical murderer. However, if one thinks about Briggs (Elisha Cook Jr.) one can easily recognize that he was not a typical killer, too. Briggs is also more like a lanky character who is screeming and whining about his conviction. These three people, Briggs, the stranger and Jane, are the only persons who are actually showing their feelings and emotions in public. And although Michael (John McGuire) also has scenens in which he whines and shows a lot of emtions (flashbacks, nightmare), those are not shown in public but rather in his apartment (with nobody being present) or, of course, in his own mind/conscience.

But there is even more to physicalness. If you take a look at the scenes Meng (Charles Halton) and Michael share, you can see that he is way less strong than Michael. In one scene Michael even 'attacks' Meng, who is surprised that Michael has the courage to do so but he also recognizes that he cannot do anything against this much younger and trained male. But why is he the dreaded Nazi then? He is tall and skinny and therefore does not represent the Nazi villain at least not on a physical basis. But does he need to be physically superior in order to spy on Michael and his girlfriend in a fascist way? No, not necessarily, because he represents a whole system, which has its own ways… Furthermore, if one thinks of film noir, especially in terms of women, one mostly thinks of the femme fatale, a woman who is untypically strong and emancipated. However, in Stranger on the Third Floor, we have the conventional woman of this time period: inferior, depending on males, and with a suppressive sexuality. But maybe this just works fine with the mockumentary of classic Hollywood cinema (and all of its stereotypes and clichés). Or is it just the fact that we are dealing with the first American film noir (along with The Maltese Falcon) which thus just got the ball rolling?


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