Trailer zu Errol Morris' Rumsfeld Doku 'The Unknown Known'

Fast vier Jahre ist es schon wieder her, dass Dokulegende Errol Morris mit Tabloid eine feature length-Doku in die Kinos brachte. Im April erscheint sein neuer Film The Unknown Known in den US-Kinos und als VOD. Darin begleitet er Ex-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld – von dessen Anfangstagen als Abgeordneter bis zur Irak-Invasion 2003. Der Trailer verspricht ein Gänsehauterlebnis wie der thematisch sehr ähnliche The Fog of War. Ob der Film auch hierzulande starten wird, bezweifle ich. Aber zum Glück gibt es ja VOD.

(Via Film Junk)


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Humor, Literatur und Politik beim Literaturasyl


Hierbei handelt es sich um ein außerredaktionellen Post

Literatur gehört zur Kultur wie Musik und Kunst. Sie wäre aus der Menschheitsgeschichte gar nicht mehr wegdenkbar, allein deshalb schon nicht, weil wir irgendwann alle zu Legasthenikern werden würden oder vieles an Kultur verloren gehen würde. Dabei ist es ganz egal, in welchem Medium man Literatur findet – ob auf dem guten alten Papier mit Einband oder als digitales E-Book auf dem papierlosen E-Book-Reader. Hauptsache man tut etwas für die Bildung. Oder für die Unterhaltung. Oder für die Arbeit. Ganz egal, was der Grund ist, Literatur ist vielseitig. Ebenso vielseitig ist auch das Humor, Literatur und Politik Blog. Hier geht es nicht nur um Literatur, sondern auch um kostenlose Spiele, Witze, Videos, Bücher und sogar um Politik. Die Seite ist dabei wie ein gewöhnliches Blog aufgebaut und hat den jeweils neuesten und aktuellsten Beitrag ganz oben auf der Seite. Durch diesen Aufbau kann man einzelne Artikel natürlich auch kommentieren – denn was wären Literatur oder vor allem Politik ohne Diskussionen?

Die obere Leiste hilft ferner bei der Navigation, denn so kann man beispielsweise direkt alle Artikel einer Kategorie aufrufen ohne sich minutenlang auf der Seite orientieren zu müssen. Aktuell finden sich in der Humor-Kategorie beispielsweise die allseits beliebten 'Deine Mutter Witze', die sich einfach nicht tot kriegen lassen und vor allem bei der Jugend äußerst beliebt sind. Wer auf dem Laufenden bleiben möchte, der hat natürlich auch die Möglichkeit, Fan der Facebook-Seite zu werden, die bereits über 300 Fans zählt. Und wenn wir schon beim Thema Spiele sind – ebenfalls ein Themenkomplex, dem sich literaturasyl.de verschrieben hat -, der Macher des Blogs ist auch Admin von Mahjong Shanghai. Das sei nur am Rande für all diejenigen erwähnt, die mal wieder Lust verspüren, sich mit Spielen die Zeit zu vertreiben. Es müssen ja nicht immer nur Solitär oder Snake oder gar Videospiele sein. Etwas geistige Herausforderung braucht man schließlich immer und überall.


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Fair Play. Not. 'Bigger Stronger Faster*' Blu-ray Review


Chris Bell könnte es in der Beschreibung seines Dokumentarfilmes nicht treffender auf den Punkt bringen: Die Amerikaner definieren sich durch Superlative. Sie sind immer größer, stärker und schneller als ihre Konkurrenten. Zumindest laut Selbstverständnis. Doch das gilt nicht nur in internationalen Sportwettkämpfen, sondern auch in den nationalen Sportligen. "Steroids are as American as apple pie!", meint der Mann mit dem größten Bizeps der Welt und gesteht gleichzeitig ein, dass er aussieht wie von einem anderen Planeten. Doch warum pumpen sich unzählige Sportler und Bodybuilder mit Steroiden voll? Und was sind überhaupt Steroide? Warum ist es so leicht an sie heranzukommen, obwohl die Politik sie verdammt? Dieser und vielen weitern Fragen geht Bell in seiner Doku Bigger Stronger Faster* auf den Grund. Dabei beginnt er seinen Film mit den persönlichen Helden seiner Kindheit und Jugend. Hulk Hogan, Arnold Schwarzenegger und Sylvester Stallone, sie alle repräsentier(t)en ein Amerika, das nur ein Motto kennt: größer, schneller, weiter. Das Fernsehen und das Kino formen dieses Bild weitestgehend, wie er anhand vieler Clips aus Arnie- und Sly-Filmen und Auszügen aus Wrestling-Matches zeigt. Und genau in diesen Momenten erinnert Bigger Stronger Faster* an Michael Moores Filme. Zum Glück aber nur in diesen, äußerst unterhaltsamen Momenten.

Obwohl auch hinter Bells Film die gleichen Produzenten stecken, ist seine Dokumentation alles andere als einseitig geraten. Die Film-Clips und Interview-Auszüge, die Nachrichten-Berichte und Sportübertragungen dienen hier nicht etwa nur dem reinen Selbstzweck oder gar der Unterhaltung, sondern sie untermauern Bells Prämisse, dass Steroide in den USA ein zweischneidiges Schwert sind. Auch in den Interviews geht Bell, der im Prinzip überhaupt kein Filmemacher ist, ganz anders an die Sache heran als beispielsweise Moore oder Morgan Spurlock. Er überfällt nicht etwa Politiker und Passanten auf der Straße, sondern holt sich kompetente Gesprächspartner an Bord, die offen und ehrlich an die Sache herantreten. Egal ob Mediziner, Politiker oder Sportler, einen Konsens zum Thema Steroide finden sie alle nicht. Einer der führenden Ärzte auf dem Gebiet gesteht beispielsweise ein, dass es einfach noch immer viel zu wenig Empirie gäbe. Man könne nicht mit Sicherheit sagen, dass der Konsum von Steroiden für Herzinfarkte, Lungenversagen oder gar Krebs verantwortlich sei. Ein HIV-Infizierter bestätigt sogar, dass ihm Steroide bei seiner Krankheit geholfen haben. Sie haben ihn nicht geheilt, aber ihm viel Kraft gegeben. Und einmal mehr fällt es uns schwer das zu glauben, meinen wir doch zu wissen, dass Steroide definitiv schädlich sind.

Doch was sind Steroide überhaupt? Bell begibt sich hier erneut auf Michael-Moore-Territorium, indem er eine Animation nutzt, um ein medizinisches 101 zu Steroiden zu geben. Doch er driftet wieder nicht in Gefilde, die sich bei Moore ausdehnen und irgendwann nur noch nerven. Vielmehr sorgt er mit Fakten dafür, dass unser Bild von Steroiden erneut eine Wendung erfährt. Anti-Baby-Pillen sind streng genommen Steroide. Gleiches gilt für Testosteron. Die Nebenwirkungen, die sie zumindest beim Mann – der größten Konsumentengruppe – verursachen, sind allesamt eben nicht irreparabel. Sobald man die Steroide wieder absetzt, werden die Hoden wieder größer, die Akne geht weg und der Haarwuchs nimmt wieder ab. Doch sollten sie deswegen legal und im Sport erlaubt sein? Bigger Stronger Faster* will keine Antworten liefern, auf keine Seite lenken, sondern Fakten liefern. Wer hätte beispielsweise gedacht, dass im Sport Methoden erlaubt sind, die den exakt gleichen Effekt wie Steroide haben? Bell listet vier Methoden auf, um sein Blut zu 'dopen': Zwei davon sind erlaubt, zwei davon sind verboten. Letztere haben natürlich mit Steroiden zu tun. Doch warum gehen Sportler immer wieder das Risiko ein, obwohl sie es doch ob ihrer erwischten Kollegen besser wissen sollten?

Die Antwort auf diese Frage ist eigentlich ganz einfach, so dass Bell nicht wirklich den Fokus seines Filmes darauf legt: Alle tun es, aus dem ganz einfachen Grund, weil es anders einfach nicht geht. All das Gelaber von Hulk Hogan, Rocky oder Arnie, dass man es allein mit gesunder Ernährung, Willenskraft und Gottestreue schaffen könne, ist eine einzige Illusion. Eine Seifenblase, die im Film so schmerzhaft zerplatzt, wie selten zuvor. Für welchen Jungen waren Wrestler, Schauspieler oder Sportler kein Idol? Und sie alle sollen ihre legendären Rekorde nur mit Hilfe von Steroiden aufgestellt haben? Piloten der U.S. Air Force sind die einzigen Piloten auf der Welt, die Steroide nehmen müssen (weil sie eben besser und effektiver sein müssen als alle anderen)? Schwarzenegger, Hogan und Stallone wurden sogar angeklagt wegen Steroiden? Und US-Präsident George W. Bush wusste sogar, dass sein Baseball-Team beim Trainieren illegal nachhilft? Es scheint so, als gäbe es in den Vereinigten Staaten keine wirklichen Vorbilder und Helden, die es von alleine geschafft haben. Sie alle haben ein kleines, schmutziges Geheimnis. Und obwohl vor allem den gemeinen Europäer das alles nicht überraschen dürfte, blutet einem dennoch etwas das Herz, wenn man es wie hier so völlig nüchtern und pointiert präsentiert bekommt.

Am meisten schmerzt aber diese unverhüllte Heuchelei und Doppelmoral. Ständig bekommt man von Interviewpartner, die Steroide nehmen, zu hören, dass doch jeder eine Leiche im Keller habe und sowieso keiner fair kämpfe. Und wer bist du überhaupt, dass du es dir erlauben kannst, über mich zu urteilen? Es ist wohl eine Art natürliche Abwehrreaktion, die hier zum Vorschein kommt. Doch es gibt auch Momente in Bigger Stronger Faster*, die fast dazu führen, dass man diejenigen unterstützt, die Steroide nehmen. Chris Bells Brüder beispielsweise, die gescheiterte Existenzen waren und durch Steroide zumindest kurzzeitig zu Ruhm kamen (einer seiner Brüder war kurzzeitig bei der WWE unter Vertrag). Es ist rührend, wie man ihnen eigentlich einen Stempel aufdrücken möchte, dann aber sieht, dass sie ein glückliches Familienleben führen – wenn auch mit mehr Tiefen – und ihre 'Kraft' einer guten Sache verschreiben. Bells Doku ist eine Art filmische Familientherapie, in der er alle zu Wort kommen lässt und mit Familiengeheimnissen aufräumt. Dabei wahrt er aber stets eine gewisse Distanz, sodass es nie auch nur ansatzweise zur Exploitation oder zu einer Freakshow wird. Und genau das macht seinen Film nur noch sympathischer und ehrlicher.

Am Ende scheint es so, als würde nur Bigger Stronger Faster* fair spielen. Es ist beeindruckend, was für einen Film Bell auf die Beine gestellt hat (auch wenn es offensichtlich genügend Doku-Profis im Hintergrund gab). Damit beweist er, der selbst einige zeit lang auf Steroiden war, dass Talent und harte Arbeit eben doch für den Erfolg maßgeblich sind. Sein Film ist dabei ein Musterbeispiel für einen modernen Dokumentarfilm – und gehört zu dem besten, was ich in diesem Jahr gesehen habe. (8.5/10)

Die Blu-ray von Ascot Elite (Amazon-Partnerlink) macht schon im Menü Spaß, das mit einem tollen Genesis-Cover unterlegt ist und bereits die Richtung vorgibt. Der Ton ist stets sehr gut verständlich, auch wenn es ob der vielen Dialoge natürlich keine wirklichen Highlights gibt. Das Bild ist ebenfalls sehr gelungen, obwohl hier natürlich das Archivmaterial größtenteils dominiert – die vielen Filmausschnitte sehen jedenfalls toll aus in HD. An Extras gibt es leider nur den deutschen und den Originaltrailer. Und eben die obligatorische Programmvorschau von Ascot Elite. Dennoch ein Pflichtkauf für alle Freunde guter Dokus.


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Trailer zu Nick Broomfields Doku 'Sarah Palin: You Betcha!'

In Toronto hat Dokufilmer Nick Broomfield gerade seine neue Doku Sarah Palin: You Betcha! vorgestellt. Darin geht es, wie der Titel impliziert, um Sarah Palin und ihre Politik, die für viele nichts mit Politik, sondern mit einer Seifenoper zu tun hat. Dieser Meinung ist auch Broomfield, weshalb er Palin fast schon jagt, wie es im Trailer den Anschein hat. Natürlich sieht das nicht wirklich nach einer ernsthaften Doku aus, vielmehr dürfte die Moore-/Spurlock-Fraktion auf ihre Kosten kommen. Bert Rebhandel, der ihn beim TIFF gesehen hat, sieht das ähnlich. Ich glaube, die Doku schafft es nur über den großen Teich, wenn Palin tatsächlich Präsidentschaftskandidatin der Republikaner werden sollte …

(Via Nerdcore)


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Sechs vor zwölf: 'Countdown to Zero' Blu-ray Review


Es ist sechs vor zwölf. Ja, das ist es jeden Tag, könnte man nun meinen. Doch damit ist nicht etwa die normale Uhrzeit gemeint, sondern die 'Doomsday Clock', die aktuell auf 11.54 Uhr steht. 2007 stand sie das letzte Mal auf fünf vor zwölf, Gott sei Dank haben wir seitdem wieder eine Minute gewonnen. Denn eine Minute ist auf dieser Uhr so kostbar wie für die meisten ein Jahrzehnt. Sechs Minuten bleiben uns also noch bis zum nuklearen Holocaust, den jeder fürchtet, gegen den aber kaum einer etwas wirklich unternimmt. Countdown to Zero versucht hier ein Zeichen zu setzten. Das Dokument, das Lucy Walker uns hier präsentiert, ist dabei noch erschreckender als die symbolische Kraft der Doomsday Clock. Denn was ihr Film zeigt hat weniger symbolischen, als vielmehr faktischen Charakter. Was, wenn es al-Qaida oder anderen Terrororganisationen eines Tages gelingen sollte, an nukleares Material oder gleich an eine fertige Atombombe zu gelangen? Was, wenn die Technik oder der Mensch versagen und die erste ICBM in die Luft steigt? Was, wenn eine Situation falsch eingeschätzt wird und die Welt als Konsequenz mit Atompilzen überzogen wird?

Es gibt viele Filme, denen man ungern zuschaut, aber bei Dokumentationen des wahren Lebens, wiegt das gleich doppelt so schwer. Countdown to Zero versucht erst gar nicht zu schönen, sondern rückt von Minute eins an mit den harten Fakten heraus, die für immer wieder für reichlich Gänsehaut sorgen. Mit einem Rückblick zu allen großen Terroranschlägen der letzten Jahre zeigt Walker, in welcher Welt wir leben und macht damit gleichzeitig deutlich, wie wichtig es ist, dass jene Länder, die über Atomwaffen verfügen – und das sind einige (Deutschland wurde allerdings vergessen, auch wenn diese nicht unter deutschem, sondern unter NATO-Kommando stehen) – diese auch so gut wie möglich sichern. Nicht, dass diese Waffen überhaupt von Nöten wären, aber dass man die geschätzten 23.500 Atomwaffen, die es aktuell auf der Welt gibt, nicht von heute auf morgen vernichten kann, versteht sich dabei von selbst. Das sieht auch Walker ein, muss sie, denn ihre Schlussforderung, dass die Welt auf genau null Atomwaffen reduzieren muss, ist nahezu utopisch. Auch wenn immer wieder Fortschritte gemacht werden.

Und obwohl die Intention des Filmes eine äußerst lobenswerte ist, ist Countdown to Zero weniger aufschlussreich als man auf den ersten Blick meinen könnte. Denn wer nicht völlig politisch uninteressiert ist oder seit Jahren keine Nachrichten mehr gesehen hat, dem sind viele Vorfälle und Fakten schon bekannt. Nicht, dass es die Wirkung des Filmes schmälern würde, aber der Informationsgehalt der Dokumentation hält sich somit zumindest für diese Rezipienten in Grenzen. Auch von vielen der beinahe-Apokalypsen, die Countdown to Zero anführt, hat man schon mal gehört. Für diejenigen, die sich mit der Thematik Atomwaffen und atomarer Holocaust aber noch nicht größer auseinander gesetzt haben, für die ist Walkers Film eine äußerst gelungene Zusammenfassung der wichtigsten Fakten und Stationen. Über die Geschichte der Bombe wird allerdings nicht allzu viel erzählt, was etwas enttäuscht, denn gerade die Historie zeigt, wie gefährlich diese unbändige Kraft, die durch Menschenhand geschaffen wurde, doch ist. Robert Oppenheimer, von dem hier ebenfalls die Rede ist, hätte es sich wohl zwei Mal überlegt, hätte er gewusst, was 'seine' Erfindung eines Tages anstellen könnte.

Was Countdown to Zero letztlich aber für alle spannend macht, sind seine hochkarätigen Interviewpartner. Da plaudert Michail Gorbatschow beispielsweise über das atomare Wettrüsten und Jimmy Carter und sein damaliger Berater Zbigniew Brzezinski über beinahe-Katastrophen. Wenn man irgendetwas aus den Interviews mitnimmt, dann die traurige Tatsache, dass sich über die Jahrzehnte – egal unter welchen Staatschefs – nicht wirklich etwas getan hat, im Gegenteil. Tony Blair resümiert schließlich über die Gefahr von Atomwaffen in den Händen von Terroristen, und seien es nur schmutzige Bomben. Sowieso: Es macht keinen Unterschied, ob es das reine Material ist, das in die Hände von Terroristen gelangt oder eine ganze Bombe – wer hoch angereichertes Uran oder Plutonium hat, für den ist es ein Leichtes, es in eine Waffe umzuwandeln. Und genau hier wird der Film dann auch am bedrückendsten, nämlich wenn er zeigt, wie leicht man in den ehemaligen Ostblockstaaten an nukleares Material gelangen kann. Doch Countdown to Zero ist nicht nur an diese Staaten ein Appell, sondern an die gesamte Menschheit. Denn wenn nicht alle zusammen an einem Strang ziehen, dann wird die Uhr weiter vor-, aber nicht zurückgestellt. Und das ist dann unser aller Untergang. (7.5/10)

Die Blu-ray von Ascot Elite (Amazon-Partnerlink) kann sich trotz des vielen Archivmaterials mehr als sehen lassen, denn sowohl die vielen Interviews, als auch die Kamerafahrten über Metropolen wie New York und Washington erstrahlen in detailreichem, farbenkräftigem HD. Allein dafür lohnen sich die wenigen Euro mehr. Der Ton ist hingegen kein wirkliches Highlight, die Interviews und Voice-Overs sind zwar sehr gut verständlich, aber gerade in den düsteren Szenarien wäre ein druckvollerer Ton wünschenswert. Ebenso wünschenswert wären Untertitel für die nicht-englischsprachigen Interviews gewesen, denn schaut man den Film im Original ohne deutsche Untertitel, wird keine Fremdsprache untertitelt. Das ist natürlich sehr schade, denn man will ja nicht die ganze Zeit UTs ein- und ausschalten. Die Extras sind mit Trailern und einem drei-Minuten-Clip etwas dünn geraten.


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Eine neue Qualität der Bigotterie 2.0


"Das ist eine neue Qualität", zitiert der Artikel bei Spiegel Online einen Berliner Polizeisprecher zur gestrigen Attacke – anders kann man das nicht nennen – auf Polizeibeamte. Beamte, die lediglich dafür sorgen, dass der Bürger sein Recht auf Versammlungsfreiheit wahrnehmen kann (etwas, das Polizisten beispielsweise nur in einem begrenzten Rahmen haben), ohne, dass es zu größeren Ausschreitungen kommt. Keine Frage, dass Menschen, wahlberechtigte und mündige Bürger auf die Straße gehen, um gegen die Regierung zu demonstrieren, ist an und für sich sogar löblich. Diese Menschen nehmen die Demokratie, in der sie leben, wahr und partizipieren konkret am Gestaltungsprozess des Landes und seiner Politik. Wie man als erstes vielleicht vermuten mag, handelte es sich bei den Demonstranten laut Artikel aber nicht etwa um Anhänger des Schwarzen Blocks oder um sonstige Autonome, die für ihre 'raueren' Methoden ja durchaus bekannt sind, sondern um normale Demonstranten (wie Johannes (@jh_1980) mich wissen ließ, gab es auch in Stuttgart eine Demonstration mit Zwischenfall, die primär aus Linken, MLPD-Anhängern und DGBlern bestand), ganze 20.000.

Ein Großereignis, selbst für Berliner Verhältnisse, möchte ich mal meinen. Fast genau so schlimm wie die Tat an sich, ist aber die Tatsache, dass das Netz dazu schweigt. Benjamin bemerkt via Twitter (@CA_rotwang) – wo sich die Stürme der Entrüstung meist zuerst manifestieren – richtig: "Gewalt gegen Demonstranten: Entrüstung deluxe. Lebensbedrohliche Gewalt gegen Polizisten: Das Netz schweigt. Wie bigott ihr doch alle seid.." Schnell werden Erinnerungen an Heiligendamm oder jüngst den 1. Mai wach, bei denen es zu Polizeigewalt kam. Ein Video, das auf YouTube zu finden war und in dem ein Polizist einem auf dem Boden liegenden Demonstranten ins Gesicht tritt, bannte sich wie ein Lauffeuer seinen Weg durch die Blogs – noch nicht einmal durch die Politikblogs, sondern nahezu alle Blogs, die sich auch nur im Entferntesten mit der Gesellschaft beschäftigen. Sofort wurden die Verantwortlichen an den digitalen Pranger gestellt, schnell auch mal alle Polizisten, die dort Dienst schoben, über einen Kamm geschert.

Wo ist nach den gestrigen Ereignissen also die digitale Entrüstung geblieben, die wieder mal den Weg für die großen Leitmedien bereitet? Macht es tatsächlich einen Unterschied, ob ein Demonstrant oder ein Polizist – hier sprechen wir sogar von mehreren Polizeibeamten – das Opfer ist? Ich denke nicht. Und auch die Blogger mögen dies vielleicht keinem unterstellen, indirekt tun sie dies aber – durch ihr Schweigen. Kein Tweet, kein Blogbeitrag, kein Aufschrei. Warum aber? Liegt es vielleicht an einem Mangel an Visuellem? Während wir im Video der gestrigen Demonstration nur aus der Distanz eine Explosion wahrnehmen, die zwar zugebeben sehr laut ist, aber nicht gerade ein Close-Up der Opfer zeigt, sahen wir im berühmten Fuß-gegen-Kopf-Video buchstäblich die direkte Einwirkung. Nur: kann es wirklich daran liegen, leben wir doch in einer Zeit, in der wir in den Mittagsnachrichten bereits die Nachwirkungen einer Explosion durch einen Selbstmordattentäter sehen, nämlich Blutlachen, verstümmelte Körper und tiefe Löcher im Boden?

Fünf Polizisten wurden verletzt, zwei von ihnen mussten gar notoperiert werden – das erinnert nicht von ungefähr an die Schlachtfelder, die wir sonst eigentlich einige tausend Kilometer außerhalb deutscher Grenzen verorten. Und wenn wir schon bei einer Art Kriegsmetaphorik sind: haben es diese Männer wirklich verdient, so behandelt zu werden, obwohl sie nichts anderes tun als ihrem Land und damit auch dem Allgemeinwohl zu dienen? Sind es nicht gerade jene in Uniform, denen wir besonderen Respekt entgegenbringen sollten? Erst recht in einer Zeit, in der die Gewalt gegen Uniformierte sukzessive steigt? Nein, ich will dieses Männer (und Frauen) keinesfalls per se zu Helden stilisieren oder gar verklären, aber ein bisschen mehr Respekt und Anerkennung haben sie ja dann wohl doch verdient, oder? Zudem ist es sicherlich kein leichter Job bei solch tropischen Temperaturen, wie wir sie gerade haben, in voller Montur dafür zu sorgen, dass Mitbürger ihre Freiheit ausleben können. So pathetisch es auch klingen mag – und hier ist etwas Pathos sogar durchaus angebracht, wie ich finde -, aber das solltet Du Dir doch mal durch den Kopf gehen lassen, liebe Netzgemeinde.

Ich habe ja durchaus Verständnis dafür, dass es rühmlicher ist, wenn man einem Einzelnen, der sich nicht unbedingt wehren kann, zu Hilfe kommt – und sei es nur in Form eines Kommentares wie diesem, aber muss man dennoch Unterschiede machen? Diese Verhaltensweise ist, wie Kollege Benjamin schon sagte, einfach nur bigott. Nach all der Publicity, die der Netzgemeinde, der Blogosphäre und dem Web 2.0 an sich nach der Affäre Köhler zuteil wurde – auch wenn diese vielleicht nicht unbedingt durchweg positiv gewesen ist – ist dies ein Schlag ins Gesicht und ein signifikanter Schritt zurück. Denn hier verhält es sich genau konträr: Es bedarf erst eines Platzhirsches wie Spiegel Online, der das Video, das auf YouTube bereits tausende Male geklickt wurde, in einem Artikel verarbeitet … bevor Benjamin und meine Wenigkeit dies aufgreifen und kommentieren. Und wir wollen die vierte oder gar fünfte Macht im Staat sein? Das alles ist tatsächlich eine neue Qualität …


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Bundestag beschließt die Zensur des Internetz


Ich weiß, wieder mal kein filmischer Inhalt, aber es geht ja schließlich auch um die Zukunft unseres Landes …

Irgendwie paradox: da feiert man sich, seine Demokratie und Freiheit, die nun schon 60 Jahre währt (von nun an wird aber wohl langsam das Ende eingeleitet), selbst, nur um sich gleichzeitig wieder davon zu verabschieden. Richtig, die Bundesrepublik Deutschland feiert 60. Geburtstag, gestern erst, der 17. Juni, einstiger Nationalfeiertag, ein Flaggenmeer säumt den Campus, über den ich somit noch lieber gehe. Doch was jetzt? Vor wenigen Stunden hat der Deutsche Bundestag nämlich endgültig das 'Gesetz zur Erschwerung des Zugangs zu kinderpornographischen Inhalten in Kommunikationsnetzen' (klar, man kann sich alles schön reden) beschlossen. Umsonst, die Petition, die in wenigen Wochen fast 150.000 Unterschriften verbuchen konnte, umsonst, all der Widerstand der Webgemeinde. Oder doch nicht? Ich weiß es nicht, wie es weiter geht, einige nehmen aber schon das Wort Bundesverfassungsgericht in den Mund

Nein, das darf es noch nicht gewesen sein, oder wie ich zu sagen pflege: Nein, das möchte ich nicht! Ich, der stets sagt, dass er sein Land liebt, dass er seinem Land dienen möchte, kann es einfach nicht fassen. Die Bundestagswahl steht uns bevor, doch auch hier weiß ich noch nicht, wie ich mich verhalten soll. Man muss die Politiker, von denen ich einigen durchaus gewisse Sympathieen entgegenbrachte – Frau Dr. von der Leyen war erst vor einem halben Jahr an meiner Schule und hinterließ dort einen netten Eindruck – wachrütteln, ihnen ihren eigenen Non sequitur vor Augen führen und sich im Widerstand üben. @midnightradio formulierte es eigentlich ganz treffend. Und dennoch wird man wohl in den nächsten Tagen noch mehr über die Lage im Iran in den Nachrichten hören als über die Niederlage der Demokratie in Deutschland. Ich habe Dich wirklich gemocht, Internetz, mit all Deinen Marotten und, ja, oftmals auch extremen Inhalten (i.e. 4chan, …). Die Zeit war schön, doch, keine Frage. Ich muss jetzt jedenfalls erst einmal über so einiges nachdenken, aber aufgeben werde ich Dich genau so wenig wie mein Land.

Gez.
Stefan R., einstiges fast-Mitglied der Jungen Union Deutschlands und im Herzen Konservativer


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