'Rambo I-IV' Complete DVD Collection


Der Duden definiert ihn wie folgt: "brutaler männlicher Typ; Kraftprotz." Kein Wort verliert er jedoch darüber, dass dieser Kraftprotz auch ein äußerst gebrechliches Wesen ist, was bereits der erste Teil der Reihe, First Blood, eindrucksvoll zeigte. Und auch wenn man dies bei den Teilen 2 und 3 eventuell vermissen mag (worüber sich mehr als diskutieren ließe – siehe Rambos Wutausbruch am Ende von Rambo: First Blood Part II oder sein Schmerz über den Verlust seiner großen Liebe in Rambo III), so schließt sich der Kreis mit Rambo, der seinen Weg erstmals mit den anderen drei Filmen in eine DVD-Collection gefunden hat, die in limitierter Form bereits Ende Juni erschienen ist und als normale Collection, ohne Büste am 04. Dezember nochmals von Kinowelt Home Entertainment auf den Markt kommen wird. Das Set besteht aus 8 DVDs: die ersten drei Filme jeweils als Doppelscheibe, Rambo als Single und zu guter letzt schließlich eine Digital Copy der ersten drei Filme.

"No man, no law, no war can stop him!", hieß es im Trailer zu Rambo: First Blood Part II anno 1985. Heute, immerhin 23 Jahre später trifft diese Aussage noch immer voll ins Schwarze – vielleicht sogar stärker, als je zuvor. Der vierte Aufguss der Serie ist der härteste, das war von Beginn an klar. Jeder, der Stallones Cannes-Promorolle gesehen hatte, wusste, was mit Rambo auf ihn zukommen würde. Zerfetzte Körper, Frauen und Kinder, die zuerst vergewaltigt werden, nur um anschließend ins Feuer geworfen zu werden und bizarre Spielchen, die vom Teufel persönlich erfunden worden zu sein scheinen. Ja, Stallone macht es einem mit seinem neuen Film nicht leicht. Wer Gewalt nur schwerlich erträgt, für den ist Rambo nichts und wird Rambo auch nie etwas sein. Doch wozu das alles, wozu großkalibrige Waffen, die von einem Menschen nichts weiter als Hack übrig lassen? Wozu diese drastische grafische Umsetzung dieser Ereignisse? David Cronenberg, selbst kein Mann der gewalttechnischen Zurückhaltung, meinte einmal auf diese Frage, dass er sie so drastisch darstelle, weil der Tod das Ende ist. Gewalt sei hässlich, drastisch und verschone niemanden. Die Nachrichten(bilder) aus Burma – im Film ebenfalls integriert – haben auch der westlichen Welt gezeigt, dass es Menschen gibt, die vor dieser Drastigkeit nicht zurückschrecken, im Gegenteil.

Wenn wir schon beim Thema grafische Gewalt sind: Zu den Kürzungen – wer den Film nicht im Internet verfolgte, der wird von diesen sowieso nichts mitbekommen haben – gibt es nicht allzu viel zu sagen. Weiß man nichts von den fehlenden 55 Sekunden, bemerkt man so gut wie nichts, alle anderen (Stichwort: Cannes-Promo) werden aber spätestens beim Finale große Augen machen – allerdings im negativen Sinne -, denn von der MG-Regenwald-Rodungs-Szene ist nicht mehr viel übrig. Und dennoch muss man klipp und klar sagen, dass Rambo auch in dieser Form noch dermaßen auf den Putz haut, dass einem Hören und Sehen vergeht. Erstaunlich jedenfalls, dass die FSK mehr gegen zerplatzenden burmesischen Abschaum als gegen gemeuchelte und abgefackelte Kinder einzuwenden hatte.

Ans Eingemachte geht Rambo aber nicht nur in Sachen grafischer Gewalt. Was auf den ersten Blick zu fehlen scheint, nämlich die emotionale Komponente, ist auf den zweiten jedoch präsenter als je zuvor. Dieser alte John J. ist endgültig mit der Welt fertig ("Fuck the world!"), es scheinen ihn nur noch Schlangen, also sein täglich Brot, zu interessieren. Er scheint lethargisch geworden zu sein, abseits von allem politischen Geschehen zu leben. Würde dieser John J. auch noch zur Flasche greifen – man würde sich nicht wundern und es ihm irgendwie wohl auch nicht übel nehmen. Ganz groß in dieser Hinsicht natürlich die Flashback-Sequenz, die seine bisherigen Gewaltausbrüche noch einmal zusammenfasst und für den ersten ganz großen Anfalls von Gänsehaut sorgt. Trautman, der Amoklauf in der Heimat, die Folter in Vietnam, der Kampf gegen die Russen – hier scheint die literarische mit der psychologischen Katharsis Hand in Hand zu gehen. Der wohl größte Moment des Filmes – ein magic moment, der noch lange nachwirkt. Vom Schluss – der Krieger ist endlich 'nach Hause' gekehrt – ganz zu schweigen.

Was folgt ist – zugegeben – Redundanz in Reinform. Will er anfänglich nicht so recht – weil er ebenjene Erfahrung(en) hat, die die christlichen Missionare und später auch Söldner eben nicht haben -, bedarf es erst eines schrecklichen Ereignisses, um den Krieger aus seinem Winterschlaf zu holen. Dieser Weckruf bringt nur einmal mehr die Bestie auf die Matte, die Rambo eigentlich für immer zu begraben gedacht hatte ("You didn't kill for your country, you killed for yourself."). Dennoch war Rambo schon immer ein Mann der Ehre, der sich für andere einsetzt und bereit dafür zu sterben ist ("I'd die for it!" – am Ende des zweiten Teils). Hier ist es Trautman-Ersatz Sarah (Julie Benz), die Missionarin, die das Herz des Eisberges zum schmelzen zu bringen scheint. Genau hier ist nun auch die wohl am häufigsten zitierte Aussage Rambos anzuführen: "Live for nothing or die for something!" – John kann sein kümmerliches, bisweilen sinnloses Leben entweder so weiterführen oder er setzt sich einmal mehr für eine gute, humane Sache ein. Im Prinzip begehen nicht die Missionare den Fehler, sondern er selbst. Er ist es nämlich, der sie letzten Endes dem Feind ausliefert, quasi seine eigene Gutmütigkeit und Ehrbarkeit. Und dennoch keine Spur einer Hamartia bei Rambos Charakter.

Abseits der emotionalen und grafischen Komponente ist Rambo handwerklich perfektes Actionkino, das größtenteils Gott sei Dank auf handmade-Effekte statt auf CGI setzt und gerade deshalb auch so richtig schön nach 80er-Jahre-Action riecht. Angesichts Stallones toller Regie scheinen die Zeiten von PG-13-Action und CGI-overkill zwar nicht vorbei, aber dennoch definitiv einen Gegendwind verspürend. Natürlich lässt sich eine gewisse reaktionäre Lesart des Filmes nicht verleumden, aber die Figur Rambos ist bisweilen einfach tiefer gehend als jene des Propaganda- und Rassismusvorwurfs. Und dass das Feuilleton nicht viel Übrig für Actioner dieser Machart hat, ist ebenso wenig neu wie die Militärjunta in ebenjenem Birma. Ferner ist Rambo auch ein Mythos, den man entweder ob einer persönlichen Beziehung dazu liebt – oder eben hasst.

Die Qualität der DVDs vor allem der alten Filme sind ein doch sichtbarer Qualitätssprung. Vollgepackt mit Extras mit u.a. Interviews, Audiokommentaren, einer Digital Copy der ersten drei Filme (!) und Trailern und Teasern, sticht vor allem aber das alternative Ende zu First Blood heraus, in dem Rambo – wer hätte es gedacht – stirbt. Es fällt einem jedoch schwer zu sagen, ob dieses Ende nicht doch das bessere gewesen wäre, denn einerseits steht der erste Film immer noch etwas von den anderen drei 'ab', andererseits freut es Fans der reaktionären und hochpolitischen Action wie mich, dass es doch noch drei Filme mit Stallone gab. Und mein eingangs erwähntes Zitat ist dafür ja der beste Beweis, dass auch die anderen drei Filme die Kultur prägten, nicht nur First Blood. Es sei ihm daher gegönnt, dass er endlich zu Hause angekommen ist – und die gesammte Collection in unseren Regalen.


Tags , , , , , , , , , , , ,

Mimesis

Son of Rambow
(Garth Jennings, Frankreich/UK/Deutschland 2007)
Kino

Dass Liebe komische Dinge mit einem anstellen kann, das weiß jeder, der einmal verliebt war. Der Fokus des Interesses verschiebt sich plötzlich, man will nichts anderes mehr, als mit seiner großen Liebe zusammen sein und die Zeit genießen – das Leben ist ja sonst nicht gerade ein Zuckerschlecken. Doch was, wenn es sich nicht um einen anderen Menschen handelt, der den Mittelpunkt des Liebesinteresses markiert, was, wenn es sich um eine Liebe zur Kunst, also zum Film, handelt? Kann man Film lieben, kann man für ihn sein ganzes Leben auf den Kopf stellen und andere Dinge hinter sich lassen? Man darf die Frage als eine rhetorische auffassen, denn ich würde diesen Text wohl kaum verfassen, wenn es nicht so wäre, der Rezipient würde diesen dann wohl auch kaum lesen, ginge es ihm nicht genau so. Den Protagonisten (Bill Milner) aus Son of Rambow erwischt es sogar nocht härter – er hat nämlich gerade erst Schmetterlinge im Bauch, die gar nicht erst versucht einzufangen.

Angesetzt als period piece inmitten der Achtziger, sieht er durch Zufall First Blood als VHS-Raubkopie und beginnt von nun an im Wald zu toben und in die Fußstapfen Rambos zu treten. Doch der streng religiös erzogene Joshua erfährt nicht nur die Tücken der langsam eintretenden Pubertät und das damit verbunden Kräftemessen und Herumtollen, sondern auch seine Liebe zum Kino und zum Film. Ein bisschen erinnert das Ganze somit unumgänglich an Be Kind Rewind, der ebenfalls ein Paradebeispiel für Hingabe zu etwas ist und der ebenfalls so lieblich verspielt ist wie es bei Son of Rambow der Fall ist. War es bei Michel Gondrys Film noch das Biopic, das sich inmitten der vielen (Kurz)Filme mischte, ist es bei Jennings' Film das Coming-of-Age-Drama, das manchmal zwar ziemlich langatmig und lahm daherkommt, meist aber an Pathos und sonstigem Ballast spart. 'Feinde', die zu Freunden werden, Menschen, die anders sind, irgendwann aber die zu ihnen passende Nische finden und sich in diese lückenlos integrieren. Eine Kindheit/Jugend, die zwar auf der großen Leinwand flimmert, realitätsnäher und humaner aber kaum sein könnte.

Dabei versteht es Son of Rambow gekonnt mit allen Lastern der Achtziger zu spielen und einem dabei nicht nur einmal ein Schmunzeln aufs Gesicht zu zaubern. Egal ob Popper und Rocker, Yuppies und Punks oder Klamotten, die man heute nicht mal mehr in die Altkleiderspende geben würde, Jennings' Film will so viel und, im Gegensatz zu vielen anderen Filmen, die ihre Ziele so hochstecken, gelingt es ihm größtenteils auch. Der spezielle Dank an Sylvester Stallone im Abspann, der eine ganze Generation mit seinen Filmen prägte – ihrer filmischen Qualitäten völlig entsagend -, ist für Jennings Ehrensache, denn auch er scheint ein Kind der Zeit zu sein, das merkt man seiner Regiearbeit deutlich an. Bei aller Niedlichkeit, die den Film auszeichnet, muss man aber auch anmerken, wie kalkuliert das Ganze bisweilen daherkommt. Ebendiese Niedlichkeit ist nicht nur etwas, das den Film so liebenswert macht, sondern auch berechnend. Das Tempo könnte so oft so viel schneller sein, trotz oder gerade wegen der Laufzeit von nur etwas mehr als anderthalb Stunden. Des Weiteren ist Son of Rambow oftmals zu klinisch rein, denn wenn er es sich einmal traut etwas Sozialkritik zu betreiben, dann ist sie auch schon wieder vorbei, ehe sie richtig begonnen hat.

Auch die religiöse Komponente, die nicht nur tangiert, sondern auch die auch des Öfteren fokussiert wird, bleibt am Ende irgendwie zahnlos. Wer denkt, dass am Ende eine atheistische Botschaft stünde, die nicht nur Sekten und anderen dogmatischen Organisationen – wie ebenjene, in der Joshua 'gefangen' ist – den Spiegel vorhalte, der wird wohl enttäuscht werden. Sich für Werte und Freunde aufopfern, das zeichnet wahre Liebe aus. Allein deshalb scheint es nahezu unmöglich zu sein, Son of Rambow nicht zu mögen. (7.5/10)


Tags , , , , , , ,

Breaking News: 'Rambo' als Director's Cut!?

Es gab ja schon im Vorfeld zu Rambo einige Gerüchte über einen möglichen Director's Cut des Films. Nun wird ebendiese Gerüchteküche neu angeheizt, denn wie AICN berichtet, soll noch dieses Jahr ein Director's Cut von Rambo auf DVD/Blu-ray erscheinen: "don't know if you watched Leno last night, but he had Sylvester Stallone on to push the RAMBO DVD release. Sly announced during the interview that later on (hopefully this year but he didn't give a time-frame) he will release a 'Director's Cut' of the film, and give it the original title JOHN RAMBO." Bleibt nur die Frage, ob es sich dabei um einen ökonomischen Schachzug handelt (was ich von Sly aber nicht erwarte) oder ob es tatsächlich auch neue 'Gewalt' gibt, denn eigentlich betonte Stallone immer wieder, dass er mit Schnittauflagen u.ä. keine Probleme hatte.


Tags , , , , , ,