Stolz und Vorurteil … und Katzenfutter im 'District 9'


Hype kann etwas sehr gefährliches sein. Natürlich nicht nur in Hinsicht auf Film, aber doch speziell auch hier. Hype beeinflusst unsere Rezeptionshaltungen, schafft hohe Erwartungen, die eigentlich nur enttäuscht, sprich nicht erfüllt, werden können. Natürlich stehen die Chancen gut, dass man mit dem Strom schwimmt, immerhin sagt man ja, dass Millionen von Zuschauern (in den USA) nicht irren können und solch ein kleines Independent-flick wie District 9 muss man doch einfach wertschätzen, oder? Was man auf jeden Fall wertschätzen kann, ist die Tatsache, dass Neill Blomkamp mit gerade mal 30 Millionen einen der erfolgreichsten Sommerblockbuster dieses Jahres auf die Beine gestellt hat. Das ist nicht nur ein Schlag in Michael Bays Gesicht, der für seinen Transformers: Revenge of the Fallen fast das Sechsfache verpulvert hat, sondern zeigt Hollywood auch, welch exorbitante, ja lächerliche, Summen sie für ihre "großen" Namen raushauen. Dass dies keine Notwendigkeit ist, das zeigt Blomkamp eindrucksvoll.

Blomkamp, der einst für die Verfilmung des Videospiels Halo vorgesehen war, zeigt, dass er zumindest aus ökonomischer Sicht durchaus in der Lage dazu gewesen wäre, dieses Projekt auf die Beine zu stellen. Ich will nicht wissen, wie viele der Verantwortlichen sich bereits zu Tode geärgert haben. Und in der Tat, Blomkamps Film hat einige durchaus sehenswerte Momente. So montiert er beispielsweise die Kamera in einigen Szenen direkt auf die Waffe, die uns dann in bester First-Person-Manier das Geschehen vor Augen führt und das Ganze dadurch nicht unwesentlich intensiviert. Die Enge des Raumes nimmt man plötzlich viel deutlicher wahr, das Adrenalin scheint nicht nur bei den Soldaten durch die Adern zu fließen und sowieso gewinnt alles an atmosphärischer Dichte. Auch, weil das alles immer wieder durch urplötzliche Gewaltausbrüche untermalt wird, die mal angemessen, mal weniger angemessen wirken. Und dennoch will der Eindruck nicht so recht verschwinden, als würde Blomkamps Film dies hin und wieder doch nur selbstzweckhaft verwenden. Das läuft der ganzen Prämisse des Filmes, nämlich dem Anprangern des Rassismus und der Angst vor dem Unbekannten, dann doch auch zuwider.

Um aus der Unterdrückung heraus zu finden ist Gewalt nötig, oftmals nur die rohe, eiskalte Gewalt. District 9 würde gerne ein Lehrstück auf genannten Rassismus, speziell in der Dritten Welt, die sich – und auch das macht der Film deutlich – selbst ja nicht helfen kann, sondern auf die Hilfe des Westens angewiesen ist, sein, nur liegt er dafür leider viel zu schwer im Magen. Nimmt man die Aliens als Stellvertreter für eine x-beliebige Menschliche Volksgruppe, so wird man auch den Eindruck nicht los, als sehe Blomkamp in ihr grundsätzlich eine zurückgebliebene Kultur, die sich gerne verführen lässt und selbst nicht wirklich den Willen besitzt, unabhängig zu werden oder sich gegen ihre Besatzer aufzulehnen. Eingehüllt in eine semi-dokumentarische Sci-Fi-Packung muss dem Drehbuch zuliebe natürlich auch einiges schönheitskorrigiert werden, aber eines bleibt dennoch offensichtlich: District 9 nimmt sich selbst zu ernst, ja zu schwer, nutzt seine Metaphern dabei viel zu häufig um die große Moralkeule zu schwingen und erkennt bei alledem noch nicht einmal, dass er es bisweilen selber nicht besser macht (Slumbewohner).

Sieht man davon aber einmal ab, dann reformiert Blomkamp das Sci-Fi-Genre aber durchaus in einigen Aspekten. Statt sich lange mit Erklärungen aufzuhalten genügen ihm einige wenige Erklärungszeilen, die in der dokumentarischen Einleitung sehr gut zusammengefasst werden und die man auch nicht weiter hinterfragen möchte (klar, wie kann das Mutterschiff ohne Treibstoff seit mehr als 20 Jahren schweben, aber das muss genau so wenige erklärt werden wie die Waffen, denn schließlich tut der Film bereits mit der Einführung der Wesen genug, denn auf dem Schiff befinden sich nur Arbeiter …). Ein Grund für den unglaublichen Erfolg speziell in den USA dürfte wohl auch das Unbekannte im doppelten Sinne sein. Während ein Großteil der Invasionsfilme den Boden der Vereinigten Staaten involviert und von Patriotismus und Pathos nur so untersetzt ist, wird hier alles ins ferne Afrika verlagert, wo sich keine Zeichen von heldenhaften amerikanischen Streitkräften fingen. Das ist neu, das ist anders, das ist interessant. Zumindest für das US-Publikum, möchte ich meinen. Regieneuling Blomkamp sei der Erfolg aber in jedem Fall gegönnt, denn gänzlich unverdient ist er keinesfalls. (7.5/10)


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Sie sind unter uns! 'District 9' Trailer


Bisher ging District 9 irgendwie komplett an mir vorbei. Gut, dass sich das nun geändert hat, denn der erste Trailer (480p/720p/1080p) zu Neill Blomkapms Film, den Peter Jackson präsentiert, sieht fantastisch aus. Zu Beginn erwartet man eine Doku, dann schlägt es etwas in eine semi-Doku um, nur um mit dem Verhör des Aliens die Katze aus dem Sack zu lassen – herrlich, auch die Sache mit dem zensierten Gesicht! Dass Peter Jackson seine Hände im Spiel hat, wird spätestens nach dieser Szene deutlich, und ich bin gespannt, was da noch auf uns zukommt. Ein deutscher Starttermin steht aber noch nicht fest.


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