Liebe kennt keine Grenzen

Zoo
(Robinson Devor, USA 2007)
DVD

"Einem Pferd muss man nicht mit Tolstoi oder Blumen kommen.", kommentiert die leise, aber geistesgegenwärtige Stimme aus dem Off das Bild eines nackten Mannes, der den Kopf eines Pferdes umarmt, so, als sei das Tier jemand, der diese Liebe erwidern würde. Es gibt viele dieser Einstellungen in Zoo, ellenlang, beängstigend ruhig, aber stets nüchtern seinem Sujet gegenüber. Die Kamera fokussiert ein buntes Blumenmeer, während aus dem Off erzählt wird, wie die zoophilen Unbekannten, darunter auch der Protagonist, Mr. Hands, ihre buchstäbliche Liebe zu den Tieren als normal ansehen und Videos davon sogar ins World Wide Web stellen. Es ist der pure Horror für einen vermeintlich normalen Menschen, was hier von den original 'Tätern' wiedergegeben wird, so poetisch und besänftigend die dazugehörigen Bilder auch sein mögen. Statt auf Populismus zu setzen (wie es seinerzeit die Medien taten), versucht Robinson Devor lediglich einen Innenblick auf das Leben dieser alles andere als gewöhnlichen Männer und deren Beziehungen zu geben. Das gelingt ihm größtenteils auch, war es doch auch sein Anliegen, das Ganze nicht exploitativ auszuschlachten, sondern lediglich einen neutralen Blick auf das sonderbare Geschehen zu geben.

Größtenteils. Denn einige Ausschnitte aus den tatsächlichen Videos zu zeigen, konnte auch er sich schlussendlich nicht verkneifen, so künstlerisch und selbstzwecklos diese in den Film auch eingebunden sein mögen. Es ist aber auch das, was der Rezipient zu erwarten scheint, denn bereits nach dem grandiosen Eröffnungsshot wird schnell deutlich, welche Richtung Zoo einschlagen wird – nämlich die, des Reenactments. So wird dann auch knappe 80 Minuten kaum ein Wort über den eigentlichen Vorgang der 'tierischen Liebe' verloren, sondern vielmehr über die Menschen, die dieser nachkommen, und für diese es die einzige Zuneigung zu sein scheint, die ihnen je zuteil wurde. Zoo mag seine Schwächen haben, allen voran die latent heuchlerische Einstellung gegenüber seines Sujets, doch dabei ist Zoo aber auch ein Paradebeispiel für eine formal hervorragende Dokumentation, die zeigt, dass es auch deutlich anders geht als Michael Moore es uns immer wieder weiß machen will. Im Zoo gewesen, (fast) jede Absurdität gesehen … (8/10)


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