Stallone und Schwarzenegger brechen aus: 'Escape Plan' Trailer

"You hit like a vegetarian!" Und schon wieder eine Stallone-Schwarzenegger-Kollaboration – dieses Mal unter der Regie von Mikael Håfström. In Escape Plan spielen die beiden in die Jahre gekommenen Actionhelden zwei Häftlinge, die aus einem Super-Gefägnis ausbrechen müssen … oder so ähnlich, denn der Plot hat sich mir nach dem ersten Trailer noch nicht so ganz erschlossen. Auch wenn ich 'Gefängnis-Filme' nicht wirklich mag, ist Escape Plan natürlich ein Pflichttermin – zumal auch die Nebenrollen gut besetzt sind. Allein schon weil ich sehen will, ob Schwarzenegger auch im Film eine so schlechte Figur gegen Stallone macht (aber gut, der hatte ja auch schon die eine oder andere OP). US-Start ist am 18. Oktober.


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Der Jäger wird zum Gejagten: 'The Hunter' Blu-ray Review


Das australische Hinterland fernab der Zivilisation ist eine der faszinierendsten Filmkulissen überhaupt. Vor allem australische Produktionen setzen auf den Outback, der von einer unglaublichen Schönheit, aber gleichzeitig auch von einer permanenten Gefahr durchzogen ist. Wolf Creek, Storm Warning, Long Weekend, nur einige Beispiele für diese Juxtaposition von Schönheit und Gefahr, an der man sich kaum satt sehen kann. Daniel Nettheim, der bisher größtenteils für TV-Produktionen gearbeitet hat, geht in seinem zweiten Spielfilm The Hunter noch einen Schritt weiter und präsentiert uns die tasmanische Wildnis. Diese gestaltet sich zwar etwas anders als der gemeine Outback, ist in ihrer Wirkung aber identisch mit ich, sprich gefährlich und schön zugleich. Wie der Name bereits vermuten lässt, soll sich hier der letzte lebende Tasmanische Tiger befinden, der als ausgerottet gilt. Söldner Martin (Willem Dafoe) soll ihn im Auftrag für ein Biotech-Unternehmen finden und reist daher von Europa nach Australien, wo er bei einer Familie untergebracht ist, deren Vater ebenfalls auf die Jagd ging und bis heute nicht heimkehrte …

Wir wissen nicht wirklich über den Protagonisten Martin bescheid. Es wird schnell deutlich, dass die Rolle für Willem Dafoe maßgeschneidert ist, aber über seine Motive, ja, ob er überhaupt Söldner oder nur ein einfacher Jäger ist, verrät uns The Hunter selbst nach 96 Minuten nichts. Und dennoch hat es den Anschein, als würde man diesen Martin, der gerne ein Bad nimmt und dabei Opernklängen lauscht, genau kennen. Er ist ein personifizierter Outback: Er ist einerseits gebildet, kultiviert und Menschenfreund, andererseits ist er aber auch äußerst effizient und gefährlich, wenn es die Umwelt von ihm verlangt – schließlich ist er Jäger (auf welche Art und Weise auch immer). The Hunter doppelt dieses Hauptmotiv in der Figur Martins und lässt zusammenkommen, was zusammengehört. Martin kann sich seiner Natur anpassen – wenn er in der tasmanischen Wildnis auf Jagd geht, scheint er eins zu werden mit der Natur. Ist er in der Zivilisation, wirkt er zumindest unter australischen Hinterwäldlern wie ein Fremdkörper.

Es kommt einer One-Man-Show gleich, was Nettheim uns in The Hunter zeigt, denn auch wenn man Dafoe mit Sam Neill einen hochkarätigen Darsteller an die Seite gesetzt hat, bleibt es Dafoes Film. Als er sich zum ersten Mal in den Wald begibt, fühlt man sich für einen ganz kurzen Moment sogar in Antichrist zurückversetzt, dessen Natur ebenfalls äußerst ambivalent dahergekommen ist. Dafoes Spiel ist großartig, jede Szene wird von ihm dominiert, auch wenn er in einigen Szenen fast schon autistisch wirkt. In gerade mal etwas mehr als 90 Minuten gelingt es dem Film, Dafoes Figur so tief zu zeichnen, dass man denkt, man kenne ihn bereits seit Jahren. Und das liegt nicht etwa daran, dass er im Laufe des Filmes eine Wandlung durchmacht, derer wir Zeuge werden, sondern daran, dass er zutiefst menschlich zu handeln scheint. Man empfindet nicht unbedingt Mitleid mit ihm, aber zumindest Empathie. Diese durchzieht den ganzen Film, denn irgendwie scheint man die Hintergründe und Motive aller Beteiligten nachvollziehen zu können.

Gebrochen wird dies nur in kurzen Momenten, in denen The Hunter fast schon in Exploitation-Gefilde umschwenkt, wenn beispielsweise das Briefpapier der mysteriösen Biotech-Firma zu sehen ist und sich darauf die Anschrift einer deutschen GmbH befindet. Das wirkt in diesem Moment so odd und fast schon deplatziert, dass ein Bruch stattfindet, der dem Film allerdings gut tut, stoppt er die Lethargie und Empathie doch für einen kurzen Moment. Selbiges gilt für die kurze Actioneinlage, die perfekt getimet ist. The Hunter ist ruhiges, tolles Schauspielkino, das am Ende vielleicht etwas zu dick aufträgt, das Herz aber am richtigen Fleck trägt. Es ist sehr schade, dass solche Perlen nicht den Weg auf die Leinwand finden und hier DTV ein Schattendasein führen, denn The Hunter ist großes kleines Kino. (8/10)

Die Blu-ray von Ascot Elite ist seit 24. Juli im Handel erhältlich (Amazon-Partnerlink) und besticht vor allem in den zahlreichen Naturaufnahmen durch eine sehr gute Bildqualität und kräftige Farben. In den wenigen dunklen Szenen ist etwas Grain zu erkennen, aber da der Film die meiste Zeit über im Hellen spielt, ist das Bild insgesamt knackig scharf. Der Ton ist wie der Film selbst herrlich unaufgeregt und setzt vor allem auf klar verständliche Dialoge. Der Score ist dezent im Hintergrund wahrzunehmen. Neben einer B-Roll und Soundbites finden sich auch noch der Originaltrailer und die obligatorische Ascot Elite Trailershow als Extra auf der Scheibe.


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Die geteilte Stadt: 'Possession' DVD Review


Will man über Trennung, über Teilung und Ungerechtigkeit erzählen, bietet sich das geteilte Berlin als Schauplatz ja geradezu an. Triste Wohnsiedlungen, leer gefegte Straßen und die noch tristere, gigantische Mauer, die da mitten durch die Stadt verläuft und nicht selten auch in den Köpfen der Menschen weiter verläuft. Und dennoch scheint es in dieser Umgebung tolle Wohnorte zu geben – für all jene, die es sich leisten können und zumindest ein kleines Stück Luxus genießen wollen. So zu sehen in Andrzej Zulawskis Possession, der keine Illusionen schafft, sondern uns mit der harten Realität konfrontiert. Und dennoch abstrahiert Zulawski auch, denn auf seinen Straßen finden sich keine Passanten, in den U-Bahnen finden sich nur die sozial Ausgegrenzten, die das triste Bild der Stadt unterstreichen. Wenn Mark (Sam Neill) durch die Straßen Berlins läuft, hört man jeden Schritt, jedes Klacken, das er mit dem Absatz seines Schuhs auf dem Asphalt kreiert. Man kann sogar so weit gehen und sagen, dass Zulawskis Berlin nur von Freaks bewohnt wird. Zum einen natürlich von Mark und seiner Frau Anna (Isabelle Adjani), zum anderen von sleazigen Privatdetektiven, undurchsichtigen Geschäftsleuten und Liebhabern mit Kung-Fu-Kenntnissen.

Nicht nur zwischen den beiden politischen Systemen gibt es große Differenzen, auch zwischen den beiden Geschlechtern, die ihre Ehe am Ende sehen. Doch wie so oft will es einer der beiden nicht akzeptieren, weshalb es schließlich zum 'Kampf' kommt. Dieser ist dann auch ein Kampf auf Leben und Tod – und am Ende wird der anfangs kleine Küchenbrand zum globalen Brandherd. Es ist schon beeindruckend, was Zulawski in Possession alles vom Stapel lässt. Auch wenn er immer wieder auf grobe Schockmomente setzt und seinen eigentlichen Hauptdarsteller in voller Pracht zeigt, bleibt Possession stets bemüht und subtil in seiner politischen und gesellschaftlichen Allegorie. Ihm ist mit seinem Film so viel gelungen, dass man Possession keinesfalls einem Genre zuordnen kann. Er ist nämlich nicht nur Beziehungsdrama, sondern auch Thriller, Horrorfilm und alles andere – eine Art abseitiger, exploitativer Arthousefilm mit ganz vielen Gross-Out-Momenten und einem aberwitzigen Finale. Dabei setzt Zulawski weniger auf eine kohärente Geschichte, als vielmehr auf Fragmente, die des Öfteren ins Surreale abwandern. Auch das Spiel von Neill und Adjani grenzt nicht selten ans Surreale oder gar Masochistische. Zu Recht gab es dafür für Adjani den Preis für die beste Darstellerin in Cannes.

Dabei ist Possession aber nicht immer ein Vergnügen, denn gerade durch seinen Surrealismus, das enorm physische Spiel der Darsteller, das daher hin und wieder etwas redundant wirkt, ist es nicht immer einfach, dem Geschehen zu folgen. Man will sich nicht wirklich in die Beziehungsprobleme eines Ehepaares einmischen, das eigentlich alles hat, was es will. Doch erst später, wenn es sich zu einem größeren Ganzen entwickelt, ist man wieder voller Spannung dabei. Dann, wenn die ganze Welt plötzlich aus den Fugen zu geraten droht und endgültig alles gescheitert ist zwischen den beiden Liebenden, die einfach nicht zusammen sein können. Letztlich regiert der Nihilismus. Die einzige Konstante während alledem, das man buchstäblich als Krieg bezeichnen kann, bleibt der Ort, Berlin. Dass Zulawskis vermeintlicher Skandalfilm als solcher wahrgenommen wurde, liegt sicherlich auch daran, dass die Mauer nach Erscheinung noch acht Jahre bestehen sollte. Aber auch heute ist Possession noch ein ziemlich verstörendes Werk, das auch hinsichtlich seiner politischen Allegorien nicht an Aktualität verloren hat. Denn das Böse, das Zulawskis selbst erlebt hat, ist allgegenwärtig. (8/10)

Bildstörung hat die deutsche DVD-Premiere (Amazon-Partnerlink) als OmU im schicken Schuber und mit einem wundervollen Artwork veröffentlicht. Bild und Ton sind wie vom Label gewohnt auf hohem Niveau, die Extras wie immer große Klasse. Neben einem Audiokommentar findet sich eine fast einstündige Doku, die den Entstehungsprozess beleuchtet und die Beteiligten zu Wort kommen lässt (und auch auf die Skandalwirkung des Filmes eingeht). Krönender Abschluss ist das 48-seitige Booklet mit Texten von Jörg Buttgereit, Daniel Bird und Dr. Marcus Stiglegger, der zu Zulawskis Gesamtwerk schreibt. Schöner und dem Film gerecht werdender könnte eine Veröffentlichung kaum sein.


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