'Agent Hamilton 2 – In persönlicher Mission' Blu-ray Review


Wenn man Agent Hamilton – Im Interesse der Nation (Hamilton: I nationens intresse) gesehen hat, dann fragt man sich als deutscher Zuschauer einmal mehr, weshalb wir solche Filme hier nicht auf die Beine gestellt bekommen. Umgerechnet nicht einmal fünfeinhalb Millionen Euro hat die erste Verfilmung der bekannten Romanreihe von Jan Guillou gekostet. Dabei muss sie sich aber keinesfalls hinter Hollywood-Produktionen verstecken, die gut und gerne mal das zehn- bis zwanzigfache kosten. Und auch wenn das Sequel Agent Hamilton 2 – In persönlicher Mission (Hamilton: Men inte om det gäller din dotter) ein klein wenig abbaut, kann es sich immer noch mehr als sehen lassen. Das liegt zu einem ganz erheblichen Teil am hervorragenden Mikael Persbrandt, der in der Rolle des schwedischen Geheimdienstagenten Carl Hamilton einen hervorragende Figur macht und über eine unglaubliche Ausstrahlung verfügt. Es ist nicht verwunderlich, dass man ihn mit Daniel Craigs James Bond vergleicht – und das trotz seinen fast 50 Jahren, die er auf dem Buckel hat. Doch nicht nur die beiden Figuren Hamilton und Bond sind sich gleich, auch die Filme sind es ein Stück weit.

Agent Hamilton 2 knüpft mehr oder weniger nahtlos an seinen Vorgänger an und dreht den Plot dieses Mal in eine Rache-Richtung, denn Hamiltons Patentochter wurde von arabischen Terroristen entführt. Was wie ein Relikt aus dem 90er- oder aktuellen B-Actionkino klingt, funktioniert aber auch heute noch. Natürlich ist der Plot entschlackt und auf das Wesentliche reduziert, aber dank den sehr hohen production values (erst recht für eine europäische Produktion) und dem erneut tollen Cast macht auch das Sequel durchaus Spaß. Neben Persbrandt ist nämlich auch Seba Mubarak als Mouna Al Fathar mit von der Partie, Hamiltons heimliche Liebe und loyalste Helferin. Wie bereits im Vorgänger wird auch hier wieder großen Wert auf Realismus gelegt, zumindest was das Sprachliche angeht. Schwedisch gerät hier fast schon zur Nebensache, denn Englisch und Arabisch dominieren – zumindest wenn man sich die Originalversion ansieht, denn in der deutschen Synchronisation wird Englisch und Schwedisch zu Deutsch.

Diese Tatsache mag für viele vielleicht nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein, aber es sind zumindest für mich gerade solche Details, die einen Actionfilm mit 'War on Terror'-Plot deutlich authentischer und spannender machen. Außerdem beweist Mikael Persbrandt mit seinen Englischkenntnissen, dass er auch in Hollywood durchaus größere Rollen übernehmen könnte (fragt sich nur, ob er im europäischen Kino nicht besser aufgehoben ist). Es ist jedenfalls festzuhalten, dass Agent Hamilton 2 – In persönlicher Mission der deutlich bessere Taken 2 ist, zu dem er die eine oder andere Parallele aufweist (auch ist Persbrandt, der bessere Neeson). Das Drehbuch ist im Gegensatz zum ersten Film zwar etwas schwächer geraten, aber Regisseur Tobias Falk holt das beste raus. Ich bin jedenfalls sehr auf den dritten Teil Hamilton 3: I hennes majestäts tjänst gespannt, der sich gerade in der Pre-Production befindet und nächstes Jahr in die Kinos kommen soll. Bleibt nur zu hoffen, dass er es auch hierzulande in die Kinos schafft und nicht seine beiden Vorgänger DTV kommt. (7/10)

Die Blu-ray von Ascot Elite ist seit gestern erhältlich (Amazon-Partnerlink) und kann auch technisch überzeugen. Das Bild ist schön kontrastreich und scharf, der Ton schön druckvoll in den zahlreichen Actionszenen. Die Extras sind dafür leider ziemlich mager, mit dem Trailer und einer Trailershow quasi nicht existent. Hier hätte ich mir vor allem Interviews mit Mikael Persbrandt und Seba Mubarak gewünscht. Oder ein Making-of, von dem deutsche Filmemacher noch lernen könnten.


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Lens Flare in der Dunkelheit: 'Let Me In' Blu-ray Review


Es ist eine verschneite Winternacht. Draußen ist es stockdunkel, nur die leuchtenden Farben der Sirenen und Laternen erhellen das Bild. Die Krankenhaustür schließt sich langsam, aus dem Off nehmen wir die Stimme Ronald Reagans wahr, der gerade eine Ansprache hält, die im Fernsehen übertragen wird. Der Fernseher findet sich irgendwo in der Lobby, wir wissen nicht genau wo, sehen ihn aber alsbald schon, weil er in der Glastür des Eingangsbereichs reflektiert wird. Man bekommt gerade noch mit, dass er etwas von Gut und Böse erzählt, den beiden Lieblingswörtern eines jeden Republikaners. Wir schreiben das Jahr 1983, Los Alamos, New Mexico, USA. Hier verortet Matt Reeves die Geschichte seines Let the Right One In-Remakes, das den simplen Namen Let Me In trägt. Genau so wie mit dem Titel, verhält es sich auch mit dem Rest es amerikanischen Remakes: Es kann ob der Geschichte, gar kein schlechter Film sein – vorausgesetzt man mochte das Original –, aber an die Komplexität und die subtilen Untertöne des Schweden kommt Reeves’ Film einfach nicht heran. Vielmehr ist sein Film eine leichte Reduktion, wie dessen Titel eben. Das ändert auch die eingebaute Ansprache eines Reagan nicht.

Natürlich drängt sich ein gewisser Vergleich zwischen Original und Remake immer auf. Wer hat was jetzt besser gemacht und vor allem warum hat er es besser gemacht? Hier wird einmal mehr deutlich, dass die amerikanischen Remakes ausländischer Filme sich primär an das heimische Publikum wenden und die Vorlage so weit anpassen und verändern, dass auch das US-Publikum in den vollen 'Genuss' des Ganzen kommt. Oder anders gesagt: Man versucht die Vorlage für die heimischen Sehgewohnheiten goutierbar(er) zu machen, was einem gewissen Zynismus entspricht, denn schließlich hält man die Amerikaner dadurch nicht gerade für die hellsten Filmrezipienten. So ändert Reeves dann auch zentrale Elemente von Tomas Alfredsons Film, in dem er beispielsweise die berühmte Sequenz, in der Elis Schambereich zu sehen ist und der Zuschauer sich fragt, welchen Geschlechts sie nun ist, komplett weg. Immerhin schauen ja Amerikaner zu. Stattdessen sagt sein Eli-Pendant Abby (Chloë Moretz) explizit, dass sie kein Mädchen ist. Damit zerstört Reeves mal eben einen der Momente des Originalfilms (dito die Flammenszene im Krankenhaus, die hier auch nicht so recht, pardon, zünden möchte).

So atmosphärisch dicht Let Me In auch daherkommt, auch hier erreicht er nicht ganz die Klasse des Originals, was auch daran liegen mag, dass ein Film in einer fremden Sprache, die wir nicht verstehen und die uns lediglich den Inhalt des Gesagten via Untertitel näherbringt, eine gewisse zusätzliche Faszination ausmacht – erst recht, wenn (narrativ) ohnehin alles nur angedeutet, statt explizit ausformuliert wird. Bei der Besetzung beweist das Remake hingegen ein glückliches Händchen, denn so ruhig hat man die sonst eher nervige Chloë Moretz lange nicht gesehen. Die Nebenrollen sind mit Richard Jenkins, der hier – auch das wird ausformuliert – nicht der Vater der Kleinen ist und Elias Koteas als '80s-Cop sehr gut besetzt. Die größte Überraschung ist aber Kodi Smit-McPhee, der eine ziemlich beeindruckende Performance abliefert und bei dem man sich wünscht, dass er in zehn Jahren nicht mit irgendwelchen Drogengeschichten Schlagzeilen macht. Auch Michael Giacchino – Stammkomponist von J.J. Abrams und dessen Schüler Matt Reeves – kann mit seinem ruhig-melancholischen Score Pluspunkte sammeln.

Let Me In macht vieles richtig, auch, weil es nahezu unmöglich war, das Remake komplett gegen die Wand zu fahren. Über Sinn und Unsinn eines solchen Filmes ließe sich natürlich einmal mehr streiten. Fest steht aber, dass Reeves mit seiner Adaption für das amerikanische Publikum im Prinzip den richtigen Nerv trifft, auch wenn sein Film für Kenner und Liebhaber des Originals lediglich so etwas wie eine nette Dreingabe darstellt. Genuin ist an seinem Film nämlich so gut wie gar nichts. Dabei wäre durchaus Potential dafür dagewesen, die Coming-of-Age-Geschichte neu auszuformulieren. Dafür hätte es dann aber wohl auch eines anderen Regisseurs bedurft – Reeves ist eben doch einen Tacken zu gimmicky. (7/10)

Die Blu-ray aus dem Hause Universal ist seit dem 19. April im Handel erhältlich (Amazon-Partnerlink) und ist zumindest bildtechnisch eher eine Enttäuschung. Dafür, dass ein Großteil des Filmes bei Nacht spielt, sind die Farben nicht kräftig genug, allen voran das Schwarz. Auch etwas schärfer hätte man sich das Ganze gewünscht, auch wenn das verwaschene Bild wohl etwas dem Setting zuzuschreiben ist. Richtiges HD-Feeling kommt also selten aus. Beim Ton sieht es hingegen anders aus, denn dieser kann mit einigen satten Basseinlagen begeistern. Auch in den ruhigen Szenen ist die Abmischung sehr gut. An Extras finden sich zwei Making-ofs, unveröffentlichte Szenen und ein Audiokommentar von Regisseur Matt Reeves.


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H&M veröffentlicht Lisbeth Salander Kollektion

An dieser Stelle mal ein kleines Zugeständnis an all die Modebloggerinnen da draußen … Es ist nicht mehr allzu lang bis zum Kinostart von David Finchers The Girl With the Dragon Tattoo. Passend dazu hat die Modekette H&M angekündigt eine Lisbeth-Salander-Kollektion zu veröffentlichen, die in Zusammenarbeit mit Trish Summerville, der Costume-Designerin des Remakes, entstehen soll. "H&M have collaborated with Trish Summerville, the revered costume designer who worked on the English film version of The Girl With The Dragon Tattoo , to add an urban, edgy twist to 30 pieces, all with the unmistakeable essence of Lisbeth Salander." (FilmDrunk)

Rooney Mara, die Lisbeth Salander in Finchers Hollywood-Version des schwedischen Thrillers spielt, posiert aktuell auf dem Cover der November-Ausgabe der Vogue – in einem Ralph-Lauren-Dress. Wird sie bald also in ihren 'Filmklamotten' made by H&M auf den Covern zu sehen sein? Und wird sich das überhaupt (an irgendjemanden außer Emo-Hipster) verkaufen? Oder wie FilmDrunk dazu bemerkt: "Because nothing says chic like bleached eyebrows and a history of rape." Ab dem 28. November wird die Kollektion, die insgesamt 30 Teile umfasst, exklusiv bei Colette in Paris zu haben sein, bevor sie dann am 14. Dezember in 180 H&M-Stores weltweit erscheint. Im verlinkten Video gewährt H&M-Creative-Director Donald Schneider noch einige Einblicke in die Kollektion.


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Lahmer erster Trailer zum 'Let the Right One In' Remake


Einerseits habe ich ja damit aufgehört, mich über den Remakewahn aufzuregen. Auch dass der schwedische Let the Right One In (Låt den rätte komma in) aus dem Jahre 2008, der sich schnell zum Liebling aller mauserte, ein US-Remake erfährt, ist mir schon lange bewusst. Andererseits ist der erste Trailer zu Let Me In aber dermaßen lame, dass ich schon fast wieder dabei bin mich aufzuregen. Let Me In … pff, da hätte man auch gleich die Eier haben können den Originaltitel beizubehalten – wie man es beim Rest offensichtlich auch tut. Zwei Jahre ist es gerade mal her, zwei Jahre …

(Via I Heart Pluto)


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