Hooligans Around the World: 'Hooligan' Blu-ray Review


Man kann nicht alles und jeden über einen Kamm scheren. Das weiß eigentlich jedes kleine Kind schon. Gerne teilen wir die Menschen in bestimmte Gruppen und Gruppierungen ein, was der Sache aber nur selten wirklich gerecht wird. Ein anderes, vor allem in den letzten Jahren häufig gebrauchtes Wort ist das der 'Parallelgesellschaft'. Auch die sogenannten Hooligans dürften wohl eine solche sein. Dass sie aber keinesfalls eine homogene Gruppe sind, in der alle dasselbe tun und glauben, zeigt uns Donal MacIntyres Doku Hooligan. Wer hätte gedacht, dass es nicht nur kahlrasierte Rechtsextreme sind, die gerne im Rahmen von Fußballspielen randalieren und sich schlagen, sondern auch leitende Angestellte und Menschen mit Migrationshintergrund? Wer hätte gedacht, dass die englischen Hooligans mit die schlimmsten in Europa sind? Und wer hätte gedacht, dass Hooligan-Gruppierungen in Argentinien den Fußball deutlich stärker in der Hand haben als hierzulande in Europa?

Ja, so richtig aufklärend und informativ ist MacIntyres Doku leider nicht geworden. Dabei sollte gerade er es ja besser wissen, hat sich der Journalist doch vor einigen Jahren als V-Mann in die Hooligan-Szene eingeschleust. Statt selbst zu erzählen, lässt er aber jede Menge talking heads zu Wort kommen, die allerdings nur selten wie Experten wirken und reden. Stattdessen wirken die Interviews viel zu forciert und zu gelenkt, kein einziger von ihnen wirkt auch nur irgendwie sympathisch oder glaubhaft. Während Sean Bean mit breitem Dialekt aus dem Off erzählt, illustriert MacIntyre seine Doku mit den immer gleichen Archivaufnahmen von randalierenden Hooligans und Ultras, die ganze Stadien auseinander nehmen und Unschuldige verletzen. Im Hintergrund gibt es harten Rock, schließlich müssen die Bilder ja noch gefährlicher und schockierender wirken. Das ist natürlich die einfachst-mögliche Manipulation des Zuschauers und für eine Doku nicht wirklich lobenswert.

Obwohl es nicht MacIntyres erster Film ist, wirkt es aber nahezu über die gesamte Laufzeit von 82 Minuten – die im Übrigen viel zu lang ist – so. Leider. Zu keiner Zeit sticht sein Film aus der Masse lahmer und unspannender TV-Dokus heraus. Für eine 45-minütige Doku im Fernsehen hätte es ja vielleicht noch gereicht, aber für mehr auch nicht. Zu keinem Zeitpunkt kann man die latente Faszination, die bei den Machern mitschwingt, nachvollziehen. Vielleicht muss man dazu aber auch einfach leidenschaftlicher Fußballfan sein, was ich zugegebenermaßen absolut nicht bin. Doch gerade hier keine eine Doku punkten, wenn sie mich fesseln kann, ohne dass mich das Sujet im Vorfeld großartig interessierte. Das schafft Hooligan leider nicht und ist somit eine der schwächsten und uninteressantesten Dokus, die ich in den letzten Jahren zu Gesicht bekommen habe. (4/10)

Die Blu-ray aus dem Hause Ascot Elite ist seit dem 26. Februar im Handel erhältlich (Amazon-Partnerlink) und ist ziemlich schwer einzuschätzen. Da der Film zu einem Großteil aus Archivaufnahmen besteht, kann man zum Bild nicht wirklich ein objektives Urteil abgeben. Wenn es talking heads gibt, sind leider so starke Farbfilter am Werk, dass es für die Schärfe fast schon wieder kontraproduktiv ist. Der Ton ist okay, aber nicht wirklich besonders. Zum Glück hat Ascot Elite deutsche Untertitel mit auf die Scheibe gepackt, denn dank Dialekt ist das alles im Original nur sehr schwer zu verstehen. An Extras gibt es lediglich den Trailer und die obligatorische Trailershow.


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Soldaten der Finanzkrise: 'Soldiers of Fortune' Blu-ray Review


Und wieder mal die Finanzkrise. Sie ist in aller Munde. Und nun auch im Actionfilm angekommen. In Maxim Korostyshevskys Soldiers of Fortune machen die Top-Manager und CEOs dieser Welt nämlich einen ganz besonderen Ausflug – in die Realitäten dieser Welt, in der es nicht nur um Armut, sondern in diesem Fall ums nackte Überleben geht. Da ist der Waffenhändler (Ving Rhames), der ohne seine Gerätschaften nicht schlafen geht. Dann gibt es den Aluminium-Magnaten (Sean Bean), der stets eine hübsche Frau an seiner Seite hat. Das Computerspiel-Genie (Dominic Monaghan) lebt sowieso doppelt in seiner eignen Welt – wie auch der junge Investment-Banker (Charlie Bewley), der yuppiger kaum sein könnte. Und dann ist da schließlich noch der Vater der Gruppe (James Cromwell), ein Telekommunikations-Unternehmer, der bereits zum fünften Mal verheiratet ist und dessen aktuelle Frau ihm das Leben zur Hölle macht. Sie alle haben von irgendetwas genug, sonst würden sie nicht am 'Soldiers of Fortune'-Programm teilnehmen, das etwas ganz anderes von ihnen abverlangt …

Sie alle wollen einmal in ihrem Leben Soldat spielen und mit großen Wummen dem Bösen den Garaus machen. Dafür vorbereiten soll sie der etwas abgehalfterte Veteran Craig McCenzie (Christian Slater), der unehrenhaft entlassen wurde, da er einen Kameraden im Alleingang aus den Händen der Taliban gerettet hat. Den Rest kennt man: Er und sein Freund haben nun Geldprobleme und frönen dem Alkohol. Da kommt das Programm ganz gelegen, denn für alle Beteiligten scheint es eine Win-Win-Situation zu sein. McCenzie verdient Geld, die reichen Schnösel bekommen ihren Spaß und ganz nebenbei soll ein kleiner Inselstaat am Schwarzen Meer noch von einer diktatorischen Terrorherrschaft befreit werden. Natürlich kommt es nicht so, wie es soll, denn die Finanzkrise macht ihnen einmal mehr einen Strich durch die Rechnung. Da die Geschäfte schlecht laufen, werden eben die Kameraden in spe verraten und an den Höchstbietenden verkauft. Und wer jetzt immer noch denkt, dass man mit genügend Geld keine Probleme hat, der wird durch die schrecklichen Dinge, die vor Ort geschehen, eines Besseren belehrt.

Mord und Totschlag, das ist die bittere Wahrheit, von der die Superreichen natürlich nur am Rande etwas mitbekommen. Das ist eine simple Botschaft, die der Film hier transportiert, aber sie ist besonders in Verbindung mit der Finanzindustrie und deren Krise effektiv. Bürgerkriege toben überall, und während die Massen alles verlieren oder gar sterben, werden die Manager der Welt immer reicher. In Soldiers of Fortune machen sie aber selbst ihre Hände schmutzig und packen zwar nicht für den Weltfrieden mit an, aber sie setzen ein Zeichen. Ein Zeichen, das mit seinem Budget von gerade mal acht Millionen US-Dollar mehr als nur gut aussieht, was vor allem auch am tollen Schwarzmeer-Setting liegt. Korostyshevsky lässt buchstäblich ein Feuerwerk steigen, dass sich keinesfalls vor dem wohl mehr als doppelt so teuren The Expendables verstecken lassen muss – und auch beim Cast nicht. Klar gibt es hier keine großen Actionstars von gestern, dafür aber B-Lister, die in den letzten Jahren vor allem fürs Fernsehen gearbeitet haben. Slater, Bean, Cromwell – alles Typen, die man unglaublich gern sieht, die aber nie wirklich in der ersten Riege Hollywoods mitgespielt haben.

Aber genau das macht auch den Reiz dieses kleinen Actioners aus – er ist sich seiner beschränkten Fähigkeiten bewusst und macht wirklich das allerbeste daraus. Es gibt immer wieder nette Einfälle, die keine großartigen Explosionen brauchen, und wenn es dann doch mal kracht, dann auch ordentlich. Auf die Kacke darf er ohnehin hauen, denn bei diesem Budget kann man nur gewinnen und muss somit auch nicht auf Ratings achten – da spritzt der rote Lebenssaft dann auch mal in raueren Mengen. Wirklich alles an Soldiers of Fortune ist einfach nur sympathisch – sei es der wirklich perfekt harmonierende Cast, der Standard-Plot, der sich selbst nicht zu ernst nimmt oder die action set pieces mit durchaus hohen Schauwerten. Hier kommt jeder auf seine Kosten. Wenn man allerdings Star-fixiert und auf komplexe Plotstrukturen aus ist, dann kann man mit dieser kleinen Produktion natürlich nicht allzu viel anfangen. All jene, die der zweiten Mannschaft keinen Sieg gegen die Profis gönnen, sind ohnehin schlechte Menschen und sollten sich so etwas erst gar nicht ansehen. Für seinen allerersten Film hat Maxim Korostyshevsky jedenfalls einen astreinen kleinen Actionfilm abgeliefert. (8/10)

Die Blu-ray von Ascot Elite erscheint am 07. August (Amazon-Partnerlink) und kann auch technisch durchaus überzeugen. Das Strandfeeling kommt dank der scharfen HD-Bilder perfekt rüber und auch der Ton macht an den richtigen Stellen ordentlich Druck. Mit einem Behind the Scenes, Interviews und Trailern ist die Blu-ray zudem ordentlich mit Extras versehen.


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What the …!? Trailer zu Tarsem Singhs 'Mirror, Mirror'

Snow White and the Huntsman kommt Mitte nächsten Jahres in die Kinos und ist eine Variation des Grimmschen Märchenklassikers Schneewittchen. Ebenfalls eine Variation des Stoffes ist Tarsem Singhs neuer Film Mirror, Mirror. Der scheint aber bei weitem nicht so ernst zu werden wie die Verfilmung mit Kristen Stewart in der Hauptrolle. Im Gegenteil: Mirror, Mirror sieht nach massig camp aus und erinnert mich irgendwie an Epic Movie. Ich meine, Julia Roberts in der Rolle der bösen Königin!? Da stellen sich mir alle Nackenhaare auf. Ich kenne von Tarsem ja bisher nur The Fall, der mich doch ziemlich beeindruckte. Die visuelle Kraft ist auch hier wieder zu sehen, aber der Rest? Ich weiß ja nicht, ich weiß ja nicht. Also mein cup of tea ist das definitiv nicht.

Aber wie merkt The Playlist richtig an: "This kind of looks awful, but maybe this is a future fairy tale 'Showgirls' that will prompt drinking games and post-release appreciation by high falutin' cinephiles trying to justify a trainwreck with academic language." Deutscher Start ist am 05. April 2012.


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