Der etwas andere Clubabend: 'Sleepless Night' Blu-ray Review


Es ist schon immer wieder erstaunlich und enttäuschend zugleich, wenn man auf unsere Nachbarn gen Westen schaut, die Franzosen. Immer, wenn man einen französischen Film sieht, fragt man sich, warum dieser deutlich besser aussieht als 95 Prozent aller deutschen Produktionen. Am Geld liegt es sicher nicht, denn wie viel die Filmförderungen hierzulande locker machen, überrascht immer wieder aufs Neue. Man schaut voller Neid nach Frankreich, freut sich, nur um spätestens dann wieder enttäuscht zu sein, wenn man die Besucherzahlen in Deutschland sieht und einmal mehr die neueste Til-Schweiger-Produktion an der Spitze findet. Nahtlos in die Reihe der beeindruckenden französischen Produktionen (die natürlich auch viel Mist produzieren, gerade im Horrorgenre), kann sich nun auch Frédéric Jardins Sleepless Night (Nuit blanche) einreihen, der es hierzulande – und das lässt einen dann fast noch mehr verzweifeln – nur zu einer direkten Videoveröffentlichung gebracht hat. Dabei wurde er bereits in Toronto von Kritikern wie Peter Sciretta über den Klee gelobt. Buzz, der auch für mein großes Interesse am Film verantwortlich zeichnete. Und in der Tat, Sleepless Night bringt frischen Wind ins Genre, auch wenn er das Rad nicht neu erfindet.

Die Prämisse des Filmes ist schnell erklärt: Zwei Cops überfallen einen Drogentransport und lassen das Koks mitgehen. Das gefällt Drogenboss Marciano (Serge Riaboukine) natürlich so gar nicht, weshalb er kurzerhand den Sohn (Samy Seghir) von Cop Vincent (Tomer Sisley) entführt. Will Vincent seinen Sohn zurück, muss er nur das Koks in Marcianos Club bringen. Vincent macht sich auf den Weg, trotz der internen Ermittlungen, die gegen ihn und seinen Kollegen laufen. Es wartet ein etwas anderer Clubabend auf ihn … Jardins Film hätte man gut und gerne auch 24: The Movie nennen können, der es bis heute nicht über Ankündigungen hinaus geschafft hat. Sleepless Night holt nämlich alles aus seiner Prämisse heraus und schafft mit dem relativ engen Raum, auf den er sich konzentriert – 90 Prozent des Filmes spielen im Club – eine Atmosphäre, die man sonst nur aus der US-Serie kennt. Vincent schlüpft quasi in die Rolle von Jack Bauer und bedient sich alles und jedem, was ihm auch nur irgendwie nützlich erscheint (ferner finden sich auch hier massig soziopolitische Untertöne). Und die Zeit ist dabei weiß Gott nicht sein einziger Feind.

Während sich alle um ihn herum amüsieren, gerät Vincent sehr schnell ins Schwitzen und sein eigentlich recht ausgeklügelter Plan geht schon kurz nach Betreten des Clubs schief. Er hat gerade seinen Wagen geparkt und läuft Richtung Eingang, wo der Türsteher auf ihn wartet – er hat also noch keinen Fuß in den Club gesetzt und schon weiß man, dass hier gleich die Hölle los sein wird. Sowohl im figurativen, als auch im buchstäblichen Sinne. Genau hier setzt der Film an und offenbart seine Stärken. Dann zum Beispiel, wenn Vincent in diesem einzigen, großen clusterfuck auch noch eine Clubgängerin vor einem Vergewaltiger retten muss und diese ihm als Dank dafür nicht mehr von der Seite weicht. Im hide and seek-Szenario kommt ihm das aber gerade gelegen, kann er sich so doch unter das Partyvolk mischen und während dessen seine nächsten Schritte planen. Es wäre allerdings vermessen, noch mehr Details des Plots preiszugeben, denn gerade in seiner extremen Wendigkeit und seinem hohen Tempo liegt die Stärke des Filmes. Dabei driftet er nur selten in gängige Genreklischees ab.

Sleepless Night punktet ohnehin nicht damit, was er erzählt, sondern damit wie er es erzählt. Da wackelt dann auch mal die Kamera in schlimmster Shaky-Cam-Manier, nur um uns etwas später wunderschöne Kamerafahrten zu zeigen, die uns zu einem Clubgast werden lassen (eine Gruppe deutscher Mädels ist ohnehin im Club). Man fühlt sich nicht selten an Carpenters Assault on Precinct 13 und andere Filme erinnert, die ihren Plot in begrenzten Räumlichkeiten ansiedeln und damit enorm an der Spannungsschraube drehen. Mit einem Budget von gerade mal 2.5 Millionen Euro (zum Vergleich: Keinohrhasen hat zwei Millionen Euro mehr gekostet) ist Frédéric Jardin ein extrem spannender und frischer Actionthriller gelungen, an dem eigentlich nur Birol Ünel und das CGI-Blut stören. Bleibt nur zu hoffen, dass Sleepless Night nicht in den (Videotheken-)Regalen versauert, sondern das Publikum findet, das er verdient. (8.5/10)

Die Blu-ray aus dem Hause Sunfilm ist seit gestern im Handel erhältlich (Amazon-Partnerlink) und kann technisch durchaus beeindrucken. Das Bild liefert gute Schwarzwerte und auch die wenigen Szenen zur Tageszeit sind ziemlich ordentlich. Der französische DTS-HD-Ton (mit deutschen Untertiteln) steht dem Bild in nichts nach und liefert eine sehr ordentliche Performance. Wenn es knallen soll, knallt es, die Dialoge sind dabei stets hervorragend verständlich. Bei den Extras hat man leider extrem gespart, denn hier findet sich nur der Trailer. Gerade bei solch einem Film wären Hintergrundinfos zu den Dreharbeiten im Club und den hunderten von Statisten sicherlich sehr interessant gewesen.


Tags , , , , , , , , , , ,

Most Anticipated Movies of 2012


Neues Jahr, neues Glück. Wie im letzten Jahr möchte ich an dieser Stelle wieder meine most anticipated movies auflisten – dieses Mal 12 für 2012. Ich habe bei der Auswahl versucht, nicht nur auf die üblichen Blockbuster einzugehen (wobei mich The Hobbit bisher wirklich nicht interessiert), sondern vielmehr einen Blick über den Tellerrand zu wagen. Natürlich dürfte ich im Laufe des Jahres noch auf viele weitere interessante Filme stoßen, auf die ich mich wie ein kleines Kind freue und deren Trailer noch nicht erschienen sind (geschweige denn eine Synopsis), aber bis dahin möchte ich erst einmal folgende Filme nennen. Die Liste ist dabei nach Startdatum geordnet, auch wenn ein Großteil der Produktionen noch gar keinen deutschen Starttermin hat. Update Videostarts hinzugefügt.

01. The Girl With the Dragon Tattoo (12. Januar)

Der war zwar im letzten Jahr schon auf der Liste, aber ich bin noch immer pumped, was Fincher aus dem Stoff gemacht hat. Darf man den Stimmen aus den Staaten, bei denen das Remake schon im letzten Jahr angelaufen ist, glauben schenken, dann hat Fincher gute Arbeit geleistet und das Original sogar übertroffen. Craig sehe ich ohnehin sehr gerne, Mara ist optisch zwar ein schlechter Ersatz für Noomi Rapace (auch wenn sie näher an der Vorlage sein soll), aber die kann ebenfalls was. Auf den Score bin ich nicht weniger gespannt.

02. Haywire (08. März)

Fassbender, R-Rated-Action und eine arschtretende Gina Carano – was will man(n) mehr? Die ersten Trailer sahen super aus, so, dass eigentlich nichts schief gehen kann. Und hinter der Kamera befindet sich mit Steven Soderbergh ja auch nicht gerade ein Regieneuling. Tanning Chatum sei Dank, können die Männer auch ihre Freundinnen mit ins Kino nehmen.

03. Battleship (26. April)

Transformers ohne den ganzen Kiddie-Mist, der den Spaß an all der Militärshow stets etwas gemindert hat. Berg, der sich mit Product-Placement ja eh auskennt, dürfte auch die Militärprodukte im besten Licht erscheinen lassen. Die FX haben mich im Trailer zwar noch nicht ganz umgehauen, aber bei einem Budget von 200 Millionen US-Dollar erwarte ich schon, dass mich das alles umhaut.

04. The Expendables 2 (30. August)

Mal schauen, was Simon West mit dem Sequel macht, immerhin zeichnet Stallone noch für das Drehbuch verantwortlich. Dass man für den zweiten Teil Chuck Norris und JCVD gewinnen konnte, ist natürlich schon mal Bombe. Nur 'Stone Cold' Steve Austin werde ich wohl etwas vermissen.

05. Skyfall (01. November)

Der Bond, der einige Jahre zu spät kommt, was ihn hoffentlich nicht schlechter, sondern besser macht. Aston Martin, Vodka Martini und schöne Frauen – welchem Gentleman geht da nicht das Herz auf? Auf Sam Mendes' Regie bin ich sehr gespannt, dito auf die Tatsache, dass der Film nicht an die beiden vorherigen aknüpfen wird.

06. Hell and Back Again (unbekannt)

Noch eine Doku über Afghanistan, Soldaten und den Krieg, könnte man sich nun fragen? Aber kann es zu solch einem bedeutenden Ereignis überhaupt genug Filmdokumente geben? Zudem fokussiert sich Danfung Dennis' Film auf die Heimkehrer und deren Comeback ins normale Leben.

07. Warrior (ab 24. Februar auf DVD/BD)

Kollege @SebastianSelig hat ihn schon gesehen und war völlig aus dem Häuschen – der Rocky des 21. Jahrhunderts. Die 140 Minuten Laufzeit schrecken mich zwar ein ganz klein wenig ab, aber dafür scheint es viel Pathos und eben feine MMA-Kämpfe zu geben.

08. Act of Valor (unbekannt)

Okay, hier werde ich wohl nahezu der einzige sein, der sich auf diese Militärpropaganda freut. Aber die Tatsache, dass im Film aktive Navy SEALs agieren, macht das Ganze schon spannend (und wohl auch authentischer), das muss ihm schon lassen. Sicher, der Plot klingt nach Bierdeckel, aber darum geht es ja auch nicht in erster Linie. In erster Linie geht es nämlich um Kraftprotzerei, Pathos und Patriotismus. Schade, dass der nicht einige Jahre früher rausgekommen ist, denn er wäre eine interessante Addition für meine Examensarbeit gewesen.

09. Into the Abyss (unbekannt)

Werner Herzogs neue Doku, in der er mit Michael Perry, einem Todeszelleninsassen, und Angehörigen seiner Opfer über das staatliche Töten spricht. Dürfte wohl weniger erquicklich werden als Herzogs letzte Dokus, bei denen man aus dem Lachen teilweise nicht mehr herauskam.

10. Electric Boogaloo: The Wild, Untold Story of Cannon Films (unbekannt)

Mark Hartley ist leider noch immer recht unbekannt, dabei hat er in den letzten zwei Jahren tolle Dokus über den Exploitationfilm produziert, die immer in meinen Top 10 gelandet sind. Dieses Mal nimmt er sich nicht etwa dem australischen oder dem philippinischen Exploitationfilm, sondern den Cannon-Films an. Menahem Golan und Yoram Globus kommen dabei ebenso zu Wort wie Chuck Norris und JCVD.

11. The Raid (Serbuan maut) (unbekannt)

Wenn man jenen, die diesen Actioner schon in Toronto sehen durften, auch nur ansatzweise glauben darf, dann ist das hier nichts Geringeres als die größte Actionsause der Filmgeschichte!

12. Sleepless Night (Nuit blanche) (ab 08. März auf DVD/BD)

Und wieder so einer, dem viel Festivalhype zuteil wurde, dessen Trailer aber in der Tat toll aussieht. Zwar sagt mir bis auf Birol Ünel keiner der Schauspieler was, und auch der Regisseur ist mir nicht bekannt, aber spannendes französisches Actionthrillerkino? – count me in!


Tags , , , , , , , , , , , , , ,

Trailer zum französischen Thriller 'Sleepless Night'

Toronto, immer wieder Toronto. Noch bis zum 18. September zeigt das TIFF die derzeit zumindest von mir heiß ersehntesten Film für den Rest des Jahres (viele davon werden es wohl erst im nächsten Jahr zu uns schaffen). Die letzten Filme, deren Trailer ich hier vorgestellt habe und die ich nun mit dem Trailer zu Frédéric Jardins Thriller Sleeples Night (Nuit blanche) ergänzen will. Nachdem der Film für /Film-Chef Peter Sciretta "one of the best contained action thriller in years" ist, habe ich mir den knapp vier Minuten langen Trailer mal angeschaut (normalerweise bin ich ja äußerst skeptisch bei solch langen 'Trailern', aber der hier lohnt wirklich). Das sieht in der Tat ziemlich groß aus – erst recht, wenn ich Sciretta weiter lese, der den Film für eine Mischung aus Die Hard, 24 und Taken bezeichnet. Hach, TIFF – können wir dich gegen die Berlinale eintauschen? Birol Ünel ist übrigens auch mit von der Partie. Frankreich-Start ist am 16. November.


Tags , , , , , , , , , , ,