»I'm a pimp… and pimps don't commit suicide.«

Southland Tales
(Richard Kelly, USA/Deutschland/Frankreich 2006)
DVD

Ein Regisseur muss schon sehr von seinem Werk überzeugt sein, wenn er nach vernichtenden Kritiken in Cannes seinen Film so gut wie komplett umschneidet und um ganze 20 Minuten kürzt. Schaut man sich Kellys Southland Tales an, so verwundert es einerseits nicht, dass er in Cannes hauptsächlich negativ rezipiert wurde und andererseits verwundert es auch absolut nicht, dass Kelly wohl selbst nicht genau wusste, was das Ganze jetzt eigentlich soll. Es geht um das Ende der (westlichen) Welt, Krieg und Zerstörung prägen das tägliche amerikanische Leben, was Kelly anfangs auch noch recht gut zu veranschaulichen gelingt, auch wenn Justin Timberlakes (was soll das eigentlich, der Mann kann singen wie kein zweiter, ja, aber schauspielern?) Stimme aus dem Off bereits nach wenigen Minuten nervtötend wird. Die immer dichter werdende Vernetzung der Medien, die Überwachung durch den Staat, das alles gelingt Kelly in den ersten 30 Minuten ziemlich anschaulich darzustellen und zu kritisieren, und auch die diversen religiösen respektive biblischen Anleihen weiß er geschickt zu verarbeiten und für die Kritik zu nutzen – auch wenn nie richtig klar wird, gegen wen oder was Kelly sich nun eigentlich auflehnen will.

Wobei wir auch gleich bei der Krux der ganzen Sache wären, nämlich dem Gehalt von Southland Tales. Bis zu einem gewissen Punkt ist es nicht allzu schwer, der Handlung zu folgen, so wirr, abstrus und Genre übergreifend diese auch sein mag. Spätestens dann, wenn der Film die 1-Stunden-Marke erreicht, scheint Kelly den Hebel endgültig umzulegen und in selbstverliebtes, pseudo-intellektuelles Erzählkino umzuschwenken. Dabei lässt er seine Darsteller nicht nur Monologe von vermeintlich metaphorischer Größe von sich geben, sondern fügt auch noch eine Art Musicalszene ein, die mit Abstand eine der schlechtesten Musikeinlagen seit Jahren markiert – das tut richtig weh! Damit ist das Schicksal von Southland Tales dann quasi endgültig besiegelt, denn auch wenn alles langsam aber sicher auf den Höhepunkt hinausläuft, der unspektakulärer nicht sein könnte, so hat man sich bis dahin doch mehr aufgeregt, als man eigentlich vorhatte. Positiv, zumindest im Ansatz, bleiben da dann nur noch einige wenige Darsteller, allen voran The Rock, der doch mehr zu können scheint als nur Wrestling und Hau-Drauf-Filmchen. Gleiches gilt auch für Stiffler Sean Williams Scott, der zwar den miesesten aller Charaktere mimen darf – pardon, nach Timberlakes natürlich -, aber dennoch eine wirklich gute Leistung abgibt.

Auch wenn ich Kellys Donnie Darko für leicht überschätzt halte, so hat er im Vergleich zu Southland Tales damit doch ein wahres Meisterwerk abgeliefert, das bisweilen zwar ebenso hanebüchen ist – es sind einige Parallelen zwischen den beiden Filmen zu erkennen -, aber dennoch um einiges kohärenter und intelligenter. Wenn im Laufe des Filmkonsums eines lernt, dann, dass vermeintliche Spitzenkritiker auch mal daneben liegen können. Nur, wenn die Stimmen nahezu identisch sind, dann sollte einem das dennoch zu denken geben. Man kann es aber auch positiv sehen, denn welcher Regisseur hat schon eine ausnahmslos weiße Weste? Und wenn der Tiefpunkt Kellys schon jetzt vorliegt, dann kann es ja nur noch besser werden – denn hier ging nicht die Welt unter, sondern ein Regisseur. Und bevor jemand fragt: Die zwei Punkte gibt es für Christopher Lambert und Sarah Michelle Gellars Song. (2/10)


Tags , , , , , ,