Love Is a Battlefield: 'Crazy, Stupid, Love.'


Dass die Amerikaner noch immer viel von den Asiaten lernen können, zeigt die neueste Hollywood-RomCom Crazy, Stupid, Love. einmal mehr. Dem amerikanischen Vertreter scheint es noch immer an Timing, Humor und vor allem an Aufrichtigkeit zu mangeln. Sicher, es gab in den letzten Jahren durchaus auch amerikanische RomComs, die sich sehen lassen konnten – der Film von Glenn Ficarra und John Requa gehört ebenfalls dazu -, aber eine richtig pointierte Mischung aus Comedy und Romanze ist das noch immer nicht. Das mag im Falle von Crazy, Stupid, Love. vielleicht auch daran liegen, dass der Trailer einen etwas anderen Eindruck vom Film vermittelt: So suggeriert der Trailer, dass Ryan Goslings Figur zu einer Art Vater und Erzieher von Steve Carell wird. Leider täuscht dieser Eindruck aber gewaltig, denn der Part, in dem die beiden um die Häuser ziehen und die Damenwelt unsicher machen, kommt viel zu kurz und ist nur Mittel zum Zweck. Wie in jeder dieser RomComs muss nämlich auch Cal (Steve Carell) erst zum totalen Macho werden und in jedes erdenkliche Fettnäpfchen treten, um schließlich die guten alten Werte von Familie und Verantwortung neu kennen zu lernen.

Dass es in diesem Genre eine Katharsis geben muss, versteht sich von selbst. Nur könnte sie gerne auch mal anderen, als den gewohnten und altbekannten Muster folgen. Steve Carell ist natürlich ein gutes Jedermanns-Gesicht, der Durchschnittstyp im mittleren Alter, der mit dem richtigen Haarschnitt, den richtigen Klamotten und dem richtigen Sprech zum Casanova werden kann – zumindest zu dessen Assi. Seine gewohntes komödiantisches Spiel kann dabei aber nicht mehr groß beeindrucken, zu oft hat man den Guten in ein und derselben Rolle gesehen, so dass da irgendwie noch immer die 40-jährige Jungfrau vor uns auf der Leinwand agiert. Das macht aber nichts weiter, denn immerhin gibt es ja auch noch Ryan Gosling, der in der Rolle des Verführers und Womanizers eine sehr gute Figur macht und dem man – im Gegensatz zu Carell – das alles auch zweifelsfrei abnimmt. Obwohl die Rollen der beiden klar verteilt sind, lässt es sich Drehbuchautor Dan Fogelman (bisher hauptsächlich für seine Drehbücher im Animationssektor bekannt) nicht nehmen, auch Gosling einige Lacher buchstäblich auf den Leib zu schreiben. So lernt man dann unter anderem auch, dass die Amerikaner zu ihrem besten Stück mittlerweile auch schwanz sagen ("Looks like you're sucking on a tiny schwanz.").

Immerhin, Fäkalhumor gibt es keinen, dafür aber jede Menge andere peinliche Momente, die nicht etwa zum Schmunzeln verführen, sondern mindestens zu rollenden Augen. Da ist beispielsweise das Gespräch mit der Lehrerin (Marisa Tomei), das unglaubwürdiger und langweiliger kaum ausfallen hätte können. Oder der vorläufige Höhepunkt des Ganzen, der in seiner Peinlichkeit kaum zu überbieten ist und perfekt die eigentliche Spießigkeit solcher Filme vor Augen führt. Ganz zu schweigen natürlich vom 'Baconator' Kevin Bacon, der so verschenkt ist wie nichts anderes im Film. Doch genug der unrühmlichen Worte, denn Crazy, Stupid, Love. ist bei weitem nicht so schlimm, wie es jetzt vielleicht klingen mag. Das Tempo ist angenehm, der Film versucht sich nie wirklich selbst zu überbieten oder gar in Gag-Territorien abzudriften, die der Brachialkomik angehören. Das Darstellerensemble harmoniert zudem perfekt (Josh Groban ist auch dabei) und Emma Stone darf einmal mehr zeigen, warum sie zu den interessantesten und talentiertesten Nachwuchsschauspielerinnen Hollywoods gehört. Trotz seiner Laufzeit von knappen zwei Stunden schafft es der Film kurzweilig zu unterhalten und kommt pünktlich zum Spätsommer genau richtig.

Richtig ärgerlich ist eigentlich nur, dass der Film nicht ohne die obligatorisch scheinende Moralkeule und eine gewisse Gezwungenheit auskommt, die alles andere als hätten sein müssen. Crazy, Stupid, Love. verfällt damit leider in Teilen in gewohnte Muster, die statt zu belustigen eigentlich verärgern. Am Ende zählt nur die Liebe, die alle Hürden irgendwie meistert, und wenn es auch manchmal dauert. Sie kann Menschen verändern und zu dem werden, was sie in ihrem tiefsten Inneren eigentlich sind. Nur blöd, dass man das dem Film nie so wirklich abnehmen möchte, was er da eigentlich propagiert. Die Intention ist ja aber da, und deshalb nimmt man es dem Film dann letztlich doch nicht allzu übel. Denn dafür unterhält er dann auch einfach zu gut und hat viel zu sympathische Darsteller (und nein, Julianne Moore, Du gehst hier leider nicht als 40+ durch). (6.5/10)


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Carell, Galifianakis, Rudd: 'Dinner for Schmucks' Trailer


Für viele wird es allein schon ein Grund zum feiern sein, dass sich Paul Rudd, Zach Galifianakis und Steve Carell in einen gemeinsamen Film verirrt haben. Das Ganze nennt sich Dinner for Schmucks, Regie führt Comedyspezi Jay Roach. Der neue Trailer zum Film (480p/720p/1080p) haut mich zwar noch nicht um, aber Potential scheint da zu sein, doch – der Gag mit Morgan Freeman hat mich dann nämlich doch zum Lachen gebracht. Deutscher Start ist am 02. September.


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Full House

Dan in Real Life
(Peter Hedges, USA 2007)
Kino

‘Dan in Real Life’Die Komödien in der örtlichen Sneak Preview wollen einfach kein Ende nehmen – die Serie der schlechten bis mittelmäßigen Filme dort ebenfalls nicht. Gestern also Dan in Real Life, der auch mal wieder so ein schönes Beispiel eines doofen deutschen Titels ist. Doch kommen wir zum Film, der mich mehr gelangweilt als unterhalten hat. Steve Carell hat mich noch nie groß zum Lachen gebracht, wo dann auch schon der Hund begraben liegen dürfte. Der Film ist nämlich in erster Linie eine Plattform, die Carell die Möglichkeit bietet, nunja, Carell zu sein. An die Seite setzt man ihm Juliette Binoche, die natürlich deutlich im Hintergrund Carells agiert (was aber nicht weiter schlimm ist). Zusammen spielen sie das durch, was man in Hollywood eine RomCom nennt, mit dem kleinen aber feinen Unterschied, dass sie ca. 20 Jahre älter sind als jene Figuren, die in solchen Filmen meist die Protagonisten stellen. Nichts Neues also, zumindest irgendwie.

Neben der Romantik, die sich zwar schön im Hintergrund hält, am Ende dafür aber einmal mehr den Kitsch von der Leinwand tropfen lässt – Hollywood eben -, gibt es natürlich auch Humor. Nicht gerade meine Art von Humor, aber für den einen oder anderen Lacher reicht es dann doch, das will ich nicht groß kritisieren. Etwas das ich aber kritisieren will, ist die Vorhersehbarkeit des Ganzen. Es gibt gut ein halbes Dutzend Schlüsselszenen, die nur überdeutlich erkennen lassen, in welchen Bahnen das Ganze weiterfahren wird. Das ist natürlich nicht gut, für das Genre aber durchaus typisch (denn dass er am Ende das Mädchen die Frau bekommt, war von der ersten Begegnung an klar). Im Prinzip also eine 0815-RomCom Marke Hollywood, die ihre love interests einfach 20 Jahre älter als sonst macht. Mehr ist da nicht gewesen. (4-5/10)


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