X-Rated: Ausgabe 46 ab 05.09. am Kiosk!

X-Rated #46
Ein neues Quartal, eine neue Ausgabe der X-Rated. Dieses Mal steuere ich Reviews zu The Machine Girl (『片腕マシンガール) und Teeth bei, weshalb man sich das Magazin auch unbedingt ab 05. September am Kiosk besorgen sollte. Doch meine beiden Reviews sind nicht der einzige Grund sich die neue Ausgabe anzuschaffen, denn neben einem Special zum kommenden Fantasy Filmfest, gibt es auch noch ein Interview mit Wolf Wolff – sein Film Virus Undead wird auf dem FFF zu sehen sein – und einen Bericht zur Berschlagnahmung von Hostel: Part II. Alle weiteren Infos zum Inhalt der 46. Ausgabe finden sich hier.

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Vorsicht, bissig!

Teeth
(Mitchell Lichtenstein, USA 2007)
DVD

Wollen wir in den R-Rated-Film? Hmm, nein, zu viel Rumgemache. In den PG-13? Nein, da wird auch viel zu viel gefummelt. Ja, es ist schon eine harte Welt, in der wir leben. Eine Welt, die oversexed ist, wie nie zuvor. Höhlen, deren Moos die Form eines Penis hat, Werbeplakate, die eine Frau, nur in Unterwäsche gekleidet, als perfect deklarieren und Jugendliche, die im Eifer des Gefechts auch vor der Vergewaltigung nicht zurückschrecken. Doch dafür gibt es jetzt ja glücklicherweise ein Gegenmittel, nämlich die 'vagina dentata', wie sie der Lateiner nennt. Und da es schließlich der Mann ist, der seine Triebe nicht unter Kontrolle hat, ist es schließlich auch die Frau, die sich bewaffnet, um dem Ganzen entgegen zu treten. Eigentlich ist Teeth ein inoffizielles Remake von Day of the Woman. Eine Frau wird vergewaltigt (Höhle) und erniedrigt ("You have a bet on me?"), sowieso scheint jeder etwas gegen sie und ihre Ideale zu haben. Ideale spielen in Teeth eine große Rolle, und so entzieht sich Mitchell Lichtenstein, Sohn von Künstlerlegende Roy Lichtenstein, größtenteils einer Wertung, statt die christlichen Werte (immerhin führt er auch noch kurz den Kreatonismus an) als vermeintlich falsch zu denunzieren.

Vielmehr entlarvt er die amerikanische Doppelmoral, die sich hier sogar in Form von abgeklebten primären weiblichen Geschlechtsorganen zeigt (ob das in der Realität jedoch auch der Fall ist, bezweifle ich jedoch). Es scheint eine immer misogynere Welt zu werden, in der sich die Protagonisten wieder finden. Die Frau wird zum Objekt degradiert, genau wie in Day of the Woman und nimmt schließlich Rache – indem sie ebenjene Reize nutzt, die die Männer zu ihren Taten veranlasst. Es fällt ihr bisweilen schwer, doch eine andere Art der Rache scheint unmöglich, denn Dawn (Jess Weixler) – man beachte den Namen – ist sich dessen durchaus bewusst, dass ihre Zähne der einzige physische Vorteil ist, über den sie verfügt. Ihr 'Bruder' (John Hensley) ist dabei so etwas wie der Endgegner, den es zu bezwingen gilt. Um seine Physis unter Beweis zu stellen, darf er dann auch mal einen Schulkameraden Dawns mit einem Schlag niederstrecken und auch seinen Vater in Zaum halten. Dass seine Figur dabei jedoch in Klischees ertrinkt (vor allem scheint er genau den gleichen Charakter zu mimen wie in Nip/Tuck), schadet diesem interessanten Ansatz jedoch. Ansätze sind hier in der Tat reichlich vorhanden, auch wenn oftmals nicht viel aus ihnen gemacht wird.

So kann man es am Schluss dann auch fast nicht glauben, dass es schon vorbei ist, zumal Lichtenstein dermaßen viele Nebenschauplätze eröffnet, dass es weh tut, wenn diese letzten Endes auf der Strecke bleiben (was ist mit Dr. Godfrey, was mit Dawns Eltern?). Man sagt es ja eher selten, aber einige Minuten zusätzlich wären Teeth alles andere als schlecht bekommen. Vor allem auch, weil sich der Film nicht ausschließlich exploitativ an seine Thematik – immerhin ist die vagina dentata ja ein großer Mythos -, sondern setzt nur in einigen wenigen Momenten auf Spektakel, dann aber auch richtig … Teeth ist das totale Gegenteil von dem was man(n) wohl erwarten würde: Er ist leise, ausbalanciert und bei weitem kein normaler Horrorfilm. Doch er ist auch unausgegoren, bisweilen prätentiös und narrativ inkohärent. Ob das japanische Original Sexual Parasite: Killer Pussy (Kiseichuu: kiraa pusshii) – der Name sagt schon alles – in dieser Hinsicht eine bessere Figur macht darf jedoch bezweifelt werden. Teeth hat ein äußerst interessantes Sujet, nur an der Umsetzung hapert es leider etwas. (6/10)


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